Was Schlaf mit Stressabwehr zu tun hat

Guter Schlaf ist für hochsensible Menschen ein kostbares, ja zerbrechliches oder flüchtiges Gut. Im Nullkommanichts kann es damit vorbei sein. Wie schnell das gehen kann, habe ich selbst vor kurzem erlebt: Im Urlaub waren es scheinbar ganz kleine Dinge, die dafür sorgten, dass ich entweder nicht richtig ein- oder durchschlief: ungewohnte und unpassende Bettwäsche, Lärm, ungewohnte Speisen und Getränke …

In kurzer Zeit geriet mein Körper völlig aus dem Takt

und diesen konnte ich auch längere Zeit nicht wiederfinden, selbst zu Hause nicht.  Grund genug, mich einmal genauer mit dem Thema Schlaf zu beschäftigen, umso mehr als wir rund ein Drittel unserer Lebenszeit schlafend verbringen, bzw. verbringen sollten. Mit den zu berücksichtigenden Informationen habe ich mich allerdings wirklich schwer getan. Was ist wichtig, was soll unbedingt mit aufgenommen werden? Ich habe mich schließlich dazu entschieden, mich in diesem Beitrag hauptsächlich mit dem Schlafrhythmus zu beschäftigen, werde das Thema demnächst noch aus anderen Blickwinkeln beleuchten, denn noch längst habe ich nicht alles über Schlaf gesagt, was es zu sagen gäbe …

Warum schlafen wir eigentlich?

Heute weiß man aus der Schlafforschung, dass Schlaf ein aktiver und lebenswichtiger Vorgang ist. Unser Körper braucht den Schlaf ebenso wie unser Gehirn. Im Schlaf erholen wir uns und sortieren die Informationen in unserem Gehirn. Der Schlaf ist wichtig für die Stressabwehr des Körpers. Während wir wach sind, geraten wir immer wieder in Belastungssituationen, die schnelles Handeln erfordern. Je nach der Stärke unserer Bewältigungskompetenzen geraten wir darüber mehr oder weniger in Stress. Denn der Stress liegt nicht in den äußeren Belastungsfaktoren, sondern in der Art, wie wir damit umgehen. Auch der Körper kann Stress empfinden, auch wenn wir diesen möglicherweise gar nicht wahrnehmen: er muss sich mit Angriffen von Viren, Bakterien und Mikroorganismen oder schädlichen Lebensmitteln oder anderen Toxinen auseinandersetzen.

Der Körper kann sich mit diesen Belastungen nur effektiv auseinandersetzen, wenn er seine dafür notwendigen Bewältigungsstrategien aus einem internen Speicher abrufen kann. Die sog. „Gedächtnisbildung des Organismus“ kann aber nur dann geschehen, wenn die Belastung der körpereigenen Systeme durch Stress minimal ist und dieser Zustand ist nur während des Schlafens gegeben. Und Sie ahnen schon an dieser Stelle, dass, wenn der minimale Stress während der Nacht nicht gegeben ist, weil man sich schlaflos von links nach rechts wälzt, die Gedanken einfach nicht zur Ruhe kommen oder wie ein Karussel im Kopf kreisen, der o.g. Vorgang nicht stattfinden kann und die Stressabwehr, ohnehin einer der wunden Punkte der Hochsensibilität, beeinträchtigt wird.

Die zirkadiane Periodik

Der Schlaf ist Teil der zirkadianen („rings um den Tag“) Periodik, damit bezeichnet man die Chronobiologie der inneren Rhythmen, die eine Periodenlänge von ca. 24 Stunden haben. Im Volksmund spricht man auch von innerer Uhr. Der zeitliche Ablauf vieler Körperfunktionen wird durch die zirkadiane Periodik geregelt.  Das Hormon Melatonin hat eine schlaffördernde Wirkung und sorgt z. B.  für die Ausschüttung von Wachstumshormonen. Auch das Hormon Renin, das für die Nierenfunktion wichtig ist, wird in den frühen Schlafstunden ausgeschüttet. Der Kortisolspiegel hingegen sinkt und steigt erst am Morgen wieder an.

Das Schlafbedürfnis verändert sich im Laufe des Lebens

Verbringen Babies im Mutterleib den überwiegendenden Teil der Zeit im REM-Schlaf, und Neugeborene ca. 16 Stunden mit Schlafen, verbringen wir ab 50 nur noch 5 % der Nacht im Tiefschlaf. Unser Schlaf wird weniger effektiv, wir schlafen schwerer ein und wachen leichter wieder auf und brauchen auch tagsüber ab und zu eine Mütze voll Schlaf … Studien haben übrigens gezeigt, dass  sich auch tagsüber ca. alle 4 Stunden unsere Schlafbereitschaft erhöht. Von daher gibt es nichts Besseres als ein kleines Nickerchen am Nachmittag. Und da denkt Spanien über die Abschaffung der Siesta nach … Für mich ist diese Information neu, daher denke ich darüber nach, ob ich vielleicht noch ein weiteres Nickerchen in meinen Tag einbauen kann?

