Hochsensible Mamas

Entgegen diverser Meinungen, die es für nahezu unmöglich halten, dass hochsensible Frauen auch Mütter sind, gibt es da draußen tatsächlich eine Reihe hochsensibler Mamas. Es sind nicht die überreizten gestressten Mütter, die irgendwann auf den aktuellen Hype der Hochsensibilität aufmerksam geworden sind und seither damit ihre ständige Überforderung in der Kindererziehung begründen. Die Rede ist von hochsensiblen Frauen, die bereits seit Ihrer Kindheit feine Antennen besitzen und die Reize in Form von Emotionen aber auch Gerüchen und Geräuschen besonders intensiv wahrnehmen können. Hochsensible die sich trotz oder gerade wegen ihres ausgeprägten Einfühlungsvermögens bewusst für ein Kind entschieden haben – verbunden mit allen Konsequenzen. Oder lassen sich diese im Vorfeld gar nicht vollumfänglich abschätzen?

Hochsensible Mamas werden erst auf den zweiten Blick sichtbar

Sie lassen sich erst auf den zweiten Blick erkennen, denn Sie stehen ungern im Mittelpunkt und suchen nicht die Gesellschaft anderer Mütter. Im Gegenteil zu normalsensiblen Müttern, die gern stundelang über die unzähligen Fähigkeiten ihrer Zöglinge in lärmenden Kitas, überfüllten Indoor-Spielplätzen oder miefigen Umkleidekabinen (hier werden allein Gerüche und hochfrequentes Stimmenwirrwarr zur Mutprobe J) weiteifern, schätzen hochsensible Mamas ausgleichende Ruhe oder abwechslungsreiche Unterhaltungen. Leider finden sie diese nur selten unter den Müttern der gleichaltrigen Kinder. Themengebiete, die weit über den Tellerrand der Kindererziehung hinausgehen und trotz inniger Liebe zum Kind auch die eigenen Interessen nicht außer Acht lassen wie: Selbstverwirklichung, Kreativität, berufliche Selbstständigkeit, geistige Hygiene, Spiritualität, die Frage nach dem Lebenssinn …

Hochsensible Mamas und ihre hochsensiblen Kinder

Das intensive Band zwischen Mutter und Kind empfinden hochsensible Mamas in Potenz. Bereits während des Heranwachsens des Kindes im Mutterleib entsteht etwas Magisches. Dieses magische Band bleibt bestehen und führt zu tiefer, reiner Liebe. Oft genügt bereits ein Blick und Mutter und Kind verstehen sich blind – so gut, dass Außenstehende oft verblüfft sind über diese Form der nonverbalen Kommunikation.

Allerding hat dieser Zustand, wie so viele anderen auch, eine zweite Seite. Allein die ersten Wochen nach der Geburt und die Erkenntnis, dass da ab sofort ständig ein kleines Wesen (oftmals ebenfalls höchstsensibel) über den eigenen Tagesablauf bestimmt oder zumindest eine große Rolle darin einnimmt, wiegt schwer. Eine Konsequenz, die vorher einfach nicht vollumfänglich abschätzbar war. Mit zunehmenden Alter des Kindes gibt es für hochsensible Mamas die vielfältigsten Herausforderungen in Form von Veranstaltungen, Kindergeburtstagen, Sportevents u. v. m. – je nach Tageskondition können diese anregend sein, aber auch schnell die Reizschwelle überschreiten. Nicht nur die der Mama, sondern auch die des hochsensiblen Kindes. Das äußert sich dann all zu oft in Tränchen und Unverständnis darüber, wie die große Welt da draußen nur so ungerecht sein kann.

Hochsensible Familien „Weniger ist mehr.“

Für ein ausgeglichenes Miteinander sorgt vielleicht ab und an ein Sportnachmittag. Oft genügt es aber einfach, die gemeinsame freie Zeit miteinander zu genießen. Ganz ohne dass dahinter jeden Nachmittag ein anderes durchgeplantes Programm – Instrument lernen, Freizeitparks erkunden oder Sportrekorde brechen – steht. Denn ähnlich wie hochsensible Mamas die Ruhe und den Ausgleich immer wieder suchen, benötigen auch hochsensible Kinder diese Freiräume, in denen sie einfach einmal vor sich hinträumen oder im Spiel versunken sein dürfen. Wenn bereits hochsensible Kinder den sorgsamen Umgang mit der Hochsensibilität lernen, fällt es ihnen später deutlich leichter, die damit verbundenen Gaben wie Empathie, Kreativität, vernetztes Denken oder eine differenzierte Wahrnehmung in ihrem Erwachsenenleben bewusst einzusetzen. Vielleicht sogar so gut, dass sie sich ein Stück ihres neugierigen Kindseins bewahren können.

