Silvia_Christine_Strauch_Hochsensible_Personen2

Hochsensibel und gelassen durch den Tag

Je nach Temperament geht der Hochsensible unterschiedlich mit stressigen Situationen um. Im Allgemeinen fühlt sich eine hochsensible Person jedoch schnell angegriffen. Viele ziehen sich dann in sich zurück und werden als introvertiert wahrgenommen. Sie grübeln darüber nach was sie verkehrt gemacht haben. Egal was passiert, sie schlucken alles herunter und behalten es sozusagen in sich. Die extrovertierten Hochsensiblen wehren sich meist mit Worten, durchaus auch unsachlicher Natur und machen sich dann anschließend Vorwürfe. Sie grübeln nicht nur über die Worte des Anderen, sondern auch über ihre eigenen und beschäftigen sich ebenso lange mit dem Thema wie der introvertierte Hochsensible.

Zerbrich dir nicht über alles und jeden den Kopf

Hochsensible Menschen neigen zur Grübelei. Sie nehmen eine Fülle an Reizen auf und versuchen diese alle in ihr Denkschema einzuordnen. Dies setzt geradezu eine Gedankenkaskade in Gang. Die Gedanken verselbständigen sich und folgen keiner vernünftigen Rangordnung mehr. Wichtigkeit, Dringlichkeit, Prioritäten, das alles wird auf einmal aufgehoben und lässt sich schwer durchbrechen. Deshalb sollte man in ruhigen Momenten, wie bei einem Spaziergang, hergehen und sich vor Augen führen, dass jeder letztendlich selbst verantwortlich für sich ist. Ich bin weder für den anderen verantwortlich, noch kann oder sollte ich ihm eine Entscheidung abnehmen. Ich kann Impulse setzen aber nicht mehr. Ich brauche mir nicht den Kopf über andere zerbrechen, besser ist es mein Leben selbst in die Hand zu nehmen und mir zu überlegen, was mir wichtig ist und wie ich dies umsetzen kann.

Vergleiche dich nicht mit anderen und verurteile keinen

Gerade hochsensible Menschen fühlen sich sehr schnell angegriffen. Oftmals fühlen sich hochsensible Menschen durch Kleinigkeiten verletzt, die der andere überhaupt nicht so gemeint hat. Andere Menschen sind meist so mit sich selbst beschäftigt, dass sie einen gar nicht wirklich persönlich meinen. Versuchen sie sich einmal wie auf einer Bühne zu beobachten, um zuzusehen wie solch eine Situation abläuft. Aus diesem Abstand heraus werden sie feststellen, dass es meist nicht der Situation angemessen war, sich aufzuregen oder sich verletzt zu fühlen. Im Zweifelsfall, es gibt immerhin Fälle in denen die Klärung wichtig ist, fragen sie nach. Sagen sie dem anderen wie sie seine Worte verstanden haben und fragen nach, ob er es so gemeint hat. So manche Meinungsverschiedenheit löst sich dadurch in Luft auf. Auch der andere hat ein Recht auf seine Meinung, die durchaus unterschiedlich zu unserer sein kann. Man kann nicht wissen wie diese Meinung zustande gekommen ist und was dieser Mensch schon alles in seinem Leben durchgemacht hat.

Aus diesem Grunde sollte man sich auch nicht mit anderen vergleichen, kein Mensch ist wertvoller als der andere, jeder Mensch ist einzigartig. Es gibt auch keinen Grund jemanden zu verurteilen oder sein Verhalten zu bewerten. Wenn mir jemand die Vorfahrt genommen hat, dann kann dies eine gefährliche Situation ergeben und in diesem Moment steigt mein Adrenalinspiegel sicherlich. Ich kann und brauche auch nicht zu wissen, was den anderen zu diesem Verhalten getrieben hat, vielleicht hat er schlecht geschlafen, eine traurige Nachricht erhalten oder war aus einem anderen Grunde unvorsichtig. Statt mich darüber aufzuregen sollte ich mich darüber freuen, dass nichts passiert ist. Sollte einem dies an einem Tag häufiger passieren wird es allerdings schwieriger werden damit gelassen umzugehen. Ich denke, ich würde dann eine lange Pause einlegen bevor ich mich auf den Heimweg mache.

Lasse die Vergangenheit ruhen

Schließe Frieden mit deiner Vergangenheit und lasse sie nicht deine Gegenwart beeinträchtigen. Selbstverständlich sollte man aus vergangenen Dingen lernen, aber man sollte nicht darüber nachgrübeln. Der Gedanke: „was wäre wenn“ ist absolut kontraproduktiv.