Die verschiedenen Schlafphasen

Der französische Neurophysiologe Michel Magnin fand 2010 heraus, dass sich beim Einschlafen verschiedene Teile des Gehirns ganz unterschiedlich verhalten. Der Thalamus schließt die Verbindung zur Außenwelt, aber die Großhirnrinde und das Bewusstsein „sind noch wach“. Die Augen rollen und die Muskelspannung lässt nach.

Dem deutschen Arzt Hans Berger ist die Entdeckung des EEGs (Elektroenzephalogramm) zu verdanken,  also die Messung einer Gehirnaktivität. Damit war es möglich, die Hirnwellen während des Schlafes zu messen.

Dabei stellte sich heraus, dass die erste Schlafphase die sog. Tiefschlafphase ist. Dabei geraten die Hirnzellen in einen langsamen Gleichtakt. Man nimmt an, dass in dieser Phase im Gehirn aufgeräumt wird. Nach ca. 1-2 Stunden wird eine neue Phase eingeleitet: der REM-Schlaf, genannt nach den schnellen Augenbewegungen, die nun einsetzen (Rapid Eye Movement). Die Hirnströme werden nun unruhiger und schneller. In dieser Phase ist man bewegungsunfähig aufgrund der immer weiter abnehmenden Muskelspannung. Träume setzen ein. Diese Phase dauert rund 20 Minuten.

Sie wird abgelöst durch eine Phase leichteren Tiefschlafs. Die Hirnwellen nehmen jetzt eine spindelförmige Form an. Auch in dieser Phase sind Träume möglich. Nach rund 30 Minuten beginnen die Augen wieder zu rollen und die 2. REM-Phase beginnt, die diesmal länger dauert als die erste. So erleben die Schlafenden verschiedene Schlafphasen, die sich zwar immer wiederholen, dabei aber verschieben. Je näher der Morgen rückt, umso seltener und kürzer werden die Tiefschlafphasen, während die REM-Schlaf-Phasen länger werden. Im REM-Schlaf ist übrigens das limbische Gehirn aktiv und kann starke Gefühle auslösen, weil bestimmte Botenstoffe wie Serotonin und Noradrenalin nicht zur Verfügung stehen. Außerdem fließt das Blut in die Geschlechtsteile und sorgt dort für Erregung …

Wie viel und wie lange man schlafen sollte, ist individuell unterschiedlich. Man geht von 7-8 Stunden im Schnitt pro Tag aus. Es wäre aber natürlich eine spannende Frage, ob hochsensible Menschen evtl. ein erhöhtes Schlafbedürfnis haben aufgrund der intensiveren Reizverarbeitung? Sicher ist jedenfalls:

Schlafmangel macht krank

darüber sind sich die Wissenschaftler heute einig. Dabei geht es nicht nur um eine erhöhte Unfallgefahr im Straßenverkehr, sondern darum, dass  der Stoffwechsel unseres Körpers bei einem Schlafmangel entgleist: Der Kohlenhydratstoffwechsel verschlechterte sich, die Blutzuckerwerte erhöhen sich, die Produktion der Schilddrüsenhormone gerät durcheinander, und die Produktion des Stresshormons Kortisol erhöht sich am Abend auf Werte, die der Körper normalerweise erst in den frühen Morgenstunden ausschüttet. Am Morgen gibt das Kortisol uns den Anschub und Antrieb aufzustehen und uns zu bewegen. Wenn Sie wie ich zufälligerweise zu den Menschen gehören, deren Kortisolpegel am Morgen zu niedrig ist oder war, können Sie vielleicht ermessen, wie tragisch der Kortisolschub am Abend ist. Oder welche Auswirkungen es haben kann, wenn die Produktion der Schilddrüsenhormone durcheinandergerät …

Schlafmangel ist außerdem gefährlich

Nicht nur für den Schlafenden selbst, sondern ganz konkret auch für die Umwelt. Darüber hatte ich mir bislang noch keine Gedanken gemacht, fand aber im Zuge der Recherchen für diesen Artikel eine interessante Auflistung von Unglücksfällen im Netz, die durch übermüdetes Personal ausgelöst wurden, z. B. Reaktorunfälle, Flugzeugabstürze, gestrandete Schiffe. und 24 % aller tödlichen Unfälle auf Autobahnen sind auf den sog. Sekundenschlaf zurückzuführen, bei dem man am Steuer kurz einnickt.

Schichtarbeiter haben es besonders schwer, sie müssen permanent gegen die eigene natürliche Uhr leben, dies beeinträchtigt auf Dauer die Gesundheit. Untersuchungen belegen, dass Schichtarbeiter häufiger als andere an Erkrankungen des Herz-Kreislauf-Systems, des Magen-Darm-Traktes, der Leber und der Schilddrüse, innerer Unruhe, Nervosität, Kopfschmerzen und Erschöpfungszuständen leiden.