Sandra Tissot, Autorin von „Hochsensibilität und die berufliche Selbstständigkeit“

 

19 Kommentare

  1. Liebe Sandra,
    Du bringst es auf den Punkt!
    Ich bin mir dessen schon sehr lange bewusst, dass ich anders bin, zu sensibel für diese Welt.
    Seit etwa 10 Jahren hat DAS auch einen Namen 🙂
    Damals war ich so weit am Ende, dass ich eine Psychologin aufsuchte.
    Ich wollte für mich einiges sortieren da ich dachte ich drehe durch.
    Diese Frau war Gold wert für mein weiteres Leben.
    Seit diesen Gesprächen habe ich auch erkannt, dass mein Vater HS ist und mein Sohn (13) ebenfalls.
    Ich komme mittlerweile sehr gut mit meiner Persönlichkeit zurecht.
    Ich habe gelernt meine Ruheräume einzufordern und mittlerweile interessiert mich auch nicht mehr was andere über mich denken!
    Für einen Jungen ist es allerdings viel schwieriger damit umzugehen.
    Oft hört mein Sohn Sprüche wie: ‚Du musst stärker werden‘ , ‚Du bist doch kein richtiger Kerl‘ , ‚Jetzt heul nicht direkt‘ , ‚Was bist Du für ein Weichei?‘
    Er braucht oft Pausen vom Trubel. Er ist auch sehr feinfühlig und emotional, sehr Geräuschempfindlich.
    Dadurch, dass ich genau so bin kann ich Ihm die Situationen oft verständlich machen.
    Mittlerweile ist er selbstbewusst genug um sich von solchen Sprüchen nicht mehr aus der Ruhe bringen zu lassen.
    Liebe Grüsse an alle HS Personen

  2. Sehr schöner Artikel.
    Ich bin auch eine hochsensible Mutter von 2 Mädchen ( 6 und 14). Meine Töchter sind es auch. Gerade bei meiner Ältesten merke ich, dass sie die gleichen Konflikte durchlebt, wie ich es in ihrem Alter getan habe.
    Bemerkt habe ich diesen Wesenszug an mir schon sehr früh. Ich bin mit 10 schon viel lieber alleine (oder mit unserem Hund) stundenlang durch den Wald geschlendert und habe meiner Fantasie freien lauf gelassen. Jetzt versuche ich meinen Alltag so gut es geht zu entschleunigen und jede freie Minute ohne Stress zu genießen. Mit den Kindern und einem Mann der ständig auf Montage ist, fällt es mir aber extrem schwer und ich fühle mich ständig überfordert. Im Sommer war es zeitweise so schlimm das ich kurz hintereinander 2 Hörstürze hatte. Seitdem fällt es mir gefühlt noch schwerer mit vielen unterschiedlichen Geräuschen umzugehen. In öffentlichen Verkehrsmitteln oder auch wenn ich in der Innenstadt einkaufen muss ( und das tu ich nur wenn es nicht anderst geht) benutze ich Ohrenstöpsel das hilft mir sehr. Leider gibt es in meiner Familie auch Menschen die es garnicht verstehen können dass wir sehr gerne auch einfach nur Zeit alleine verbringen wollen. Diese stehen regelmäßig mehrmals die Woche unangemeldet vor der Tür und erwarten dass man alles stehen und liegen lässt und sich um sie kümmert. Das belastet mich extrem. Wenn man aber versucht mit denen darüber zu sprechen verstehen sie es nicht.

    Ich mag es so zu sein wie ich bin und das ich meine tollen, wunderbaren Kinder habe für die ich eine so tiefe Liebe empfinden darf, aber verfluche es dass es viele Menschen nicht verstehen bzw nachvollziehen können/wollen.

