Allgemein

Hochsensibel durch den Alltag

(Von Alexandra Thoese)

Unser Alltag prägt unser Leben. Wenn wir ihn so gestalten, dass wir uns wohlfühlen, gehen wir gestärkt in den Tag. Mache dir bewusst, was dir wichtig ist und probiere aus was für dich gut funktioniert.

Einstimmung auf den Tag:

Nimm dir nach dem Aufwachen einen Moment Zeit um dich auf den neuen Tag einzustimmen. Stelle dir deinen Wecker einfachmal ein paar Minuten früher und spüre in dich hinein. Wenn du deine Hände auf den Bauch legst, kommst du tiefer mit dir in den Kontakt. Nun lausche nach innen. Wie fühlt sich dein Körper gerade an? Was wünscht er sich gerade? Was wünschst du dir für heute? Genieße es einen Augenblick ganz bei dir zu sein. Durchwandere deinen Körper mit deiner Aufmerksamkeit und begrüße ihn in diesem neuen, geschenkten Tag.

Diese Fragen können dich in den Tag begleiten:

  • Wie startest du heute in den Tag?
  • Was nimmst du als Ressource mit?
  • Welche Qualität wählst du dir für heute?

Struktur:

Schreibe dir einen kleinen Tagesplan. Er sollte nicht mehr als drei Dinge enthalten, die du heute erledigen willst.

Eine To-Do-Liste kann dir dabei nützlich sein. Du kannst sie aufteilen in die Dinge die dringlicher sind und die, die mehr Zeit haben. To-Do-Listen sind dafür da, um sie zu verändern, Getanes durchzustreichen und sie später zu wegzuwerfen. Das schafft dir eine Struktur für den Tag. Darin enthalten ist viel Flexibilität, denn du kannst frei wählen, wann du was erledigst. Manches streichst du vielleicht auch einfach wieder, weil dir bewusst wird, dass es nicht wichtig war. Ich empfinde es als sehr befreiend, die To-Do-Zettel am Ende des Tages zu entsorgen.

Rituale:

Immer wiederkehrende Abläufe sind für hochsensible Menschen sehr wichtig. Das kann der erste Tee oder Kaffee sein, den du morgens in Ruhe trinkst, während du eine Zeitung o.ä. liest. Dein Frühstück, welches du immer auf die gleiche Art und Weise zubereitest, der gesamte Ablauf vom Aufstehen bis zum Verlassen des Hauses. Für viele ist eine Mittagspause wichtig, in der sie sich zurücklehnen können, etwas essen und vielleicht sogar einen Kurzschlaf tätigen. Gönne dir Zeiten ganz für dich alleine. Hochsensible Menschen brauchen den Rückzug, um wieder bei sich ankommen zu können.

 Selbstempathie:

Male dir während des Tagesgedanklich und bildlich deinen Feierabend aus. Worauf freust du dich? Was wirst du als Erstes tun? Was wirst du essen/trinken? Wie könnte dein Abend so richtig schön ausklingen?Triff eine Verabredung mit dir selbst und erfülle dir deine Feierabendwünsche.

Ruhephasen im Job:

Wenn du in einem Büro arbeitest, mache viele kleine Pausen zwischendurch. Während der Arbeit kannstdu zwischendurch einen achtsamen Gang über den Flur oder zum Kaffeeautomaten machen. Falls es möglich ist, gehe nach draußen und atme frische Luft ein. Kleine Bewegungseinheiten auf dem Bürostuhl können dich wieder mehr mit deinem Körperbewusstsein verbinden. Strecke und rekel dich zwischendurch gerne mal und schüttele den ganzen Körper aus,wenn es gerade passt. Kaltes Wasser über den Puls fließenzu lassen erfrischt Körper und Geist. Wusstest du, dass Gähnen sehr entspannend auf die gesamte Gesichtsmuskulatur wirkt? Nutze es einfach mal ganz bewusst. Am besten herzhaft und mit Ton.

Sei achtsam mit dir:

Achte gut auf deine Grenzen und lerne deine Bedürfnisse zu kommunizieren. Ein NEIN zu anderen ist immer ein JA zu dir selbst und bedarf keiner weiteren Begründung.

Übergang gestalten: Arbeit – Feierabend

Auf dem Weg von der Arbeit nach Hause, kannst du üben bewusst Schritt für Schritt aus diesem Teil des Tages herauszutreten. Nimm deine Atmung mit und richte deine Aufmerksamkeit auf deine Füße. Deine Erlebnisse werden nachhallen und so ist es gut, wenn du das Gehen für dich nutzt um wieder mehr bei dir anzukommen. Das ist genauso möglich, wenn sich dein Arbeitszimmer in deinem Wohnhaus befindet. Eine Tür hinter sich zuzumachen, kann hier sehr nützlich sein und symbolisch einen Abschluss schaffen. Darüber hinaus ist es durchaus ratsam zu Hause die Kleidung zu wechseln, um somit bewusst in eine andere Stimmung zu kommen.Wenn du spürst, dass du den Arbeitsalltag noch nicht loslassen kannst, dann nutze ein Duschbad um alles „abzuwaschen“ was nicht mehr wichtig ist. Gönne dir eine leckere Mahlzeit und mache was dir gut tut und Freude bereitet.

Selbstfürsorge am Arbeitsplatz:

Sorge dafür, dass du dich an deinem Arbeitslatz wohlfühlst. Schmücke ihn mit Bildern, Gegenständen und Pflanzen. Nutze die Mittagspause als Kraftquelle. Esse und trinke, was dir gut tut.Verbringe deine Mittagspause ruhig mal alleine. Das kannst du auch mit den Kollegen kommunizieren mit denen du sonst immer zum Mittagessen gehst.Du kannst dir gemütliche Arbeitsschuhe wählen und wenn du das Büro verlässt, wechselst du die Schuhe. Damit kommst du ganz praktisch schrittweise in dein Privatleben zurück.

(Seelen)hygiene am Abend:

Nutze die Zeit bevor du ins Bett gehst, um dich von diesemTag zu verabschieden. Dazu gehören die üblichen Tätigkeiten wie Zähneputzen, Haare kämmen, Schlafsachen anziehen und dergleichen. Erinnere dich bewusst an den Tag: Was war heute schön, was hat dir gefallen oder gut getan? Was war überraschend, neu, vielleicht amüsant? Wofür kannst du dich heute anerkennen? Wofür oder wem bist du dankbar? Wenn du magst, schreibe es jeden Abend in ein kleines Büchlein, welches du neben deinem Bett aufbewahren kannst. Wünsche dir selbst eine gute und erholsame Nachtruhe, wenn du ins Bett gehst.

Fazit:

Lerne dich als hochsensibler Mensch richtig gut kennen und achte dich als Mensch der du bist. Einzigartig und wundervoll, wie jeder andere Mensch auch.

 

Alexandra Thoese, www.alexandrathoese.de

Hochsensibilität im Beruf

Unser Berufsalltag ist vom Leistungsgedanke geprägt. Bei der Arbeit im Team und im Umgang mit Vorgesetzten kommen Loyalität und Empathie oft zu kurz. Hochsensibilität ist vielerorts noch ein Fremdwort. Insbesondere HSP leiden oft lange Zeit still unter dem rauen Wind, der in der Arbeitswelt vorherrscht. Das vielgelobte „dicke Fell“ besitzen sie nicht. Sie bleiben nicht selten mit einem Burnout oder der wiederkehrenden Frage nach der Sinnhaftigkeit ihrer Arbeit allein zurück.

Gefahren für Hochsensible im Berufsalltag

Gerade Hochsensiblekönnen unter der täglichen Tretmühle der Berufstätigkeit besonders leiden. Ein vordefiniertes Arbeitsumfeld mit starren Strukturen und festgelegten Arbeitszeiten, beständiger Leistungsdruck inklusive regelmäßiger Reizüberflutung, mangelnde Kommunikation und Empathieführen zu einer inneren Zerrissenheit. Die hochsensiblen Antennen, die die feinen zwischenmenschlichen Nuancen im Berufsleben wahrnehmen, stehen auf gefährlichem Dauerempfang und sind irgendwann nicht mehr in der Lage „echte Gefahr“ von kleinen Unstimmigkeiten zu unterscheiden. HSP erhalten nicht den notwendigen Ausgleich. Und so vergehen die Jahre in einem gleichbleibenden alltäglichen Rhythmus … Die Gedanken drehen sich im Kreis.

  • Irgendwie wird das mit dem Job schon gehen ….
  • Andere schaffen das doch auch ….
  • Wenn ich nur noch ein kleines bisschen aushalte …
  • Ich brauche die Sicherheit des geregelten Jobs …
  • Ich bin auf das Geld angewiesen …
  • Reiß dich mal zusammen …

Ziele und Träume werden auf eine unbestimmte Zukunft verschoben, in der dann sicher alles besser ist und leichter von der Hand geht … Wenn die erste finanzielle Absicherung erfolgt ist … wenn die Kinder älter sind … wenn die Kinder aus dem Haus sind …

Was Hochsensible im Job brauchen

Richtig erkannt und eingesetzt, sind Hochsensible in vielen Bereichen äußerst talentiert und überzeugen durch Fleiß, Zielgenauigkeit, Gespür und Loyalität. Oft werden Sie von Ihren Kollegen für ihre Weitsicht und den angenehmen persönlichen Umgang sehr geschätzt. Dazu benötigen sie jedoch eine Reihe von Rahmenbedingungen, die die hochsensiblen Potentiale zur vollen Entfaltung bringen. Darunter beispielsweise:

  • Eigenverantwortliche Arbeit
  • Flexibel gestaltbare Arbeitszeiten
  • individuelle Büroatmosphäre
  • eigener Raum
  • Möglichkeiten zur Entfaltung der eigenen Kreativität
  • Anerkennung und Lob
  • eigener Planungshorizont
  • verständnisvoller Umgang zwischen Auftraggebern, Kollegen und Vorgesetzten
  • gerechtes, harmonisches Miteinander
  • persönliche Rückzugsmöglichkeiten

Aufgaben, die Hochsensible mit echter Lebensfreude erfüllen

Zugegeben die Liste für ein erfülltes Berufsleben für Hochsensible im Angestelltenverhältnis ist doch recht lang. Es gibt mittlerweile eine Reihe von Arbeitgebern, die die Vorzüge von Hochsensiblen erkannt haben und diese auch für den Erfolg ihres Unternehmens einzusetzen wissen.

Allerdings bleibt vielen Hochsensiblen dieses Idealbild vom Job im Angestelltenverhältnis leider verwehrt. Dann kann es sinnvoll sein, zu hinterfragen, ob das Angestelltendasein wirklich die erhoffte Sicherheit, Eigenverantwortung, Unabhängigkeit und letztendlich die Möglichkeit zur Selbstverwirklichung bietet oder das hochsensible Naturell auf Dauer krank macht.

Viele Hochsensible kommen im Laufe ihres Lebens an einen Punkt, an dem der Wunsch nach Unabhängigkeit, Flexibilität und vor allem sinnvollem Tun so groß wird, dass sie sich mit dem Gedanken tragen, sich selbstständig zu machen.

Allzu oft hindern sie letztendlich jedoch Selbstzweifel an der Umsetzung. Der Wunsch nach Sicherheit ist groß. Dabei spielen gerade die scheinbaren Sicherheitsaspekte des Angestelltendaseins (wie ein geregeltes Einkommen) eine tragende Rolle.Doch findet der sehnsüchtige Wunsch nach Sicherheit wirklich Erfüllung?

Die Frage lässt sich relativ einfach mit einer Liste beantworten, auf der einmal alle persönlichen Sicherheitsaspekte zusammengetragen werden. Finden sich unter den dort zusammengetragenen Punkten auch Argumente die nur dem Selbstschutz dienen? Was würde passieren, wenn einer dieser Sicherheitsaspekte wirklich wegfällt? Oft ist die Veränderung, die daraus resultiert weitaus weniger dramatisch, als die Schreckensszenarien die unser Kopf uns vorgaukelt.

Sandra Tissot, www.sandra-tissot.de, Autorin von „Hochsensibilität und die berufliche Selbstständigkeit“

Kann man Hochsensibilität an- und ausschalten?

(Von Silvia Christine Strauch)

Eine hochsensible Person verfügt über eine stärkere Sinneswahrnehmung als die Menschen in ihrer Umgebung. Dies führt zu einem intensiven Aufnehmen der Reize und führt bei vielen hochsensiblen Personen schnell zu einer Reizüberflutung.

Hochsensibilität hat Vor- und auch Nachteile. Ein hochsensibler Mensch ist gewissenhaft und im Allgemeinen auch sehr verlässlich und geht schnell auf die Bedürfnisse seiner Umgebung ein, egal ob im beruflichen oder privaten Leben. Er bemerkt viele Feinheiten, die anderen Menschen verborgen bleiben und schafft es meist ein positives soziales Klima zu arrangieren.

Wie gehe ich mit meiner Hochsensibilität um?

Andererseits fühlt sich ein hochsensibler Mensch sehr schnell überlastet und genervt, deshalb ist sein Ruhebedürfnis größer. Man braucht ein gutes Maß an Selbstreflexion, um dies zu erkennen und daran zu arbeiten. Hierbei geht es darum die Schuld nicht anderen Menschen zuzuschieben, sondern sich selbst zu erkennen, zu bemerken, was ich mir zumuten darf und wann ich mich zurückziehen sollte. Es gibt viele Techniken, die dazu beitragen, damit man sich als Hochsensibler nicht zu schnell überlastet fühlt. Allem voran natürlich ein vernünftiges Zeitmanagement, damit man nicht unter dementsprechenden Druck gerät. Oftmals verbraucht man zu viel Zeit für unwichtige Dinge, also heißt es sich Gedanken über Prioritäten zu machen.

Die eigene Entwicklung voranbringen

Es gibt viele Methoden, mit denen man die eigene Entwicklung fördern kann. Es fängt mit solch Sachen an, die eigentlich selbstverständlich sein sollten, wie sich um die eigene Gesundheit zu kümmern, wozu auch Sport und Ernährung zählen. Zur geistigen Entwicklung zählen die verschiedenen Meditationstechniken, aber auch positives Denken, Affirmationen, Kontemplations- und/oder Visualisierungstechniken, wie auch Achtsamkeitstraining oder audiovisuelle Stimulation. Um die körperliche und geistige Entwicklung zu harmonisieren kann man Atemtechniken und progressive Muskelentspannung ausüben.

Es gibt sehr viele Möglichkeiten die eigene Entwicklung voran zu bringen, es geht darum anzufangen, sich vorzutasten welche Technik einem liegt und diese dann auch kontinuierlich auszuüben.

Sich richtig verständlich machen

Viele hochsensible Personen fühlen sich von ihrer Umwelt unverstanden. Sie beschweren sich darüber, dass sie von ihren Partnern, Familienangehörigen oder Arbeitskollegen missverstanden werden. Aber wie soll ein Mensch, der weniger Reize aufnimmt, beziehungsweise verarbeitet, dies nachvollziehen können? Da helfen sämtliche Erklärungen nichts.

Es geht bei der Verständigung zwischen Menschen nicht anders zu, als bei der Verständigung zwischen Tieren, besser gesagt zwischen Mensch und Tier. Will ich mich einem Tier, sagen wir einmal einem Pferd verständlich machen, dann muss ich mich auf die Verständigungsebene des Pferdes begeben. Ich kann vom Pferd nicht verlangen anzufangen zu denken wie ein Mensch, sondern ich als Mensch muss anfangen zu denken wie ein Pferd.

Nicht anders funktioniert die Verständigung zu nicht so hochsensiblen Menschen. Um mich auf ihre Gedanken – und Gefühlswelt einzulassen, sollte ich mich auf ihre Verständigungsebene begeben, das heißt ich muss bei mir selbst Filter einschieben, um die Wahrnehmung des anderen nachvollziehen zu können. Nur dann kann eine wahre Kommunikation stattfinden.

Dies lässt sich üben indem man sich selbst beobachtet wie auf einer Bühne. Dabei kann man leicht ein eigenes überempfindliches Reagieren enttarnen und wird oftmals feststellen, dass das Gegenüber etwas ganz anders gemeint hat, als wie wir es im ersten Moment aufgefasst haben. Man kann buchstäblich auf Entdeckungsreise gehen und wird sehr oft überrascht sein, wenn man sich auf solch eine Situation einlässt. Und man wird feststellen, dass die Wahrnehmung einer hochsensiblen Person nicht immer mit der des Gegenübers übereinstimmt, geschweige denn „besser“ wäre. Mehr wahrzunehmen, heißt nicht auch besser wahrzunehmen. Oft genug fällt man als hochsensible Person auf die eigenen psychologischen Fallstricke herein, die in den eigenen Erfahrungen begründet liegen.

Selbstvertrauen und Selbstwertgefühl

Die meisten hochsensiblen Personen haben einen guten Zugang zu sich selbst, allerdings fehlt vielen das nötige Selbstvertrauen und Selbstwertgefühl um sich wichtig genug zu nehmen und auf die eigenen Bedürfnisse zu achten. Es geht darum, die eigenen Bedürfnisse wahrzunehmen und den Mut zu entwickeln, die eigenen Beweggründe und Ansprüche zu erkennen und damit positiv umzugehen.

Mit dem Fortschreiten der eigenen Entwicklung wächst auch das Selbstvertrauen und das Selbstwertgefühl. Man fühlt sich nicht mehr von den Beurteilungen anderer Menschen abhängig und beginnt Verantwortung für sich selbst zu übernehmen.

Ist man sich seiner selbst bewusst, so kann man sich der Umwelt gegenüber leichter abgrenzen, da man sich nicht mehr abhängig von anderen fühlt. Man ist sich sicher in der eigenen Entscheidung und ist bereit die Konsequenzen des eigenen Handelns zu tragen, da man weiß, dass alles Hand und Fuß hat.

Der Schalter für Hochsensibilität

Wenn sie wirklich in sich selbst ruhen und ihr „Selbst“ gefunden haben, dann haben sie auch ihren inneren Schalter für ihre Hochsensibilität gefunden. Dann können sie nach Wunsch hin- und her switchen und ihre erwünschte Sensibilität auf die aktuelle Situation einstellen.

Silvia Christine Strauch, Buchautorin von „Meine Hochsensibilität positiv gelebt“

 

Warum wir einander mit Samthandschuhen anfassen sollten

(Von Monika Richrath)

Trotz Hochsensibilität: Es passiert täglich, auf facebook und anderswo, überall da, wo Menschen virtuell aufeinandertreffen. Der Ablauf ist immer gleich: A postet etwas, auf das B eine emotionale Antwort schickt, die bei A wiederum Emotionen in Gang setzen. Also fällt As Antwort ebenfalls sehr emotional aus, was B vielleicht zum Kochen bringt. Dann weitet sich der Konflikt aus: Andere Personen mischen sich ein, ergreifen Partei (meistens für A) und im Handumdrehen ist ein riesiges verbales Handgemenge entstanden – das meistens damit endet, dass mehrere Personen die Gruppe verlassen aufgrund des unsensiblen Umgangs miteinander. Ein Krieg im Kleinformat. Am Ende herrscht Ratlosigkeit. Sollten wir als hochsensible Menschen nicht besonders gut miteinander umgehen? Wie kann es passieren, dass wir aus den besten Absichten heraus immer wieder aneinandergeraten?

Ich möchte gerne ein bisschen Licht in die Angelegenheit bringen – und wenn es dazu führt, dass der ein oder andere Konflikt gar nicht erst ausbricht oder weniger heftig eskaliert, dann habe ich mein Ziel erreicht. Eines sollten wir vorweg besonders im Auge behalten:

Hochsensibilität führt zu einer erhöhten REIZempfindlichkeit

Reize sind nicht nur der laute Geräuschpegel im Büro oder auf der Straße, oder Menschenmengen, in denen wir uns beklommen fühlen. Reize haben viele Gesichter und Gestalten. Reize entstehen nicht nur im außen, sondern auch in uns selbst, in Form von Gedanken, Gefühlen, Träumen, Glaubenssätzen etc. Als HSP sind wir außerdem prädestiniert dafür, einen Reiz aufzunehmen und ihn schwer wieder loszulassen. (Nicht umsonst können viele Hochsensible über eine achtlos dahingeworfene Bemerkung anderer wochenlang nachgrübeln …) Man weiß heute:

Das Gehirn arbeitet zu 85-90% automatisch

Das bedeutet, dass der Einfluss, den wir bewusst auf unser Gehirn nehmen können sehr gering ist. Die meisten unserer Handlungen und Reaktionen vollziehen sich ganz automatisch. (Deswegen ist es vermutlich auch so schwer, sein Verhalten zu verändern). Außerdem arbeitet das Gehirn relativ schlampig, indem es verschiedene ähnliche Erfahrungen miteinander zu sog. Clustern verschmilzt, so dass sie sich wie eine einzige Erfahrung anfühlen.

Zuerst kommt der Trigger…

Unter „Trigger“ versteht man einen Schlüsselreiz oder Auslöser, der bei Wahrnehmung besondere Verhaltensweisen auslöst. Schlüsselreize können angeboren sein (z. B. schließen wir die Augen, wenn das Licht zu grell wird), wir können sie aber auch von anderen Menschen übernehmen (z. B. die Reaktion auf wohlhabende Menschen) oder aber auch selbst konstruieren (durch eigenes Erleben).

Wann immer wir mit einem anderen Menschen in eine soziale Interaktion treten – egal ob virtuell oder im echten Leben – sind wir nur mit einem sehr kleinen Teil unseres Bewusstseins in der tatsächlichen Situation. Der viel größere Teil unseres Bewusstseins ist im „automatischen Gehirn“, in der Vergangenheit, in anderen Situationen mit anderen Menschen, die sich ähnlich angefühlt haben. Dem kann man praktisch nicht entgehen. Aber man kann es sich bewusst machen.

Wenn wir bei dem eingangs genannten Beispiel bleiben, dann wird Person B getriggert durch das, was Person A geschrieben hat. Der Auslöser kann irgendetwas sein (manchmal hat es nicht einmal etwas mit dem Inhalt zu tun, sondern mit der Art und Weise, wie es vorgebracht wird).

Wenn Person B heftig reagiert, reagiert sie aber nur mit einem Bruchteil auf die tatsächliche Situation in der Gegenwart, sondern auf eine Situation, die lang vorbei ist. Vielleicht hat die Antwort Erinnerungen an die Streitsituationen mit einem Bruder ausgelöst und schon setzt sich eine automatische schnippische oder aggressive Reaktion in Gang.

