Pilguj_Hochsensible_Personen_klein

Es ist wie es ist – Väter und ihre hochsensiblen Kinder

(Von Sabina Pilguj)

Hochsensible Kinder sind wie bunte Farbtupfer, denn sie bringen Licht, Lebendigkeit, Leichtigkeit, viel Gefühl und Mitgefühl in eine Welt, die manchmal grau und empathielos erscheint.

Die kleinen Feinfühler tragen einen großen Schatz in sich –  ihre angeborene Gabe,  Individualität und Kreativität und vor allen Dingen ihre Empathie sind ein großes Geschenk für die Welt. Das klingt sehr pathetisch und so ist es auch.

Ich sehe hochsensible Erwachsene und Kinder als Wegbereiter für ein neues Miteinander in der Gesellschaft. Doch leider sieht der reale Alltag im Zusammenleben mit hochsensiblen Kindern manchmal ganz anders aus, nämlich nicht mehr so rosig – so lautete die Einleitung zu meinem Gastbeitrag „Mütter und ihre hochsensiblen Kinder“ und schon kommentierten einige Väter mit hochsensiblen Kindern, denn auch sie erkannten sich in dem Mütterbeitrag in einigen Passagen wieder.

1. Herausforderung von hochsensiblen Vätern

 

Natürlich gibt es sie: Feinfühlige, sensible und hochsensible Väter, die es aufgrund des leider immer noch währenden Gesellschaftsbild manchmal noch schwerer als  Mütter haben.

Bewusste Väter, die sich liebevoll um ihre Kinder kümmern, leisten auch das, was bei Müttern vorausgesetzt wird – nämlich den Kleinen ihre Liebe, eine große Portion Geborgenheit, viel Geduld und Zeit zu schenken. Aber auch hochsensible Väter kommen schnell an ihre Grenzen. Sie sollten endlich die in Männerköpfen oftmals wie eingemeißelte Botschaft „Du musst deinen Mann stehen“ einfach mal über Bord schmeißen. Damit ist gemeint, dass ein Mann funktionieren muss und immer einen auf hart und unverletzlich mimt. Aber genau das ist der Knackpunkt, denn wenn Mann seine hochsensiblen Gefühle unterdrückt oder wegdrückt, wird sich seine Gefühlswelt langfristig einen Kanal zur Entladung suchen, oder das Seelenleben wird getrübt. Das kann  dann schnell zu körperlichen Beschwerden wie Kopfschmerzen, Verspannungen usw. führen. Das Seelenleben kann aus der Balance geraten und dadurch zusätzlich das partnerschaftliche Zusammenleben stark belasten.

Darum soll dieser Beitrag hochsensiblen Männern Mut machen, ihre Feinfühligkeit zu leben – auch in der Vaterrolle.

2. Väter von Vielfühlern

Väter erfahren genau wie die Mütter von hochsensiblen Kindern tagtäglich eine große Herausforderung. Wie soll Mann denn die kleinen Feinfühler mit ihrer angeborenen Gabe und ihrer intensiven Gefühlswelt verstehen? Viele Väter tragen noch ein längst überholtes Männerbild in sich, sie wurden nach dem Motto „Indianerherz kennt keinen Schmerz“ erzogen. Und wie sollen die Männer dann mit der Gefühlsvielfalt ihrer sensiblen Kinder klarkommen? Ein hochsensibles Kind will in seinen Gefühlen gesehen werden und sich angenommen fühlen.

Das Zusammenleben mit einem hochsensiblen Kind kann einen Mann manchmal verwirren, besonders, wenn der eigene Sohn – als Spiegelbild der Männlichkeit – sensibel und sehr verletzlich ist.

Besonders heikel ist es, wenn Vater und Kind hochsensibel sind. Es  treffen Gefühlswelten aufeinander, die ein  regelrechtes Gefühlswirrwar verursachen können, insbesondere, wenn es dem Mann vielleicht noch gar nicht so bewusst war, dass er hochsensibel ist. Eine große Herausforderung ist es, wenn dann  der eigene Sohn einem einen Spiegel vorhält.  Gerade hier ist die Belastungsgrenze schnell erreicht, wenn eine geballte Ladung an Gefühlsvielfalt und ein breites Wahrnehmungsspektrum  in doppelter Ausführung aufeinander treffen und der Vater ja eigentlich ein „klassisches Männervorbild“ sein möchte.

Dann kann Hochsensibilität schnell als Fluch und nicht mehr als Segen erfahren werden, das gilt sowohl für den Vater als auch für das Kind. Und so mancher Papa würde die Vaterrolle in Gedanken gerne wieder abgeben, weil das innere Gleichgewicht in eine Schieflage geraten ist. STOPP! Liebe Männer, verwerft diese Gedanken und richtet euren Fokus wieder neu – auf das Positive und die besonderen Gefühlsmomente – aus.

3. Selbstfürsorge

„Wenn das eigene Feuer ausbrennt, kann es kein Licht mehr entzünden“

Diese östliche Weisheit ist sehr tiefgründig und bedeutend, aber über die Essenz wird oftmals gar nicht nachgedacht. Das gilt nicht nur für Mütter, sondern auch für Väter!

Liebe Väter, übt euch mehr in Selbstfürsorge! Es ist eine große Stärke, einfach einmal „Nein“ oder „Das schaffe ich jetzt nicht“ zu sagen. Vor allen Dingen sollten Männer den ewigen inneren Antreiber, den Perfektionisten endlich zum Mond schießen, damit das ewige einander zu vergleichen und besser sein wollen, aufhört. Männer mit viel Gefühl und gleichzeitig Willensstärke und Einzigartigkeit braucht die Welt. Auch ein Mann hat nur einen begrenzten Energielevel, also übernehmt Selbstverantwortung und übt euch in Selbstfürsorge. Zeigt eurem Kind, dass auch Papas Ruhezeiten brauchen, die auch für das hochsensible Kind überlebenswichtig sind, um den Stresslevel wieder in Balance zu bringen.

Ebenso wie die Frauen, gilt auch die Botschaft für die Männer: „Nobody is perfect“. Auch Männer dürfen Fehler machen, das gilt für das Zusammenleben genauso wie für Erziehungsfragen. Zeigt den Kindern eure Verletzlichkeit und Empfindsamkeit, anstatt diese zu verbannen.

Genießt die gefühlvollen Momente mit dem hochsensiblen Kind, auch wenn das Zusammenleben nicht immer einfach ist. (Gedankentipps für das Zusammenleben mit hochsensiblen Kindern finden Sie im Beitrag für die Mütter)

Liebe hochsensible Väter, traut Euch und lebt den Kindern vor, dass Gefühle wichtig sind. Und wenn die Gefühlswelt des hochsensiblen Kindes einen wie eine große Welle überrollt, versucht die Herausforderungen „Hochsensibles Zusammenleben“  mit ganz viel Gelassenheit und Leichtigkeit zu meistern und machen Sie „Don´t worry – be happy“ zu Ihrem neuen Lebensmotto – und: Lehren Sie ihrem Kind die unbeschreibliche Kraft der Gelassenheit und wie wichtig es ist, als Mann, egal ob jung oder alt, Gefühle zu zulassen, zu zeigen und leben zu dürfen.

Sabina Pilguj, Autorin von „Ich bin wie ich bin – genial und total normal“

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.