Hochsensible Zurückhaltung wirklich ein Manko?

Hochsensible leiden meist insbesondere in ihrer Kindheit unter ausgeprägter Introversion, die es ihnen schwer macht und mit der sie sich schnell irgendwie „anders“ und nicht zugehörig fühlen. Im Laufe der Jahre gelingt es einigen von ihnen, die zurückhaltende Art als passiver Beobachter zumindest für die Außenwelt scheinbar abzulegen. Doch die verstärkte Aufmerksamkeit auf das eigene Innenleben bleibt erhalten.

Ausgeprägte und subtile Wahrnehmung

Die Ausrichtung auf das eigene Innenleben ist im Grunde eine logische Schlussfolgerung auf die intensive Wahrnehmung von Hochsensiblen. Hier geht es in erster Linie nicht um Überreizung, sondern um die vielen feinen Nuancen, die HSP wahrnehmen können. Befindlichkeiten und Emotionen anderer Menschen werden wie selbstverständlich detailliert erfasst, ohne dass sich Hochsensible dieser besonderen Eigenschaft oft überhaupt bewusst sind. Sie halten sie für vollkommen „normal“, haben sie diese Wahrnehmung doch bereits seit frühster Kindheit.

Tiefgreifende und lange Verarbeitung von Eindrücken

HSP verarbeiten Eindrücke tiefer und erleben auch zwischenmenschliche Beziehungen intensiver. Oft hallen die gesammelten Eindrücke noch Stunden oder Tage nach. Gerade wenn mehrere Menschen zusammenkommen, beobachten Hochsensible sie zu nächst gern, bevor sie sich äußern. Dabei handelt es sich bei der Zurückhaltung nicht unbedingt um Angst vor Zurückweisung, sondern um den oft perfektionistischen Anspruch Hochsensibler an sich selbst, zunächst die eigenen Gedanken zu ordnen, bevor etwas gesagt wird. Aus diesem Grund fällt es ihnen oft auch schwer, schlagfertig zu reagieren. Sie werden in Situationen, in denen sie unter Beobachtung stehen schnell nervös und können dann – wie durch eine unsichtbare Blockade – ihre Leistung nicht voll abrufen.

Introvertierter und unnahbarer Eindruck

Die Zurückhaltung oder eine gewisse Unsicherheit führt aber schnell zu Fehlinterpretationen bei Normalsensiblen. Hier erwecken HSP immer wieder den Eindruck unnahbar zu sein. Dieser Umstand macht es ihnen insbesondere im Berufsleben schnell noch komplizierter, ohne das Hochsensible sich dieser Wirkung oft bewusst sind.

Hochsensible Introversion – vom Manko zum Plus

Natürlich kommt es immer wieder zu ärgerlichen Situationen, in denen introvertierte Hochsensible von Extrovertierten übertönt werden. Aber wenn HSP ihre Introversion annehmen, kann sie durchaus von Vorteil sein. Auch Hochsensible haben Spielräume und können beispielsweise ihre Stärken wie gutes Zuhören oder die ausgeprägte Empathie nutzen, um nachhaltig zu punkten. Darüber hinaus macht es ihnen ihr vielschichtiges Innenleben sowie die Fähigkeit sich in jemanden anderes hineinzuversetzen möglich, Tendenzen und Entwicklungen bereits sehr früh zu erkennen. Hier wird HSP ein 6. Sinn (außersinnliche Wahrnehmung/Intuition) oder sogar ein  7. Sinn (Informationen/Vorschau auf die Zukunft) nachgesagt. Die Begabung zum Denken in größeren Zusammenhängen bietet die Gelegenheit Vorhaben langfristig zu planen und gezielt zum Erfolg zu führen.

Sandra Tissot, Autorin von „Hochsensibilität und die berufliche Selbstständigkeit“

4 Kommentare

  1. Hallo Sandra, hallo Luca,

    es stimmt. Ich habe öfters das Gefühl, von Extrovertierten untergebügelt zu werden. Auch fehlt mir total die Schlagfertigkeit wenn mich jemand forsch behandelt (auch wenn er es viell. gar nicht so meint und einfach von seinem Wesen so ist). Das drängt mich in eine Ecke, in der ich in diesem Moment nicht herauskomme. Erst nachdem ich mir in Ruhe Gedanken über solch eine Situation gemacht habe, kann ich nochmal auf die betreffende Person zugehen und meine Meinung vertreten. Das fällt mir nicht leicht, jedoch ist es absolut notwendig für mein Selbstwertgefühl und meine ICH-Stärke. LG Nicole

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.