Das Wunder des Waldes

Die entspannungsfördernden Aspekte des Waldes für Menschen sind durch zahlreiche Studien belegt. Dies hat sehr viel mit Evolution zu tun, in deren Lauf Menschen gelernt haben, den Nutzen der Natur für sich zu schätzen. Bäume bieten z.B. Schutz, Früchte Nahrung. Viele Pflanzenteile sind essbar oder anderweitig verwendbar. Gewässer bieten Trinkwasser und Fische. Es gibt sogar Studien, die belegen, dass der Aufenthalt in der Natur hilft, uns zu regenerieren, uns von sog. „gerichteter Aufmerksamkeit“, die wir im Alltag, in der Schule und im Beruf, aufbringen müssen, zu erholen.

Das Wunder der Natur

Die Natur ist noch aus einem anderen Grunde sehr gut geeignet zur Entspannung und Erholung. Alle Sinne werden dort gefordert, es gibt viel zu sehen, fühlen, hören. Zwangsläufig hören wir auf uns mit uns selbst zu beschäftigen, unsere Aufmerksamkeit wird von selbst nach außen gelenkt. In der Natur können wir immer wieder das Wunder der Welt, das Wunder des Lebens bestaunen, die Perfektion der Schöpfung. Unsere Gedanken verbinden sich mit dem, was wir in der Natur vorfinden, Dinge, die wir sehen helfen dabei, unser Leben zu versinnbildlichen und darüber nachzudenken. In der Natur erfahren wir den Artenreichtum und die Vielfalt als Gewinn, im Gegensatz zu unserem technisierten Alltagsleben.

In der Natur gibt es keine Bewertung

Ebenfalls sehr wichtig für die Entspannung in der Natur: hier sind wir nicht in unserer gewohnten Alltagsumgebung, mit seinen üblichen Anforderungen, hier können uns verbinden mit dem Großen Ganzen, müssen keine Rolle spielen, sondern dürfen einfach sein. Denn in der Natur entfällt jede Form von Bewertung, denn die vorhandenen Lebensformen bewerten uns nicht. Darum dürfen wir einfach so sein, wie wir sind. Hier sind wir einfach eine Kreatur unter Kreaturen.

Auszeiten in der Natur nehmen

Auch das sollte ein Grund sein für hochsensible Menschen, möglichst häufig Auszeiten in der Natur zu nehmen. Ich habe in dem Buch „Der Biophilia-Effekt“ den Begriff „Being away“ gefunden, der mir unglaublich gut gefallen hat. Da viele HSP oft von Kindesbeinen an die Erfahrung machen, dass sie irgendwie anders sind als die anderen, glauben oder glaubten wir häufig, nicht in Ordnung zu sein oder nicht liebenswert. Ein Aufenthalt in der Natur kann auf jeden Fall dazu beitragen, dass wir uns besser fühlen. Es gibt übrigens hierzu eine äußerst interessante Studie von Angela Meyer von der Universität Montana, die gerade diesen besonderen Naturaspekt mit einer Gruppe lesbischer, bisexueller oder transsexueller Frauen testete, die im Alltag vielfach unter Bewertungen ihrer sexuellen Orientierung zu leiden hatten und den Aufenthalt in der Natur sehr heilsam und wohltuend erlebten.

„Baum-Patienten“ und „Hausmauer-Patienten“

Schon 1972 begann Professor Roger Ulrich eine Studie, die sich über neun Jahre erstreckte. In dieser Studie untersuchte er die Genesung von Patienten im Krankenhaus, die entweder aus dem Fenster des Krankenhauszimmers einen Baum oder eine Hauswand sehen konnten. Dabei stellte sich heraus, dass die „Baum-Patienten“ schneller genasen, weniger Schmerzmittel benötigten und weniger mit postoperativen Komplikationen zu tun hatten als die „Hausmauer-Patienten.“ Ulrich führte noch andere Studien durch, in denen er beweisen konnte: Selbst eine Naturerfahrung die mittelbar erfolgte über Filme, Fotos oder Tonband wirkt sich heilend aus und kann z.B. Schmerzen verringern. Selbst eine Pflanze im Krankenzimmer kann bereits etwas bewirken.