Entspannungstechniken helfen den nötigen Abstand zu gewinnen und die Übung macht den Meister. Auf eine Gelegenheit Gelassenheit zu üben muss man im allgemeinen nicht lange warten. Und eine gelassene Haltung bringt dich dem Glück ein großes Stück näher, denn niemand ist für dein Glück verantwortlich außer du selbst, deshalb:

Lächle und sei freundlich und gelassen…

Silvia Christine Strauch, Buchautorin von „Meine Hochsensibilität positiv gelebt“

10 Kommentare

  1. „Oftmals fühlen sich hochsensible Menschen durch Kleinigkeiten verletzt, die der andere überhaupt nicht so gemeint hat. Andere Menschen sind meist so mit sich selbst beschäftigt, dass sie einen gar nicht wirklich persönlich meinen. “
    1.) Ich stelle mal experimentell (also nur um auf neue Erkenntnisse oder Fragen zu stoßen, nicht um zu sagen: „dies gilt absolut“) die These auf, dass es niemanden außer den Eltern (Gott[es Stellvertr.]) eines Kindes gibt, der einen verletzen kann. Jedes Sich-verletzt-Fühlen geht auf eine Verletzung/Missachtung der Bedürfnisse des Kindes durch die Eltern zurück, durch welche das Kind blockiert ist in seiner Entwicklung, somit (teilweise) in einem kindlichen emotionalen Reifestatus feststeckt und nun [völlig unbewusst] versucht, durch Reinszenierung der Verletzung mit seinen Mitmenschen (auf die [in dem Moment] die Elternrolle projiziert wird), die Verletzung zu heilen und (nach)zu reifen, wozu er sich schnell extrem an sie bindet (wie ein Kind an eigene Eltern), sodass er mit ihnen seine Verstrickungen entwickeln kann. Das bedeutet dann, dass der Mensch von anderen Menschen außer seinen Eltern also nicht „verletzt wird“, sondern nur eine ohnehin schon bei ihm vorhandene Wunde gleichsam „berührt“ wird, wodurch er auf sie aufmerksam werden und sich durch liebevolle Annahme und Ausdrücken/Rauslassen seiner Schmerzen (oder der damit verbundenen Emotionen) von ihnen erlösen kann (also Heilung und Reifung durch Zu- und Loslassen).
    2.) Was ist nun, wenn es eigentlich genau dieses „Nicht-gemeint-Sein“, die Unachtsamkeit, das Nicht-wahrgenommen-Werden (bedeutet immer auch Nicht-geliebt-Werden), ist, das/die einen Menschen triggert/ sich verletzt fühlen lässt? …

    „Aus diesem Abstand heraus werden sie feststellen, dass es meist nicht der Situation angemessen war, sich aufzuregen oder sich verletzt zu fühlen.“
    3.) Ich verstehe den Sinn dieses Satzes nicht. „Angemessen/Unangemessen“ ist doch keine Kategorie, die man auf Gefühle anwenden kann (oder aber zumindest: Jedes Gefühl ist angemessen!). Das ist so, als ob man sagt, ein Apfel, der sauer ist, sei unangemessen. 😀

      1. selbstverständlich kann man angemessen/unangemessen auf Gefühle anwenden. Je nach Temperament reagieren Menschen gefühlsmäßig sehr unterschiedlich. Intellekt und Gefühle sind sehr wohl miteinander verbunden, also lohnt es sich immer Gefühle zu hinterfragen, wie ernst zu nehmen sie sind. Umgedreht genauso, auch Gefühle sollten intellektuell überprüft werden. Es geht um eine Zusammenarbeit von Kopf und Bauch. Übrigens hilft Meditationspraxis da ungemein, da sich die Gehirnwellen dadurch adäquat ändern und diese Harmonisierung dadurch leichter fällt. Auch Kindheitstraumata lassen sich durch Meditation relativ leicht auflösen.

    1. Hallo Andre. In 1. Punkt hast eine Thema/Blickwinkel angesprochen, die für mich sehr nah ist und mich damit beschäftige, wie es eigentlich bei meinen Emotionen und Reaktionen ist. Lange habe ich meine Aufregungen empfunden als etwas negatives von mir und schlecht und mir nicht erlaubt habe jegliches Aufregung zu spüren, äussern. Ja, es hängte auch damit, dass ich innerlich meinem Vater dann in mir abgewertet habe (er hauptsächlich hat mich für meine Emotionen als Kind bestrafft, geschlagen und wörtlich manipuliert, wie ich was und wann soüren soll, weil meine Gefühle waren nie in Ordnung oder nicht erwünscht, obwohl das waren SEINE Emotionen, die ich als Kind eingesaugt habe und spürte gleichzeitig unglaubliches Ungerechtigkeitsgefühl, dass er mich für seine Gefühle bestrafft, womit habe mich mit diesen Phänomen auch bei meinem derzeitigen Ehemann getroffen habe!!!) oder wollte nicht wie er sein (war viel Agression in meiner Kindheit) und auch wollte nicht „meine“ Aufregung weiter geben! Ja klar, aber ich bin dann in Schiene gefallen, dass eigentlich meine Aufregung war in Sinne „MEINE GRENZEN wurden überschritten“ und mein Inneres hat eigentlich schon Zeichen gegeben. Aaaber ich habe meine Aufregung durch diese tiefe Verletzung in Kombination mit bewusstes Umgang und Respekt anderen Mitmenschen gegenüber in mir gestoppt, in Verständniss anderen eigentlich in der Situation Täter mir gegenüber gefallen was mich aber langsam aber doch geschwächt und eigentlich zugelassen meine persönliche Grenzen zu überschreiten!!!