    1. Hallo, dein Text hat mich total angesprochen. Solche Familienmitglieder habe ich auch. Dazu kommt, dass mein Mann eine große Familie hat und es dann schnell mal 20 Leute im engsten Kreis sind. Das fällt mir mittlerweile extrem schwer- bei mit zu Hause geht es gar nicht. Anderswo, wenn ich eine fluchtmöglichkeit habe, geht es etwas besser… verstanden werde ich leider von Niemandem aus meiner schwiegerfamilie 😰 Liebe Grüße

  3. Gottseidank gibt es jetzt einen Nahmen HP;für mein unfähiges verhalten .Ich habe so oft es ging solche Plätze gemieden.Die Reizüberflutung war unerträglich ich dachte was ist nur los mit dir ,Ebenso kontrollierte ich das Spielzeug meiner 3 kinder so gut es ging .es wurde von der Familie meines Mannes oft nicht verstehen es gab bei uns kein Plastik Lärm.Was tut man da seinen kindern oft an die ein gans -feines Gehör besitzen-und sich nicht wehren können.

  4. Hallo und vielen Dank für den schönen Artikel. Ich habe ihn gelesen und er hat mir gut getan. Ich bin Mama von 2 Kindern, mein Sohn ist 5 Jahre und mein Tochter 9 Jahre. Ich vermute beide sind hochsensibel wie auch mein Mann und ich. Das ist mir erst vor ein paar Monaten klar geworden. Gerade lese ich das Buch von Luca und es bringt mir unglaublich viel.
    Als Mama habe ich gerade einen Durchhänger. Die Verantwortung ist mir grad manchmal zu viel und ich fühle mich oft überfordert und ausgelaugt. Das Gefühl keinem gerecht zu werden verfolgt mich. Meine Tochter ist grad in einer Phase wo wie viel ausprobiert und körperlich viel Schutz und Aufmerksamkeit braucht, das schlaucht mich. Mein Sohn und ich selber kommen dadurch ein wenig zu kurz.
    Auf der anderen Seite fällt es mir schwer die Verantwortung und meine Tochter abzugeben und loszulassen, da unsere Verbindung sehr stark und innig ist.
    Naja ich denke wir brauchen wohl noch ein wenig Zeit uns ans neue Familienleben zu viert zu gewöhnen. Noch dazu ist die Thematik mit der Hochsensibilität noch ganz neu für mich. Aber es ist schön und tut gut zu wissen, dass es euch alle da draussen gibt 💕.

  5. Super geschrieben.
    Bin dreifache Mutter ( 18, 15 und 15) und habe nichts mehr nicht verstanden, als das Gerede auf Spielplätzen, Eltenabenden und sonstigem. Ich habs nie verstanden. Es hat mich gelangweilt. Das Getratsche und Zerrede.
    Heute begleite ich Kinder und Jugendiche auf ihrem Weg. Mit und ohne AD(H)S. Erfahrungen sind wertvoller als angelesenens Wissen.
    Schön, immer mehr zu treffen – wenigstend online 🙂

  6. Liebe Sandra,

    vielen Dank für Deinen Artikel. Ich finde diesen sehr inspirierend und bestätigend zu meinen Erfahrungen als zweifach-Mama.

    Erst neulich habe ich mich gefragt, ob es bereits Literatur zu diesem Thema gibt. ;-))

    Wir planen jeden Monat ein Familienwochenende ein, an dem wir einfach alle zusammen sind und keine Verpflichtungen, Termine usw. haben. So stärken wir unsere Bande und können in einem entspannten Miteinander ALLE zur Ruhe kommen.

    Alle weiteren Aktivitäten (Beruf, Schule, Alltag, Haushalt) sind für uns oft eine Herausforderung, denn wir sind alle hochsensibel. Wir haben aber alle von einander gelernt, dass wir unsere Ruhezeiten brauchen und wenn einer diese dringend benötigt, kümmern sich die anderen um alles weitere (auch unsere Kinder). So fühlt sich jeder geborgen, geliebt und gestärkt.