Vielleicht fühlt Person B sich angegriffen in ihren Werten und Glaubenssätzen. Wie entstehen Glaubenssätze eigentlich?

Glaubenssätze und Verhaltensmuster bestimmen unser ganzes Denken und Handeln, auch, wenn uns das nicht bewusst ist. (Es ist vermutlich überflüssig, aber ich erwähne trotzdem der Vollständigkeit halber, dass es um Dinge geht, die wir uns ganz früh im Leben angeeignet haben.) Ganz besonders kommen diese Lernerfahrungen natürlich im Umgang mit anderen zum Tragen. Dementsprechend schnell lassen sich die meisten Menschen antriggern, ohne zu ahnen, worauf sie gerade reagieren. Ich zum Beispiel gehe innerlich die Wände hoch, wenn jemand anfängt zu katastrophisieren oder zu lamentieren über die ungerechten Zustände in der Welt. Meine Verteidigung: ich höre einfach nicht mehr hin. Das passiert ganz automatisch.

Letzten Endes treffen bei Konflikten immer Menschen mit verschiedenen Lernerfahrungen und Interessen aufeinander. Für hochsensible Menschen kommt erschwerend hinzu, dass sie anderen Menschen gerne helfen wollen (ich glaube, das liegt uns im Blut!) Aber die Wahl der Mittel kann dabei durchaus ein wenig zweifelhaft sein. Ich finde es oft bestürzend, wie leicht es ist, andere Menschen, die man nicht einmal persönlich kennt, mit Worten zu bedrängen …

… und dann die Gefühle

Eigene und andere Emotionen werden manchmal sehr intensiv wahrgenommen, das kann wie Öl aufs Feuer wirken und oft zu überzogenen Reaktionen führen (die andere nicht verstehen können, wenn sie nicht die Geschichte der anderen Person kennen und sie besser einordnen können). Und gerade WEIL wir um unsere besondere Empfindlichkeit und die anderer hochsensibler Menschen wissen, sollten wir uns mit Samthandschuhen anfassen und uns um Freundlichkeit und Neutralität bemühen – auch und gerade, wenn wir den/die andere/n nicht verstehen können. Außerdem:

Es gibt Handlungsalternativen

Grundsätzlich erscheint es mir sehr sinnvoll, keine allzu emotionalen Kommentare negativer Natur abzusetzen. Wenn Sie mal in unangemessener Weise angegangen werden, können Sie sich sagen, dass das alles herzlich wenig mit Ihnen zu tun hat. Sie sind einfach nur der Auslöser, der jetzt die emotionale Reaktion abbekommt, die für jemanden in der Vergangenheit bestimmt ist. Machen Sie also einfach innerlich einen Schritt zur Seite.

Oder Sie gewöhnen sich an, Posts vor dem Absenden 10 Minuten stehen zu lassen und noch einmal durchzulesen – und vielleicht doch lieber zu löschen. Habe ich auch schon gemacht … Selbst wenn der Finger schon oben ist und sich senken will, kann man das noch machen. Und es ist wirklich IMMER besser, Sie schreiben von sich selbst, warum Sie etwas so und so empfinden als jemand anderen zu attackieren. Natürlich ist es auch ganz sinnvoll, sich mal in einer ruhigen Minute vielleicht mit dem eigenen Reaktionsverhalten zu beschäftigen und was man daran optimieren könnte.

Ich habe mir für die obige Situation mittlerweile auch Handlungsalternativen angeeignet. Der Grund für meine o. g. Abneigung liegt übrigens darin, dass ich es lange Zeit nicht geschafft habe, mich von den negativen Überstülpungen anderer abzugrenzen, so dass ich diese heute für mich mit „Gefangensein“ (in einer Situation) assoziiere. Mein automatisches Verhalten darauf war einfach innere Flucht. Heute kann ich mein Gegenüber höflich darauf hinweisen, dass ich nur eine Information wollte und keine Abhandlung über die schlechten Zustände. Das funktioniert ganz gut. Oder sagen, dass ich nicht mehr zuhören kann.

Übrigens habe ich eine ganze Zeitlang auch mit der Klopfakupressur beklopft, dass es mir partout nicht gelingen wollte, ein bestimmtes Verhalten zu ändern – schließlich ist der Wirkmechanismus von der Klopfakupressur, bestimmte Reiz-Reaktionsmuster aufzubrechen und zu verändern.

Monika Richrath,  www.eft-fuer-hochsensible-menschen.de, Autorin von „EFT-Klopftechnik für Hochsensible“ und „Die Geheimnisse des gesunden Schlafs“

 

Trauma & Hochsensibilität

INTERVIEW MIT DER TRAUMATHERAPEUTIN ANNE WEIß

HSP: Liebe Anne, was ist ein Trauma und wie entsteht es?
Anne: Die Auslöser für ein Trauma können ganz unterschiedlich sein. Zusammenfassend ist ein psychisches Trauma immer eine Reaktion auf eine Extremsituation, auf die ein Mensch nicht angemessen vorbereitet war, die alle seine bisherigen erlernten Bewältigungsmechanismen komplett aushebelt und überfordert und zugleich unser gesamtes System automatisch in einen ‚Not-Modus‘ schaltet, dass in erster Hinsicht dem Über-Leben dient. Nachdem die üblichen Überlebensstrategien Flucht oder Kampf nicht mehr funktionieren, ist die einzige Möglichkeit die ‚Flucht nach Innen‘, um das Erlebte auszublenden, abzukapseln und sich so vor weiterem Schmerz und Ohnmacht zu schützen.
Neben Unfällen, Naturkatastrophen, sowie seelischem oder körperlichem Missbrauch, kann z.B. ebenso eine Operation oder langer Klinikaufenthalt, Mobbing, Umzug, die Diagnose einer lebensbedrohlichen Erkrankung, die Kündigung des Arbeitsplatzes sowie der plötzliche Verlust oder Tod einer nahestehenden Person oder Tieres, ein schwerwiegendes Trauma auslösen. Und mitunter reicht es auch, nur als hilfloser und handlungsunfähiger Augenzeuge dabei gewesen zu sein oder auch ein Trauma schlichtweg ‚vererbt‘ bekommen zu haben.

HSP: Fördert ein seelisches Trauma die Hochsensibilität bzw. bedingt es diese Veranlagung/ Gabe vielleicht sogar maßgeblich?
Anne: Auch wenn die individuelle emotionale Bewertung einer Situation letztendlich bei jedem Menschen unterschiedlich ist, befindet sich der Betroffene nach einem intensiven und prägenden traumatischen Erlebnis permanent in einem sehr hohen Stresslevel, wenngleich dieses von außen oft nicht sichtbar ist. Hochsensible Menschen, die alles noch weitaus intensiver und umfassender wahrnehmen, geraten mitunter noch mehr in Stress, da sie stetig versuchen einen tieferen Sinn zu finden, um das Geschehen in einem größeren Kontext einordnen zu können. Aus meiner Erfahrung wird Hochsensibilität bzw. die intensivere und umfassendere Wahrnehmung auf allen Ebenen, jedoch nicht ursächlich durch ein Trauma ausgelöst, sondern höchstens verstärkt.

HSP: Sind HSP mehr/ intensiver von diesem Thema betroffen?
Anne: Ja, in den meisten Fällen vor allem durch die viel umfassendere und intensivere Informationsverarbeitung. Ich habe jedoch viele hochsensible Klienten erlebt, welche die von außen betrachteten hochdramatischen Situationen in ihrem Leben vor allem durch ihre besondere Gaben, mit der sie immer schon seit Kindheit an mit einer ‚höheren Intelligenz‘ verbunden sind, überhaupt überlebt haben und die Ihnen maßgeblich geholfen hat, nicht daran zu verzweifeln.

HSP: Welche Folgen und Auswirkungen kann ein Trauma bewirken?
Anne: Die möglichen Folgen können sehr unterschiedlich sein und sind sehr vom Einzelnen, seinen bisherigen Erfahrungen und seiner psychischen Widerstandskraft (Resilienz) abhängig. Die moderne Hirnforschung hat gezeigt, dass unbewältigbare Belastungen auch zu Veränderungen, Destabilisierungen und Auflösung bisheriger stabiler neuronaler Verschaltungen in unserem Gehirn führen können und somit auch zu grundsätzlichen Veränderungen des Denkens, Fühlens und Handelns führen, die uns nachhaltig daran hindern, stabil und Selbst- Bestimmt im Leben zu stehen.
Oft kommt jedoch zu den blockierten und eingefrorenen Ressourcen, verbunden mit Schock und Ohnmacht, noch der Verlust von Seelenanteilen hinzu. Das sind zum einen Anteile, die sich abspalten und wie ein kleines Kind bzw. Seelenkind in den ‚Kindergarten des Unterbewusstseins‘ in Sicherheit gebracht wurden und zugleich auch Seelenaspekte wie Freude, Vertrauen, Sicherheit, Leichtigkeit, etc.
Dieses führt dann oft zur Dissoziation des traumatisierten Klienten. Zugleich wird das ‚energetische Leck‘ mit fremden Anteilen besetzt und somit leben traumatisierte Menschen oft nicht nur mit angezogener Handbremse, sondern auch schlichtweg, ohne es zu merken, nicht mehr selbstbestimmt ihr eigenes Leben.
Das erlebte Trauma wird zwar vom Bewusstsein zu unserem Schutz abgespalten, auf neuronaler Ebene und in unserem gesamten Zellgedächtnis ist es jedoch weiterhin in uns verankert, kann auf diese Weise nicht wieder ‚entladen‘ werden und bewirkt eine Erstarrung, die von den Betroffenen oft als ‚geistige Lähmung‘ und dem Eindruck ’nicht mehr vollständig mit dem Leben verbunden zu sein‘ empfunden wird.
Diese tiefgehenden und prägenden Ereignisse und damit verbunden auch die ins Unterbewusstsein verschobenen Seelenanteile/ Seelenaspekte möchten jedoch geheilt werden und sind auch auf der unterbewussten Ebene noch aktiv, von wo aus sie auch nach vielen Jahren immer wieder durch plötzlich auftretende Flashbacks, Schuldgefühle, Suchtverhalten oder unangemessene Ängste und Panikanfälle auftauchen können, ohne dass auf den ersten Blick ein kausaler Zusammenhang hergestellt werden kann.
Es ist möglich, dass die Symptome nach einem einmaligen traumatischen Erlebnis (Schocktrauma) innerhalb einiger Zeit wieder von allein abklingen, sobald wir wieder in Sicherheit sind und das Leben gut weitergeht. Wenn es jedoch keine Möglichkeit gibt, das Erlebte adäquat zu verarbeiten oder die traumatische Situation über längere Zeit bestand (Entwicklungstrauma), kann es zur Ausbildung intensiver psychischer Symptome kommen wie z.B. die PTBS = Posttraumatische Belastungsstörung, (unangemessene) Wut und Agressionen, Selbstzweifel, depressive Verstimmungen, selbstverletzendes Verhalten/ Todesnähe, Sucht- und Abhängigkeitssyndrome, Schlafstörungen/ Alpträume/ Flashbacks oder verschiedener weitreichender psychosomatischer Symptome.

HSP: Wie kann man ein Trauma auflösen?
Anne: Je früher nach dem traumatischen Erlebnis fachliche Hilfe und Begleitung in Anspruch genommen wird und damit auch die ‚energetischen Abdrücke‘ des Schocks im Körperzellgedächtnis entladen werden, desto kürzer dauert in der Regel die traumatische Phase. Wichtig ist eine geordnete Verarbeitung des Traumas sowie die Auflösung bzw. Reduzierung der traumatypischen Symptome. Neue Wege in der Traumatherapie verbinden dabei körperorientierte Ansätze mit Methoden der transpersonellen Psychologie und Energie- und Informationsmedizin. So werden auf sanfte Weise die alten neuronalen Verbindungen schrittweise entkoppelt, die Energieblockaden aufgetaut und kontrolliert entladen und eine Neu-Strukturierung der neuronalen Vernetzungen sowie eine Abkopplung der im gesamten Zellgedächtnis gespeicherten emotionalen Verbindungen zu den traumatischen Erinnerungen ermöglicht, ohne nochmals in alte und schmerzliche Geschichten hinein zu gehen.

HSP: Brauchen HSP eine andere/ besondere Therapie bzw. therapeutische Begleitung?
Anne: Hochsensible Menschen haben oftmals in ihrem Leben bereits verschiedene Aspekte von Grenzüberschreitungen, Vertrauensbrüchen und Machtmissbrauch erlebt. Daher profitieren vor allem diese Klienten sehr von einer ‚Therapie auf Augenhöhe‘. Verbunden mit einem hohen Maß an Achtung und Wertschätzung Ihrer Person und mit einer vertrauensvollen Beziehung zum Therapeuten steht der hochsensible Klient in seiner Einzigartigkeit im Mittelpunkt und definiert zugleich durch seine persönlichen Bedürfnisse die individuelle Vorgehensweise in der therapeutischen Sitzung.

HSP: Was ist speziell unter ‚Sanfter Traumatherapie für Hochsensible‘ zu verstehen?
Anne: „Sanfte Traumatherapie“ verbindet verschiedene Methoden der modernen Traumatherapie mit neuen Erkenntnissen aus Gehirnforschung und Neurowissenschaften, Körperpsychotherapie sowie Energie- und Informationsmedizin aus der traditionellen schamanischen Heilkunde. Da hochsensible Menschen mit den inneren Welten/ inneren Bildern meist gut vertraut sind, bekommen sie mit Hilfe von transpersonal imaginativen Verfahren, wie z.B. schamanischen Seelenreisen in Verbindung mit Tiefenfeldentspannung/ Heilhypnose rasch einen Zugang zu tiefer liegenden Schichten ihres Unterbewusstseins zur Rückholung der verlorenen Seelenanteile und Auflösung von antrainierten/ konditionierten Schutzmechanismen und Selbst- Sabotageprogrammen. Mit Hilfe von Körperkerzen und anderen Heil- und Reinigungsritualen können die im Körper abgespeicherten energetischen Abdrücke kontrolliert entladen und entfernt werden und zugleich eine neue energetische Signatur für ein selbstbestimmtes Leben im Hier und Jetzt voller Freude und Leichtigkeit erschaffen werden.

HSP: Herzlichen Dank für die interessanten Informationen

Anne Weiß, www.der-heilsame-weg.de, Heilpraktikerin für Psychotherapie

Hochsensibel und eine 40-Stunden-Woche – passt das zusammen?

(Von Uma Ulrike Reichelt)

Kennst du das, dass du dich schon beim Begriff „40-Stunden-Woche“ gestresst fühlst und dich manchmal fragst, wie das überhaupt gehen soll? Was tut man jetzt als hochsensible Person, wenn selbst Normalsensible mit einer 40-Stunden-Woche oft schon vor lauter Belastung stöhnen, es aber irgendwie noch zu schaffen scheinen? Seit meinem gesundheitlichen Zusammenbruch in 2003 habe ich mir solche Fragen sehr oft gestellt, weil seitdem meine Kräfte-Kapazitäten ein „normales“ Arbeitsvolumen einfach nicht mehr ermöglichen und ich viel Zeit für mich brauche. Oft habe ich mich selbst unter Druck gesetzt, weil ich dachte, ich muss genau so viel arbeiten wie andere. Ich habe mich mit Menschen verglichen, die nicht hochsensibel sind und ganz andere Stärken und Aufgaben in ihrem Leben haben haben als ich. Dann entdeckte ich neue Aspekte von Arbeitszeit jenseits vom normalen Büroalltag, die in der allgemeinen Arbeitswelt allerdings nicht als Arbeit gelten. Besonders für Hochsensible sind sie aber ganz real und wichtig als solche anzuerkennen.

3 Aspekte der etwas anderen 40-Stunden-Woche für Hochsensible

  1. Aspekt: Verarbeitungszeiten sind Arbeitszeiten. Hochsensible Menschen verarbeiten Reize viel intensiver und detaillierter als Normalsensible. Das benötigt nicht nur mehr Kraft sondern gehört für mich eindeutig in die Kategorie Arbeitszeit.

 Erkenne, dass Verarbeitungszeit Arbeitszeit ist.

Wichtig: Also, wenn du das nächste Mal einen „Verdauungsspaziergang“ machst oder einfach nur vor dich hin schaust, um Eindrücke zu verarbeiten, dann sei dir bewusst, dass dies ganz eindeutig Arbeitszeit ist. Je besser du dich damit entspannst und deine Auszeiten nimmst, umso mehr Kraft und Klarheit hast du dann wieder für deine beruflichen Dinge.

  1. Aspekt: Innere Prozesse sind Arbeitszeiten. Innere Arbeit, um angestauten Stress und seelische Belastungen loszulassen und Frieden mit sich selbst und dem Leben zu schließen, gehören ganz klar in die Kategorie Arbeitszeit. Sie benötigen viel Kraft und Aufmerksamkeit und sind für das Wohlbefinden elementar wichtig.

Erkenne, dass innere Arbeit ganz normale Arbeitszeit ist.

Wichtig: Jedes Mal, wenn du Stress und Belastungen spürst und sie dann auflöst – sei dir gewiss, dass dies Arbeitszeit ist und kein Hobby. Du arbeitest an deiner Gesundheit und deinem Wohlergehen. Das wird sich sehr positiv auf dich und dein Leben auswirken – und dich auch beruflich stärken.

  1. Aspekt: Nachzudenken und zu reflektieren ist Arbeitszeit. Wenn du dir die Zeit nimmst, dich zu spüren, zu reflektieren und dich inspirieren zu lassen, dann ist das eine ganz wertvolle Art zu arbeiten und ist eindeutig Arbeitszeit.

Erkenne, dass Reflexion und Inspiration Arbeitszeit ist.

Wichtig: Beim Nachdenken und Reflektieren bekommst du Klarheit und neue Impulse für dich und dein Leben. Deine innere Ausrichtung und dein Fokus bestimmen sehr stark deinen Lebenskurs und deine Lebensqualität. Das ist etwas, woran es sich lohnt immer wieder zu arbeiten. Diese Art der Arbeitszeit bringt dich persönlich wie beruflich weiter.

ZUSAMMENFASSUNG: Du leistest viel mehr, als dir bewusst ist, wenn du dich in dieser erweiterten Sicht auf Arbeitsleistung und Arbeitszeit betrachtest. Eine 40-Stunden-Woche kann also auch ganz anders aussehen. Wenn du dir Druck machst, dass du wie andere arbeiten solltest, dann erinnere dich immer wieder daran, dass Arbeitsvolumen und Arbeitszeit mehr als nur 1 Definition haben. Wichtig ist, dass du dich wohlwollend behandelst und auf deine Bedürfnisse eingehst. Und das ist kein Hobby.

Alles Gute bei deiner neuen und ganz persönlichen Art der 40-Stunden-Woche wünscht dir

Uma

Uma Ulrike Reichelt, www.uma-u-reichelt.com, Autorin von „Schnell & sicher ins Burnout“

Was die Suche nach der eigenen Identität für Hochsensible bedeutet

INTERVIEW MIT DEM BUCHAUTOR UND DIPLOM-PSYCHOLOGE DR. HERMANN RÜHLE

HSP: Lieber Hermann, zunächst herzlichen Glückwunsch zu Deinem neuen Buch „Was bin ich? Wie bin ich? Wozu bin ich?“ Es ist soeben im Buchhandel erschienen. Kannst Du uns kurz beschreiben, worum es darin geht?

Hermann: Wir müssen herausfinden, wer wir sind. Sonst blüht uns ein bedauernswerter Tod. Sagt der britische Management-Philosoph Charles Handy: „Ich bin zu der Überzeugung gelangt, dass das Leben im Grunde eine Suche nach der eigenen Identität ist. Jene Menschen, die sterben, ohne zu wissen, wer sie eigentlich sind oder wozu sie wirklich imstande gewesen wären, sind bedauernswert.“

Wer sich allerdings mit der viel zu pauschalen Frage „Wer bin ich?“ auf die Suche macht, ist auf dem Holzweg. Ich zeige in meinem Buch, wie wir unserer Identität mit den drei konkreten Fragen „Wie, was und wozu bin ich?“ wirklich auf die Spur kommen.

Für Hochsensible ist die Auseinandersetzung mit der Frage „Wie bin ich?“ besonders wichtig und ergiebig. Wer nur mit seinen vermeintlichen Schwächen kämpft, aber nie erkannt und ausgeschöpft hat, wozu er wirklich imstande gewesen wäre, ist bedauernswert.

HSP: Stellen sich alle Menschen die Frage „Wer bin ich?“ oder neigen beispielsweise Hochsensible eher dazu und warum?

Hermann: Jeder Mensch denkt immer wieder darüber nach, wer er ist und was ihn von seinen Mitmenschen unterscheidet. Identität definiere ich so: Es ist meine Vorstellung von mir, entstanden durch meinen Vergleich mit anderen und durch meine Erfahrungen mit anderen. Hochsensible merken selber, dass sie anders „ticken“ als die meisten anderen. Weil aber die Mehrheit bestimmt, was normal ist, zweifeln Hochsensible eher an sich selbst und „gewinnen“ zusätzlich allerlei Erfahrungen nach dem Motto „Hab dich nicht so, sei nicht so empfindlich, reiß dich mal zusammen!“

dielus_Was_bin_ich_Cover_SchattenHochsensible können nur gewinnen, wenn sie sich mit der Frage „Wie sehe ich mich selbst?“ mit ihrem Selbstbewusstsein auseinandersetzen, welches Bild sie von sich haben, wie sie sich einschätzen und wertschätzen.

Unter Geltungsdrang leiden Hochsensible nicht. Ihr Geltungsbewusstsein ist unterentwickelt. Die Frage „Was bin ich, was gelte ich in den Augen meiner Mitmenschen?“ plagt sie wenig. Hochsensible sind eher Sinnsucher als Statussucher. Ihnen ist die innere Stimmigkeit und Unabhängigkeit wichtiger als äußerer Erfolg und Status. Statussucher beziehen ihr Selbstverständnis aus ihrem Ansehen in der Öffentlichkeit. Statusversessene liefern sich Prestigezuerkennern aus, die sich in Prestigeaberkenner verwandeln können. Vor dieser Gefahr sind Hochsensible gefeit.

