Sollte die Welt mehr auf Hochsensible hören?

Hochsensible Personen (HSP) verfügen über eine ausgeprägte Intuition. Dieser sechste Sinn stellt praktisch ein „Höheres Ich“ dar, was Hochsensible deutlich von Normalsensiblen unterscheidet. Dieser Bestandteil ihres Egos versetzt sie in die Lage, mit dem Reich der Ideen, Ahnungen und Einsichten in Verbindung zu treten. Daraus folgt eine Form „Höheren Wissens“, das HSP auf einzigartiger Weise spüren lässt, ob etwas stimmig ist oder nicht. Betreten sie einen Raum, begegnen unbekannten Menschen oder werden mit sonstigen Gegebenheiten konfrontiert, spüren Sie sehr genau, ob etwas harmonisch ist oder im Argen liegt. HSP tragen infolgedessen ein ausgeprägtes Harmonieverständnis in sich. Es ist ein Nebeneffekt ihres sechsten Sinnes.

Harmonie ist ein „höheres Ideal“

Es ist das stimmige Zusammentreffen von Umständen, Personen oder Sachen, ein Zustand, der intellektuell nicht richtig greifbar ist. Man muss „wissen“, was das ist. Auch dabei geht es augenscheinlich um eine von der Natur vorgegebene „höhere Ordnung“. Werden wir damit konfrontiert, erleben wir Harmonie. Die Richtigkeit des Schönen. Ein Ideal, das durch die Natur unverrückbar vorgegeben ist und von allen Modeerscheinungen unberührt bleibt. HSP haben diese großartige Fähigkeit dieses Ideal zu erkennen.

Leonardo da Vinci ist sicher der berühmteste Vertreter eines Hochsensiblen, der durch sein Harmonieverständnis unfassbar Schönes erschaffen konnte. Seine Hinterlassenschaften an die Menschheit unterliegen daher keinem Mainstream. Es ist eine Form von göttlicher Perfektion, die Menschen tief in sich als harmonisch empfinden. Das Gleiche gilt für die klassische Musik. Beethoven, Bach & Co. werden immer gehört werden, egal welche Zeiten angebrochen sind.

Obwohl die wenigsten HSP dazu berufen sind, große Künstler zu werden, tragen sie dennoch dieses geheimnisvolle Wissen in sich, ob etwas einer „höheren Ordnung“ entspricht. Wenn etwas auf einem Gemälde nicht zusammenpasst oder etwas bei einem Musikstück disharmonisch klingt, wird es HSP sofort auffallen. Es ist ein Urinstinkt, der HSP den ganzen Tag, Minute um Minute spüren lässt, ob um sie herum alles stimmt oder nicht. In deren Wohnung, während einer Kunstausstellung oder bei den vielen, kleinen Kunstwerken, die sie selbst erschaffen. Man könnte auch sagen, das Hochsensible die göttliche Blaupause einer perfekten Welt in sich tragen, die sie permanent daran erinnert, was richtig und falsch ist. Aber auch Geistiges können sie auf eine „höhere Ordnung“ abklopfen. Hören HSP von einer Idee, haben sie recht schnell ein sicheres Gespür, ob das in die Realität passt oder nicht. Das können Arbeitsabläufe, Unternehmensstrategien, Werbekonzepte oder ganz einfach nur Lebensplanungen eines Bekannten sein.

HSP sind sogar imstande, sich als Orakel zu betätigen.

Sie würden sich mit ihren Einschätzungen, falls sie lernen darauf zu vertrauen, nur selten täuschen. Aber auch Firmeninhaber täten gut daran, sich bei ihnen Feedback geben zu lassen. Würde die Welt mehr auf HSP hören, wären sicher so manche Irrwege (und vor allem Irrsinn) vermeidbar.

Einige HSP, die sich als Coach, Trainer oder Berater betätigen, können sich diese Fähigkeit manchmal nicht erklären. Sie fühlen sich dann oft in der Lage, Zukunft vorherzusehen. Dies ist jedoch ein Trugschluss. Zukunft ist nicht vorhersehbar. Vielmehr ist es ein „höherer Ordnungssinn“. Sie „wissen“ ganz einfach, ob eine Idee, ein Umstand oder ein Vorhaben das Zeug dazu hat, sich in die Welt der Realität erfolgreich einzufügen oder nicht. Sie kennen die „höheren Regeln“ der Harmonie, denen alles Leben unterworfen ist.

Leider leben viele HSP dieses beneidenswerte ganzheitliche Harmonieverständnis nicht immer vollständig aus. Dann wird die „höhere Ordnung“ oft nur indirekt angewendet. Dann muss auf dem Schreibtisch alles seinen richtigen Platz haben. Oder sie eignen sich einen übertriebenen Ordnungssinn an, den sie z.B. in ihrem Zuhause im Übermaß ausleben. Dann muss alles rein und stimmig sein, damit sie zumindest ein ganz kleines Stück ihrer Vorstellungen über eine heile Welt erfüllt bekommen.

Es gibt aber auch eine Kehrseite des Harmonieverständnisses von HSP. Das Ganze kann schnell zum Perfektionismus ausarten. Dann wird diese Gabe zur Last. Alles, was sich aus ihrer Sicht nicht als perfekt anfühlt, wird infolgedessen als schwerer Verstoß gegen ihr inneres Harmonieverständnis empfunden. Gleichzeitig sind sich viele HSP aber nicht darüber bewusst, dass andere über dieses „höhere Wissen“, d.h. über diesen sechsten Sinn nicht verfügen. Das private oder berufliche Umfeld weiß oft nicht, was das Ergebnis von „Perfektion“ überhaupt sein könnte. Dann kann der Hang zum Perfektionismus tatsächlich viele innere Konflikte auslösen. Wird eine HSP dazu genötigt, Fehler hinzunehmen, bei der Arbeit zu improvisieren oder ganz einfach Schlamperei zu akzeptieren, kann dies durchaus innere Zerrissenheit zur Folge haben.

Nichtsdestotrotz bleibt das Harmonieverständnis aufgrund der ausgeprägten Intuition die Hauptstärke von HSP. Es ist ein sechster Sinn – ein „höheres Wissen“ wie eine heile Welt aussehen könnte. Wollen wir eine solche Welt nicht alle? Dann sollten wir öfter hochsensible Menschen um Rat fragen…

Luca Rohleder, Buchautor von „Die Berufung für Hochsensible

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