    Herzliche Grüße
    Cordula-Maya Rosenberg

  7. Da schreibt mir jemand von der Seele.
    Ganz frisch geschlüpft bin ich so dankbar, dass ich endlich weiß was mit mir los ist… ich gehör endlich wo dazu und es scheint doch mehrere von meiner Sorte zu geben.
    Egal was ich darüber lese- es stimmt einfach…

  8. Ich bin eine dreifache Mama und hochsensibel.
    Ich habe erst vor kurzem verstanden dass ich tatsächlich hochsensibel bin und was das bedeutet.
    Meine älteste Tochter wird 15 Jahre und mein Muttersein ging von an Anfang an sehr tief.
    Ich bin aber seit geraumer Zeit sehr überfordert und kann jetzt erst richtig für mich und meine Hochsensibilität sorgen. Wir haben alle viel gelitten die letzten Jahre. Niemand konnte mir helfen. Am wenigsten ich selbst. Das schlimmste daran ist dass ich oft bereue Kinder gekriegt zu haben. Ich habe meistens das Gefühl dass ich dem nicht gewachsen bin.

  9. … sich selbst nicht ausser acht lassen, trotz der Liebe zu Ihren Kindern. Ein schöner Punkt, vielen Dank.
    Ich liebe meine beiden Rabauken über alles und sie sind das wichtigste in meinem Leben! Aber ich selbst bin auch noch da, ich will auch einen eigenen Weg gehen. Schade das so wenige das kennen.
    Danke!

    1. Ich denke, gerade hochsensible Mütter kennen diesen Zustand. Vielmehr ist es gesellschaftlich wenig anerkannt, dass Mütter sich selbst nicht außer acht lassen. Schön, dass es bei Dir anders ist.

    2. Ohja kann das so gut nachvollziehen! Aber gibt immer wieder Unverständnis von anderen Müttern die ja tagtäglich ein tolles Programm für ihre Kinder abliefern … ich fühle mich oft so schlecht als Mami… 😒

      1. Oh das kenne ich…Mir reicht der ganz normale Alltag ohne viel Ausseneinflüsse und Aktivitäten. Ich hadere oft damit.
        Kennst du auch das Gefühl der Überforderung?

        1. Ich kenne es sehr stark..
          Ich wurde als Kind oft immer untergebracht wo ich eigentlich nicht hin wollte…
          Meine Mutter Begriff es nie und spielte halt immer gerne alleine.
          Aber mit der Zeit wurde meine Mutter zu anhänglich und ich konnte es nicht mehr ertragen…
          Sie verstand es einfach nicht und ab da ging es mir wirklich miserabel in der Schule, Freizeit und anderen Dingen. Leider habe ich mich verloren und eine starke Abneigung gegen meine Mutter entwickelt.
          Dann habe ich in der Schule jemanden kennengelernt und ich zog aus.
          Leider hat mich meine Mutter immer wieder beeinflusst das es ihr Leid tut ohne an meine Gefühle zu denken…
          Es hat mich Jahrzehnte lang gemürbt, gestresst und ausgelaugt…
          Hier ist auch meine Frage.
          Kann ich wieder zu mir selbst finden? Oder ist das verloren gegangen

  10. Liebe Sandra, vielen Dank, ich empfinde deinen Artikel als sehr stimmig. Die Beziehung zu meiner hochsensiblen Tochter, 9 ist sehr schön und intensiv. Ich war mir der Schwierigkeiten, die unsere hochsensiblen Veranlagungen mit sich bringt zu Beginn nicht bewusst. Inzwischen habe ich viel gelernt, stehe geerdet im Leben. Es ist mir wichtig, dass ich meine Tochter Schritt für Schritt in die Selbständigkeit führe. Dabei soll sie weiterhin in ihren Fantasiegeschichten leben dürfen. Liebe Grüsse, Silvana

    1. Vielen Dank für Deine positive Rückmeldung zum Artikle. Schön zu lesen, wie Du Deine Tochter so begleitest, dass Sie Selbstständigkeit und kindliche Fantasie voll ausleben kann. liebe Grüße Sandra

  11. Vielen Dank für Dein Feedback liebe Ariane. Es ist nicht immer leicht, aber so wunderbar, dass wir hochsensiblen Mamas unsere Kinder keinen Tag mehr missen möchten.

  12. Wunderschön! Ich bin eine sehr glückliche hochsensible Mama mit zwei hochsensiblen Töchtern (8 und 9). Der Anfang war manchmal nicht leicht. Aber jetzt ist es wunderschön 😍!

    1. Vielen Dank für Dein Feedback liebe Ariane. Es ist nicht immer leicht, aber so wunderbar, dass wir hochsensiblen Mamas unsere Kinder keinen Tag mehr missen möchten.

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