Schlapp und Antriebslos durch den Tag

Symptome für den gestörten Schlaf- und Wachrhythmus können z. B. sein, dass man nicht einschlafen kann, nachts immer wieder aufwacht, Schwitzattacken hat, zur Toilette muss, nicht wieder einschlafen kann, am morgen mit Verspannungen und Kopfschmerzen aufwacht, tagsüber müde, erschöpft, antriebslos oder auch reizbar ist. Der sog. Jetlag, der abrupte Wechsel in eine andere Zeitzone, bedeutet für den Körper eine häufig als nicht einfach  erlebte Anpassung eine anderen Schlaf- und Wachrhythmus. Auch die Anpassung an die

Ich freue mich, wenn Sie in den Kommentaren berichten, ob es etwas genützt und Ihnen die Anpassung erleichtert hat.

Monika Richrath, Autorin von „EFT-Klopftechnik für Hochsensible“

7 Kommentare

  1. Vielen Dank für diesen wirklich informativen Artikel. Ich werde ab jetzt mehr auf meinen Schlaf achten, dem ich bisher sehr viel weniger Bedeutung beigemessen habe, als tatsächlich angemessen wäre. Danke für diesen hilfreichen Impuls zur Selbstreflexion!

  2. Danke für den Artikel!
    Schade, dass er am Ende abbricht …
    Ich fange heute an, #Schlafhygiene-mäßig Grundreinigung bei mir durchzuführen.

  3. Schlaf (früher: „Schlaff“ = Loslassen, Entspannen, sich hingeben, usw.) braucht der Mensch, weil die Seele in dieser Zeit weniger oder keine feinstoffliche Seelen-Energie an den Körper abgeben muß, sondern sich „erholen“ / „regenerieren“, wieder mit kosmischer Energie „aufladen“ kann.

    Der wahrhaft Erwachsene weiß das und kann gut / richtig für sich sorgen.
    Noch nicht – wahrhaft – Erwachsene wissen es nicht oder nur unvollständig, sind evtl. sogar durch (kollektive) NEUROSE von ihrer Seele mehr oder weniger abgetrennt und können nicht gut / richtig für sich sorgen.

    Im Mangel an feinstofflicher kosmischer / Seelen-Energie liegt die wesentliche Ursache aller medizinisch sogenannten „Krankheiten“ und „Störungen“ sowie aller Störungen menschlicher Beziehungen / Beziehungsfähigkeit(en) – bis hin zu den „kollektiven PSYCHOSEN“ wie Krieg, Bürgerkrieg, Terrorismus, Massaker, Genozid, Vertreibung, usw.

    Grundlegende Heilung ist in jedem Fall und auf dem ganz natürlichen Weg möglich.

  4. Liebe Monika,

    vielen Dank für Deinen Artikel über Schlaf(-mangel) und Stress.

    Ich kann definitiv bestätigen, dass das zusammenhängt. Wir sind 2 Erwachsene und 2 Kinder, die alle vier hochsensibel sind. Bei jedem von uns kann ich in der Schulzeit genau sehen, wie der Schlafmangel sich auswirkt und genauso sehe ich, wie entspannt wir am Wochenende und in den Schulferien sind!

    Leider haben wir noch keine funktionierende Lösung gefunden, genügend Schlaf zu bekommen und dabei in Einklang mit unserer Hochsensibiliät zu sein! Wir können ja schlecht das Schulsystem kippen, obwohl mich das reizen würde…!

    Freue mich auf Deine weiteren angekündigten Beiträge zum Thema.

    Viele Grüße
    Cordual-Maya

  5. Ein interessanter Beitrag. Bei mir steht und fällt der kommende Tag mit genügend Schlaf. Wenn ich es nicht schaffe, mindestens sieben Stunden zu schlafen, bin ich am nächsten Tag völlig gerädert und kann mich nicht aufs Schreiben konzentrieren. Mein Mann ist da eher das Gegenteil. Er kommt mir deutlich weniger Schlag aus. Viele Grüße, Simone

  6. Kann ich alles bestätigen. Was macht man, wenn man im 15. Jahr Schlafstörungen von den Schlafstörungen zusätzlich krank ist und dies nirgends berücksichtigt wird?

    1. Hallo liebe Hanna,

      ich weiß nicht, ob du diesen Kommentar noch liest aber mach am besten ein Schlaftraining in einem Schlaflabor. Das hat mir gut geholfen. Ich hatte am Ende Herzrasen, bevor ich ins Bett ging weil mein Körper gelernt hatte, dass „Bett“ „Wachsein“ und nicht mehr „Schlaf“ bedeutet.
      Das kann man aber im Schlaftraining wieder umlernen…
      Viel Erfolg!
      LG Nicole

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