Neben dem Selbstbewusstsein und dem Geltungsbewusstsein gibt es eine dritte Unterabteilung der Identität, das Sinnbewusstsein, die Frage nach dem „Wozu bin ich?“. Sinn entsteht, wenn Menschen das Leben nicht nur vor sich hinplätschern lassen, sondern etwas Besonderes daraus machen, über sich hinauswachsen, etwas Bleibendes schaffen und Spuren hinterlassen. Nach einer Studie gehören dreißig Prozent der Deutschen zur Gruppe der „existenziell Indifferenten“, die mit Sinnfragen nichts am Hut haben. In einer anderen Studie fanden sich noch mehr Sinnverweigerer: Danach sind vierzig Prozent der Bevölkerung „unbekümmerte Alltagspragmatiker“, die Fragen nach dem Sinn des Lebens als irrelevant betrachten. Die hochsensiblen Sinnsucher gehören weder zu der einen noch der anderen Gruppe.

 HSP: Warum ist es entscheidend zu erkennen, was andere sein wollen, aber nicht sind und was hat das mit unserer eigenen Persönlichkeit zu tun?

Hermann: Wer ich bin, weiß ich, wenn mir klar wird, wie ich mich von anderen unterscheide. Ich bin, weil ich anders bin! Doch Mitmenschen müssen nicht nur zu Vergleichszwecken herhalten, sie sind überhaupt eine Quelle der Selbsterkenntnis. Wenn wir aus anderen schlau werden, kommen wir uns nicht nur selbst auf die Schliche, sondern wir gehen anderen auch nicht auf den Leim. Das schützt uns vor identitätsgestörten Zeitgenossen, die ihre Probleme auf unsere Kosten lösen wollen.

Im Buch beschäftige ich mich mit den wichtigsten Als-ob-Persönlichkeiten, mit Narzissten, Hochstaplern und Größenwahnsinnigen, vor denen wir auf der Hut sein müssen. Mit der fatalen Konstellation männlicher Narzisst trifft auf hochsensible Frau haben sich Diana Kolb und Silvia Christine Strauch in ihren bei dielus erschienenen Büchern auseinandergesetzt.

Mancher Hochstapler ist aufgeflogen, weil ein Hochsensibler mit seinem sechsten oder siebten Sinn geahnt hat, dass da etwas nicht stimmen kann.

Vermutlich sind nicht wenige Hochsensible als eingebildete Hochstapler unterwegs. Das sind Menschen mit einem intensiven, geheimen Empfinden der Betrügerei angesichts des eigenen Erfolges und der eigenen Leistung. Man glaubt, dass man den eigenen Erfolg nicht verdient hat, hält sich für einen Vortäuscher falscher Tatsachen. Vor allem Perfektionisten und Leute, die innerlich zu Hochleistungen getrieben werden, sind für dieses sogenannte Hochstaplersyndrom anfällig.

Der echte Hochstapler leidet unter seinem fehlenden Status, bildet sich ein, das nicht verdient zu haben und startet eine Karriere als Identitätsbetrüger. Der eingebildete Hochstapler leidet an Selbstbetrug, besitzt aufgrund seines verdienten Erfolges einen hohen Status und bildet sich ein, den nicht verdient zu haben. Ein Trost: Wer sich einbildet, seinen Erfolg nicht verdient zu haben, dem fehlt jegliche Voraussetzung für den Größenwahn. Überhaupt, einen hochsensiblen Größenwahnsinnigen kann ich mir nicht vorstellen.

HSP: Können Hochsensible mit Hilfe der Selbsterkenntnis an Selbstsicherheit gewinnen und höheres Durchsetzungsvermögen erlangen?

Hermann: Wenn das so einfach wäre! Im Buch beschreibe ich die Zusammenhänge und behaupte, dass unsere „wahre“ Identität in unserem Selbstbewusstsein sitzt und durch das „Wie sehe ich Denken1mich selbst?“ nicht ganz erfasst wird. Die ergänzende Frage „Was halte ich von mir selbst?“ führt uns zum Selbstwertgefühl, zum wichtigsten Teil unseres Selbstbewusstseins. Unser Selbstwertgefühl besteht aus bewussten und unbewussten Anteilen und ich zeige, wie man hinter beide kommen kann. Ich gehe darauf ein, wie Selbstwertgefühl und Selbstsicherheit zusammenhängen. Dass jeder Mensch einen Standardwert an Selbstachtung besitzt, der sich kaum verändern oder entscheidend verbessern lässt. Dass alle direkten Versuche, das Selbstwertgefühl aufzupäppeln, fast nie funktionieren. Und welche Möglichkeiten uns bleiben, Selbstzweifel loszuwerden, uns selbst zu akzeptieren und ein bisschen mehr zu mögen.

Ein tragfähiges Selbstbewusstsein ist die Voraussetzung für ein selbstbewusstes Auftreten. Mensch mit gesundem Selbstbewusstsein strahlen Selbstsicherheit aus und sind durchsetzungsfähig.

HSP: Welche 3 Tipps hast Du für unsere hochsensiblen Leser auf dem Weg zur Selbsterkenntnis?

In meinem Buch fasse ich die Ergebnisse zur Identitätssuche in zwölf Navigationshilfen zusammen. Für Hochsensible sind drei besonders wichtig:

1. Seien Sie sich selbst bewusst.

Geben Sie sich eine überzeugende Antwort auf die Wie-bin-ich-Frage. Entdecken Sie sich selbst. Seien Sie sich Ihrer Einzigartigkeit bewusst. Verwandeln Sie Ihre vermeintlichen Schwächen in Chancen. Wuchern Sie mit Ihren außergewöhnlichen Gaben, die Sie als hochsensibler Mensch besitzen und die den Normalos fehlen. Bringen Sie Ihr Potenzial in passenden Betätigungsfeldern zur Wirkung und sich zur Geltung. Die Schauspielerin Heike Makatsch: „Ich habe gelernt, Ja zu sagen und in den richtigen Momenten auch Nein. Der einzige Kompass, den ich habe, bin ich selbst.“

2. Entziehen Sie sich der Tyrannei des Vergleichs

Vergleichen Sie sich nicht dauernd mit anderen, um sich überlegen oder unterlegen zu fühlen. Feiern Sie lieber Ihr eigenes Leben. Falsche Vergleiche drängen uns in die Rolle des Verlierers. Der Lebenskünstler vergleicht sich mit den richtigen Leuten. Die Schauspielerin Fritzi Haberlandt: „Ausstrahlung ist, wenn man in der Welt steht und mit dem, wie man ist und was man macht, zufrieden ist. Niemand anderer sein zu wollen – das ist das Geheimnis.“

abenteuer13. Kennen und testen sie Ihre Grenzen

Seien Sie sich als Hochsensibler klar darüber, wo Ihre Stärken, aber auch wo Ihre Grenzen liegen. Das bewahrt Sie vor Abstürzen und lässt Sie, wenn nötig, nach Hilfe suchen. Testen Sie aber auch Ihre Grenzen, nur so entwickeln Sie sich weiter. Der Schriftsteller Sten Nadolny: „Wenn du etwas kannst, dann nicht nur deshalb, weil du es geübt hast, sondern auch, weil du es gewagt hast.“

HSP: Herzlichen Dank für das interessante Gespräch.

Dr. Hermann Rühle, www.dr-ruehle.de, Autor von „Was bin ich? Wie bin ich? Wozu bin ich?“

 

Wenn du das Glück hast, hochsensibel zu sein, ändere es nicht!

(Von Astrid Hess)

Hochsensibel ist ein Geschenk!?

Hochsensibel ist „In“!?

Hochsensibel ist keine Ausrede!?

Hochsensibel ist keine Störung!?

Hochsensibel ist „anders sein“!?

Hochsensibel ist ein Geschenk!? Ist das so?

Ich bin Astrid und schon immer hochsensibel… nur wusste ich das nicht ;). Als vor einigen Jahren ein Freund zu mir sagte: „Astrid, you are highly sensitive”, fühlte ich mich sowas von gesehen und war sehr berührt… Ups, was war das denn? Also habe ich mich aufgemacht zu verstehen was da gerade in mir passierte. Ich las Artikel im Netz und kaufte mir die Bücher ersten Bücher dazu: “Sind sie hochsensibel?” von Dr. Elaine Aron und “Die Berufung für Hochsensible“ von Luca Rohleder.

JA, DAS BIN ICH – Es war ein Ausatmen, ein Ankommen, ein verstanden werden, ein MICH verstehen und ein weiteres JA zu mir! Plötzlich wurde alles logisch und klar.

Sätze, die du vielleicht auch kennst, wie ….

  • “Du musst einfach in deiner Mitte bleiben!”
  • “Du musst dich besser abgrenzen!”
  • “Du darfst dir nicht alles so zu Herzen nehmen!”
  • “Schalt doch mal ab!”
  • “Oh, du bist immer so empfindlich!”

…. bekamen nun eine andere Bedeutung!

Sie hatten mir immer das Gefühl gegeben, falsch zu sein – es einfach nicht hinzukriegen.

Ich habe alles gegeben und versucht, um trotz meiner Sensibilität den Ansprüchen gerecht zu werden und war selbst mein härtester Antreiber. Dabei habe ich mich selbst massiv unter Druck gesetzt und bin weit über meine dünnhäutigen Grenzen gegangen. Bis zum Burnout!

Ich habe nichts mehr gespürt, wirklich nichts mehr… und das war im Rückblick so wichtig und gut! Im Kloster habe ich dann meine 1. IchZeit gemacht und dort ein Meditationswochenende bei Bhante Rhatmale Punnaratana (buddh. Mönch aus Sri Lanka) besucht. Mit seiner bedingungslosen Liebe konnten ich meine Sinne wieder achtsam öffnen für ein sanftes und liebevolles wahrnehmen und spüren.

DAS IST LEBEN und wie wertvoll ist es so sensitiv wahrnehmen zu können.

Es ist tatsächlich ein Geschenk. Doch was braucht es, um dies wirklich als Geschenk erleben zu können, wo es doch in unserer Gesellschaft oft so hinderlich scheint. In meiner Praxis und meinen Seminaren begleite ich insbesondere Frauen – davon viele hochsensibel – in ein selbsterfülltes und freies Leben. Ja… du liest richtig, hochsensibel, selbstbestimmt und frei schließt sich nicht aus. Aus meiner Erfahrung liegt Hochsensibilität i.d.R. ein schmerzhaftes oft auch traumatisches Erleben in der frühen Kindheit zugrunde.

Und genau darin liegt auch dein Geschenk.

Hierbei ist es wichtig zu verstehen, das nicht all das DU bist. Hochsensibel…empfindsam ist nicht (d)eine unverrückbare Identität, sondern es ist wesentlicher Teil der dich ausmacht.

Werden wir durch ein Erleben aufs heftigste erschüttert, z.B. durch eine lebensbedrohliche Situation schaltet alles in uns auf Alarm. Ein Überlebensmodus wird aktiviert, damit wir Schmerz oder gar Todesangst „aushalten“ (überleben) können. Da es absolut unmöglich ist in einer solchen Situation die gesamten Informationen wahr- bzw. aufzunehmen, sucht unser System einen Ausweg, um dieser akuten Überflutung zu entgehen. Auswege (Überlebensmechanismen) können unterschiedlich sein wie z.B. emotionale Trennung des Erlebten oder ein Ausblenden des Schmerzes.

Ich kann erneut nur aus meiner Praxis und meinem erfahrenen Wissen berichten. Wissenschaftlich ist der Zusammenhang von Hochsensibilität und Trauma nicht belegt. Doch mir erscheint es als eine logische Folge.

Ein Beispiel von mir, um es zu verdeutlichen:
Meine Mutter hat sich direkt nach meiner Geburt von mir abgewandt. So wurde ich gleich – und das auch in den folgenden 8 Monaten – in die unterschiedlichsten Hände von Pflegerinnen eines Kinderheimes gegeben. SCHOCK …. Klar musste ich als Säugling diese Vielfallt von Erleben, Fühlen und Erfahren filtern. Nur so war es möglich zu überleben, die Todesangst und den Schmerz dieser gnadenlosen Ablehnung direkt aus dem warmen Schoß der Mutter auszuhalten bzw. auszublenden. Eine andere Möglichkeit gibt es für ein Neugeborenes nicht. Ich habe überlebt und mir ist es gelungen anzuerkennen und zu verstehen. Für mein Leben heute ziehe ich daraus eine wunderbare Stärke, tiefe Liebesfähigkeit und eben diese sensible Gabe, die mich als Begleiterin sehr wertvoll macht. Natürlich bin auch ich viele therapeutische und heilsame Wege gegangen.

Ich habe das Glück hochsensibel zu sein, und ändere es nicht!

Es ist ein Geschenk, weil es mir gelingt diese hochsensible Seite zu erlauben und zu würdigen, statt damit meiner gesamten Persönlichkeit eine Identität zu geben. Es ist ein Teil von mir, der es mir u.a. ermöglicht sehr fein und sensitiv wahrzunehmen, Menschen und ihr innerstes zu spüren, Situationen vorauszusehen, achtsam zu sein, bedingungslos zu lieben usw.

 Was du nun tun kannst, um dich und dein SEIN ebenso als Geschenk zu erfassen. Wende das was du für andere fühlst und tust für dich selbst an.

So einfach ist das!!!

  • Du bist feinfühlig, spürst andere sehr genau.
    Nimm dir jeden Tag Zeit diese Gabe für dich zu nutzen. Spüre für DICH zu DIR: „Was brauchst du gerade.“ „Was tut dir jetzt gut?“ Suche dir Antworten nicht im außen. Finde sie in dir. Du weißt es. Zu viel im außen könnte dich verunsichern 😉
  • Deine Sinne sind meist auf Empfang geschaltet.
    Nutze es und verbinde dich mit Kraft der Erde und der Weite des Himmels, um dich zu erden und dich mit DIR zu verbinden. Lausche der Stille und Weisheit der Natur. Atme ein – Atme aus.
  • Du kannst dich schnell und auch bedingungslos verlieben.
    Öffne dein Herz für die Person, die das hier gerade liest. Liebe dich bedingungslos – Jetzt. JA, jetzt. Mach hier eine kurze Pause und schau mit einem liebevollen Blick zu dir. Und wenn dir das komisch vorkommt, ist das normal. Tu es trotzdem und das mindestens 1x täglich 😉
  • Du bist emphatisch.
    Wunderbar! Dann kannst du gut in dich hineinspüren, dich verstehen, anerkennen und würdigen, d.h. Schau jeden Abend bevor du schlafen gehst auf deinen Tag. „Was ist dir (gut) gelungen?
    Sprich es laut zu dir selbst im Spiegel oder ….

….. gestalte dein Zauberglas

Hess_IMG_9469 (2)Schreibe diese 3 Dinge (oder mehr) jeden Abend auf bunte Zettel, falte sie zusammen und sammle sie in einem Glas. Zum Ende des Jahres z.B. an Weihnachten oder Sylvester nimmst du dir deine Zeit öffnest bei Prosecco und Kerzenschein dein Glas mit deinen kleinen Briefen.
Du wirst staunen, wie wertvoll du bist!

 

Hab`s zauberschön,
Astrid

Ich zeige dir, wie du DEIN Leben aus vollem Herzen erfüllt und frei leben kannst!
»Lebendig. Lustvoll. Wunderbar.«

Astrid Hess, Zauberfrau, Mutmacherin, Berührende – Heilpraktikerin für Psychotherapie, www.astridhess.de

Hochsensibilität und Wu Wei – die Kunst nichts zu tun

(Von Monika Richrath)

Kennen Sie auch das Gefühl von totalem Stillstand in Ihrem Leben? Der absolute Frust, auf der einen Seite die Dinge, die Sie nicht mehr wollen, die Sie SO nicht mehr wollen, auf der anderen Seite eine nebulöse Zukunftsvision davon, wie die Dinge Ihrer Meinung nach sein sollten. Aber es geschieht NICHTS.

Das kann sich furchtbar anfühlen,

wie in einem Sumpf zu stecken, aus dem man sich einfach nicht befreien kann. Erst recht nicht, wenn Sie aktiv versuchen, etwas an Ihrer Situation zu verändern. Da eines der Merkmale der Hochsensibilität eine erhöhte Stressempfindlichkeit ist, kann es natürlich sein, dass Sie anfangen innerlich zu rotieren. Vielleicht fangen Sie an, fieberhaft zu überlegen, was Sie noch probieren können und was auch noch … Aber was immer Sie auch probieren, es funktioniert nicht. Es gibt keine Veränderung – oder wenn, dann nur zum Schlimmeren. Jetzt wissen Sie nicht weiter.

Relaxen_1200x627Eines haben Sie vielleicht noch nicht probiert: gar nichts zu tun. Loszulassen, die Hände in den Schoß zu legen und die Angelegenheit sich selbst zu überlassen. In China hat man dafür sogar einen Begriff:

Wu Wei

Dieser Begriff stammt aus dem Daoismus. Das Dao wird als Wirkprinzip für den Kosmos angesehen – eine Art schöpferische und ordnende Kraft, die allem zugrunde liegt und in die man möglichst wenig eingreifen sollte. Handlung soll erst dann erfolgen, wenn sie leicht und mühelos ist, blinder Aktionismus führt meistens nicht viel weiter (außer dass man sich beschäftigt hält).

Das Gras wächst nicht schneller,

wenn man daran zieht, lautet ein Sprichwort, das mir ausgesprochen gut gefällt und das ich mir tatsächlich dann und wann selbst aufsage. Theoretisch bin ich felsenfest davon überzeugt, dass es für alles eine richtige Zeit gibt. Praktisch ist das mit dem Nichtstun natürlich manchmal schwierig auszuhalten. Gerade, wenn man als hochsensibler Mensch schnell in Stress gerät und zu Kopfkino neigt.

Ich glaube auch daran, dass sich Dinge in Stille entwickeln, in dem unendlichen Raum des scheinbaren Stillstands. Jedenfalls habe ich schon häufig die Erfahrung gemacht, dass sich nach Zeiten des gefühlten Stillstands plötzlich neue Türen öffnen und es weiter geht. Vermutlich haben Sie selbst das auch schon erlebt. Mir fällt gerade ein, dass ich einmal gehört  habe, dass bei den Aborigines Menschen nach einer Krankheit einen neuen Namen bekommen, weil sie sich dadurch verändern und entwickeln. Das hat mir sehr gefallen.

Alles entsteht in Stille

Vielleicht brauchen unsere inneren Funken diesen vermeintlich leeren Raum um in uns zu wachsen und langsam, langsam und an die Oberfläche unseres Bewusstseins zu steigen?

Obwohl ich wirklich absolut dafür bin, täglich in dem minimalistischen Rahmen von zwei bis fünf Minuten über einen längeren Zeitraum zu klopfen, habe ich doch auch schon mehrfach die Erfahrung gemacht, dass es gut sein kann, eine Klopfpause einzulegen, einen Schritt zurück zu machen und dem Körper und Geist die Zeit zu geben, die Veränderungen zu integrieren. Das geschieht nämlich nicht über Nacht. Wenn ich dann wieder mit dem Klopfen anfange, habe ich bislang immer das Gefühl gehabt, dass sich meine Ausgangsbasis verändert hat, ich quasi auf einem höheren Level starte. Auch, wenn ich die Veränderung nicht immer konkret benennen kann (Das kommt auch hin und wieder vor). Etwas hat sich verändert, das reicht.

Loslassen

Nichts tun, bedeutet auch loszulassen, was immer gerade ist. Zu vertrauen, dass das richtige geschieht (auch wenn ich den Sinn gerade nicht sehe oder verstehe),Relaxen2_1200x627 egal wie schrecklich die Erfahrung ist, die ich gerade mache. Letzten Endes helfen uns alle Erfahrungen dabei, uns weiterzuentwickeln und zu wachsen, herauszufinden, wer wir sind und was wir eigentlich wollen – was häufig vielleicht gar nichts mit dem Leben zu tun hat, das wir tatsächlich führen.

Loslassen können hat auch immer etwas mit Vertrauen zu tun. Vertrauen darin, dass es etwas oder jemanden gibt, der mich unterstützt und mir beim Wachsen hilft. Das kann eine wirkliche Herausforderung sein, vor allem, wenn man das Gefühl hat, dass

einem gerade alles um die Ohren fliegt.

Dieses Jahr ist in dieser Hinsicht äußerst anstrengend und hält viele Lernaufgaben bereit: Geht Ihnen das auch so? Wenn Ihnen das Hände in den Schoß legen schwer fällt, probieren Sie es doch einmal mit einem Mittelweg:

Beobachten Sie die Situation

schreiben Sie Ihre Beobachtungen vielleicht sogar auf. Wer macht was wann warum? Was belastet Sie? Was möchten Sie eigentlich tun? Warum? Warum geht es nicht? Vielleicht kommen Sie so zu ganz neuen Erkenntnissen oder entwickeln einen Klopfsatz. Oder probieren Sie einmal die Switchwords

LÄCHELN-LEUCHTEN

GÖTTLICHE ORDNUNG-STILL

zu klopfen. Das können Sie machen, so oft es Ihnen in den Sinn kommt.

Monika Richrath, Autorin von „EFT-Klopftechnik für Hochsensible“

Wie können sich Hochsensible vor einem Burnout schützen?

INTERVIEW MIT DER BUCHAUTORIN UMA ULRIKE REICHELT

HSP: Du hast 2003 selbst einen schweren gesundheitlichen Zusammenbruch gehabt, aus dem später dein Buch „Schnell & sicher ins Burnout“ entstanden ist. Wie macht sich ein Burnout bemerkbar?

