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Es ist wie es ist – Mütter und ihre hochsensiblen Kinder

Hochsensible Kinder sind wie bunte Farbtupfer, denn sie bringen Licht, Lebendigkeit, Leichtigkeit, viel Gefühl und Mitgefühl in eine Welt, die manchmal grau und empathielos erscheint.

Die kleinen Feinfühler tragen einen großen Schatz in sich –  ihre angeborene Gabe,  Individualität und Kreativität und vor allen Dingen ihre Empathie sind ein großes Geschenk für die Welt. Das klingt sehr pathetisch und so ist es auch. Ich sehe hochsensible Erwachsene und Kinder als Wegbereiter für ein neues Miteinander in der Gesellschaft. Doch leider sieht der reale Alltag im Zusammenleben mit hochsensiblen Kindern manchmal ganz anders aus, nämlich nicht mehr so rosig.

 Herausforderung Muttersein

Alle Mütter stellen in der Regel ihre ganz persönlichen Bedürfnisse in den Hintergrund und tun beinah alles, für das Wohlbefinden ihrer Kinder. Sie schenken den Kleinen ihre Liebe, eine große Portion Geborgenheit, viel Geduld und Zeit. Eine enorme Leistung der Mütter, die oftmals auch noch einen Job haben, den Haushalt und das Unternehmen „Familie“ managen. (Liebe männlichen Leser, dieser Beitrag richtet sich an die Frauen und Mütter und soll nicht heißen, dass die Männer und Väter in der Familie nicht wertgeschätzt werden – ihr macht natürlich auch einen tollen Job!).

Mütter von Vielfühlern

Mutter sein ist gar nicht so einfach, das wird jede Mama bestätigen. Doch Mütter von hochsensiblen Kindern erfahren tagtäglich eine noch größere Herausforderung, denn hochsensible Kinder können manchmal sehr (sehr) anstrengend sein. Das kann ich aus eigener Erfahrung bestätigen und so  ist es auch in sozialen Netzwerken in den entsprechenden Gruppen zu lesen. Einige Mütter verlieren sogar den Blick für das Positive, die besondere Gabe und die intensive  Gefühlswelt ihrer Kinder, und fühlen sich hilflos, total überfordert, verzweifelt, ratlos, manchmal sogar am Boden zerstört und ausgebrannt, weil die Kleinen ihnen jegliche Energie rauben.

Hochsensible Kinder zu verstehen ist nicht immer einfach

Eine Mutter, die „normal“ (normal: beschreibt wertfrei eine normale Reizfilterung) sensibel ist, mit einem hochsensiblen Kind kann sich schnell überfordert fühlen, weil sie beispielsweise das Gefühlswirrwar und die facettenreiche Empfindsamkeit aller Sinne ihres Kindes oftmals nicht nachvollziehen und schon gar nicht verstehen kann. Sie erlebt selber eine Gefühlsachterbahn zwischen dem Versuch Verständnis aufzubringen und der Ratlosigkeit, das Kind nicht wirklich zu verstehen.

 Die hochsensible Mutter mit hochsensiblem Kind

Gleiches gilt auf für Mütter mit einer hochsensiblen Veranlagung, die sich aufgrund der Unruhe und vielen Reize selber noch schneller überfordert fühlen können. Ihre feine Wahrnehmung  erfasst die Gefühlswelt ihres Kindes auf eine besonders intensive Art.  Sie ahnt manchmal schon im Vorfeld Probleme und versucht diese ihrem Naturell entsprechend harmonisch und einfühlsam zu lösen.

Gerade hier ist die Belastungsgrenze schnell erreicht, wenn eine geballte Ladung an Gefühlsvielfalt und ein breites Wahrnehmungsspektrum  in doppelter Ausführung aufeinander treffen.

Wenn eine hochsensible Mutter ein hochsensibles  Kind an ihrer Seite hat, vielleicht sogar noch ein hochsensibles Geschwisterkind, kann das Zusammenleben zu einer riesengroßen Herausforderung werden. Dann kann Hochsensibilität schnell als Fluch und nicht mehr als Segen angesehen werden und so manche Mama würde die Mutterrolle in Gedanken gerne wieder abgeben, weil das innere Gleichgewicht in eine Schieflage geraten ist. STOPP! So weit muss es nicht kommen. Verwerfen Sie diese Gedanken und richten Sie ihren Fokus wieder neu aus.

Selbstfürsorge

„Wenn das eigene Feuer ausbrennt, kann es kein Licht mehr entzünden“ -diese östliche Weisheit ist sehr tiefgründig und bedeutend, aber über die Essenz wird oftmals gar nicht nachgedacht. Das gilt besonders für Frauen und Mütter.

