Thöse

Hochsensible Vielfühler – Hochsensible Menschen fühlen sich manchmal wie eine Schnecke ohne Haus

Von Alexandra Thoese

Durch die Vielzahl von Eindrücken und Gefühlen, verlieren wir manchmal den Zugang zu unserem Körper, der unser Zuhause ist. Dann fehlt uns unser eigener Schutzraum – unser Haus, welches wir auf dem Weg verloren zu haben scheinen. Durch die Fähigkeit der gesteigerten Wahrnehmung, nehmen wir eine Vielzahl an Informationen und Gefühlen auf, die nur verlangsamt verarbeitet werden können. Unser Filtersystem ist schneller überlastet und dadurch sind wir eher reizüberflutet, als andere Menschen.

Phasen der Regeneration, sind für hochsensible Menschen essentiell wichtig, Hierzu gehören ausreichend Schlaf, Essen, Ruhe, Bewegung, Still-Points und Momente des Innehaltens. Kurz zusammengefasst: Eine achtsame Selbstfürsorge

Gefühle sind unsere Freunde

Hinzu kommt, dass hochsensible Menschen Vielfühler sind. Emotionen werden als sehr tiefgehend und umfangreich wahrgenommen. Das Umfeld kann häufig nicht verstehen, was in einem hochsensiblen Menschen vorgeht. Verstärkt wird dies durch den Umstand, dass wir uns manchmal in unserer Intensität selbst nicht verstehen und es schwer fällt auszudrücken was wir gerade empfinden. Gefühle hallen wie Worte sehr lange in uns nach. Wenn es dir manchmal so geht, dass sie dich überrollen, habe ich folgende Ideen für dich:

Gefühle fühlend annehmen

Meine Erfahrung verdeutlicht mir, dass der Weg bewusst durch die Gefühle hindurch zu gehen, zu der gewünschten Annahme führt. Der erste Schritt ist: Erkenne an was ist. Der zweite Schritt lautet: Erlaube dir alles zu fühlen. Konkret heißt das: Wenn ich beispielsweise Angst verspüre, nehme ich mir die Zeit ganz dort hinein zu spüren. Meine natürliche Atmung unterstützt mich dabei. Der dritte Schritt lautet: Wo kann ich es im Körper spüren?

So komme ich wieder in den Kontakt mit meinem Körper und fühle mich nicht mehr „Lost in space“. Nimm dir hierfür unbedingt Zeit. Wenn es nicht sofort umsetzbar ist, dann triff zu einem späteren Zeitpunkt eine Verabredung mit dir selbst: „Heute Abend nehme ich mir die Zeit ganz hineinzuspüren.“

Erforsche deine Gefühle

Mir hilft es die Angst mittels Forscherfragen zu konkretisieren: Hat sie eine Farbe? Hat sie eine Form? Ist es eine Gestalt? Ist sie groß oder klein? Ist es etwas, was ich schon kenne oder ist es eine Angst vor etwas Unbekannten? Was hat diese Angst ausgelöst? Was möchte sie mir zeigen? Was brauche ich jetzt gerade?

Mein Gefühl kann sich so beruhigen, da ich meinen Verstand beobachtend mit hinzunehme. Ich hole damit die Angst auf eine andere Ebene, in der sie da ist, doch in der sie mir nicht mehr den Atem raubt. Hier kann ich schauen, was mein Bedürfnis hinter der Angst ist.

Gefühle sind Indikatoren für unerfüllte Bedürfnisse

Sie haben wichtige Botschaften für uns. Wenn wir uns Zeit nehmen und ihnen Raum geben, können wir herausfinden, was uns in der Situation fehlt. Das kann so etwas sein, wie Verständnis, eine Umarmung oder jemand der mir zuhört (ohne Ratschläge zu erteilen). Es hilft nicht, wenn uns jemand sagt: „Deine Angst ist unbegründet.“ Deine Gefühle haben immer eine Botschaft an dich. Erlaube dir hinzuhören, dann wirst du mehr und mehr dein Haus von innen heraus stärken.

Gib deiner Angst einen Namen

Das könnte etwas sein wie: „Ah, die Prüfungsangst.“ Dann kannst du in einen inneren Dialog mit ihr treten: „Danke, dass du dich mir zeigst. Was kann ich für dich tun?“ Sie wird dir vielleicht antworten: „Danke, dass du mich siehst. Ich wollte dich nur nochmal darauf hinweisen, dass es echt wichtig ist, das du während der Prüfung einfach weiter atmest“

Ich denke du verstehst wie ich es meine. Wenn wir in Kontakt gehen mit dem Gefühl, dann wird es gesehen und ernst genommen. Das ist wichtig für eine Transformation. Gefühle zeigen sich, weil sie gesehen werden wollen.

Gib der Angst eine Gestalt

In einem Buch las ich über eine Frau, die sich stellvertretend für ihre Angst ein Stofftier kaufte und es dann mitnahm, wenn sie es gerade brauchte. Das hat mich so fasziniert, dass ich es sofort umgesetzt habe. Mich unterstützt es tatsächlich und es gelingt mir dadurch leichter mit der Angst in Kontakt zu kommen. Manchmal führe ich dann einen inneren Dialog mit ihr, der so aussehen könnte: „Danke liebe Angst, ich sehe dich. Gut dass du da bist, doch ich probiere es jetzt mal etwas Neues aus. Ich nehme dich gerne mit, denn du bist ein Teil von mir. Beherrschen tust du mich nicht, doch ich nehme dich ernst.“

So oder ähnlich könnte ein Dialog mit deinem Gefühl aussehen. Das kann auch für Kinder eine wunderbare, spielerische Möglichkeit sein, um einen Umgang mit Gefühlen zu finden.

Alexandra Thoese, Geschichten über Gefühle hier klicken

3 Kommentare

  1. Toller Beutragitrag!Die Veränderung beginnt immer in uns selbst. Es ist nicht immer einfach in dieser Gesellschaft-in dieser Welt. Doch wir haben die Verantwortung für unser Leben und wir haben auch Freiräume. Auch wenn sie ganz klein sind, wir dürfen lernen sie zu nutzen. Und es sich selbst erlauben. D.h auch nicht in einer Opferrolle zu verharren

  2. Und jetzt? Die Umgebung muss doch auch halbwegs stimmen, damit man das machen kann. Was macht man, wenn man in dieser festsitzen muss und für diese HSP nicht existieren?

    1. Ja sehe ich genauso. Ich MUSS auch in so einer Umgebung sein und still-points?haha schön wär’s
      Da ist nichts mit langem denken und Gefühlen fühlen-.-

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