Uma: Wenn wir von einem nahenden Burnout sprechen, dann ist das das Gefühl, immer schwerer „den Kopf über Wasser halten zu können“. Das kann einhergehen mit überreizten Nerven, ständig kreisenden Gedanken und Gefühlen sowie Schlafstörungen. Das Gefühl, den verschiedenen täglichen Situationen Grafik5und Reizen ausgeliefert zu sein, sich überwältigt zu fühlen, wird dann immer stärker. Im Gegenzug ist dann nicht genügend Energie und psychische Robustheit da, dies abzupuffern. Allerdings bemerken viele Menschen gar nicht, dass sie sich auf ein Burnout zu bewegen. Stress macht blind. Blind für unsere Bedürfnisse und unser Befinden. Das heißt, wir können uns und unsere Grenzen im Anspannungs-Modus nicht gut spüren. Erst nach dem Abklingen einer Anspannung bemerken wir zum Beispiel, wie müde oder erschöpft wir eigentlich sind. Um das Bemerken einer Burnout-Dynamik zu erleichtern habe ich 12 typische Aussagen gesammelt, die ein Burnout ankündigen können:

  1. „Ich kann seit mindestens 3 Monaten schlecht oder gar nicht mehr abschalten und stehe unter Strom.“
  2. „Ich habe seit Monaten Schlafprobleme/Schlafstörungen und fühle mich früh wie zerschlagen.“
  3. „Mir sitzen die Arbeit und Sorgen ständig im Nacken.“
  4. „Ich komme einfach nicht hinterher, ich habe immer einen großen unerledigten Berg vor mir“
  5. „Ich fühle mich zunehmend überfordert und schnell überreizt.“
  6. „Ich fühle mich kraftlos und kann bald nicht mehr.“
  7. „Ich habe viele Kreisgedanken, bin schnell gereizt und ungeduldig.
  8. „Ich habe Konzentrationsprobleme und bin oft vergesslich.
  9. „Ich habe Ängste und Panikattacken, z.B. „Ich schaffe das alles nicht mehr!“
  10. „Ich habe körperliche Verspannungen und Schmerzen.“
  11. „Ich fühle mich zunehmend lustlos und getrieben, mir geht der Sinn verloren.“
  12. „Ich ziehe mich zurück von anderen Menschen.“

Je mehr Aussagen du mit „Ja“ für dich beantwortest, umso höher ist deine momentane Stessbelastung.

HSP: Sind Hochsensible besonders Burnout gefährdet?

Uma: Hochsensible Menschen nehmen intensiv wahr und verarbeiten Reize viel detaillierter als normal sensible Menschen. Es ist, als ob immer ein Verstärker an allen Gefühlen, Gedanken und Wahrnehmungen ist. Das kann sehr anstrengend sein und verbraucht viel Kraft und Energie. Das macht sie einerseits anfälliger für ein Burnout. Andererseits kommt Hochsensiblen ihre gute Wahrnehmung zugute. Sie spüren oft besser als Normalsensible, wie es ihnen geht und haben damit die Möglichkeit, rechtzeitig den Kurs zu ändern. Hochsensible benötigen aber allgemein besonders viel Selbstliebe und Selbstpflege, um in der Balance zu bleiben oder sie wieder herzustellen. Wichtig ist es, gezielte Methoden kennen zu lernen und regelmäßig anzuwenden, die sich ausgleichend und beruhigend auf das stark beanspruchte Nervensystem auswirken. So kann Stress abgebaut und Kraft wieder aufgebaut werden. Als sehr positiv erweisen sich zum Beispiel TRE® und EFT.

HSP: Gibt es wiederkehrende Muster, die Hochsensible schnell ausbrennen lassen und wie kann man diese lösen?

Uma: Ja, die gibt es. Ich möchte auf 3 ganz typische eingehen.

  1. Das Thema Vergleichen. Vergleichst du dich als HSP mit Normalsensiblen, z.B. wenn es um die Leistungsstärke und Robustheit im Berufsleben geht? Der Wunsch, „normal“ und genau wie „die anderen“ zu schaffen und zu sein, kann schnell zur Überanstrengung führen, da das eigene gesunde Maß übergangen wird. Sich selbst nicht zu respektieren und fremden Maßstäben anzupassen ist für Hochsensible ein starker Krankmacher.

Lösungsmöglichkeit: Statt dich mit anderen zu vergleichen und dabei oft schlecht wegzukommen, erkenne deine Wesensart und Gaben an und suche dir für diese gute Vorbilder, die das leben, was dir wichtig ist.

  1. Das Thema Perfektionismus. Setzt du dich oft selbst unter Leistungsdruck? Hochsensible haben hohe Anforderungen an sich selbst. Hier tritt die Selbstüberforderung, oft durch Perfektionismus, in Kraft. Hochsensible Menschen neigen trotz begrenzter Energiereserven häufig dazu, immer noch alles zu geben. 80% ist einfach nicht gut genug und eher inakzeptabel. Oft werden die eigenen Leistungsgrenzen gar nicht oder erst zu spät wahrgenommen – wenn die Erschöpfung schon eintritt.

Lösungsmöglichkeit: Versuche immer mal wieder statt 150% einfach mal 80% zu geben und schaue, wie es dir kräftemäßig danach geht. Erlaube dir,  neue Standards zu setzen, die dir und deiner Kraft im Moment entsprechen. Frage dich immer wieder: Wie sehr strenge ich mich gerade an und wie könnte ich es mir leichter machen?

  1. Das Thema fehlende Selbstliebe und Selbstpflege. Kannst du dich, so wie du bist annehmen und gut für dich sorgen? Wenn Du als HSP nicht genügend auftankst, Stress abbaust und auf deine Bedürfnisse achtest, dann spürst du das recht schnell im Alltag. Du fühlst dich dann schneller gestresst, überreizt und verlierst mehr Energie als du wieder auffüllst. Das kann auf Dauer zu einer Erschöpfungsdepression führen.

Lösungsmöglichkeit: Setze dir 3 „Zehn-Minuten-Inseln“ der Entspannung in deinen Tag. In diesen 10 Minuten kannst du dich für 3 Dinge loben, die dir gut gelungen sind und dir die 3 Existenz-Fragen stellen, auf die ich am Ende noch zu sprechen komme.

HSP: Welche Tipps hast Du für Hochsensible im Alltag, um sich vor einem Burnout zu schützen bzw. nicht erneut in ein Burnout zu geraten?

Uma: Es ist unglaublich wichtig, sich selbst immer besser kennen und lieben zu lernen und nach den eigenen Bedürfnissen und Werten zu leben. Dazu gehört Grafik4auch, mit sich und dem Leben ins Reine zu kommen und in Einklang mit elementaren Lebensgesetzen zu leben. In meinem Buch werden 5 dieser Lebensgesetze für mehr Energie, Balance und Lebensfreude sehr praktisch erklärt. 

Ganz wichtig ist es, sich mindestens 3 Mal am Tag 10 Minuten Zeit zu nehmen, um zu spüren, wie es dir gerade geht und ob du gerade auf deiner eigenen Spur unterwegs bist. Hierzu kannst du dir folgende 3 Existenz-Fragen stellen, die du auch im Buch findest. Mit ihnen kommst du sofort wieder zu dir und sorgst für dich:

  1. Auf einer Skala von 1-10, wobei 1 sehr schlecht und 10 sehr gut ist – Wie geht es mir gerade?
  2. Was brauche ich gerade, was würde mir gerade gut tun?
  3. Wie kann ich das jetzt umsetzen?

Und es dann auch direkt tun!

Abschließend möchte ich noch sagen, dass die kleinen Dinge, die wir täglich tun, mehr Einfluss auf unser Leben haben, als wir oft glauben. Du kannst deine Gesundheit stark beeinflussen, wenn du sie in deine Hände nimmst und gut für dich sorgst. Dazu findest du im Buch etliche Anregungen und praktische Übungen für deinen Alltag.

HSP: Vielen Dank für das schöne Gespräch, liebe Uma

Uma Ulrike Reichelt, www.uma-u-reichelt.com, Autorin von „Schnell & sicher ins Burnout“

Eignet sich die berufliche Selbstständigkeit für Hochsensible?

INTERVIEW MIT DER BUCHAUTORIN SANDRA TISSOT

 

HSP: Welche Herausforderungen gibt es für Hochsensible im Job-Alltag allgemein?

Sandra: Das klassische Angestelltendasein suggeriert zunächst Sicherheit. Es kann sich für Hochsensible aber schnell wie ein „Gefängnis“ anfühlen. Gerade dann wenn sie sich nicht selbst entfalten können und die eigentliche Entscheidungsgewalt immer bei anderen liegt. Ein vordefiniertes Arbeitsumfeld, fremdgesteuerter Leistungsdruck und die stille Abhängigkeit von Vorgesetzen, Kollegen oder Kunden bringen Hochsensible schnell an körperliche und auch an gesundheitliche Grenzen. Ein Ursache dafür liegt in mangelnden oder fest vorgeschrieben Regenerationsphasen (feste Arbeits- Mittagszeiten etc.). HSP benötigen aber gerade diese Regeneration viel häufiger, um neue Energie zu tanken.
Die aus Unternehmersicht vielgelobten Großraumbüros sind für Hochsensible beispielsweise auf Dauer unerträglich. Lärmpegel und der erzwungener Umgang mit anderen Menschen auf engstem Raum können zur enormen Stressbelastung avancieren. Ein klassisches Angestelltenverhältnis führt Hochsensible hier nicht selten in eine tiefe Sinnkrise.

HSP: Du hast ein Buch darüber geschrieben. Welche Chancen siehst Du für Hochsensible in der Selbstständigkeit? Welche Vorteile der Hochsensibilität lassen sich hier nutzen?

dielus_hsp_selbststaendigkeit_umschlag_2017Sandra: Hochsensible sind im Grunde ihres Herzens oft absolute Freigeister. Sie legen großen Wert auf Unabhängigkeit. Sie treffen gern selbstbestimmte Entscheidungen. HSP haben außerdem ein ausgeprägtes Harmoniebedürfnis. Wirklich kreativ werden sie meist erst dann, wenn sie keinen starren Strukturen oder Hierarchien folgen müssen. Die berufliche Selbstständigkeit ermöglicht es ihnen, an vielen Stellen eigenmächtig Entscheidungen zu fällen. Sie können wählen, mit wem sie zusammenarbeiten und welche Rahmenbedingungen dafür förderlich sind. Angefangen bei der Gestaltung des Arbeitsplatzes, über die flexible Zeiteinteilung bis hin zur Projektauswahl. Mit auf das hochsensible Naturell abgestimmten Regenerationsphasen, blühen HSP hier nicht selten erst richtig auf.

Dabei können HSP Ihre Fähigkeiten zum vollen Einsatz bringen. Dank einer ausgeprägten Wahrnehmung wissen sie oft vorher instinktiv, was funktioniert und richtig ist. Hochsensible können in komplexen Zusammenhängen denken. Darüber hinaus sind sie oft in der Lage Kunden dort abzuholen, wo sie sich aufgehoben und gut beraten fühlen. Alle wertvollen hochsensiblen Gaben wie Empathie, Intuition, Kreativität, vernetztes Denken sowie Ideenreichtum lassen sich in der Selbstständigkeit ideal nutzen.

HSP: Der Sprung in die Selbständigkeit stellt für viele Hochsensible eine große Herausforderung dar. Wie können Hochsensible Selbstzweifel und Existenzängste überwinden?

Sandra: Gesunde Selbstzweifel gehören dazu, sie bewahren Hochsensible vor Fehlentscheidungen und leiten sie wie ein unsichtbarer roter Faden. Entscheidend ist es geplant vorzugehen. Es ist absolut nicht empfehlenswert ein Angestelltenverhältnis aus einer Laune heraus zu kündigen. Emotional geleitete Kurzschlussreaktionen sind selten ein guter Ratgeber.

Eine berufliche Selbstständigkeit ist immer nur so gut, wie ihre Vorbereitung. Recherchearbeit, Behördengänge und ein gut organisierter Businessplan sind ein absolutes Muss. Steht die geplante Selbstständigkeit auf einem soliden Fundament, gibt das Hochsensiblen Sicherheit und minimiert Existenzängste. Mit Hilfe der Organisation erhalten HSP auch ein realistisches Bild, welche Risiken sie eingehen. Ein Tipp: Suchen Sie gezielt den Kontakt zu anderen Selbstständigen (im Idealfall hochsensible Selbstständige) entweder im Freundes- und Bekanntenkreis oder auf Gründertreffen etc. Diese haben den Weg der Selbstständigkeit bereits beschritten und können eine wertvolle Unterstützung sein.

HSP: Welche Tipps kannst Du Hochsensiblen mit auf den Weg geben, um dauerhaft erfolgreich in der Selbstständigkeit zu sein?

Sandra: Nicht nach dem perfekten Timing suchen, denn das gibt es nie. Natürlich finden sich immer Gründe, die auch gegen ein Vorhaben sprechen. Wenn Hochsensible zu lange in diesen Zweifeln verharren, schaffen sie unter Umständen den Sprung in die Selbstständigkeit ebenfalls nie. Mit einer soliden Verbreitung und einer schrittweisen Umsetzung lassen sich übertriebene Ängste in den Griff bekommen. Hier gehört u. a. ein guter Businessplan aber auch die Zusammenarbeit mit einem guten Existenzgründer-Berater dazu. Es gibt mittlerweile sogar welche, die sich auf Hochsensible spezialisiert haben.

Wichtig ist es, sich folgende Tatsache vor Augen zu führen: Die absolute Sicherheit gibt es nicht! Weder im Angestelltenverhältnis noch in der Selbstständigkeit. Wie genau Sicherheit definiert wird und an welchen Stellen sie uns lediglich suggeriert wird, entscheidet jeder für sich selbst. Hochsensible können die berufliche Selbstständigkeit als wertvolle Chance sehen, dass eigene hochsensible Naturell optimal auch im Beruf zu nutzen.

Zu jeder unternehmerischen Tätigkeit gehören auch Rückschläge dazu. Hochsensible nehmen sich diese meist nur mehr zu Herzen. Vertrauen Sie dann auf Ihren Instinkt und auf Ihre feinen Antennen, öffnen sich oft ungeahnte neue Türen. Diese Türen nutzen und hindurchgehen muss jedoch jeder Hochsensible selbst.

HSP: Vielen herzlichen Dank für das Gespräch, liebe Sandra.

Sandra Tissot, sandra-tissot.com, Autorin von „Hochsensibilität und die berufliche Selbstständigkeit“

Hochsensibler trifft auf krankhaften Narzissten

(Von Silvia Christine Strauch)

Hochsensible Menschen scheinen Narzissten geradezu anzuziehen. Sie sind einfühlsam, suchen den Fehler meist bei sich selbst und versuchen sich möglichst gut in den anderen hineinzuversetzen. Darüber hinaus hat der Hochsensible meist ein Abgrenzungsproblem und umgibt sich oftmals mit Partnern, die ihn für die eigene Befindlichkeit verantwortlich machen. Das verbreitete Helfersyndrom bei Hochsensiblen macht es dem Narzissten leicht.

Was ist Narzissmus

Narzissmus ist ein abnormes, krankhaftes Verhalten, eine Persönlichkeitsstörung. Sie bezeichnet eine übertriebene Selbstbezogenheit. Narzissten sind wahre Meister der Manipulation und suchen sich oftmals empathische Menschen aus, die das Gute im anderen sehen. Im Urgrund sind Narzissten unsichere Menschen. Um sich selbst zu erhöhen, werten sie alles und Jeden um sich herum herab. Keiner ist gut genug, keiner macht auch nur irgendetwas richtig, die ganze Welt stürzt auf einen großen Abgrund zu. Narzissten haben kein Moralempfinden und leben in ihrer eigenen Realität, die keiner nachvollziehen kann. Menschen sind für ihn nur das Mittel, um irgendetwas erreichen zu können. Dabei halten sie sich durchaus für etwas Besonderes, das heißt ihr Auftreten ist selbstbewusst und dominant. Seinen Mitmenschen gegenüber ist er rücksichtslos und geht über Leichen, um seine Meinung durchzusetzen. Gefühle von anderen gelten für ihn nichts, seine eigenen Gefühle stehen über allem. Ein Narzisst reagiert auf Kritik gekränkt und beleidigt, er ist überaus neidisch.

Der Narzisst steht konstant unter Spannung, hat dabei eine aktive, lebendige Ausstrahlung, charismatisch eben, hält aber andere Menschen immer gefühlsmäßig auf Distanz. Narzissten lügen ohne rot zu werden, auch wenn man ihnen das Gegenteil beweisen kann. Sie schrecken auch nicht davor zurück, in einer halben Stunde das Gegenteil vom vorher Gesagten zu behaupten. Der Partner wird auf jeden Fall herabgesetzt wo es nur geht, womit er versucht emotionale Kontrolle auszuüben. Letztendlich überschreitet ein Narzisst konstant die Grenzen seiner Mitmenschen, er vereinnahmt und nutzt sie aus.

Die Beziehung zu einem Narzissten

Die typische Beziehung mit einem Narzissten beginnt außerordentlich positiv. Narzissten können äußerst charmant sein, wenn sie ein Ziel verfolgen. Um ihr Ziel zu erreichen, umgarnen sie ihren neuen Partner nach allen Regeln der Kunst, bestärken ihn in seiner Meinung und machen ihm Komplimente über Komplimente, bis er dahin schmilzt und meint die Liebe seines Lebens gefunden zu haben. Dabei legt er gute Manieren und ein verführerisches Verhalten an den Tag.

Als nächste Stufe erzeugt der Narzisst Mitleid bei seinem Partner, indem er von Krankheiten und Schicksalsschlägen berichtet, um Verständnis vom Partner zu fordern, dabei scheut er nicht davor zurück, dies durch Schluchzen und Weinen zu unterstreichen. Er kann sein Leid als nicht zu ertragendes Drama erscheinen lassen. Erst dann setzt mehr oder weniger langsam die Kehrtwendung ein. Er findet immer mehr negative Dinge an seinem Partner, beteuert aber trotzdem seine Liebe zu ihm. Man kann dem Narzissten nichts recht machen, er spricht viel darüber, sieht aufgrund seiner Liebe aber geflissentlich darüber hinweg. Man sollte ihm wirklich dankbar dafür sein. Andererseits ist man daran schuld, wenn es ihm selbst nicht gut geht. Man widmet ihm zu wenig Zeit, immer und ewig, egal wie viel Zeit man mit ihm verbringt. Oftmals kommt eine krankhafte Eifersucht dazu, so dass man sich nicht mehr getraut überhaupt eine andere Person zu begrüßen. Oder eine Kontrollsucht, am besten man geht nicht einmal mehr alleine einkaufen. Der Narzisst will alles unter Kontrolle haben.

Das Leben mit einem Narzissten

Bei der Gesprächsführung zeigt er schnell Desinteresse, sofern ihn das Thema nicht nachhaltig interessiert. Er wirkt gelangweilt und antwortet meist einfach gar nicht mehr. Er beherrscht den geringschätzigen Blick. In diesem fortgeschrittenen Stadium wird der Narzisst immer übergriffiger, er schreit, brüllt, bis hin zu Tobsuchtsanfällen. Er stellt die Glaubwürdigkeit des anderen in Frage, er macht nicht nur Vorwürfe und Unterstellungen, sondern kann bis zu Bedrohungen gehen. Spott, Zynismus, emotionales Erpressen sind an der Tagesordnung.

Dies führt dazu, dass man sich als Partner zum einen schuldig fühlt und zum anderen eine große Leere in sich verspürt. Es kommt keine wirkliche Nähe auf. Eine Kommunikation gestaltet sich äußerst schwierig, da der Narzisst weder zuhört, noch auf das Gesagte eingeht. Oftmals überhört er Erzähltes einfach. Nur wenn er sich einen Vorteil für sich verspricht, wird er kurzzeitig zuhören. Vorwürfe sind an der Tagesordnung, auch hirnrissige Dinge, die völlig aus der Luft gegriffen sind. Spricht man ihn darauf an, bzw. beweist ihm das Gegenteil, so wird er es mit seinem Stress begründen. Er hat nur gestritten oder Vorwürfe gemacht, um seinen Stress abzubauen, der von seiner Arbeit kommt, von seiner Familie oder von den Nachbarn. Irgendeiner ist immer schuld. Und er scheut sich nicht davor seinen Partner zutiefst zu verletzten, um damit seinen Stress abzubauen, ohne irgendein Gefühl der Reue. Damit übernimmt er Macht und Kontrolle in der Beziehung. Er vermittelt ständig das Gefühl nicht beachtet zu werden, er fordert konstant mehr Bewunderung und Bestätigung.

Der Narzisst sieht sich prinzipiell als Opfer und übernimmt in keiner Weise Verantwortung für sich und sein Handeln. Er hat sich sehr weit von seinem wahren Selbst entfernt, er spürt sich nicht mehr, er kann nicht mehr authentisch sein und sucht in der Außenwelt einen Partner, der diesen Mangel ersetzen kann.

Auch wenn sie dir noch so oft ihre Liebe beschwören, sie wissen nicht was Liebe ist, sie versuchen dich damit nur zu manipulieren. Der Narzisst nimmt und der hochsensible Mensch gibt, das wird sich nie ändern. Die Gefühle anderer Menschen berühren ihn nicht.

Der einzige, der dem Narzissten wichtig ist, ist er selbst. Und selbst wenn man ihn überreden kann therapeutischen Hilfe in Anspruch zu nehmen, wird er eher den Therapeuten wechseln, als sich selbst zu ändern.

Die Aufgabe für den Hochsensiblen

Und hier stellt sich die Frage, was soll ich dadurch lernen? Der Hochsensible soll lernen sich abzugrenzen, für sich selbst Verantwortung zu übernehmen und sich klarmachen, dass er für seine eigenen Gefühle verantwortlich ist. Letztendlich soll er sich endlich selbst wichtig nehmen und nicht nur immer die anderen Menschen. Er muss lernen keinen emotionalen Missbrauch hinzunehmen und sein Selbstwertgefühl stärken. Eine Hilfe ist es auch immer, sich aus der Luft wie über einer Bühne schwebend zu beobachten, das gibt Abstand und rückt vieles dahin, wo es hingehört.

Je nachdem wie weit eine hochsensible Person entwickelt ist, kann es im Verlauf der Beziehung zu einem Narzissten auch dazu führen, dass der hochsensible Mensch lernt zu explodieren, laut zu werden und zu streiten, bis hin zur Unsachlichkeit. Man sollte dies als Weg zur Bewältigung der Abgrenzungsproblematik einstufen, solche Ausfälle regulieren sich mit der Zeit wieder. Ein Narzisst lernt übrigens nicht aus seinen Fehlern, der Hochsensible schon, deshalb kann man jedem nur raten sich von einem Narzissten zu trennen. Das sollte man sich selbst wert sein! Jeder verdient einen Partner, der einen um einen selbst willen liebt.

Silvia Christine Strauch, Buchautorin von „Meine Hochsensibilität positiv gelebt“

Was kann ich tun, wenn ich Grenzen setzen möchte und mich vor negativen Reaktionen fürchte?

