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Was kann ich tun, wenn ich Grenzen setzen möchte und mich vor negativen Reaktionen fürchte?

(Von Sabine Brunke-Reubold)

Gerade für dich als hochsensibler Mensch ist es wichtig, dass du gut für dich sorgst und deutlich Nein sagst, wenn du etwas nicht tun möchtest. Doch was ist, wenn die Befürchtung, dass die Menschen in deinem Umfeld darauf negativ reagieren, dich davon abhält?

So bekommst du es hin, trotzdem zu deinem Nein zu stehst und dich nicht verunsichern zu lassen:

Lass dir Zeit – Gerade, wenn du beginnst, Grenzen zu setzen, ist es wichtig, dass du nachsichtig mit dir umgehst. Es ist völlig normal, dass es zuerst schwer fällt und öfter mal nicht klappt. Lass dich davon nicht beirren und versuch es einfach weiter.

Fange mit kleinen Herausforderungen an – Übe das Nein sagen in Situationen, die für dich nicht so wichtig sind: an der Telefonhotline, im Restaurant, Fremden gegenüber. Immer wenn etwas nicht in deinem Sinne läuft, hast du die Möglichkeit, das zu sagen und darum zu bitten, dass es geändert wird. Der Vorteil: Wenn es nicht klappt oder du eine Absage kassierst, hat das keine große Auswirkung.

Setz dich in Ruhe mit der Situation auseinander – vermeide Schnellschüsse. Wenn du unvorbereitet und aufgewühlt größere Themen angehst, kann das dazu führen, dass du entweder schnell aufgibst oder aus Unsicherheit sehr harsch wirst.

Prüfe dich selbst – wie wichtig ist mir das Anliegen? Nur wenn du klar zu deiner Position stehst, kannst du sie auch überzeugend vertreten und deinem Gegenüber signalisieren, dass du es ernst meinst. Bist du unsicher, wäge noch einmal alles ab und schau, ob du Sicherheit gewinnen kannst. Wenn nicht, lass es lieber, denn dann ist das Risiko, zu klein beizugeben, ziemlich groß.

Mach dir vorher Gedanken – wieviel Kraft kann ich dafür aufwenden, zu meiner Position zu stehen, und ab wann kann ich mich damit arrangieren, dass ich zurückstecke? Was kann schlimmstenfalls passieren? Überlege dir, welche Argumente du brauchst, um deine Position deutlich zu machen, gerade am Anfang hilft es, deutlich zu untermauern, warum dir diese Grenze wichtig ist. Aber Vorsicht: Nicht in die Rechtfertigungsfalle laufen – wenn du dich immer mehr rechtfertigst, führt das nur dazu, dass du dich selbst verunsicherst.

Vertraue auf eure Beziehung – Menschen, denen du wichtig bist, werden Verständnis für dich entwickeln, weil ihnen dein Wohlergehen am Herzen liegt. Und wenn dein Gegenüber dauerhaft ablehnend auf dein Anliegen reagiert, lohnt es sich, genauer hinzuschauen, wie gut euer Verhältnis wirklich ist.

Auf jeden Fall gilt: Lass dich nicht von deiner Angst abhalten – mach dir klar: du hast das Recht für dich zu sorgen!

Sabine Brunke-Reubold, www.die-kommunikationslotsin.de, bloggt im Gedanken-Seiten-Blog

5 Kommentare

  1. Was ist mit dem Grenzen setzen und vorallem durchsetzen, wenn:

    – Die unwichtigen Dinge klappen und die wichtigen nicht (seit Jahren)
    – Die Menschen, denen ich am Herzen liege, mir nicht gut tun und ich bei ihnen kaum zu Wort komme und ich mit manchen von ihnen bis auf weiteres in der selben Wohngruppe wohnen muss
    – in meinem Leben immer wieder die Wahrheit angezweifelt, teilweise auch abgestritten, wird(auch seit vielen Jahren)
    – man seit 3 Jahren nicht wieder einen passenden Therapieplatz findet?

    1. Liebe Hanna,
      ganz grundsätzlich ist es wichtig, was du für eine Haltung zu dir selbst hast. Denn wenn du ein gutes Verhältnis zu dir selbst hast, strahlst du auch aus, dass man nicht alles mit dir machen darf. Das zu erreichen ist, je nachdem, mit was man sich sonst noch auseinandersetzt, eine schwierige Aufgabe und braucht Zeit und Nachsicht mit sich selbst. Ich finde dafür die Arbeit mit dem inneren Kind hilfreich.
      Bezüglich des Therapieplatzes: Wenn du viele Ablehnungen von Kassentherapeuten vorweisen kannst, ist es möglich dass die Kasse auch einen Heilpraktiker für Psychotherapie zahlt. Ansonsten hilft leider nur weitersuchen oder ggf. stationär. Möglicherweise gibt es bei dir in der Umgebung auch eine Therapie-Gruppe, das kann auch ziemlich hilfreich sein.
      Ich drück dir die Daumen, dass du bald das Richtige für dich findest.

    2. Ich kenne es… aber Gott sei Dank, muss ich nicht mitwohnen.

      Nach paar Stunden ist immer Unwohlgefühl begonnen und mit Streiterei beendet worden, mein Besuch dort…:-(

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