      Und zu Punkt 2.: ich verstehe es als unangemessen in der Sinne, dass der andere nicht absichtliches Bedürfnis hatte meine Grenzen zu überschreiten (hat wirklich nicht „zu mir geredet“, sondern nur „von sich selbst“ ohne sich damit irgendwie beschäftigen, wasfür Auswirkung könnten seine Wörtern oder Tat an mich/anderen haben obwohl hat damit wirklich persönliche Grenzen überschritten und Problem liegt bei ihm oder hat jemand respektvoll mit persönliche Menschliche Grenzen umgegangen aber wusste gar nichts, dass ich in bestimmte Situation tief verletzt bin und fühle es als Angriff, wo aber Problem in mir ist.

      1. Verantwortung für sich selbst übernehmen, keine Schuldzuweisung an die Eltern, also das eigene Selbstbewußtsein aufbauen, all das hilft sich nicht mehr angegriffen zu fühlen. Ich selbst entscheide, ich selbst trage die Konsequenzen, ich entscheide nach bestem Wissen und Gewissen, denn nur dann bin ich auch bereit die Konsequenzen meines Handelns zu tragen.

        Dadurch wächst ein Urvertrauen und ich bin mir sicher, dass zu jeder Zeit meines Lebens immer genau das Richtige für mich und meine Entwicklung passiert und ich nehme es an und mache das Beste daraus, auch wenn mir vielleicht nicht immer von Anfang an der Sinn klar ist. Das ist Leben!

    1. Der introvertierte HSP neigt dazu sich schnell angegriffen zu fühlen, er neigt zu Grübelei und bezieht vieles auf sich selbst was oftmals gar nicht so gemeint ist. Es hilft sich wie auf einer Bühne zu betrachten, um mehr Abstand zu gewinnen, es hilft auch Prioritäten zu setzen, was wirklich wichtig ist und was nicht und nicht zuletzt führt regelmäßiges meditieren zu mehr Gelassenheit.

    2. Hallo Carmen. Kann dir von mir selbst schreiben… Weil ich tiefst emotionale-Harmonie bedürftig bin (meine/anderen Grenze) und die Grenze ist einfach sehr fein gespürt, was nicht-sensiblen Mensch überhaupt nicht bewusst ist! Zb. spüre Energie hinter jedem Wort (Wort von sich hat eigene Energie und noch Energie dazu, mit welche es ausgesprochen ist) und falls liebes Wort mit Wut dahinter in Nachricht geschrieben ist, spüre es und im Moment macht mich durcheinander, was in algemeine Gesellschaft als ganz „normales“ sogar als Höflichkeit genannt ist… Oder wenn ich einfach brauche etwas emotionales teilen und bin zB. traurig, stört mich sehr, wenn jemand mich trösten mit Wörtern möchte und erzählt, dass es doch nicht so schlimm sein kann oder andere leere Floskeln. Ich brauche nur teilen, ich öffne mich und empfinde es als wenn der andere tritt in meinem Gebiet und sagt mir, dass es nicht stimmt, was ich spüre, weil er empfindet etwas anderes, als mir nicht glauben würde und stellt sich für mich in höhere Position. Und dann habe einfach Gefühl ihm „ausdrücken“, wegschicken aus „Meinem Haus“ und Tür zumachen und er kann es egal wie gut meinen und mir helfen wollen, was auch in Gesellschaft als „Hilfe“ empfunden ist. Für mich ist es als er würde tretten auf meinen Gebiet und da darf er nur zuhören, in Vergleich, wenn ich selber um Rat bitte. Dafür haben sensible Menschen (oder ich zumindest) grosses Problem mit Emotionen und Freundschaften, Beziehungen, weil ist nicht einfach einem Mensch zu finden, der sich auf diese Ebene so respektvoll verhält, wenn er selber es nicht spürt oder versteht.

      1. deshalb öffnen sich hochsensiblen Menschen kaum gegenüber nicht so sensiblen Menschen. Aber mit der Zeit findet man hochsensible Menschen, die dies leichter nachvollziehen können. Letztendlich lebt aber jeder Mensch in seiner eigenen Realität und man wird keinen Menschen finden, der etwas genauso sieht oder empfindet wie man selbst. Jeder Mensch ist einzigartig und lebt auch in seiner eigenen einzigartigen Welt, was durchaus nicht heißt, dass man sich einsam fühlen muss.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.