(Von Sabine Brunke-Reubold)

Gerade für dich als hochsensibler Mensch ist es wichtig, dass du gut für dich sorgst und deutlich Nein sagst, wenn du etwas nicht tun möchtest. Doch was ist, wenn die Befürchtung, dass die Menschen in deinem Umfeld darauf negativ reagieren, dich davon abhält?

So bekommst du es hin, trotzdem zu deinem Nein zu stehst und dich nicht verunsichern zu lassen:

Lass dir Zeit – Gerade, wenn du beginnst, Grenzen zu setzen, ist es wichtig, dass du nachsichtig mit dir umgehst. Es ist völlig normal, dass es zuerst schwer fällt und öfter mal nicht klappt. Lass dich davon nicht beirren und versuch es einfach weiter.

Fange mit kleinen Herausforderungen an – Übe das Nein sagen in Situationen, die für dich nicht so wichtig sind: an der Telefonhotline, im Restaurant, Fremden gegenüber. Immer wenn etwas nicht in deinem Sinne läuft, hast du die Möglichkeit, das zu sagen und darum zu bitten, dass es geändert wird. Der Vorteil: Wenn es nicht klappt oder du eine Absage kassierst, hat das keine große Auswirkung.

Setz dich in Ruhe mit der Situation auseinander – vermeide Schnellschüsse. Wenn du unvorbereitet und aufgewühlt größere Themen angehst, kann das dazu führen, dass du entweder schnell aufgibst oder aus Unsicherheit sehr harsch wirst.

Prüfe dich selbst – wie wichtig ist mir das Anliegen? Nur wenn du klar zu deiner Position stehst, kannst du sie auch überzeugend vertreten und deinem Gegenüber signalisieren, dass du es ernst meinst. Bist du unsicher, wäge noch einmal alles ab und schau, ob du Sicherheit gewinnen kannst. Wenn nicht, lass es lieber, denn dann ist das Risiko, zu klein beizugeben, ziemlich groß.

Mach dir vorher Gedanken – wieviel Kraft kann ich dafür aufwenden, zu meiner Position zu stehen, und ab wann kann ich mich damit arrangieren, dass ich zurückstecke? Was kann schlimmstenfalls passieren? Überlege dir, welche Argumente du brauchst, um deine Position deutlich zu machen, gerade am Anfang hilft es, deutlich zu untermauern, warum dir diese Grenze wichtig ist. Aber Vorsicht: Nicht in die Rechtfertigungsfalle laufen – wenn du dich immer mehr rechtfertigst, führt das nur dazu, dass du dich selbst verunsicherst.

Vertraue auf eure Beziehung – Menschen, denen du wichtig bist, werden Verständnis für dich entwickeln, weil ihnen dein Wohlergehen am Herzen liegt. Und wenn dein Gegenüber dauerhaft ablehnend auf dein Anliegen reagiert, lohnt es sich, genauer hinzuschauen, wie gut euer Verhältnis wirklich ist.

Auf jeden Fall gilt: Lass dich nicht von deiner Angst abhalten – mach dir klar: du hast das Recht für dich zu sorgen!

Sabine Brunke-Reubold, www.die-kommunikationslotsin.de, bloggt im Gedanken-Seiten-Blog

Let’s talk about Sex – ein hochsensibles Thema?

(Von Johanna Ringe)

Über realen Sex, den Sex, der in Deinem Schlafzimmer passiert. Du windest Dich innerlich ein bisschen? Klar, das kennen wir alle: das ist ein schwieriges Thema für fast alle Menschen in unserer Gesellschaft… dieses Fass will ich hier gar nicht aufmachen. Mir geht es (fast) nur um den Sex von und mit Hochsensiblen.

Mit Hochsensiblen kann Intimität oft komplizierter sein, muss es aber nicht. Im Gegenteil.

Wir sind prädestiniert für ein erfüllendes sinnliches Erleben. Unser hochsensibles System kann feinste Reize differenziert wahrnehmen und noch die sanftesten Berührungen erspüren. Oft spüren wir Dinge schon, bevor sie dann geschehen und sind fähig zu intensivsten Reaktionen, sprich Orgasmen. Ein Hochsensibler, der sich und seinen Körper kennt und liebt, kann seine Sexualität genießen. In diesem Satz stecken schon die wichtigsten Aspekte drin, die im Übrigen für jeden Menschen gelten: seinen Körper mit allen Besonderheiten und Bedürfnissen muss man gut kennen, um sich in ihm wohl zu fühlen, und in ihm gute sexuelle Begegnungen mit anderen Körpern zu haben. Außerdem gilt es, den eigenen Körper mit allen vermeintlichen Unzulänglichkeiten zu lieben. Denn nur dann kann ich mich frei fühlen in der Begegnung mit anderen Körpern, ob beim Sport, am Strand oder eben im geteilten Bett.

Dazu kommen die Phantasie und das Einfühlungsvermögen…

Der Erfindungsreichtum der Hochsensiblen bringt auch in die Sexualität Außergewöhnliches ein. Unter den Hochsensiblen gibt es viele experimentierfreudige oder „andersartige“ sexuelle Erscheinungsformen, von unterschiedlichsten Spielarten wie beispielsweise BDSM über Poly-, Homo-, Bi-, Trans- oder Pansexualität bis hin zu ungewöhnlichen Partnerschaftsformen und damit einhergehenden Lebensweisen. Ob unter demselben Dach oder in verschiedenen Städten, ob zu zweit, zu dritt oder zu mehreren… wenn der Mensch sich erst einmal über seine persönlichen Wünsche und Besonderheiten im Klaren ist, dann ist vieles möglich.

Es gilt den großen Schritt zu wagen, Dich selbst wirklich so zu leben, wie Du Dich fühlst.

Der Weg dorthin ist oft verstellt von den anerzogenen und unbewusst übernommenen Glaubenssätzen und moralischen Vorstellungen. Diese zu hinterfragen und gegebenenfalls abzustreifen wie eine zu klein gewordenen Haut ist einer der wichtigsten Schritte.

Lerne zu unterscheiden, was wirklich Deins ist, und was Du übernommen hast, oder welche Gefühle Du gerade von Deinem Partner empfängst. Lerne Deine eigene Sensibilität zu lesen. Deine Grenzen zu wahren ist gerade beim Sex gleichzeitig superwichtig und schwer. Es ist ein lohnender Lernprozess. Vielleicht einer der Gründe dafür, dass der Sex in vielen Beziehungen über die Zeit immer besser wird. Das liegt aber auch daran, dass Hochsensible verlässliche Umfelder mögen, und in Sicherheit aufblühen*. (Wenn also nach dem Umzug in die neue Wohnung der Sex erst einmal an ungewohnten Geräuschen aus der Nachbarschaft scheitert, nicht verzweifeln sondern durchhalten!)

Auch die Partner müssen erst lernen, mit diesem so anderen Menschenwesen zurecht zu kommen.

Da hochsensible Menschen oft von ihren eigenen Gefühlen geradezu überwältigt werden, und dazu tendieren, sich mehr den Bedürfnissen ihres Gegenübers zu widmen als den eigenen, ist sich zu Verlieben oft ein totaler Ausnahmezustand. Die hohe Sensibilität und die längere Verarbeitungszeit, der lange Nachhall von Erlebnissen, werfen uns zu Beginn einer neuen Beziehung oft aus der Bahn. Manchmal wird die eigene Intensität als beängstigend empfunden. Genauso erschrickt vielleicht auch der nicht hochsensible Gegenpart.

Die Besonderheiten des Sex bei Hochsensiblen:

Beziehungen zwischen Hochsensiblen können himmlisch, geradezu verschmelzend sein, aber auch höllisch anstrengend, da sich vieles potenziert. Zu intensive Stimulation oder zu direkte Reize führen oft dazu, dass die Erregung schlagartig verschwindet. Genauso wie Ablenkung durch Geräusche etc. Sexuelle Anspielungen müssen subtil sein und oft ist ein tiefes ehrliches Gespräch erregender als jede absichtsvolle Stimulation. Um einen hochsensiblen Partner sexuell glücklich zu machen, muss man selbst sehr sensibel werden für Nuancen und Erregungsniveaus. Es gilt sich einzulassen, die Belohnung ist eine weitaus intensivere Sexualität.

Das Geheimnis glücklich befriedigter Hochsensibler…

Das große Geheimnis? Ist keines. Lerne Dich selbst gut kennen und kommuniziere offen. Das ist schon alles, wirklich!

Finde heraus wer Du wirklich bist, und zeige Dich dann. Wo könnte man das besser üben als im geborgenen Vertrauen einer Partnerschaft? Offen zu sagen, was Du möchtest, was angenehm ist, und was dir nicht gefällt, ist das Wichtigste. Selbst wenn Du als HSP viele Reaktionen Deines Partners deuten kannst, mach Dich bitte frei von der Idee, dass im Bett Gedanken gelesen werden. Es werden Reaktionen beobachtet und interpretiert – und dabei gibt es eine große Fehlerquote. Erspart Euch das, indem ihr den Mund aufmacht, und über Eure Wünsche und Bedürfnisse redet. Also: redet miteinander, kommuniziert Wünsche, bestätigt Annahmen… tauscht Euch aus.

Das ist anfangs vielleicht merkwürdig, kann aber derart bereichernd auf Eure Sexualität wirken, dass es sich definitiv lohnt, den Mund aufzumachen!

Ganz zu schweigen davon, dass ein ehrliches Gespräch über das, was den Beteiligten beim Sex gefällt oder fehlt, eines der anregendsten Vorspiele ist, die die Menschheit sich bisher hat einfallen lassen…

Johanna Ringe, Psychosoziales Coaching, www.dein-buntes-leben.de

Die Geschichte vom Adler, der glaubte ein Huhn zu sein!

(Von Petra Schneider)

Ein Mann fand eines Tages ein Adlerei, nahm es mit nach Hause und legte es in das Nest einer ganz gewöhnlichen Haushenne. Ein kleiner Adler schlüpfte parallel mit ein paar Hühnerküken aus dem Ei und wuchs zusammen mit diesen auf. Sein ganzes Leben lang versuchte der Adler sich wie ein Huhn zu benehmen, was ihm aber nicht immer gelang. Manchmal fühlte er sich fremd unter all den Hennen. Doch ohne Zweifel, der Adler dachte, er sei ein Huhn wie alle anderen Hühner auf dem Hof. Er kratzte und scharrte in der Erde nach Würmern und Insekten. Er gluckte und gackerte halbwegs wie die anderen Hühner.

Nur ab und zu hob er ein wenig seine Flügel und flog ein Stück über den Hühnerhof, ähnlich wie die anderen Hennen. Einmal jedoch, er hatte sich völlig vergessen, flog er plötzlich höher als je zuvor… höher als die anderen Hennen. Für einen kurzen Augenblick genoss er es, so hoch durch die Lüfte zu fliegen, für einen Moment lang begann er zu träumen und war glücklich.

Doch schnell bekam er es mit der Angst zu tun und kehrte zurück auf den Hof.

Die Jahre vergingen und der Adler wurde sehr alt, aber nicht glücklich. Eines Tages sah er einen herrlichen großen Vogel hoch oben am wolkenlosen Himmel seine Kreise ziehen. Anmutig und hoheitsvoll schwebte dieser beeindruckende Vogel in den Lüften, fast ohne seine riesigen, kräftigen Flügel zu schlagen. Der Hühnerhofadler blickte sehnsüchtig zu ihm empor und wusste gar nicht, warum dieser Vogel da oben ihn so tief berührte.

„Wer ist das?“ fragte er ganz aufgewühlt eine Nachbarhenne. „Ach, das ist der Adler, der König der Vögel“ gackerte die Henne. “Wäre es nicht schön, wenn wir auch so fliegen könnten?” fragte der Adler. “Das können wir nicht” sagte die Henne, „mit dem darfst du dich nicht messen. Er gehört dem Himmel. Doch du und ich, wir sind von anderer Art, wir gehören dem Boden. Wir sind Hühner“.

Der Adler schämte sich leise für den unbescheidenen Traum vom freien Flug und für dieses komische Gefühl in der Brust, das sich in ihm breit gemacht hatte. Ein Gefühl, soweit und luftig, so frei. So blieb der Adler das, wofür er sich hielt und starb eines Tages als Huhn unter Hühnern.

Sein Glaube an sich selbst hat ihn daran gehindert, seine wirkliche Bestimmung zu leben!

(nach einer afrikanischen Fabel)


Fast alle meiner Klienten sind besondere und hochsensible Menschen. Adler. Die leider – genau wie in dieser Geschichte – von gackernden Hühnern umgeben sind. Hochsensible hören von Kindheit an Sätze wie „Was glaubst Du denn, wer Du bist?“ oder „Du hältst Dich wohl für was Besonderes?“ Sie werden ausgelacht, weil ihre natürliche Fertigkeit nicht darin liegt, Körner zu finden und wie andere zu sein!

So wird ihnen ihr wahrer Wert leider nicht bewusst. Stattdessen vergleichen sie sich mit all den gackernden Hühnern in ihrem Umfeld. Und ziehen dabei immer den Kürzeren.

Dadurch können sie ihre natürlichen Gaben – ihre Hochsensibilität – nicht erkennen. Stattdessen passen sie sich der vorgegebenen Hühnerlebensform an. Manch ein verkannter Adler wird ein besseres Huhn, als die wahren Hühner! Andere werden rebellische Hühner, die aus der Reihe tanzen und als Exoten gelten. Es gibt süchtige Hühner, kranke Hühner, verhaltensauffällige Hühner und unzählige mehr!

Dieses ganze Anpassungs-Spiel kostet einen Hochsensiblen unglaublich viel Kraft und Lebensfreude.

Es verhindert, sich selbst zu erkennen. Man blickt auf Andere, statt auf sich selbst! Das führt zur Überforderung, Stress und Unzufriedenheit bis hin zu psychosomatischen Erkrankungen. Dabei weiß man nicht einmal genau, weshalb man unzufrieden ist:

 … man hat doch schließlich alles, was ein Huhn fürs Leben braucht!

An dieser Stelle setzt ein Leidensdruck ein, der eine Weile andauert. Der als Huhn verkleidete Adler stellt sich selbst in Frage. Gibt noch einmal richtig Gas, um anderen Hühnern ähnlich oder gleich zu sein. Und fühlt sich dabei immer schlechter. Irgendwas stimmt nicht mit ihm!

Mir sitzen im Coaching oft als Hühner verkleidete Adler gegenüber. Es überrascht mich immer wieder, welch großartige, besondere, wertvolle Potentiale in hochsensiblen Menschen schlummern, die sie selbst nicht wahrnehmen! Ihnen wurden unzählige Etiketten aufgedrückt, an die sie glauben und die sie für wahr halten. Selbst-Bewusstsein wird oftmals in Hühner-Manier missbraucht. Im Hühnerjargon repräsentiert es Menschen, die taff im Leben stehen, schlagfertig parieren, ein dickes Fell haben, nicht alles an sich ranlassen und schon gar nicht alles in Frage stellen.

Ein hochsensibler Adler, der sich seiner Selbst bewusst wird, hat keinerlei Bedürfnis, sich auf diese Weise zu verhalten!

Er braucht keine Taffheit, Schlagfertigkeit oder ein dickes Fell. Ein Adler ist sich seines wahren Wesens und seiner natürlichen Stärke bewusst. Meist sind es gerade seine innere Weichheit, seine Perspektive und sein Weitblick, die ihn stark machen. Er ist frei von Hühnermythologien! Er braucht keine Rebellion oder Gackern, er muss nicht schlagfertig parieren. Er braucht keine Performance, um zu zeigen, wer er ist. Er muss sich nicht beweisen.

Ein Adler kann alles und muss nichts! Seine wahre Natur ist Freiheit. Er ist frei, zu sein wer er will. Er hat immer eine Wahl!

Hat ein hochsensibler Klient sich befreit von seinen Hühner-Etiketten, ist es eine wahre Freude, ihn zu beobachten! Sein Leben wandelt sich ohne großen Aufwand vollkommen! Von innen nach außen! Er lebt seine Wahrheit und verändert sich. Mit ihm verändert sich sein Umfeld. Er braucht keine Hühner mehr um sich herum und genießt stattdessen den Kontakt mit seinesgleichen. Er ist sich seiner selbst bewusst und frei!

Vielleicht kennst Du das auch von Dir selbst? Vielleicht nervt Dich Dein Umfeld und Du merkst, dass Du nicht (mehr) richtig dazu gehörst, vielleicht nie wirklich dazugehört hast? Vielleicht stellst Du aber gerade Dich dafür in Frage, hältst Dich für komisch, seltsam, anders?

Petra Schneider, www.FeelGood-Coaching.de

Der Hochsensible räumt auf

(Von Silvia Christine Strauch)

Aufräumen hat noch keinem geschadet, egal in welchem Alter, egal ob hochsensibel oder nicht. Damit dies einem Hochsensiblen aber wirklich gut tut sind einige Voraussetzungen zu berücksichtigen.

Aufräumen oder Saubermachen verbindet man automatisch mit Klarheit. Damit ist nicht nur das Aufräumen eines Haushaltes gemeint, sondern durchaus das Aufräumen im Geiste. Das wirkliche Aufräumen setzt nicht nur ein optisches Aufräumen und Saubermachen voraus, sondern ein Ausmisten von Grund auf, meist verbunden mit einer neuen Ordnung, beziehungsweise mit einem neuen Ordnungssystem.

Aufräumen als Lebensstil

Aufräumen kann zum Lebensstil werden. Wer aufräumt ist nur zu faul zum Suchen, heißt es in einem alten Spruch. Allerdings ist dieses Suchen mit Zeitverschwendung verbunden, meist auch mit negativen Gefühlen, auf die ich gerne verzichte. Es geht darum mit meiner Zeit sorgsam umzugehen.

Das Aufräumen fängt im Geiste an, dort heißt es loslassen. Was brauche ich wirklich? Was brauche ich im Kopf und was in der Realität? Wo gibt es nur den Wunsch zu besitzen und nicht die Notwendigkeit das Ding wirklich zu brauchen? Wo geht es ums haben wollen, damit es mir subjektiv besser geht? Was kann ich dafür tun, dass es mir besser geht? Reicht nicht ein schöner Spaziergang in der Natur aus? Oder ein work-out im Sportstudio? Muss ich wirklich Dinge, Sachen anschaffen, die nachher im Weg herumstehen?

Ist dieser Gedankengang erst einmal im Kopf verankert, so schützt mich dies vor künftigen Fehlkäufen. Spätestens jetzt ist der Zeitpunkt gekommen, dies auch in meiner alltäglichen Umwelt umzusetzen und festzustellen, mit welchen Dingen ich wirklich weiter leben will und für welche ich einen neuen Besitzer suchen werde. Verschenken, spenden, Altkleidersammlung, gemeinnützige Organisationen, es gibt viele Möglichkeiten, wie auch second hand shops, in denen man sogar Möbel verkaufen kann.

Schaffen Sie sich ein Ordnungssystem

Einer hochsensiblen Person hilft es, wenn die Sachen einen festen Platz haben, das schützt auch davor suchen zu müssen und manchmal stellt man fest, dass man von einem Artikel doch allen Ernstes mehrere Ausführungen besitzt.

Fangen sie einfach jede Woche damit an, ein Stückchen weiter aufzuräumen. Am Anfang eine Schublade, dann die nächste, dann den Schrank… Wenn sie ein wenig Übung bekommen haben, dann werden sie gern regelmäßig ihre Wohnung inspizieren und sich freuen, falls sie etwas finden, das sie verschenken können.

Es gibt so viele Dinge, die ihnen eigentlich im Weg sind, trennen sie sich davon! Sie stehen ihnen im Geiste, wie in der Realität im Weg. Jeder Müllmann kann bestätigen, dass er binnen einer Woche eine gesamte Wohnung durch Dinge aus dem Sperrmüll einrichten könnte, ohne dass Jemand merken würde, woher die Dinge kommen. Man muss auch nicht jede Mode mitmachen, achten sie darauf, das zu kaufen was ihnen steht und was sie mit den vorhandenen Dingen kombinieren können. Überlegen sie sich ob sie wirklich ein vorhandenes Kaffee- oder Speiseservice für 12 Leute oder noch mehr brauchen. Wie groß ist ihr Tisch? Maximal sechs Leute, warum bunkern sie dann jede Menge Geschirr?

Legen sie sich einen Karton zu, in den sie die Sachen legen, von denen sie sich beim Ausmisten nicht trennen können. Als Übergangslösung, sie werden sehen wie unwichtig die Sachen sind. Trennen sie sich von Klamotten, die sie seit zwei Jahren nicht mehr in der Hand gehabt haben, auch von Schuhen…

Mehr Platz fürs Leben

Die hochsensible Seele wird nicht traurig, wenn sie sich von etwas trennt, sondern sie gewöhnt sich schnell daran und jubelt, wenn wieder irgendein Stück von uns geht und einen neuen Besitzer gefunden hat. Und die Erinnerungen befinden sich im Kopf! Und somit wird das Ausmisten zu einem wahren Befreiungsschlag, nicht nur für die Wohnung, sondern für unseren Kopf und unsere Seele.

Es gibt mehr Platz zum Leben – in jeder Beziehung!

Silvia Christine Strauch, Buchautorin von „Meine Hochsensibilität positiv gelebt“

Resilienz – unser psychisches Immunsystem

(Von Lore Sülwald)

Resilienz ist die psychische Widerstandskraft eines Menschen. Der Begriff stammt aus dem Lateinischen, von resilire und bedeutet zurückspringen, abprallen. Besonders in der Gruppe von hochsensiblen Menschen zeigt sich ein besonders hoher Faktor bei der psychischen Widerstandsfähigkeit.

Suelwald_Grafik1In Gruppen die durch Krisen, Katastrophen, Gewalt in der Kindheit oder eine allgemein schlechte Versorgung, besonders gefährdet sind im Erwachsenenalter selbst Täter oder Opfer von Gewalt zu werden oder ein chaotisches Leben zu führen, gibt es Menschen, die sich anders entwickeln. Es gibt immer eine kleine Gruppe von Menschen, die sich trotz dieser Ereignissen gut entwickeln und scheinbar gestärkt aus ihnen hervorgeht. Diese Menschen bleiben psychisch gesund und sind in der Lage geregelte Tages- und Arbeitsabläufe zu leben, liebevolle Beziehungen zu führen, erfolgreich im Berufsleben zu sein und in der Lage persönliches Glück zu empfinden.