 Liebe Mütter, nur wer sich in Selbstfürsorge übt,  wird Alltagsherausforderungen entspannter meistern können. Sie stehen immer an erster Stelle, um dann für ihre Liebsten da zu sein. Das bedeutet, dass Mütter in ihrem Alltag immer gut für sich sorgen müssen. Hilfreich ist es, den inneren Antreiber und Perfektionisten erst einmal zu verabschieden und sich nicht mehr mit anderen Müttern zu vergleichen. Was spricht dagegen, den Wäscheberg ungebügelt liegen zu lassen und anstatt die Pflichten zu erfüllen, lieber eine Auszeit zu nehmen und zu relaxen, oder einen Spaziergang zu machen? Wenn Sie sich erschöpft fühlen, genießen Sie einen Moment das Nichtstun. Laden Sie die Batterien auf, anstatt auf Reserve  weiter zu funktionieren. Lernen Sie immer häufiger „Nein“ zu sagen, anstatt mit einem Grummeln im Bauch immer „Ja“ zu sagen, das gilt auch für die Bitten ihrer Kinder. Übernehmen Sie mehr Selbstverantwortung und üben Sie sich in Selbstfürsorge. Das kann ihnen keiner abnehmen! Sie müssen nicht ständig und immer präsent sein und jeden Wunsch sofort erfüllen. Zeigen Sie Ihrem Kind, dass Ihnen „Ruhezeiten“ genauso wichtig sind, wie diese für das hochsensible Kind überlebenswichtig sind, um den erhöhten Stresslevel wieder in Balance zu bringen.

Tragen Sie die Botschaft „Nobody is perfect“ in ihre Familie – das gilt für alle Familienmitglieder. Auch Mütter sind nicht perfekt und dürfen Fehler machen! Das gilt für das Zusammenleben genauso wie für Erziehungsfragen.

Verbannen Sie den inneren Druck, der einen manchmal wie ein mächtiger Schatten verfolgt, einen zur permanenten Selbstoptimierung antreibt und das Hamsterrad  immer schneller drehen lässt. Inmitten eines Chaosstages versuchen sie einfach Ruhe zu bewahren und das Wirrwarr anzunehmen, so wie sie auch die Hochsensibilität ihres Kindes wertschätzend annehmen sollen, denn „Es ist wie es ist“.  Verabschieden Sie sich vom Perfektionismus und Multitasking. Entschleunigen Sie den Alltag und üben Sie sich in Achtsamkeit. Genießen sie die besonderen Momente mit Ihrem Kind.

Gedankentipps für das Zusammenleben mit hochsensiblen Kindern

– Verabschieden Sie sich von den gesellschaftlichen Normen und lassen Sie sich nicht von anderen Menschen erzählen, was normal ist und wie sich ihr Kind zu verhalten hat und vor allen Dingen, wie Sie es erziehen sollen. Setzen Sie sich mit dem Thema „Hochsensibilität“ auseinander, informieren Sie sich und vertrauen Ihrer Intuition  (darin sind alle Mütter gut geschult).

– Hochsensible Kinder sind nicht verhaltensauffällig oder „gestört“, sondern total normal. Sie sind auch nicht lebensunfähig, erziehungsresistent und wollen auch nicht in Watte gepackt werden. Sie brauchen nur etwas mehr Verständnis und Geduld.

– Anstatt an Chaostagen zu verzweifeln und Ihr Kind gedanklich zu verfluchen, legen Sie den Focus auf all die schönen Dinge und Schätze, die Ihr Kind in sich trägt. Es ist nicht immer einfach, aber es ist eine hilfreiche Übung, um sich nicht im Negativen zu verlieren.

– Versuchen Sie die Gefühlsausbrüche immer mit den Augen des Kindes zu betrachten. In meinem Blog habe ich das „Stadtmonster“ beschrieben, es zeigt, wie schnell auch ich manchmal noch aus der Balance kommen kann.

– In verfahrenen Situationen nehmen Sie erst einmal Abstand und erlauben sich eine kleine Auszeit für Rückzug und Entspannung, um dann mit einer Prise Humor und Leichtigkeit neu aufeinander zuzugehen. Bitte bedenken Sie, hinter jeder „bockigen Maske“ steckt meistens ein Hilferuf nach Verständnis, Zuwendung und Geborgenheit.

Das mag jetzt alles wie graue Theorie klingen, aber es ist eine hilfreiche Unterstützung, dem Alltag wieder mit mehr Leichtigkeit und Lebensbegeisterung zu begegnen.

Versuchen Sie die Herausforderungen „Hochsensibles Zusammenleben“  mit ganz viel Gelassenheit zu meistern und machen Sie „Don´t worry- be happy“ zu Ihrem neuen Lebensmotto – und: Lehren Sie ihrem Kind die unbeschreibliche Kraft der Gelassenheit.

Sabina Pilguj, Autorin, Bloggerin, IBIZA-Coach, Yogalehrerin  Autorin des Buches „Ich bin wie ich bin – genial und total normal“

    6 Kommentare

    1. In einer Welt die durch falsche Ernährung und Konditionierungen aus jedem Menschen die Empathie heraus prägt brauchen wir für diejenigen die sich dagegen gewehrt haben Begriffe wie hochsensibel.

      In Wirklichkeit ist jeder Mensch hochsensibel und somit ist es wieder niemand, denn dann ist dieser Zustand normal.

      Unser Ursprungszustand ist also der hochsensible und somit ist das an sich der der nicht benannt werden sollte aber ja… wir leben in einer komplett verdrehten Welt

    2. Vielen Dank für diesen Artikel. Im Alltag verliert man oft den Blick für das Wichtige und Richtige, weil äußere Normen und Druck diesen Blick und die Intuition trüben. Darum sind solche Artikel immer ein wirklicher Lichtblick.
      Kopf hoch, Humor an und nicht den Mut verlieren.

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