Hochsensibilität im Beruf

Unser Berufsalltag ist vom Leistungsgedanke geprägt. Bei der Arbeit im Team und im Umgang mit Vorgesetzten kommen Loyalität und Empathie oft zu kurz. Hochsensibilität ist vielerorts noch ein Fremdwort. Insbesondere HSP leiden oft lange Zeit still unter dem rauen Wind, der in der Arbeitswelt vorherrscht. Das vielgelobte „dicke Fell“ besitzen sie nicht. Sie bleiben nicht selten mit einem Burnout oder der wiederkehrenden Frage nach der Sinnhaftigkeit ihrer Arbeit allein zurück.

Gefahren für Hochsensible im Berufsalltag

Gerade Hochsensiblekönnen unter der täglichen Tretmühle der Berufstätigkeit besonders leiden. Ein vordefiniertes Arbeitsumfeld mit starren Strukturen und festgelegten Arbeitszeiten, beständiger Leistungsdruck inklusive regelmäßiger Reizüberflutung, mangelnde Kommunikation und Empathieführen zu einer inneren Zerrissenheit. Die hochsensiblen Antennen, die die feinen zwischenmenschlichen Nuancen im Berufsleben wahrnehmen, stehen auf gefährlichem Dauerempfang und sind irgendwann nicht mehr in der Lage „echte Gefahr“ von kleinen Unstimmigkeiten zu unterscheiden. HSP erhalten nicht den notwendigen Ausgleich. Und so vergehen die Jahre in einem gleichbleibenden alltäglichen Rhythmus … Die Gedanken drehen sich im Kreis.

  • Irgendwie wird das mit dem Job schon gehen ….
  • Andere schaffen das doch auch ….
  • Wenn ich nur noch ein kleines bisschen aushalte …
  • Ich brauche die Sicherheit des geregelten Jobs …
  • Ich bin auf das Geld angewiesen …
  • Reiß dich mal zusammen …

Ziele und Träume werden auf eine unbestimmte Zukunft verschoben, in der dann sicher alles besser ist und leichter von der Hand geht … Wenn die erste finanzielle Absicherung erfolgt ist … wenn die Kinder älter sind … wenn die Kinder aus dem Haus sind …

Was Hochsensible im Job brauchen

Richtig erkannt und eingesetzt, sind Hochsensible in vielen Bereichen äußerst talentiert und überzeugen durch Fleiß, Zielgenauigkeit, Gespür und Loyalität. Oft werden Sie von Ihren Kollegen für ihre Weitsicht und den angenehmen persönlichen Umgang sehr geschätzt. Dazu benötigen sie jedoch eine Reihe von Rahmenbedingungen, die die hochsensiblen Potentiale zur vollen Entfaltung bringen. Darunter beispielsweise:

  • Eigenverantwortliche Arbeit
  • Flexibel gestaltbare Arbeitszeiten
  • individuelle Büroatmosphäre
  • eigener Raum
  • Möglichkeiten zur Entfaltung der eigenen Kreativität
  • Anerkennung und Lob
  • eigener Planungshorizont
  • verständnisvoller Umgang zwischen Auftraggebern, Kollegen und Vorgesetzten
  • gerechtes, harmonisches Miteinander
  • persönliche Rückzugsmöglichkeiten

Aufgaben, die Hochsensible mit echter Lebensfreude erfüllen

Zugegeben die Liste für ein erfülltes Berufsleben für Hochsensible im Angestelltenverhältnis ist doch recht lang. Es gibt mittlerweile eine Reihe von Arbeitgebern, die die Vorzüge von Hochsensiblen erkannt haben und diese auch für den Erfolg ihres Unternehmens einzusetzen wissen.

Allerdings bleibt vielen Hochsensiblen dieses Idealbild vom Job im Angestelltenverhältnis leider verwehrt. Dann kann es sinnvoll sein, zu hinterfragen, ob das Angestelltendasein wirklich die erhoffte Sicherheit, Eigenverantwortung, Unabhängigkeit und letztendlich die Möglichkeit zur Selbstverwirklichung bietet oder das hochsensible Naturell auf Dauer krank macht.

Viele Hochsensible kommen im Laufe ihres Lebens an einen Punkt, an dem der Wunsch nach Unabhängigkeit, Flexibilität und vor allem sinnvollem Tun so groß wird, dass sie sich mit dem Gedanken tragen, sich selbstständig zu machen.

Allzu oft hindern sie letztendlich jedoch Selbstzweifel an der Umsetzung. Der Wunsch nach Sicherheit ist groß. Dabei spielen gerade die scheinbaren Sicherheitsaspekte des Angestelltendaseins (wie ein geregeltes Einkommen) eine tragende Rolle.Doch findet der sehnsüchtige Wunsch nach Sicherheit wirklich Erfüllung?

Die Frage lässt sich relativ einfach mit einer Liste beantworten, auf der einmal alle persönlichen Sicherheitsaspekte zusammengetragen werden. Finden sich unter den dort zusammengetragenen Punkten auch Argumente die nur dem Selbstschutz dienen? Was würde passieren, wenn einer dieser Sicherheitsaspekte wirklich wegfällt? Oft ist die Veränderung, die daraus resultiert weitaus weniger dramatisch, als die Schreckensszenarien die unser Kopf uns vorgaukelt.

Sandra Tissot, www.sandra-tissot.de, Autorin von „Hochsensibilität und die berufliche Selbstständigkeit“

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