Mit einem ganzheitlichen Blick auf den Menschen, ist das psychische Immunsystem ebenso wichtig wie unser körperliches Immunsystem. Gehen wir davon aus, dass unsere Psyche unser körperliches Wohlbefinden und unsere Gesundheit beeinflusst, dann ist es besonders ratsam sich mit dem seelischen Wohlbefinden zu beschäftigen.

Kann man Resilienz lernen?

Ähnlich, wie wir etwas für ein gutes körperliches Immunsystem tun können, wie zum Beispiel genügend Schlaf, gesunde Ernährung und ausreichend Bewegung, gibt es Möglichkeiten aktiv unser psychisches Immunsystem zu pflegen.

Suelwald_Grafik2In Studien hat man herausgefunden, dass besonders resiliente Menschen über bestimmte Faktoren in ihrem Leben verfügen, die ihnen ermöglichen, bestärkt aus schwierigen Lebenssituationen und Krisen hervorzugehen. Resiliente Menschen finden Möglichkeiten mit diesen Situationen umzugehen und Lösungen zu finden.

Resilient zu sein, bedeutet nicht ununterbrochen Stress auszuhalten, die eigenen Belastbarkeitsgrenzen unendlich auszudehnen oder ununterbrochen arbeiten zu können. Resilient zu sein bedeutet eine Krise als Krise zu empfinden und Schmerz, Trauer, Stress und Ohnmacht zu fühlen. Allein der Umgang mit diesen Stressoren und die Fähigkeit eine notwendige Selbstwirksamkeit zu fühlen und umzusetzen, macht resiliente Menschen aus. Die Art wie man eine Situation betrachtet und für sich selbst bewertet, was wir aus ihr lernen, ist entscheidend.

Hochsensibel bedeutet anders belastbar zu sein

Viele hochsensible Menschen haben das Gefühl nicht belastbar genug zu sein. Sie bekommen im Vergleich mit anderen Menschen leicht das Gefühl weniger produktiv und schneller erschöpft zu sein. Man geht davon aus, dass hochsensible Menschen ungefähr das 10-fache an Reizen wahr- und aufnehmen. Das bedeutet, die tägliche Belastung einer hochsensiblen Person ist zehnmal so hoch, wie die des nicht-hochsensiblen Kollegen, Partners oder Nachbarn.

Ich stelle mir immer zwei gleich große Gefäße dazu vor. Wenn in eines von diesen zwei Gefäßen mehr eingefüllt wird, ist dieses eine selbstverständlich schneller voll. Und darum es ist ganz natürlich, dass sie als hochsensibler Mensch andere Pausenzeiten und Strategien benötigen, um wieder aufnahmefähig zu sein. Sie sind einfach nur anders belastbar, aber sicherlich nicht weniger als andere. Darum ist es kein Wunder, dass hochsensible Menschen im Schnitt häufiger über die positiven Einflussfaktoren von Resilienz verfügen, ohne es selbst zu bemerken.

Verschiedene Modelle zu Resilienz

Suelwald_Grafik3Es gibt verschiedene Modelle zur Resilienz. Bei meiner Literaturrecherche bin ich auf verschiedene Analysen gestoßen. Mal sind es fünf, mal sieben oder acht Faktoren, die resiliente Menschen in ihrem Leben integriert haben. Ich habe mich für ein Modell mit acht Faktoren entschieden. Angelehnt an meine Erfahrungen aus der Praxis und die wiederkehrenden Themen in meinen Einzelcoachings.

Ich bin der Meinung, dass es bei Konzepten darum geht inspirierende Hinweise für den Alltag zu erhalten. Ein ausgeglichenes, entspanntes und resilientes Leben zu führen ist höchst individuell, persönlich und veränderlich. Sich selbst gut zu kennen ist die Grundlage für eine erfolgreiche Selbstfürsorge. Das schafft Raum für eine bewusste Lebensgestaltung.

Diese Einflussfaktoren unterstützen die psychische Widerstandsfähigkeit.

Optimismus und positive Selbsteinschätzung

  • Positive Weltsicht
  • positives Selbstbild
  • realistischer Optimismus

Akzeptanz und Realitätsbezug

  • Akzeptanz des Unabänderlichen
  • Selbstakzeptanz und Selbstannahme
  • Annahme der eigenen Grenzen und Ressourcen

Lösungsorientierung und Kreativität

  • Optionen entwickeln
  • kreatives Denken
  • Fokus liegt auf der Lösung

Selbstregulation und Selbstfürsorge

  • Bewusstsein und Achtsamkeit für Emotionen und Gedanken
  • Impulssteuerung und Impulskontrolle
  • Selbstmotivation und -beruhigung

Selbstverantwortung und Entschlossenheit

  • Gestalter sein – raus aus der Opferrolle
  • Schuldgefühle, Schuldzuweisungen loslassen
  • Situationen selbstkritisch hinterfragen und den eigenen Anteil anerkennen

Beziehungen gestalten und Netzwerke pflegen

  • Empathie und echtes Interesse an anderen
  • Teil einer (hochsensiblen) Gemeinschaft sein, Engagement
  • Unterstützung anbiete und um sie bitten

Zukunftsgestaltung und Visionsentwicklung

  • kurzfristige und langfristige Ziele entwickeln
  • auf Lebensträume ausrichten
  • Alternativen überlegen und Resümee ziehen

Improvisationsvermögen und Lernbereitschaft

  • Gelegenheiten des Lebens wahrnehmen und kreativ nutzen
  • Raum für Lernprozesse: neue Denk- und Verhaltensmuster entwickeln
  • Reflexion über bisherige Erfolge

Menschen, die besonders resilient sind, können auf diese Fähigkeiten in schwierigen Situationen zurückgreifen. Dies ermöglicht ihnen bewusst durch die Krise oder besonders stressvolle Zeiten zu gehen und Lösungen zu entwickeln.

Im Alltag unterstützen uns das Wissen um die eigene Selbstwirksamkeit und deren Grenzen, so dass wir achtsam und vorbeugend auf Stress und außerordentliche Situationen reagieren können. Jeder Mensch ist anders und einzigartig, deswegen benötigt jeder Mensch etwas anderes in einer bestimmten Situation. Es gibt nur individuelle Lösungen. Befreien wir uns von Standarten, dann finden wir Lösungen für unsere individuelle Situation und Persönlichkeit.

Lore Sülwald – systemischer Coach, www.coachingbaum.de

5 Irrtümer über Schlaf

(Von Monika Richrath)

Schlaf – oder besser gesagt, das Fehlen desselben – scheint sich zu einem immer größeren Problem auszuwachsen. In meinem Freundes- und Bekanntenkreis haben viele mit Schlafstörungen zu tun, ebenso wie Kunden und Kundinnen, die zu mir kommen. Grund genug für mich, mich in Zukunft intensiver mit dem Thema Schlaf und Schlafstörungen auseinanderzusetzen. Dabei sind mir ein paar Dinge aufgefallen, die in praktisch jedem Buch auftauchen, die aber bei den Menschen nicht bekannt zu sein scheinen. Allen voran ein paar Irrtümer, denen wir offenbar heute in unserer modernen Welt aufzusitzen scheinen.

1. Nur eine durchschlafene Nacht ist eine gute Nacht

Früher hatten Menschen keine Zentralheizung, in ihren Häusern war es kalt, also schliefen die Menschen zusammen in einem Raum und gaben sich so Wärme und Geborgenheit. Auch das Vieh hielt sich im gleichen Raum auf wie die Menschen. Es liegt auf der Hand, dass Mensch und Tier einander im Schlaf gestört haben müssen, denn viele Menschen machen viele Geräusche und die Tiere sicherlich auch. Da war vermutlich auch nicht allzuviel mit die ganze Nacht durchschlafen.

Aber eine ganze Reihe anderer Dinge waren damals anders. Man ging bei Sonnenuntergang schlafen und stand mit dem Sonnenaufgang auf, es gab kein künstliches Licht, das unseren Schlaf- und Wachrhythmus, und damit auch die damit verbundene Hormonproduktion von Melatonin und Serotonin, durcheinanderbrachte.

Schlafen_hochsensiblepersonen.comEs ist also durchaus anzunehmen, dass viele Menschen immer wieder einmal während der Nacht aufwachten und wieder einschliefen und trotzdem am nächsten Tag ausgeruht waren – vielleicht haben Sie selbst ja auch schon einmal erlebt, dass es so sein kann – aber nur, wenn Sie nach dem Aufwachen nicht beginnen, sich wie verrückt Gedanken zu machen über Gott und die Welt. „Ich muss noch … und … muss ich auch noch …. und …. hat schon wieder …warum macht …?“ Lauter Stressgedanken, die den Körper im Nullkommanichts mit Adrenalin fluten und dann ist es natürlich vorbei und an Schlaf nicht mehr zu denken. Ist es erst einmal so weit, ist es schwer, den Körper wieder zur Ruhe zu bringen. Hochsensibilität bringt öfter solch nächtliche Denkattacken hervor …

So oder so, es soll normal sein, nachts bis zu 30 Mal aufzuwachen. Wenn Sie also merken, dass Sie aufgewacht sind, drehen Sie sich am besten einfach rum und versuchen, dahin zurückzugehen, wo Sie hergekommen sind.

2. Verlorenen Schlaf kann man nachholen

Milliarden von Menschen weltweit versuchen es seit Generationen, obwohl es nicht klappt. Im Gegensatz zu früheren Generationen wissen wir heute allerdings wie schädlich und gesundheitsschädigend zu wenig Schlaf ist. Was wir weniger im Blick haben ist, dass es für den Körper viel angenehmer ist, kurzfristig mit weniger Schlaf auszukommen, als seinen Schlafrhythmus durcheinanderzubringen, nur um etwas Schlaf nachzuholen.

Bis ich vor kurzem begonnen habe, mich mit den Erkenntnissen der Schlafforschung zu beschäftigen, habe ich selbst versucht, Schlaf nachzuholen. Wenn ich zum Beispiel aus war und erst spät ins Bett gekommen bin, sagen wir mal um zwei oder drei, habe ich am nächsten Morgen versucht, länger zu schlafen. Vermutlich kennen Sie selbst das Phänomen, dass man am Samstagabend ausgeht, am Sonntagmorgen lange schläft, am Sonntagabend dann nicht einschlafen kann (aufgrund des langen Schlafes am Morgen) und am Montagmorgen völlig unausgeruht ist. Dabei liegt das ganze Geheimnis einfach nur darin, auch am Sonntagmorgen zur gleichen Uhrzeit wie immer aufzustehen, ganz egal, wann man ins Bett gegangen ist. Das funktioniert wirklich, ich habe es ausprobiert. Für den Körper ist es am besten und einfachsten, dass Dinge regelmäßig geschehen, in diesem Fall also, dass man möglichst zur gleichen Zeit ins Bett geht und wieder aufsteht. Jedenfalls ist man am Montagmorgen ausgeschlafener.

3. Es ist egal, wann man ins Bett geht

Ist es nicht. Allerdings kommt es nicht darauf an, besonders früh ins Bett zu gehen. Wichtig ist, dass wir uns vor allen Dingen im Tiefschlaf erholen, in den ersten Stunden nach dem Einschlafen. Wichtig ist dabei jedoch, dass es gegen 3 Uhr morgens zu einer Art „biologischer Mitternacht“ kommt. Körper, Geist und Gemüt befinden sich dann in einer Art Leistungstief (bei der auch die Gedanken eher düster sind). Nach diesem Zeitpunkt wird der Schlaf leichter. Um erholsam zu schlafen, sollten wir also so zeitig ins Bett gehen, dass wir vier oder fünf Stunden Zeit für Tiefschlaf haben.

4. Es ist egal, was ich trinke und esse

Ist es leider nicht – sorry. Gerade falsche Getränke und Nahrungsmittel machen dem Körper in der Nacht zu schaffen und stören unseren Schlaf. Sie merken es daran, wenn Sie häufig gegen 2 Uhr morgens aufwachen. Die Leber ist das Organ für den Abbau von Stoffen, die für den Körper belastend sind oder nicht mehr benötigt werden, z. B. Stoffwechselendprodukte, Medikamente, Hormone, Alkohol usw. Die Leber arbeitet am intensivsten zwischen 1 und 3 Uhr in der Nacht.

Natürlich ist es auch nicht egal, wann ich etwas esse und trinke. Anregende Getränke wie Kaffee, schwarzer oder grüner Tee oder Softdrinks mit viel Zucker sollten nicht abends getrunken werden. Als hochsensibler Mensch lohnt es sich ganz unbedingt, hier einmal ein bisschen herumzuexperimentieren und seine ganz persönliche Grenzzeit herauszufinden. Es kann nämlich sehr gut sein, dass die von offziellen Stellen empfohlene Uhrzeit von 16 Uhr für HSP aufgrund der erhöhten Empfindsamkeit einfach nicht passt. Ich selbst bin ja eine Liebhaberin von grünem Tee und habe bis vor relativ kurzer Zeit diesen noch bis zum Abend hin getrunken. Eine ganz wesentliche Besserung ist eingetreten, als ich erkannte, dass meine persönliche Grenzzeit für anregende Getränke bei 14 Uhr, ganz maximal 15 Uhr liegt, also ca 7 bis 8 Stunden vor dem Schlafengehen!

Angeblich sollen hochsensible Menschen ja nicht soviel Kaffee trinken (das meinte jedenfalls Elaine Aron), ich habe das bislang aber noch nicht so bestätigt gefunden. Die TeilnehmerInnen meiner Seminare trinken in der Regel auch Kaffee … die Anzahl an Menschen, die ich persönlich kenne, die überhaupt keinen Kaffee trinken, lässt sich an einer Hand abzählen.

4. Es ist egal, womit ich meinen Geist füttere

Ist es auch nicht, sorry. Unser Körper braucht ungefähr zwei Stunden, um sich abends herunterzufahren und auf die Nachtruhe vorzubereiten, aber meistens gönnen wir ihm diese Ruhe nicht. Wir sehen fern, beschäftigen uns mit dem Computer, Handy oder Laptop (alles Geräte übrigens, die blaues Licht abstrahlen, was wach macht). Vielleicht sehen wir uns etwas Spannendes oder Aufwühlendes an, lesen oder arbeiten noch bis kurz vor dem Schlafengehen. Alles Dinge, die Stress bedeuten – für unseren Körper und unsere Psyche. Wenn wir in diesem aufgeregten Zustand ins Bett gehen, lässt der Schlaf natürlich auf sich warten, wir müssen uns zunächst ja wieder beruhigen. Ein Buch (kein Krimi) oder ein Abendspaziergang ist sicher besser geeignet zum Herunterkommen.

Monika Richrath, www.eft-fuer-hochsensible-menschen.de, Autorin von „Die Geheimnisse des gesunden Schlafs“

Hochsensible brauchen Entspannung

(Von Silvia Christine Strauch)

Auf eine hochsensible Person wirken eine Fülle von Reizen ein, die oftmals und leicht zu einer Überlastung führen können. Die Akkus eines Hochsensiblen sind oftmals schon erschöpft, wenn andere Personen erst zur Hochform auflaufen. Diese starke Sinneswahrnehmung führt schnell zu einer Reizüberflutung, vor allen Dingen wenn nicht rechtzeitig auf eine nötige Entspannung und Ruhe geachtet wird.

Strategien gegen Reizüberflutung

Ein Hochsensibler fühlt sich wesentlich schneller gestresst als andere Menschen. Sein Ruhebedürfnis ist größer und so ist ein ausgeprägt gutes Zeitmanagement notwendig, um Zeiten zur Entspannung wahrnehmen zu können. Entspannungstechniken gibt es viele und es liegt an Jedem selbst diese auszuprobieren, um festzustellen, welche ihm am liebsten ist, mit welcher Technik er am ehesten zurecht kommt.

Langfristig ist sicherlich die Mantrameditation die wirkungsvollste Strategie, die allerdings oftmals, gerade von den Menschen, die sie am nötigsten haben, abgelehnt wird. Der Grund dafür liegt paradoxerweise in der relativ schnell eintretenden Entspannung, die für den gestressten Hochsensiblen derartig ungewohnt ist, dass sie wiederum Stress auslöst. Auch der klassische burn-out Patient tut sich schwer diese Ruhe und Gelassenheit zu ertragen. Entweder man hält durch und lernt dies mit Gelassenheit zu nehmen oder man fängt mit Entspannungsübungen an, die nicht derartig wirkungsvoll sind.

Atemtechnik

Am Anfang reicht es aus, wenn sie zum Beispiel bei einem Spaziergang einfach einmal auf ihre Atmung achten. Achten sie bewusst auf ihre Atmung und versuchen sie an nichts anderes zu denken. Fühlen sie, wie die Luft in ihre Lungen strömt, wie sich ihr Brustraum ausdehnt und wie sie wieder ausatmen. Atmen sie durch die Nase ein, damit die Luft durch die Nasenschleimhäute angewärmt und befeuchtet wird und atmen sie durch den Mund wieder aus. Versuchen sie doppelt so viel Zeit für das Ausatmen, wie für das Einatmen zu brauchen. Dann können sie versuchen das Atmen zu intensivieren, tiefer einzuatmen, dabei senkt sich das Zwerchfell und die Lungen können sich nach unten weiten. Wenn sie etwas Übung darin haben, können sie sich auf einen Stuhl oder einen Sessel setzen, mit aufrechter Wirbelsäule, und dies für einige Minuten bis hin zu einer Viertelstunde ausüben. Dabei darf dieses Atmen nie anstrengend werden, sondern es sollte sich, trotz tiefer Atmung, locker und leicht anfühlen.

Beam

Der Beam ist eine einfache aber wirkungsvolle Technik, die immer und überall ausgeübt werden kann. Man visualisiert dabei ein Schutzschild aus weißem Licht, das von oben kommt, um einen herum fließt und dann in den Boden geleitet wird. Durch diese Visualisierung werden Eindrücke von außen nicht mehr im Übermaß angenommen, sie verringern sich und der Beam sorgt für eine sofortige Reizminderung.

Hatha-Yoga-Asanas

Obwohl sich Hatha Yoga durchaus an den ganzen Menschen wendet, sind seine Hauptpraktiken dennoch die Asanas, Yogastellungen, also körperliche Übungen. Besonders geeignet sicherlich für die hochsensiblen Menschen, die sich zuerst einmal mit einer Mantrameditation schwer tun. Bei diesen Körperübungen kommt es auf die korrekte Ausübung an, dann stärken sie die Selbstheilungskräfte des Menschen. Je nach Alter, Gesundheit und Lebenssituation werden diese Übungen ausgesucht, am besten von einem professionellen Yogalehrer, der auch die korrekte Ausübung überprüfen kann. Dann können diese Asanas regelmäßig auch alleine zuhause ausgeübt werden und bieten eine ausgezeichnete Möglichkeit Ruhe und Klarheit zu finden.

Achtsamkeitstraining

Beim Achtsamkeitstraining lässt man sich, ohne zu werten, ohne nachzudenken, auf den Moment ein und blendet alles andere aus. Jederzeit zu üben, zu praktizieren, erfordert es dennoch eine Menge Übung und Erfahrung, um sozusagen umschalten zu können. Indem wir achtsam mit unseren Gedanken und Gefühlen umgehen, auch mit denen anderer Menschen, erreichen wir eine größere Gelassenheit. Achtsamkeitstraining bringt uns dazu Dinge und Situationen möglichst wertfrei zu betrachten, ohne uns davon betroffen machen zu lassen.

Mantrameditation

Unterschiedliche Meditationstechniken lassen sich durchaus durch die Veränderung der Gehirnströme im EEG nachweisen. Beim Schließen der Augen und Anwendung eines Mantras werden zuerst die Alphawellen verstärkt und harmonisiert, die Konzentrations- und Merkfähigkeit verstärkt und es kommt zu einem verbesserten Körper/Geist Gefühl. Befinden wir uns durch die Wirkung der Meditation in einem tief entspannten Bewusstseinszustand, der mit gesteigerter Kreativität einhergeht, so befinden wir uns in einem Theta-Zustand, es sind im EEG verstärkt Thetawellen nachzuweisen.

Ein Mantra ist eine Wort-Silbenkombination mit einer starken Klangenergie. Es wird rezitiert, also wiederholt und bringt den unsteten Geist zur Ruhe. Das wohl bekannteste Mantra ist das klassische „OM“. Sprechen sie dieses OM beim ein- und ausatmen leise und ohne Anstrengung vor sich hin. Dann wiederholen sie das Mantra nur noch im Geiste und lassen es dabei immer leiser werden. Sollten dabei Gedanken oder Gefühle auftreten, so lassen sie diese einfach vorbeiziehen, so wie Wolken am Himmel. Obwohl sich dies so leicht anhört, gehört in der Praxis ein gehöriges Maß Übung dazu, die Gedanken ziehen zu lassen und das Mantra immer feiner und unauffälliger zu denken. Mit etwas Übung bewirkt diese Mantrameditation tiefe Entspannung und Ausgeglichenheit, sie reduziert Stress und stärkt auf der anderen Seite das Immunsystem. Sie wirkt aktivierend auf die Lebensenergie und beseitigt Energieblockaden.

Nimm dir Zeit für die Dinge, die dich glücklich machen

Silvia Christine Strauch, Buchautorin von „Meine Hochsensibilität positiv gelebt“

3 Arten von Stress, die die Berufung für Hochsensible blockieren können

(Von Uma Ulrike Reichelt)

Kennst du das, dass dir der berühmte „rote Faden“ fehlt, wenn es um deinen Berufungsweg geht, dich negative Überzeugungen und emotionale Belastungen ausbremsen dein Ding zu machen oder du dich einfach schnell in der Überreizung und ohne Energie wieder findest? Die eigene Berufung zu erkennen, ihr nachzugehen und sie auszuleben scheint dann weit weg. Wir sind dann mehr mit der Bewältigung unseres Stress-Pegels beschäftigt, als dass wir uns an unseren Talenten und Fähigkeiten erfreuen könnten.

Genau so ging es mir. Nach meinem stressbedingten Zusammenbruch war ich jahrelang weit entfernt davon, „normal“ arbeiten zu können oder meine Berufung leben zu können. Ich war Vollzeit mit dem Abbau meines hohen Stresslevels beschäftigt. Anscheinend war aber genau das meine Berufung, denn jetzt helfe ich anderen Menschen dabei, dies für sich zu tun.

