Gewohnheiten für Hochsensible

(Von Silvia Christine Strauch)

Gewohnheiten sind Entscheidungen, die wir irgendwann einmal bewusst treffen und dann automatisieren. Unser ganzes Leben setzt sich aus solchen Gewohnheiten zusammen und nicht nur aus einzelnen Entscheidungen.

Hochsensible Personen fühlen sich schnell überlastet, gerade sie brauchen eine Menge an Routinen um ihr Nervensystem nicht zu überlasten. Am wohlsten fühlt sich ein hochsensibler Mensch, wenn er sich, mit einer gewissen Selbstdisziplin, auf Gewohnheiten verlassen kann. Ohne Routinen kann man nicht effizient arbeiten oder leben, auch nicht im privaten Bereich. Gerade für empathische, sensitive Menschen sorgen Gewohnheiten für mehr Gelassenheit. Will man sich Neues angewöhnen, dann fällt dies leichter, wenn man die neuen Routinen an alte koppelt und ihnen dadurch einen vertrauten Anstrich gibt.

Warum sind Gewohnheiten wichtig?

Die meisten unserer Handlungen erfolgen unbewusst, bzw. aus einer Gewohnheit heraus. Es wäre nicht sehr effizient, wenn wir jede unserer Handlungen zuvor überlegen müssten. Mitunter wäre es auch durchaus gefährlich, wenn wir in bestimmten Situationen nicht automatisch reagieren würden. Also sind Gewohnheiten erst einmal nichts Gutes oder Schlechtes. Was aber nicht heißt, dass man sich diese Angewohnheiten nicht einmal näher ansehen sollte. Da gibt es zum Beispiel die alltäglichen Gewohnheiten. Es wäre mühsam, wenn ich beim Essen jedes Mal überlegen müsste, wie ich die Gabel zum Mund führen soll. Auch Fertigkeiten wie ein Musikinstrument spielen basiert letztendlich auf erlernten Gewohnheiten, die sich verselbständigen. Ebenso die Kunst des Autofahrens.

Menschen, die täglich Sport treiben, zum Beispiel zum Joggen gehen, merken dass sie sich an diese Bewegung derartig gewöhnt haben, dass ihnen etwas fehlt, wenn sie einmal nicht laufen gehen. Genauso geht es allerdings dem couch pototae. Was gibt es sonst noch für Gewohnheiten? Außer Sport zum Beispiel Ernährung. Wir sprechen durchaus von Ernährungsgewohnheiten. Diese können ganz unterschiedlicher Natur sein. Dabei fällt zum Beispiel auf, dass wenn man längere Zeit etwas zu sich nimmt oder auch nahezu weglässt, einem dieses Nahrungsmittel immer besser schmeckt, beziehungsweise man es nicht mehr mag, im letzteren Fall. Eigentlich ist es ganz einfach Ernährungsgewohnheiten zu verändern, man muss nur über den eigenen Schatten springen und längere Zeit dabeibleiben.

Genauso sieht es auch mit Entspannungstraining aus. Ich kenne so manche Person, ob hochsensibel oder nicht, die sich vehement gegen eine Meditationspraxis wehrt. Meist sind es sehr aktive Menschen, die sich schwer tun zur Ruhe zu kommen. Aber stattdessen sich hinzusetzen, um das Meditieren zu lernen, behaupten sie, dass sie bei der Meditationsruhe fast wahnsinnig würden und genervter aus der Meditation kommen, als sie davor waren.

Wie etabliere ich neue Gewohnheiten?

Sind wir Sklave unserer Gewohnheiten? Das Gehirn wertet die Gewohnheiten nicht, diese Automatismen laufen einfach nur ab. Also sollten wir uns bewusst darüber Gedanken machen, welche Gewohnheiten wir beibehalten oder noch besser, welche Gewohnheiten wir ändern oder sogar neu einführen wollen. Das ist letztendlich der erste Schritt um etwas zu verändern. Suchen sie sich Ziele, definieren sie Ziele, um ihren Vorstellungen vom Leben näher zu kommen. Wollen sie sich einfach fitter fühlen? Sich gesund ernähren? Ausgeglichener werden? Sich besser abgrenzen können?

Führen Sie das Leben, das Sie sich wünschen?

Die Macht der Gewohnheit ist immens! Wie mache ich zufriedene Gefühle zu meiner Gewohnheit? Indem ich Dinge, die mich zufrieden machen in meine tägliche Routine aufnehme. Wenn ich nur wüsste, was mich zufrieden macht… Ein gesunder Geist wohnt in einem gesunden Körper. Also sollte ich etwas für meinen Körper tun. Damit sind wir wieder bei Sport und Ernährung. Ein Trainingsplan muss her. Je nach vorhandener Fitness kann dieser auch sehr harmlos ausfallen. Selbst wenn es anfangs nur 15 Minuten langsame Bewegung an der frischen Luft sind, der springende Punkt ist die Regelmäßigkeit. Ebenso kann man bei der Ernährung vorgehen. Sei es, dass der eine keine Burger mehr isst oder der andere auf Süßigkeiten verzichtet, vielleicht erst einmal am Wochenende oder auch unter der Woche, je nachdem was leichter fällt.

