Wie geht eine hochsensible Person mit Wertung um?

(Von Silvia Christine Strauch)

Hochsensibilität ist eine Gabe und keine Erkrankung. Auch wenn manch ein Hochsensibler von seiner Umwelt so manches mal als zickig eingestuft wird und sich selbst auch nicht so wirklich in der Normalität wiederfindet. Dadurch, dass der hochsensible Mensch eine Vielzahl an Reizen erfährt, fühlt er sich schnell überlastet.

Schwarz/weiß Denken

Eine gut/schlecht Wertung, man kann auch schwarz/weiß Denken dazu sagen ist heutzutage weit verbreitet. Vor allen Dingen weiß jede Person besser als die andere was gut und was schlecht ist. Das mag ja für die eigene Person noch angehen, aber sicherlich nicht wenn es auf andere Personen bezogen wird. Es wird beurteilt was das Zeug hält, egal um wen und was es geht und ich habe oftmals den Eindruck, auch egal welches Fachwissen dahintersteckt. Hauptsache man hat etwas zu sagen dazu, hat eine Meinung und vertritt diese vehement.

Wie wertet der Hochsensible?

Ein hochsensibler Mensch nimmt mehr Eindrücke auf und lässt sich davon auch leicht stark beeinflussen. So läuft er Gefahr die vielen ausgedrückten Wertungen in seiner Umwelt für bare Münze zu nehmen oder noch schlimmer, er versucht sich danach auszurichten. Da er allerdings so viele unterschiedliche Meinungen aufnimmt, fühlt er sich schnell verwirrt und ratlos und weiß sich nicht zu entscheiden. Das Einzige was ihm dadurch klar wird ist, dass seine sensible Art Dinge zu empfinden mindestens unbequem für ihn ist oder sogar zur Pein wird. So begibt er sich in einen gedanklichen und emotionalen Kreislauf, bei dem er auf andere Leute immer konfuser wirkt und ihm dadurch immer mehr Ratschläge und Wertungen entgegengebracht werden, was ihn immer weiter verunsichert. Letztendlich wird er seine Hochsensibilität verwünschen.

Wie nutze ich meine Hochsensibilität?

An allererster Stelle steht, dass ich mich auf mich selbst besinne. Dazu muss ich erst einmal zur Ruhe kommen, also muss ich mir eine Umgebung schaffen, die mich nicht allzu viel ablenkt. Ich muss dafür sorgen, dass ich genügend Ruhepausen habe und sie mir auch in ungeeigneten Momenten nehmen oder geeignete Momente schaffen. Am wirkungsvollsten ist es eine der vielen Entspannungstechniken zu erlernen und sie täglich auszuüben. Man lernt dadurch sich von äußeren Eindrücken abzuschirmen und die eigenen Gedanken zur Ruhe kommen zu lassen. Zweckdienlich ist es auch für geregelte Lebensumstände zu sorgen, ausreichend Schlaf, regelmäßige sportliche Aktivität und gesunde, bewusste Ernährung. Erst dann kann ich anfangen meine Gedanken und Emotionen bewusst wahrzunehmen, um meine Intuition wachsen zu lassen.

Muss Wertung sein?

Das eine ist gut, das andere ist schlecht, man kann sich über vieles streiten. Man kann sich sogar über die Farbwahrnehmung streiten, obwohl auch Farben subjektiv wahrgenommen werden. Oder noch krasser: Fragen Sie mal einen rot/grün Blinden danach ob ihr Pulli wirklich rot ist. Urteile sind oftmals Vorurteile, vorgefasste Meinungen, die häufig ohne großes Nachdenken geäußert werden.  Begründet auf irgendwelche früheren Erfahrungen oder Gehörtes, selten aufgrund sachlicher Recherchen und auf jeden Fall immer auf eine bestimmte Person bezogen. Eine Sache kann für einen bestimmten Menschen gut oder schlecht erscheinen, für einen anderen kann es das Gegenteil sein.

Diese beiden Menschen haben andere Erfahrungen gemacht, haben ein anderes Leben hinter sich, eine völlig verschiedene Ausgangssituation, fühlen und denken unterschiedlich, warum sollten sie gleicher Meinung sein? Der Blickwinkel ist unterschiedlich, ich denke keinem Menschen ist es möglich wirklich alle Aspekte mit einzubeziehen, die für einen anderen wichtig wären. Schwierig genug dies für sich selbst zu tun. Wenn ich wirklich bei mir selbst bin, kann ich selbst auch am besten entscheiden, was für mich das Richtige in diesem Moment ist und niemand anders. Ich kann und will auch keinem mit einer Wertung oder einem Ratschlag die Verantwortung abnehmen selbst zu überlegen und sich zu entscheiden. Ich überlege, falls es gewünscht ist, gerne mit und bin bereit aus meiner Sicht Impulse zu setzen, aber auch nicht mehr.

So leicht wird Jemand verurteilt, weil er dies oder jenes getan hat, ohne dass man die Hintergründe dazu kennt. Vernünftiger ist es bei sich zu bleiben und dafür zu sorgen, dass man mit klarem Denken und Fühlen zu dementsprechend klaren eigenen Entscheidungen kommt und anderen ihre Entscheidungen zu überlassen. Jeder hat die Konsequenzen aus seinen Entscheidungen und seinem Tun selbst zu tragen und ist frei sich jeden Tag neu zu entscheiden, er sollte nur nicht im Nachhinein fragen: was wäre wenn?

Silvia Christine Strauch, Buchautorin von „Meine Hochsensibilität positiv gelebt“

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