Welchen Einfluss Stress auf das Finden und Ausleben deiner Berufung haben kann, das erfährst du hier in den folgenden 3 Punkten.

1. STRESS-ART: Dein „Denkhirn“ ist übersteuert

Wenn dir der „rote Faden“ fehlt und du nicht mehr weißt, was du beruflich genau willst, dich verzettelst mit unwichtigen Dingen oder Erledigungen und Entscheidungen vor dir her schiebst, dann befindest du dich höchst wahrscheinlich im sogenannten Stressmodus. In diesem Zustand ist dein Nervensystem auf „Alarm“ geschaltet und dein „Denkhirn“ nicht mehr in der Lage, klar zu sehen, was für dich beruflich ansteht und vorausschauende Entscheidungen zu treffen. Du hast dann viele Kreisgedanken, die dich nicht mehr zur Ruhe kommen lassen und dir eventuell sogar den Schlaf rauben. Außerdem können kleinere Dinge, die auf dem beruflichen Weg auftauchen plötzlich wie eine riesige Hürde erscheinen, vor der wir dann wie „das Kaninchen vor der Schlange“ stehen und gar nichts mehr tun. „Aufschieberitis“, Konzentrationsprobleme und Ablenkung mit unwichtigen Dingen gehören zu den Folgen von automatischen Stressreaktionen, z.B. der Flucht- und Erstarrungsreaktion. Diese Reaktionen sind weder frei wählbar noch ein Mangel an Disziplin oder anderen Fähigkeiten. Ungünstigerweise fühlen wir uns aufgrund dieser Stressreaktionen oft persönlich schuldig oder unfähig und stellen uns und unsere Berufung in Frage, was aber nur eine negative Verstärkung der Situation bewirkt und noch mehr Stress erzeugt.

Erkenne, dass Stressreaktionen kein persönliches Versagen sind!

Lösung: Beruhige deinen Geist
Um klar erkennen zu können, was dein nächster Schritt sein soll und was du wirklich willst, brauchst du einen entspannten offenen Geist. Das ist auch der Schlüssel für Einsichten und Inspirationen und das Wahrnehmen deiner inneren Stimme oder Intuition. Dein Berufungsweg wird dir so viel klarer sein. Dein Geist wird sich automatisch beruhigen, wenn du aus dem „Alarmzustand“ herauskommst, indem du Ruhe-Inseln in deinen Tag einbaust und gezielten Stressabbau lernst und ihn wie das Zähneputzen in deinen Alltag integrierst. So blickst du viel schneller wieder durch und lässt Stagnation hinter dir.

2. STRESS-ART: Deine Gefühlszentrale ist im Alarmzustand

Wenn du dich von Reizen, Eindrücken und Empfindungen überrollt fühlst und nur noch weg willst, dann befindet sich dein ganzer Körper im Alarmzustand. Viele hochsensible Menschen haben mehr mit den Stressreaktionen ihres Körpers und ihrer Psyche zu tun als ihnen lieb ist. Emotionale Belastungen werden sehr stark wahrgenommen und hemmen einen unbeschwerten Selbstausdruck. Dadurch werden das Leben der eigenen Berufung und die positiven Seiten der Empfindsamkeit überschattet. Oft wiegt das Gefühl der Belastung und der Zweifel am eigenen Wert dann höher als die Vorteile von Sensibilität. „Berufung“ ist ist dann nur ein schönes Wort.

 Erkenne, dass Stressreaktionen aufgrund emotionaler Belastungen lösbar sind!

Lösung: Heile emotionale Belastungen
Hast du emotionale Verletzungen, die immer wieder hochkommen und das Finden und Leben deiner Berufung belasten? Das Heilen deiner Vergangenheit befreit dich von negativen Überzeugungen und Hemmungen, dein Ding zu machen. Es sorgt dafür, dass du immer mehr in dir ruhst und dein Herz für dich selbst und deinen Berufungsweg öffnest. Das Erkennen und Spüren deines eigenen Wertes – das, was dich ausmacht – ist ganz wesentlich, damit du auf deine Art und selbstbewusst deinen Weg gehen kannst.

3. STRESS-ART: Dein Körper spielt nicht mit

Spielt dein Körper Energie mässig nicht mit oder macht was er will? Stress verbraucht viel Energie. Wenn Hochsensible sich im Alltag von Reizen und den vielen emotionalen Reaktionen und Befindlichkeiten überfordert fühlen, dann wird dabei sehr viel Energie verbraucht. Wir fühlen uns einfach nur „geschlaucht“. In diesem Zustand ist dann wenig Kraft für Neues da und die Berufung zu erkennen und zu leben ist einfach nur eine weitere anstrengende Angelegenheit.

Du brauchst Energie und Standfestigkeit, um das zu tun, was du willst.

Lösung: Tank dich auf und fröne der Selbstpflege
Hochsensible brauchen eine starke Basis, das heißt möglichst viel Stabilität und Balance, um genügend Kraft zu haben mit ihrer Sensibilität ihren Weg zu gehen und ihre Berufung zu leben. Stressabbau, ein erholsamer Schlaf und Selbstliebe sind wesentliche Faktoren dabei, um immer wieder in die Balance zu kommen und Energie aufzutanken. Dadurch kannst du einen klaren Kopf behalten in der Fülle der Eindrücke und Gefühle und weißt auch, wo deine Grenzen sind.

Wie oft findest du dich in Situationen wieder, die eigentlich „zu viel“ sind oder forderst du Höchstleistungen von dir? 80 Prozent zu geben – die wahrscheinlich 100 Prozent entsprechen – oder „nein“ zu sagen an der passenden Stelle können sehr positive Wirkungen haben auf den Kräftehaushalt.

ZUSAMMENFASSUNG: Wir sind den Auswirkungen von Stress nicht ausgeliefert
Stress raubt viel Kraft, kostet dich Nerven und verwirrt den Geist.
Neben Genuss, Muße und Entspannung ist es sehr wichtig, die Ursachen hinter dem Stress aufzulösen. Gezielte „Stress-Wurzelbehandlungen“ helfen dir dabei, den „Alarm“ im emotionalen Teil deines Gehirns wieder auszuschalten und dadurch „herunter zu kommen“ und Kraft aufzutanken – zu dir zu kommen. Zur Entspannung kannst du Atemtechniken, z.B. die Wechselatmung aus dem Yoga benutzen und zur Stressauflösung effektive Methoden, wie EFT (Klopfakupressur) und TRE® erlernen und anwenden. So kannst du deinen Stress-Pegel selber steuern und deine Lebensqualität deutlich positiv beeinflussen. So bist du Stressreaktionen nicht länger ausgeliefert.

Durch Stressabbau stärkst du dein emotionales und körperliches Immunsystem. Deine Selbstliebe und dein Selbstbewusstsein bekommen Rückenwind – jedes Mal, wenn du dir etwas Gutes tust, dich entspannst oder deine Gaben förderst.

Uma Ulrike Reichelt, www.uma-u-reichelt.com, Autorin von „Schnell & sicher ins Burnout“

Hochsensibilität: 6 Tipps für ein besseres Selbstwertgefühl

(Von Sandra Tissot)

Elaine N. Aron beschreibt in Ihrem Buch “Sind Sie hochsensibel?“ ihre Erkenntnis, dass viele Hochsensible das Gefühl haben mit einem Makel behaftet zu sein. Sie geht davon aus, dass für Hochsensible der Vergleich mit anderen Menschen zu einem schlechten Selbstwertgefühl führt. Besonders dann, wenn dabei nur die Nachteile, wie eine erniedrigte Reizschwelle, der hochsensiblen Persönlichkeit berücksichtigt werden. Dabei vergessen Hochsensible gern, dass Sie häufig eine große Kreativität, Leidenschaft, Erkenntnis und Anteilnahme besitzen und es sich dabei um Qualitäten handelt, die gesellschaftlich durchaus geschätzt sind. (vgl. „Sind Sie hochsensibel? Wie Sie Ihre Empfindsamkeit erkennen, verstehen und nutzen” Elaine Aron (München 2011)

Tipp 1: Falsche Vergleiche stoppen!

So schwer es vielleicht am Anfang fallen mag, falsche Vergleiche mit anderen Menschen sind eine Hauptursache für ein schlechtes Selbstwertgefühl und sollten unbedingt gestoppt werden. Hochsensible leisten genauso viel, nur vielleicht in einer anderen Verteilung und in anderen Bereichen. Hochsensible neigen allerdings dazu die eigenen Fehler und Schwächen wie durch eine Lupe zu sehen und sie damit für sich selbst größer zu machen, als sie eigentlich sind.

Tipp 2: Grübelfallen erkennen!

Hochsensible, die oft ins Grübeln verfallen, finden sich häufig in einem Gedankenkarussell wieder, aus dem sie sich manchmal erst nach Tagen befreien können. Das eigene Selbstwertgefühl sinkt dann oft weit in den Keller. Selten stellen sie sich dabei die Frage, ob es wirklich die Menschen in der Außenwelt sind, die ihr Tun negativ wahrnehmen oder sie am Ende nur selbst ihr größter Kritiker sind. Um dieses Gedankenkarussell zu durchbrechen, hilft es Hochsensiblen, ihre Aufmerksamkeit bewusst umzulenken. Das können Aktivitäten sein, die neutrale oder positive Gefühle hervorrufen oder sie auf vollkommen andere Gedanken bringen. Die umgelenkte Aufmerksamkeit hilft Hochsensiblen allerdings nicht immer, oder aber nur kurzfristig. Hier hilft dann nur Tipp 3.

Tipp 3: Achtsamkeit leben!

Dauerhaft gegen ein negatives Gedankenkarussell von Hochsensiblen helfen Achtsamkeitsübungen. Eine Achtsamkeitsübung kann zum Beispiel sein, sich bewusst an einen schönen Ort zu setzen, die Augen zu schließen und sich den Gedankenstrom als Fluss vorzustellen. Die Gedanken kommen, fallen auf Blätter, die im Fluss schwimmen und fließen an Dir vorbei. Yoga oder Meditation können diesen Prozess dauerhaft positiv untermauern. Das eigene Selbstwertgefühl wird von innen heraus gefestigt.

Tipp 4: Gnädiger zu sich selbst sein!

Hochsensible neigen manchmal zum Perfektionismus. Der Perfektionist definiert sich zu sehr über seine eigene Leistung und fühlt sich ständig unter Druck, etwas Tadelloses abliefern zu müssen. Ein Teufelskreis, denn: Der Perfektionist setzt sich selbst so stark unter Stress, dass dieser ihn tatsächlich psychisch oder physisch krank machen kann. An dieser Stelle ein wunderbarer Ausspruch von Salvador Dali: „Hab keine Angst vor der Perfektion, du wirst sie nie erreichen.“ Hochsensible können eine nach außen offene hochsensible Gewissenhaftigkeit leben, mit der sie ihren Alltag effektiv, verantwortungsbewusst und zielstrebig gestalten – ein echter Booster für das eigene Selbstwertgefühl.

Tipp 5: Eigenverantwortung übernehmen!

Besonders im Arbeitsalltag höhlen Fremdbestimmung und gefühlte Sinnlosigkeit des eigenen Tuns Hochsensible schnell aus. Sie können sich dann leer und bereits von Kleinigkeiten überfordert fühlen. So streng es auch klingt, aus dieser Misere können sie sich nur befreien, wenn Sie Eigenverantwortung für ihr Leben übernehmen. Jeder ist selbst hauptverantwortlich für sein Leben und entscheidet,  was passiert. Nicht die Gesellschaft, nicht die Eltern, nicht der Partner, nicht der Chef … Wenn Hochsensible ihr Leben eigenverantwortlich in die Hand nehmen, hat diese dauerhaft positive Auswirkung auf das eigene Selbstwertgefühl.

Tipp 6: Entspannung einplanen!

Hochsensible sollten sich nicht für eine unbestimmte Zeit vornehmen zu relaxen, sondern echte Entspannung bewusst in den Tagesablauf integrieren. Ähnlich wie Geschäftstermine eingetragen, kann auch „Relax-Zeit“ geplant werden. Echte Entspannung bringt Hochsensiblen mehr Gelassenheit im Alltag. Durch regelmäßiges Relaxen lösen sich Denkblockaden auf und schaffen Raum für Neues. Hochsensible bekommen wieder einen klaren Blick und werden sich ihrer besonderen Fähigkeiten bewusst. Das trägt zu einer Steigerung des Selbstwertgefühls bei. Der Zeitpunkt ist nie perfekt, es gibt immer etwas zu tun nicht morgen, sondern schon heute ist Zeit für echte Entspannung …

Sandra Tissot, sandra-tissot.com, Autorin „Hochsensibilität und die berufliche Selbstständigkeit“

Ressourcenstärkung für hochsensible Personen (HSP)

(Von Alexandra Thoese)

Die Natur als Kraftquelle

In der Natur laden sich deine Batterien wieder auf und ein tiefes Gefühl von Zufriedenheit kann in dir entstehen. Nutze sie, wann immer du die Möglichkeit dazu hast. Vielleicht hast du einen Garten oder Wald in deiner Nähe. Für viele Menschen ist es eine Wohltat im Garten zu wirken. In der Verbindung mit der Erde und der Tätigkeit mit den Händen, kommst du automatisch in eine nährende Verbindung mit der Natur. Wenn du selbst Obst und Gemüse anbaust, verbindest du dich ganz natürlich mit den Jahreszeiten.

Der Wald mit seiner natürlichen Kraft, gibt dir gerne etwas davon ab. Möglicherweise findest du einen Lieblingsbaum, zu dessen Wurzeln du dich setzen kannst. Ich selbst habe einen solchen Kraftort ganz in der Nähe. Dieser Baum ist so gewachsen, dass ich mich in ihn hineinsetzen kann. Wenn ich seine Kraft spüren möchte, verweile ich eine Weile bei ihm. Wem es gefällt, kann den Baumstamm umarmen und sich noch tiefer mit der Kraft der Natur verbinden.

In Japan zählt das Waldbaden zur ganzheitlichen Gesundheitsvorsorge. Nimm dir Zeit, die Natur auf dich wirken zu lassen, nicht zu denken und die Ruhe zu genießen. Ein Segen in Zeiten der ständigen Erreichbarkeit, dem Stress und der Eile. Das Waldbaden, kannst du in Seminaren erfahren.

Nahrung als Kraftspender

Erdung ist für hochsensible Menschen ein wichtiges Thema. Über die Nahrung können wir wieder leichter in unsere Mitte finden. Besonders Gemüse welches in der Erde wächst, verhilft dir zu einer stärkeren Zentrierung. Dabei ist es wichtig für dich, dass du erforscht, welche Lebensmittel dir gut tun. Finde selbst deinen Weg und dein Tempo. Und nimm dir unbedingt Zeit fürs Essen. Das klappt vielleicht nicht immer und dann ist es auch mal ein Sandwich unterwegs, doch wenn du zwischendurch immer mal wieder achtsame Essens-Pausen in deinen Alltag einbaust, dann wird es dir dein ganzes System danken.

Viele Eltern sind besorgt, dass ihre Kinder kaum Obst und Gemüse essen. Sei beruhigt, denn die Geschmackssinne des Menschen ändern sich stetig und dein Kind wird nach und nach mehr Nahrungsmittel ausprobieren. Bleib am Ball und biete deinem Kind immer mal wieder etwas an. Aus püriertem Gemüse, kann man wunderbaren Soßen für Pasta machen und Smoothies sind bei Kindern häufig sehr beliebt.

Hochsensible Kinder sind eher wählerisch mit dem Essen. Manchmal ist es die Farbe, die Konsistenz oder der Geschmack, der gerade „noch“ nicht passt. Wenn dein Kind gesund ist, obwohl es das Gesunde verschmäht, dann mache dir bitte nicht so große Sorgen.

Tipp: Die meisten Kinder lieben es, gemeinsam zu kochen, und hier wird dann das ein oder andere auch gerne mal ausprobiert. Und manchmal essen sie woanders Dinge, die sie zuhause nicht essen!

Der Körper als Seismograph für deine Seele

Alles was dich in deinen Körper bringt, ist gut für dich. Hochsensible Menschen verlieren schnell die Verbindung zu ihrem Körper. Schnell fühlen wir uns dadurch „außerhalb von uns“. Um immer wieder ganz in dir zu landen, kannst du dich schütteln, auf den Boden stampfen, hüpfen, tanzen, joggen, walken, schwimmen, spazieren gehen, reiten, meditieren oder schaukeln… Jegliche Art der Bewegung tut deinem ganzen System gut. Erinnere dich: Körper, Geist und Seele sind eine Einheit.

Dein Körper ist ein loyales Gefäß und häufig vergessen wir, wie wichtig es ist, im guten Kontakt zu ihm zu bleiben. Ob du etwas in Ruhe tust oder dich gerne dynamisch bewegst: Nutze deinen Körper, als besten Ort für dein Sein.

Es gibt viele Formen der sanfteren Körperarbeit, sowie Feldenkrais, Eutonie, Alexandertechnik, Body-Mind Centering®, Qigong, Yoga u.v.m., die für hochsensible Menschen sehr angenehm und gleichzeitig stärkend sind. Probiere dich aus und finde heraus, was dir gut tut.

Auch durch kreative Techniken, wie Malen, Tonen (freies Tonen oder Arbeit am Tonfeld®), Basteln, Musizieren u.v.m., findest du Kontakt zu deinem Körper. Beim Tönen und Singen kannst du deine inneren Räume erforschen und erspüren. Kürzlich hatte ich hierbei das Gefühl, mein Körper sei eine Kathedrale. Hier kann ich dir den Ansatz der Lichtenberger Methode (angewandte Stimmphysiologie) empfehlen. Du findest sicher Gesangspädagogen oder Logopäden in deiner Nähe, die mit dieser Technik arbeiten. Es ist eine großartige Erfahrung. Mache deinen Körper zu deinem zu Hause und fülle ihn mit dem an, was ihn stärkt.

Humor als heilsame Lebenskraft

Humor ist aus meiner Erfahrung heraus, eine der wichtigsten Ressourcen. Spontan befreit er uns aus Gedankenschleifen und bringt uns wieder zu uns selbst. Wenn du dir erlaubst, unangenehme Situationen humorvoll zu betrachten, dann kostet es dich weniger Energie. Das hat schon Vera Birkenbihl wunderbar beschrieben. Im Gehirn werden beim Lächeln/Lachen Glückshormone produziert und ausgeschüttet. Die ausgeschütteten Endorphine wirken entzündungshemmend und schmerzstillend.

Ganz wichtig ist dabei zu wissen: Dir muss nicht mal nach Lachen und guter Laune zumute sein. Es funktioniert ebenso gut, wenn du lächelst oder eine Grimasse ziehst, ohne dabei gleich vor lauter Freude zu bersten. Grimassen schneiden kannst du wunderbar mit deinem Spiegelbild üben. Es entspannt nicht nur alle deine Gesichtsmuskeln, sondern führt häufig auch zu einer grundlegenden Entladung der Gefühle.

Oder aber du testet Lach-Yoga. Das kann zu Beginn befremdlich wirken, da man künstlich beginnt zu lachen (hahaha-hohoho), doch dann verändert es sich von selbst und du lachst aus vollstem Herzen.

Ich persönlich habe vor einigen Jahren begonnen, Clownsseminare zu besuchen. Dabei geht es nicht darum, willentlich albern zu sein. Der Clown hat viele Facetten. In ihm steckt alles an Gefühlen, die sekündlich wechseln können. Viele Menschen haben ein ambivalentes Verhältnis zum Clown. Hierfür lohnt es sich, sich von dem Klischee des Zirkusclowns zu lösen. Die rote Nase ist die kleinste Maske der Welt und ermöglicht dir eine starke Präsenz zu entwicklen. Es ist das Herz, welches sich am Clownsspiel erfreut.

Als Maskottchen trage ich in meiner Tasche eine Clownsnase mit mir herum. Sie beruhigt und vergnügt mich gleichermaßen. Das Wirken der Klinikclowns inspiriert mich besonders: Es sind Menschen, die selbst schwerkranke Kinder zum Lachen bringen oder sich liebevoll dementen Menschen widmen, um ein gemeinsames Liedchen zu singen. Meist ganz zart und niemals aufdringlich. Lachen ist die beste Medizin. Finde deinen inneren Clown. Lachen erdet und verbindet dich mit deinem Herzen.

Entspannung und Schlaf als Energie-Tankstelle

Eine wichtige Kraftquelle ist dir gegeben, wenn du Körper, Geist und Seele immer wieder bewusst Ruhephasen gönnst. Das kann ein Mittagsschläfchen, ein Powernap oder ein langer und erholsamer Nachtschlaf sein. Schlafen ist eine Tankstelle für unsere Nerven und Synapsen. Das System fährt herunter und der Körper kann regenerieren.

Zusätzlich gibt es viele unterschiedliche Formen der Mediationen und Achtsamkeitsübungen. Du kannst dich auch einfach lang auf dem Boden ausstrecken und dir vorstellen, dass aus der Rückseite deines Körpers, kleine Wurzeln in den Boden wachsen. Nimm dir hierfür ruhig einen Moment Zeit. Einfach nur dazuliegen, in entspannter Körperhaltung, beruhigt deinen Körper und deinen Geist. Es geht nicht darum, Stille im Kopf zu erlangen.

 Begib dich auf eine körperliche Forschungsreise

  • Wie fühlen sich meine Füße jetzt gerade an?
  • Wie liegen meine Waden auf dem Boden auf?
  • Wie fühlt sich mein Becken heute an und wie ist der Kontakt zum Boden?
  • Wie fühlt sich mein Bauch heute an?
  • Wie fühlt sich mein Herzraum gerade an?
  • Wie nehme ich den Kontakt meiner Arme und Schultern zum Boden wahr?
  • Wie liegt mein Kopf auf dem Boden auf?

Dabei gilt es nichts zu tun oder zu verändern. Erlaube es dir, in dich hinein zu spüren. Nimm dir unbedingt Zeit für dich.

Herzliche Grüße

Alexandra Thoese, www.alexandrathoese.de

Wie kann ich ein Trauma von Hochsensibilität unterscheiden.

