Die Kunst „Nein“ zu sagen

(Von Sabine Reischl)

Immer wieder bekomme ich mit, dass viele „Hochsensible Menschen“ (HSP) ein großes Problem mit dem „Neinsagen“ haben. Aus Angst, andere Menschen zu verletzen oder vor den Kopf zu stoßen, verbiegen sich HSP lieber und sagen „Ja“, obwohl alles in ihrem Körper nach „nein“ ruft. Oft kommen dann Aussagen wie:

  • Ich habe immer das Gefühl, dass die Menschen dann böse auf mich sind.
  • Ich habe Angst, mein Umfeld mag mich dann nicht mehr.
  • Ich befürchte, dass sich das Gegenüber dann von mir abwendet.
  • Ich muss doch allen helfen, ich kann nicht anders.
  • Ich bekomme sofort ein schlechtes Gewissen, wenn ich „Nein“ sage.
  • Ich habe immer das Gefühl, es allen recht machen zu müssen.

Dies sind nur ein paar Sätze oder besser gesagt Glaubenssätze, die viele HSP in sich tragen.

Das „Nicht-Nein-Sagen-Können“ ist auch für viele HSP eine extreme Belastung, da sie dadurch immer wieder weit über ihre Energiegrenzen hinausgehen und mehr ausbrennen, als sie theoretisch vertragen können. Wenn Sie dann nicht für einen ausgewogenen Energiehaushalt sorgen, kann es durchaus auch in Richtung Burnout oder Depression gehen. (Siehe hierzu auch meinen vorherigen Artikel: Warum du die wichtigste Person in deinem Leben bist.)

Auch ich war in diesem Hamsterrad gefangen, habe aber den Absprung geschafft. Ich bin mir auch sicher, dass jede HSP dies ebenfalls schaffen kann, wenn sie es nur wirklich will!

Mache dir als ersten Schritt bitte einmal deinen persönlichen Glaubenssatz bewusst, indem du dir folgende Frage absolut ehrlich beantwortest:

„Warum glaubst du, dass du nicht „Nein“ sagen darfst?“

Stelle dir dann als zweite Frage: „Ist das wirklich so?“

Bist du zu der Erkenntnis gekommen, dass der negative Glaubenssatz keinen Mehrwert für dich hat, so stelle dich vor einen Spiegel und verspreche dir, von nun an auf dich und dein Gefühl zu hören und „Nein“ zu sagen, wenn dir danach ist.

Natürlich klappt dies nicht von heute auf morgen. Nein, es erfordert etwas Mut und Disziplin, erstens um den ersten Schritt überhaupt zu machen und zweitens, um auch dranzubleiben. Wenn dich dein Umfeld nur als „notorischen“ Ja-Sager kennt, wird sich dieses natürlich erst einmal vor den Kopf gestoßen fühlen. Schließlich warst du ja immer für deine Mitmenschen da und hast immer alles ohne Murren und Meckern gemacht. Ein „Nein“ kennen sie quasi gar nicht in deinem Wortschatz. Dass sich dein Umfeld vor den Kopf gestoßen fühlt, ist aber deren Problem und nicht deines. Sie haben schließlich dein „Ja“ schon vorausgesetzt und fühlen sich dadurch vielleicht übergangen.

Wenn du aber standhaft bleibst und wirklich anfängst, auf deine Bedürfnisse zu achten und ehrlich auch einmal ein „Nein“ kommunizierst, wird sich auch dein Umfeld wieder daran gewöhnen. Im Idealfall wirst du sogar wieder mehr als Person wahrgenommen und respektiert, eben weil du authentisch und echt bist. Natürlich werden auch Kontakte abbrechen und vielleicht auch Freundschaften zu Bruch gehen. Aber wenn du ehrlich bist, haben sich diese Personen nicht für dich und deine Person interessiert, sondern waren eher Energieräuber, welche mehr forderten, als sie geben wollten. Ich weiß, das sind jetzt harte Worte, aber genau so habe ich es erlebt und so ist rückblickend meine Erkenntnis. Das Positive an der Sache ist, dass, wenn Altes wegbricht, wieder Platz für Neues ist. Je authentischer ich wurde, desto mehr positive, inspirierende Menschen traten in mein Leben und tun es immer noch!

Jetzt fragst du dich vielleicht, wie du nun am besten damit beginnst, das „Nein-Sagen“ zu üben. Hier möchte ich dir ein paar Tipps an die Hand geben:

  • Höre auf deinen Körper und dein Bauchgefühl, sagt es dir „Ja“ oder „Nein“
  • Stelle dir die Frage: Will ich das jetzt wirklich?
    Wenn du die Frage mit „Nein“ oder „Vielleicht“ beantwortest, dann bitte formuliere dein „Nein“. Versuche hier dann offen zu kommunizieren wie z. B.: „Tut mir leid, heute kann ich nicht. Aber Morgen hätte ich Zeit.“ oder „Nein, ich möchte das nicht machen, weil….“
  • ÜBEN, ÜBEN, ÜBEN und nochmals ÜBEN! Je öfter du ein ehrliches „Nein“ kommunizierst, desto leichter fällt es dir mit der Zeit. Vor allem, wenn du merkst, welche Erleichterung es für dich ist!

Natürlich ist es am Anfang richtig schwer und als Allererstes musst du erst einmal eine Portion Mut aufbringen, damit du den ersten Schritt überhaupt machst. Ich verspreche dir aber, dass es mit jedem Schritt leichter wird und du vielleicht sogar bald Gefallen daran findest, wieder ein Stück mehr du selbst sein zu können. Sollte sich jetzt dein negativer Glaubenssatz wieder melden wie anfangs beschrieben, so mache dir bitte bewusst, dass dieser keinen Mehrwert für dich liefert und er dir nicht gut tut. Du hast schließlich auch ein Recht darauf, ein selbstbestimmtes Leben zu führen und ein ehrliches „Nein“ steht jedem zu.

Kannst du deine Zweifel diesbezüglich noch nicht ganz ablegen, so möchte ich dir noch eine kleine Übung an die Hand geben.

Ersetze deinen negativen Glaubenssatz durch einen positiven Powersatz, den du dir immer und immer vorsagen kannst. Schreibe dir kleine Notizzettel mit dem neuen Satz darauf und klebe diese überall dorthin, wo du sie so oft wie möglich siehst.

Beispiel:
1. Negativ:
Ich habe das Gefühl, es allen recht machen zu müssen.

2. Positiv stattdessen:
Ich bin es wert, respektiert zu werden.
Ich liebe mich so wie die anderen.
Ich lebe authentisch und behandle mich gut.

Dies sind nur ein paar Beispielsätze. Höre auch hier wieder auf deine Intuition und dein Bauchgefühl, was für dich ein absoluter Powersatz ist. Wichtig ist nur, dass er positiv und in der Gegenwart formuliert ist.

Wenn du Fragen hast oder du dich für ein pferdegestütztes Mentalcoaching interessierst, melde dich gerne bei mir. Auf meiner Webseite www.mentalepferdepower.de werde ich auch in meinem persönlichen Blog regelmäßig Themen zum Thema Hochsensibilität und Persönlichkeitsentwicklung online stellen.

„BEHANDLE DICH SO, WIE DU ANDERE BEHANDELST!“

Sabine Reischl
www.mentalepferdepower.de
Autorin von „Lebe endlich selbstbestimmt“

Ein Kommentar

  1. Es geht! Übung macht den Meister, da kann ich die Autorin nur voll bestätigen! Das „Nein“ Sagen zu lernen sollte man sich wirklich wert sein, das Leben gewinnt ungemein dadurch 😉

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