Hochsensibilität: SOS-Tipps für den Notfall

Hochsensible kennen die klassischen Notfallsituationen, in denen plötzlich einfach alles zu viel wird. Zu laut, zu voll, zu stressig, zu intensiv, zu konfliktreich … ein „Notfall“ kann in ganz unterschiedlichen Alltagssituationen auftreten im Büro, auf Veranstaltungen, in überfüllten Räumen, in privaten Konfliktgesprächen … Häufig äußert sich dieser „Notfall“ mit klassischen Fluchtgedanken und dem wachsenden Bedürfnis nach dem Alleinsein bzw. nach Ruhe. Empfindsame Menschen, die noch nichts bzw. noch wenig über ihre hochsensiblen Eigenschaften wissen, sind schnell vollkommen überfordert. Doch was hilft, wenn der Notfall eintritt? Der folgende Notfallplan für Hochsensible hilft Dir dabei, schneller wieder zu entspannen und zu Dir selbst zu finden.

1. Grundregel: es geht nicht um Leben und Tod!
In stressigen Situationen werden bei Hochsensiblen bereits frühzeitig Urinstinkte geweckt. In Momenten, über die Normalsensible lachen können, bricht für Hochsensible oft schon eine Welt zusammen. Der Körper geht auf Abwehrhaltung und schaltet auf „Überlebensmodus“. Auch wenn es in der Notfallsituation schwer fällt, führe Dir bewusst vor Augen, dass es gerade nicht um Leben und Tod geht.

2. Beruhigende Herzatmung
Dazu reicht es aus, wenn Du in einem „Notfall“ Deine Hand auf Dein Herz legst und gleichmäßig durch den Herzbereich atmest. Stell Dir einfach vor, Dein Atem fließt direkt durch Dein Herz. Deine Atmung sollte dabei tief und weich sein. Visualisiere vor Deinem geistigen Auge einen entspannenden Moment, in dem Du Dich wohlfühlen kannst (Blick aufs Meer, starke Bäume eines Waldes …) Die Herzatmung sorgt nicht nur für Beruhigung, sondern intensiviert den Kontakt zu Deiner eigenen Intuition.

3. Achtsamkeitsübungen für den Alltag
Du empfindest gerade Stress und Überforderung, hast Sorgen und Zukunftsängste? Die meisten Ängste werden in der Regel durch zu viele negative Gedanken ausgelöst. Hole Dich selbst in den gegenwärtigen Moment zurück, wenn nötig hartnäckig immer wieder. Fragestellungen wie: „Habe ich gerade jetzt im Augenblick ein Problem?“, „Was steht konkret an?“ können helfen Deinen Körper und Deine Sinne wieder zu zentrieren. Achtsamkeitsübungen für den Alltag https://www.youtube.com/watch?v=Jw5Xn5aPKQY sind einfach anzuwenden und wirkungsvoll.

4. Mentales Schutzschild einsetzen
Hochsensiblen fällt es besonders schwer, mit verbalen Angriffen, Kränkungen oder anmaßendem Verhalten umzugehen. Ein mentales Schutzschild hilft Dir dabei, im Notfall die Ruhe und Distanz zu wahren. Stell Dir dazu vor, dass Du ein Schutzschild mit Dir führst, oder einen schützenden Mantel oder ein wärmendes Licht (Deiner Fantasie sind keine Grenzen gesetzt), dass Dich vor Verletzungen bewahrt. Jedes Mal, wenn Du Dich angegriffen fühlst, sorgt das mentale Schutzschild dafür, dass Du Negatives nicht zu nah an Dich ranlässt. Das mentale Schutzschild bedarf etwas Übung, aber kann in beliebigen Notfallsituationen zum Einsatz kommen.

5. Endlosschleifen erkennen und loslassen
Befindest Du Dich mal wieder in einer Endlosschleife an Gedanken, die sich einfach nicht verdrängen lassen. Umso mehr Du versuchst sie zu stoppen, umso hartnäckiger dreht sich das Gedankenkarussell? Im Yoga und in der Meditation gibt es Übungen zu „Gedankenpausen“. Beobachte Dich dazu selbst und stell Dir vor, Du bist ein unbeteiligter Dritter. Welcher Gedanke  wird wohl der nächste sein, der durch Deinen Kopf geht? Beobachte Dich und bleib erwartungsvoll. Den nächsten Gedanken, den Du hast, beobachtest Du nur und lässt ihn wieder ziehen. Wenn Du das eine Zeitlang übst, wirst Du bemerken, dass sich wohltuende Gedankenpausen einstellen und dich Deine Gedanken wieder in andere Richtungen bewegen.

6. Selbsthumor entwickeln
Wenn Du bemerkst, dass Du Dich in einer „Notfallsituation“ befindest, hilft es, wenn Du Dir selbst mit einem Schmunzeln begegnest. Gedanken wie: „Mein(e) Liebe(r), ja Du bist gerade dabei innerlich durchzudrehen, aber mal ehrlich, wenn du jetzt panisch auf- und niederspringst, Dich unter dem Tisch versteckst oder aus dem Raum rennst, trägt das nicht gerade zu deiner Beruhigung bei. Ganz zu schweigen davon, dass es im Umfeld Verwirrung stiften könnte.“ Mit etwas Übung gelingt es Dir, Notfälle nicht nur rechtzeitig zu erkennen, sondern alles nicht zu ernst zu nehmen und auch einmal über Dich selbst zu lachen.

Sandra Tissot, Autorin von „Hochsensibilität und die berufliche Selbstständigkeit“

5 Kommentare

  1. Manchmal ist es zum Verzweifeln, gerade in den Endlosschleifen ! Deine Tipps sind prima. Das sollte uns allen ins Blut übergehen, da man in bestimmten Situationen nicht mehr klar denken kann. Ich werde mir Deine Tipps an den Badezimmerspiegel hängen und so immer wieder in Selbstregulierung gehen können.Danke dafür!

  2. Hallo liebe Sandra,

    vielen Dank für deinen Artikel 🙂

    Das mentale Schutzschild werde ich gleich mal ausprobieren. Vielen Dank auch für die anderen Tipps – kurz und knackig. Super! Noch Zusatztipp: Mir hilft Golf spielen. Und sich nur auf den Ball konzentrieren. Kann man ja auf andere Sportarten sicher übertragen..

    LG Nicole

    1. Hallo Nicole,

      Golf spielen finde ich auch super!!! Es ist nur der Ball wichtig und sonst nichts. Und man ist noch in einer sehr schönen Umgebung. Perfekt um Runterzukommen.

      Ich werde demnächst auch mal Bogenschießen probieren. Das könnte ähnlich gut sein 😉

      Danke auch für diesen Artikel!!!

      LG

  3. Danke für die sympathische Rückmeldung liebe Ursula. Viel Freude damit. Das Schmunzeln über sich selbst muss einfach manchmal sein 🙂 Liebe Grüße Sandra Tissot

  4. sehr guter Artikel. Ich kenne das alles auch. Bin mit Qigong angefangen. Das hilft sehr gut, abzuschalten. Die Tipps aus Eurem Artikel werde ich ausprobieren. Das mit dem Schmunzeln über sich selbst gefällt mir…

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