In den meisten Berufen ist man gewöhnt sich einen Plan zu machen. Was man, wann man es und wie lange man dies oder jenes zu tun gedenkt. Nicht anders sollte man dies auch im privaten Bereich handhaben. Machen Sie sich einen Plan, setzen sie Prioritäten, sie finden Zeit dafür, versprochen. Am Anfang mag es ihnen zeitlich etwas eng erscheinen, aber sie werden merken, dass sie sich immer wohler fühlen, immer glücklicher und auf einmal keine Probleme mehr haben die nötige Zeit aufzubringen. Durch dieses positive Feedback ist nach einer kurzen Überbrückungszeit gewährleistet, dass sie dabeibleiben.

Neue Gewohnheiten leicht gemacht

Eine Gewohnheit beginnt mit einem Auslöser, dann folgt die Routine und dann die Belohnung. Am Anfang muss das Gehirn bei einer neuen Gewohnheit mit voller Kraft arbeiten, führt man immer wieder die gleiche Aktivität durch, dann nimmt die Gehirnaktivität bald ab, die Tätigkeit wird zur Routine. Gewohnheiten dienen dazu, dass das Gehirn sich weniger anstrengen muss.

Um das Ganze stressfrei zu gestalten gehören ein einfacher Auslösereiz und eine klar definierte Belohnung dazu. Man kann sich die Laufschuhe bereitstellen um zielsicher morgens nach dem Aufstehen oder abends nach dem Job laufen zu gehen. Als Belohnung muss irgendetwas feststehen was wirklich Spaß macht, da gibt es sicherlich noch andere Dinge als einen Schokoriegel, vielleicht besser einen Smoothie oder auch ein kurzes PC-Spiel, längerfristig kann es dann auch ein schickes Kleidungsstück oder Möbelstück sein, irgendetwas was man sich nicht regelmäßig gönnt. Wenn man diesen Ablauf eine Zeitlang praktiziert, dann wachsen der Auslösereiz, die Routine und die Belohnung zusammen und es wird das Verlangen danach verstärkt, denn Gewohnheiten erzeugen ein neuronal verankertes Verlangen.

Nehmen sie sich einen Kalender und tragen sie die Zeiten für neue Gewohnheiten wie zum Beispiel Sport und Meditation als Tagesprogrammpunkt ein und halten sie es auch ein. Klar kann man mal einen Termin verschieben, aber lassen sie es nicht allzu oft dazu kommen, um die Routine nicht zu unterbrechen.

Gewohnheiten verändern

Vor allen Dingen hochsensible Menschen fühlen sich schnell unter Druck gesetzt und von ihrer Umgebung gestresst. Der Auslösereiz lässt sich meist schnell feststellen. Verändern sie ihre Routine indem sie in solch einer Situation zum Beispiel Atemübungen machen oder innerlich erst einmal bis zehn zählen. Als Belohnung danach eine Tasse Kaffee oder Tee? Wenn sie die Gewohnheitsschleifen erkennen, dann können sie diese auch ändern. Ein niedriger Blutzuckerspiegel kann dazu führen, dass man übersteigert genervt auf eine Situation reagiert. Erkennt man diesen Auslöser, kann man rechtzeitig einen Keks essen und sich als Belohnung vielleicht sogar eine kurze Pause gönnen.

Viele Erscheinungen der Hochsensibilität können Sie durch solche Routinen managen. So wie regelmäßige Meditation das Gehirn verändert, so ändert sich das Gehirn auch durch Gewohnheiten.

Der Mensch ist ein Gewohnheitstier. Es braucht einige Wochen um neue Angewohnheiten zur Gewohnheit werden zu lassen. Gönnen Sie sich diese Zeit und sie werden sich anschließend bedeutend besser fühlen und Gefühle der Zufriedenheit, Dankbarkeit und Vertrauen verspüren.

Gewohnheiten stärken die Willenskraft

Gewohnheit Willenskraft, sie ist die Schlüsselgewohnheit für den persönlichen Erfolg. Selbstdisziplin ist wichtiger als so manche intellektuelle Fähigkeit. Willenskraft kann zur Gewohnheit werden. Eine erhöhte Willenskraft wirkt sich auf alle Lebensbereiche aus. Die Denkweise ändert sich, man kann Impulse besser regulieren und vor allen Dingen die eigene Hochsensibilität besser managen, dadurch wird auch das Selbstbewusstsein gesteigert. Gewohnheiten sind das, was wir daraus machen. Wir haben die freie Entscheidung. Und dies führt uns unserem Schicksal zu, das genau daraus besteht.

Silvia Christine Strauch, Buchautorin von „Meine Hochsensibilität positiv gelebt“

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.