Forest Medicine

Auch japanischen Wissenschaftlern, die die Wirkung der Waldatmosphäre auf gestresste Menschen untersucht haben, verdanken wir interessante Einsichten. Dabei kam heraus, dass bei Männern der Adrenalingehalt im Urin nach einem eintägigen Aufenthalt im Wald um 30 % sank, bei Frauen sogar um mehr als die Hälfte. Nach einem zweiten Tag im Wald sank er bei den Männern um 35 % und bei Frauen betrug er nur noch ein Viertel des Originalgehalts. Seit 2012 gibt es sogar einen eigenen Forschungszweig an Universitäten: die Waldmedizin  oder sog. „Forest Medicine“.

Bioaktive Stoffe

Der beste Waldeffekt: Im Wald atmen wir bioaktive Stoffe ein, die von den Pflanzen abgegeben werden. Dazu gehören auch sog. Terpene, die von uns hauptsächlich über die Haut und die Lungen aufgenommen werden. Einige dieser Terpene reagieren mit unserem Immunsystem, für sie wurde eine anti-kanzerogene und stärkende Wirkung auf unser Immunsystem nachgewiesen. Alleine ein ausgedehnter Spaziergang durch den Wald sorgt dafür, dass die Aktivität Ihrer Killerzellen für ca. 7 Tage erhöht wird. „Shinrinyoku“ bzw. „Waldbaden“ ist in Japan heute eine anerkannte Stressbewältigungsmethode, die dazu noch öffentlich gefördert wird. Dabei ist es gar nicht notwendig, sich besonders anzustrengen. Es geht einzig und allein darum, sich in der Natur aufzuhalten, die gesundheitsfördernde Wirkung mit allen Sinnen zu genießen.

Da kann man natürlich noch eins draufsetzen, z.B. indem wir Verbindung aufnehmen mit den Tieren in der Natur. Die Autorin Ulrike Fokken schlägt vor, sich einfach eine Viertelstunde ganz still irgendwo hinzusetzen und nichts zu tun. Dann beginnen die Tiere sehr schnell, uns als Teil der Natur zu sehen und verlieren ihre Scheu näher zu kommen. Damit habe ich schon schöne Erfahrungen gemacht. Probieren Sie es einfach einmal aus.

Was mich selbst angeht, so wächst mein Wunsch nach Wald immer weiter. Ich brauche noch mehr Wald. In mir ist der Wunsch aufgekeimt, den Wald künftig auch direkt von meiner Wohnung oder meinem Haus aus zu sehen …

In diesem Zusammenhang ist natürlich auch spannend, wie Ihre Wald-Erfahrungen aussehen? Ich freue mich, wenn Sie Ihre Erfahrungen mit uns teilen.

Monika Richrath, Autorin von „EFT-Klopftechnik für Hochsensible“

3 Kommentare

  1. Hallo,
    ich bin vor 3 Jahren von der Stadt hinaus aufs Land gezogen – an den Waldrand. Und ich stelle fest: Ich habe mich noch nie in meinem Leben so wohl gefühlt wie dort! Seit 1 Jahr habe ich es mir zur Gewohnheit gemacht, noch vor dem Job eine halbe Stunde im Wald (egal, welches Wetter) spazieren zu gehen. Ich versuche dabei, bewusst zu gehen und die Erde unter meinen Füßen zu spüren. Die Gedanken lasse ich treiben. Nicht selten erhalte ich dann intuitive Eingebungen, die ich für meinen Job als Sozialpädagogin und meine Selbständigkeit nutzen kann. Im Wald erfreue ich mich an jedem Käfer, jedem Reh, dem Sonnenlicht, das durch die Blätter blitzt oder dem Schneetreiben, das alles mit Zucker bedeckt. Für mich ist der Wald meine Heimat. Ich bin regelrecht süchtig nach ihm. Ein Tag ohne Wald ist für mich ein verlorener Tag und ich glaube, das wird sich auch nicht wieder ändern.
    Alles liebe, Nicole

  2. Hallo, ich liebe es auch im Wald zu sein. Allerdings gelingt es mir nicht, allein in den Wald zu gehen. Dann bekomme ich Panik, und habe Angst vor Wildschweinen vorallem, wenn Unterholz und Gebüsch zu nah am Weg sind. Dieses Dilemma konnte ich leider noch nicht lösen. Vielleicht habt Ihr ja einen Tipp. Danke und liebe Grüße, Andrea

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