(Von Sandra Quedenbaum)

Eine These, die zurzeit im Internet grassiert, besagt, die Hochsensibilität sei immer auf ein Trauma zurückzuführen ist. Einige meiner Seminarteilnehmer sind dadurch sehr verunsichert und suchen nach einem Trauma, wo eventuell gar keins ist. In über 200 Seminaren zur Hochsensibilität wiederholte sich die grundlegende Teilnehmerstruktur immer wieder. Ein Teil der Teilnehmer sind Hochsensible, die einfach Interesse daran haben mehr über sich zu erfahren (auch eine typische Eigenschaft der Hochsensiblen). Außerdem möchten Sie einige Dinge in ihrem Leben optimieren. Sie sind mit ihrem Leben und ihrem Sein generell zu frieden.

Ein Teil hat Schwierigkeiten mit einigen Herausforderungen, die die Hochsensibilität bietet, führen aber generell ein befriedigendes, glückliches Leben. Sie leben in festen Beziehungen und haben nicht mehr Konflikte als andere Menschen. Mit entsprechendem Wissen und „Handwerkszeug“ können sie die durch die Hochsensibilität bedingten Herausforderungen gut meistern.

Und ein Teil leidet sehr stark unter der Hochsensibilität. Bei diesen Menschen ist eine Traumatisierung sehr wahrscheinlich. In dieser Gruppe finden sich Hochsensible und Normalsensible, die Ihre Trauma-Auswirkungen fälschlich als Auswirkungen ihrer Hochsensibilität interpretieren oder von anderen diese Interpretation erhalten haben. Sie leiden unter Konflikten im beruflichen und/oder privaten Bereich. Sie führen Beziehungen die ihnen nicht guttun oder haben Schwierigkeiten Beziehungen einzugehen. Panikattacken, Depressionen, Zwänge, permanente Angstzustände oder dissoziative Zustände entstehen nicht durch die Hochsensibilität sondern aus Erfahrungen die wir in unserem Leben gemacht haben. Im Folgenden zeige ich auf, wie man die „reine“ Hochsensibilität, ein Trauma und eine Traumatisierung mit Hochsensibilität unterscheiden kann.

Es gibt zwei Arten von Hochsensibilität

  • Die eine ist genetisch bedingt und angeboren. Die „echte Hochsensibilität“. Diese ist nicht ablegbar genau wie die Augenfarbe. Sie zeichnet sich aus durch eine sehr intensive Sinnesverarbeitung, ein hohes Maß an Empathiefähigkeit und ein großes soziales, ethisches und ökologisches Bewusstsein.
  • Die zweite entsteht durch Traumatisierung. Die erhöhte Sinneswahrnehmung und auch der Hang zur Überreizung gehen zurück, wenn das Trauma verarbeitet ist.

Quedenbaum_Hochsensiblepersonen.com

Was ist gleich? Das Modell des Stresstoleranzfensters erklärt die Zusammenhänge: Jeder Mensch hat eine emotionale Komfortzone. Wie groß diese Komfortzone ist, hängt zu einem großen Teil von unserer Fähigkeit der Selbstregulation ab. Also davon, wie gut wir mit Über- oder Unterstimulation umgehen können. Schaffen wir es nicht, uns bei Überstimulation zu regulieren, läuft unsere Hormonproduktion auf Hochtouren und unser Körper reagiert mit Flucht oder Kampfimpulsen.

Quedenbaum2_Hochsensiblepersonen.comBeispiel: Wenn ich im Winter dick angezogen in ein Kaufhaus gehe, wird es mir sehr schnell unerträglich warm. Einfach die dicken Sachen ausziehen, ist nicht immer möglich, wenn ich schon einiges an Taschen trage. Ich fange an zu schwitzen, es fängt überall an zu jucken und meine Kleidung fühlt sich tonnenschwer an. Da ich in diesem Geschäft unbedingt etwas besorgen will, bleibt mir im Moment nur, die Situation auszuhalten. Ich habe also subjektiv nicht die Möglichkeit mein Unbehagen zu regulieren. Es dauert keine 5 Minuten und meine Adrenalinproduktion ist in Gang gesetzt. Da ich mir die Flucht verwehrt habe, komme ich in den Kampfimpuls. Besser, wenn man mir dann nicht in die Quere kommt. In diesem Moment ist meine Komfortzone überschritten und ich rase in die Übererregung. Komme ich dannwieder in angenehmere Gefilde dauert es ungefähr 5 Minuten, und ich habe mich akklimatisiert. Nach meiner Erfahrung benötigt ein traumatisierter Mensch wesentlich länger um sich zu beruhigen.

Hochsensible haben genetisch bedingt ein schmaleres Stresstoleranzfenster, damit sie schneller auf Reize reagieren können.

Dies dient zur Erhaltung der Art und findet sich auch bei allen höheren Säugetieren. Auch bei Ihnen sind, wie beim Menschen, ca. 20 Prozent hochsensibel. Auch traumatisierte Menschen haben ein schmaleres Stresstoleranzfenster und gelangen leicht in die in die Über- oder Untererregung. Gleichzeitig gibt es große Unterschiede zwischen „reinen“ Hochsensiblen und traumatisierten Menschen. Selbstverständlich kann auch ein hochsensibler Mensch traumatisiert sein. In vielen Fällen ist das so. Dazu später mehr.

Es ist immens wichtig als Therapeut beides unterscheiden zu können, da der (reine) Hochsensible und der traumatisierte Mensch ein anderes therapeutisches Vorgehen benötigen.

Hier kann Unwissenheit viel Schaden anrichten. Ich beschäftige mich mit der Hochsensibilität seit 2002. meine erste Trauma Ausbildung gemacht. Seitdem habe ich mich sehr intensiv mit Trauma und Hochsensibilität auseinandergesetzt. Folgende Unterschiede resultieren aus meinen Beobachtungen und Erfahrungen:

 

Traumatisierte Menschen:

 

Hochsensible Menschen:

sind oftmals permanent in Bewegung. Sie tun alles, um nicht zur Ruhe zu kommen, da das für sie ein unangenehmer Zustand ist. Häufig werden sie im Urlaub krank, weil der Organismus dann kollabiert und er von der Übererregung in die Untererregung rauscht. suchen die Ruhe. Sie brauchen Zeit, gerne auch allein, ohne Input. Diese Zeiten genießen sie. Wenn sie diese Zeiten nicht bekommen, fühlen sie sich unbehaglich. Durch „Auszeiten“ kommen sie wieder in ihre Kraft.
leiden häufig an Schlaflosigkeit. sind eher Viel-Schläfer.
wirken generell eher nervös oder emotional (an-)teilnahmslos. sind generell eher ruhig, aber emotional präsent.
neigen dazu misstrauisch zu sein. suchen eher die Verbindung und das Positive.
haben in vielen Fällen Erinnerungslücken. Manche können sich fast gar nicht an ihre Kindheit erinnern. haben in der Regel ein sehr gutes Erlebnisgedächtnis mit vielen Erinnerungen an sehr frühe Lebensjahre.
haben eher eine egozentrische Empathie, die darauf abscannt, ob Gefahr droht. Das hält andere eher auf Distanz. haben „echte“ Empathie, durch die sich andere gesehen und verstanden fühlen.
haben oft wenig bis gar kein Körpergefühl. Sie können Köperempfindungen nur schwer wahrnehmen und benennen. haben ein extrem gutes Körpergefühl. Sie haben ein ausgeprägtes körperliches Frühwarnsystem. Hochsensible Frauen können oft Ihren Eisprung spüren und viele schildern, dass sie den Zeitpunkt der Eiverschmelzung gespürt haben und wussten, dass sie nun schwanger sind. Sie nehmen sehr differenziert Empfindungen wahr und können diese auch benennen.
neigen zur Selbstmedikation zur Beruhigung; zum Beispiel durch Alkohol oder Medikamente. tendieren eher dazu, sogar ärztlich verschriebene Medikamente nicht zu nehmen und trinken häufig gar keinen oder nur wenig Alkohol.
sind bei Wutausbrüchen auch verbal vernichtend. gehen in Ihrer Wut eher in die Abgrenzung nach dem Motto „Lass mich in Ruhe!“, ohne bösartig zu beschimpfen.
verlieren sich in Tagträumen. sind in der Regel eher bodenständig und realistisch.
fühlen sich häufig allein (zum Teil auch in Gesellschaft) mit einem Gefühl der Einsamkeit. sind gerne allein, weil sie dann besser zu sich kommen.
sind, wenn eine entsprechende Neigung besteht, eher esoterisch „abgehoben“. sind, bei entsprechender Neigung, eher spirituell mit dem Leben verbunden.
haben das Gefühl der Sinnlosigkeit. glauben an einen tieferen Sinn.
haben Schwierigkeiten Bindungen einzugehen. lieben tiefe Verbindungen in Freundschaft und Partnerschaft.
halten starke positive Gefühle schwer aus. kosten starke positive Gefühle voll aus. Sie können zum Beispiel in Musik, Kunst oder schöner Natur voll aufgehen.
nehmen ihr “Bauchgefühl“ nicht wahr. nehmen ihr Bauchgefühl wahr, aber leider nicht immer ernst.
empfinden die verstärkte Sinneswahrnehmung eher in Form unangenehmer Sinnesreize. empfinden negative wie positive Sinnesreize sehr intensiv.
nehmen den Begriff Hochsensibilität eher als Schutzschild und identifizieren sich überstark damit (gerade diejenigen, die „nur“ traumatisiert sind und eigentlich nicht hochsensibel). nehmen den Begriff der Hochsensibilität eher als Krücke, die unterstützt, aber nicht vor sich hergetragen wird.
nehmen eigene und die Grenzen anderer nur schwer wahr und merken nicht, dass sie die Grenzen anderer überschreiten. haben ein sehr feines Grenzempfinden. Achten sehr darauf die Grenzen anderer zu wahren. Sie haben gleichzeitig oft Schwierigkeiten, die eigenen Grenzen zu vertreten.
fühlen sich eher „falsch“. fühlen sich eher „anders“.

Das waren nur einige der Merkmale, woran man Hochsensibilität und Trauma unterscheiden kann. In den Situationen, in denen die Komfortzone verlassen wird, sind die Reaktionen identisch. Hochsensible, mit fester Bindung und guter Selbstregulierung erreichen jedoch relativ schnell wieder ihr Toleranzfenster wenn sie auf ihre Körperwahrnehmung achten und entsprechend handeln. Traumatisierte Menschen fühlen sich in Überreizungssituationen völlig ausgeliefert und neigen dazu emotional zu „Explodieren“ oder zu „implodieren“ (zu kollabieren).

Menschen die traumatisiert und hochsensibel sind zeigen in der Regel auch weiterhin ein hohes Maß an Empathie Fähigkeit und dem sozialen-, ethischen- und ökologischem Bewusstsein und natürlich die vielen weiteren Merkmale, die die Hochsensibilität aufweist. Nach meiner Erfahrung neigen sie eher zum Kollabieren.

Was genau ist ein Trauma? Es gibt verschiedene Arten von Trauma. Auf zwei gehe ich hier näher ein.

Das Schocktrauma

Quedenbaum5_Hochsensiblepersonen.comist das allgemein geläufige Trauma. Hier gab es eine einmalige Situation, zum Beispiel einen Unfall als Auslöser. Die Negativerfahrung ist im Gehirn gespeichert. Unser Organismus möchte uns nun vor weiteren Erfahrungen dieser Art schützen und geht hormonell auf „Hab-Acht-Stellung“. Die Folge ist eine innere Wachheit, die sich häufig in Unruhe und Anspannung, und eine erhöhte Reaktion auf Sinnesreize zeigt. Gibt es dann später einen Reiz, der an diese Situation erinnert (Trigger), werden wir emotional aus dem Stresstoleranzfenster geschleudert und reagieren mit heftigen Angriff/Flucht-Reaktionen (Der Sympathikus wird aktiviert. Das Stresstoleranzfenster wird überschritten) oder wir kollabieren (Der Parasympathikus wird aktiviert, wir gehen nervlich unter das Stresstoleranzfenster).

Nach der Verarbeitung des Traumas gehen die Betroffenen wieder auf ihr ursprüngliches Erregungs- und Sinneswahrnehmungsniveau zurück.

Das Entwicklungstrauma oder auch Komplextrauma

Hier ist der Betroffene wiederholt durch toxischen Stress überfordert. Das Vorderhirn und der Hippocampus schalten sich ab und wir reagieren instinktiv mit archaischen Verteidigungsreaktionen. Das Entwicklungstrauma konkretisiert eigentlich den Begriff des Komplextraumas, da es sich speziell auf unsere Erfahrungen im frühen Kindesalter bezieht.

  • Wie werden wir erzogen?
  • Was prägt uns in dieser Zeit?
  • Wie ist die Bindung zu den Bezugspersonen?

Gerade wenn wir im ersten Lebensjahr mit ständigen negativen Erfahrungen aufwachsen, erleben wir das als toxischen Stress. Dieser Stress hat in der Regel ein Entwicklungstrauma zur Folge. Toxischer Stress kann entstehen durch:

  • Gewalterfahrungen, psychischer und physischer Art.
  • Überbehütung
  • Erziehung zur Angst (die Welt da draußen ist schlecht, nur hier bist du sicher)
  • Zwanghaftes Umfeld
  • Sehr rigide Erziehung
  • Verwahrlosung
  • Permanente Grenzüberschreitung
  • Fehlendes Spiegeln der kindlichen Wahrnehmung und der kindlichen Gefühle
  • Keine Unterstützung der Stressregulation durch die Eltern (z.B. das Baby schreien lassen)
  • Fehlender Kontakt – körperlich und emotional. Viele Menschen können sich nicht mehr angemessen mit ihrem Kind beschäftigen. Ihnen fehlen selbst die entsprechenden Erfahrungen.

Erziehung ist ein Abbild aus unseren Erfahrungen und Möglichkeiten.

Unsere Erziehung ist immer noch geprägt aus den Vorstellungen des dritten Reiches. Babys sollte man schreien lassen, damit sie lernen sich selbst zu regulieren und den Eltern nicht auf der Nase rumtanzen. Die damals propagierte Erziehung war eine Anleitung zur Bindungsunterbrechung und damit zur frühkindlichen Traumatisierung.

Quedenbaum3_Hochsensiblepersonen.comLeider halten sich einige extrem schädigende Ehrziehungsvorstellungen bis heute noch hartnäckig. Eltern, die Ihre Kinder wie oben genannt behandeln, tun das nicht, weil Ihnen ihre Kinder egal sind. Sie selbst sind geprägt von ihrer eigenen Geschichte, ihren Bindungserfahrungen und ihrem Wissen. Viele sind selbst traumatisiert. Jeder erzieht nach seinen Möglichkeiten. Bei einigen sind diese Möglichkeiten einfach begrenzt.

Das kann ein tröstender Gedanke sein. Das Handeln meiner Eltern ging nicht gegen mich, sie konnten es nicht besser. Und auch wenn man selbst erzieht, kann dieser Gedanke entlastend sein. Die meisten Hochsensiblen wollen gerne alles richtigmachen. „Fehler“ in der Erziehung machen ihnen oft sehr zu schaffen. Auch das Kind braucht Erfahrungen, an denen es wachsen kann. Es ist wichtig zu erleben, dass die Eltern nicht unfehlbar sind. So kann es die eigene Unfehlbarkeit besser annehmen. Ist ein Elternteil traumatisiert, wird das Trauma häufig an das Kind weitergegeben. Um das zu verhindern, ist es meines Erachtens wichtig das Trauma zu bearbeiten.

Wo sehen sie sich nach diesem Text? Hochsensibel, traumatisiert oder beides? Geht die Tendenz in Richtung Trauma?

Ein Trauma ohne Unterstützung aufzulösen, ist kaum möglich. Hier braucht es kompetente Unterstützung; für ein zufriedenes, glückliches Leben. Leider ist gerade das Annehmen von Hilfe für viele traumatisierte Menschen sehr schwer.

Hochsensibilität und Trauma zusammengefasst:

  • Es gibt Hochsensible, „nur“ traumatisierte und hochsensible, traumatisierte Menschen.
  • Leiden sie sehr stark unter der Hochsensibilität, ist die Wahrscheinlichkeit, dass sie traumatisiert sind groß.
  • Viele Hochsensible sind „nur“ traumatisiert. Sie sind durch das Trauma übersensibilisiert, aber nicht hochsensibel im eigentlichen Sinne.
  • Man unterscheidet zwischen Schock- und Entwicklungstrauma.
  • Um Traumatisierungen aufzulösen, braucht es kompetente therapeutische Unterstützung.

Dies ist nur ein kleiner Einblick in ein sehr komplexes Thema. Ich schreibe gerade ein Buch über das Thema Hochsensibilität und Trauma. Es wird Ende 2018 erscheinen. Des Weiteren werde ich ein entsprechendes Onlineseminar anbieten. Vielleicht haben Sie ja auch Interesse, noch mehr über das Thema zu erfahren. Ich wünsche Ihnen alles, was sie für ein befriedigendes und glückliches Leben brauchen. Es ist nicht immer einfach, aber es ist machbar. Gönnen Sie sich Zeit.

Herzliche Grüße

Sandra Quedenbaum, www.loesungs-coaching.de

 

 

Es ist wie es ist – Väter und ihre hochsensiblen Kinder

(Von Sabina Pilguj)

Hochsensible Kinder sind wie bunte Farbtupfer, denn sie bringen Licht, Lebendigkeit, Leichtigkeit, viel Gefühl und Mitgefühl in eine Welt, die manchmal grau und empathielos erscheint.

Die kleinen Feinfühler tragen einen großen Schatz in sich –  ihre angeborene Gabe,  Individualität und Kreativität und vor allen Dingen ihre Empathie sind ein großes Geschenk für die Welt. Das klingt sehr pathetisch und so ist es auch.

Ich sehe hochsensible Erwachsene und Kinder als Wegbereiter für ein neues Miteinander in der Gesellschaft. Doch leider sieht der reale Alltag im Zusammenleben mit hochsensiblen Kindern manchmal ganz anders aus, nämlich nicht mehr so rosig – so lautete die Einleitung zu meinem Gastbeitrag „Mütter und ihre hochsensiblen Kinder“ und schon kommentierten einige Väter mit hochsensiblen Kindern, denn auch sie erkannten sich in dem Mütterbeitrag in einigen Passagen wieder.

1. Herausforderung von hochsensiblen Vätern

 

Natürlich gibt es sie: Feinfühlige, sensible und hochsensible Väter, die es aufgrund des leider immer noch währenden Gesellschaftsbild manchmal noch schwerer als  Mütter haben.

Bewusste Väter, die sich liebevoll um ihre Kinder kümmern, leisten auch das, was bei Müttern vorausgesetzt wird – nämlich den Kleinen ihre Liebe, eine große Portion Geborgenheit, viel Geduld und Zeit zu schenken. Aber auch hochsensible Väter kommen schnell an ihre Grenzen. Sie sollten endlich die in Männerköpfen oftmals wie eingemeißelte Botschaft „Du musst deinen Mann stehen“ einfach mal über Bord schmeißen. Damit ist gemeint, dass ein Mann funktionieren muss und immer einen auf hart und unverletzlich mimt. Aber genau das ist der Knackpunkt, denn wenn Mann seine hochsensiblen Gefühle unterdrückt oder wegdrückt, wird sich seine Gefühlswelt langfristig einen Kanal zur Entladung suchen, oder das Seelenleben wird getrübt. Das kann  dann schnell zu körperlichen Beschwerden wie Kopfschmerzen, Verspannungen usw. führen. Das Seelenleben kann aus der Balance geraten und dadurch zusätzlich das partnerschaftliche Zusammenleben stark belasten.

Darum soll dieser Beitrag hochsensiblen Männern Mut machen, ihre Feinfühligkeit zu leben – auch in der Vaterrolle.

2. Väter von Vielfühlern

Väter erfahren genau wie die Mütter von hochsensiblen Kindern tagtäglich eine große Herausforderung. Wie soll Mann denn die kleinen Feinfühler mit ihrer angeborenen Gabe und ihrer intensiven Gefühlswelt verstehen? Viele Väter tragen noch ein längst überholtes Männerbild in sich, sie wurden nach dem Motto „Indianerherz kennt keinen Schmerz“ erzogen. Und wie sollen die Männer dann mit der Gefühlsvielfalt ihrer sensiblen Kinder klarkommen? Ein hochsensibles Kind will in seinen Gefühlen gesehen werden und sich angenommen fühlen.

Das Zusammenleben mit einem hochsensiblen Kind kann einen Mann manchmal verwirren, besonders, wenn der eigene Sohn – als Spiegelbild der Männlichkeit – sensibel und sehr verletzlich ist.

Besonders heikel ist es, wenn Vater und Kind hochsensibel sind. Es  treffen Gefühlswelten aufeinander, die ein  regelrechtes Gefühlswirrwar verursachen können, insbesondere, wenn es dem Mann vielleicht noch gar nicht so bewusst war, dass er hochsensibel ist. Eine große Herausforderung ist es, wenn dann  der eigene Sohn einem einen Spiegel vorhält.  Gerade hier ist die Belastungsgrenze schnell erreicht, wenn eine geballte Ladung an Gefühlsvielfalt und ein breites Wahrnehmungsspektrum  in doppelter Ausführung aufeinander treffen und der Vater ja eigentlich ein „klassisches Männervorbild“ sein möchte.

Dann kann Hochsensibilität schnell als Fluch und nicht mehr als Segen erfahren werden, das gilt sowohl für den Vater als auch für das Kind. Und so mancher Papa würde die Vaterrolle in Gedanken gerne wieder abgeben, weil das innere Gleichgewicht in eine Schieflage geraten ist. STOPP! Liebe Männer, verwerft diese Gedanken und richtet euren Fokus wieder neu – auf das Positive und die besonderen Gefühlsmomente – aus.

3. Selbstfürsorge

„Wenn das eigene Feuer ausbrennt, kann es kein Licht mehr entzünden“

Diese östliche Weisheit ist sehr tiefgründig und bedeutend, aber über die Essenz wird oftmals gar nicht nachgedacht. Das gilt nicht nur für Mütter, sondern auch für Väter!

Liebe Väter, übt euch mehr in Selbstfürsorge! Es ist eine große Stärke, einfach einmal „Nein“ oder „Das schaffe ich jetzt nicht“ zu sagen. Vor allen Dingen sollten Männer den ewigen inneren Antreiber, den Perfektionisten endlich zum Mond schießen, damit das ewige einander zu vergleichen und besser sein wollen, aufhört. Männer mit viel Gefühl und gleichzeitig Willensstärke und Einzigartigkeit braucht die Welt. Auch ein Mann hat nur einen begrenzten Energielevel, also übernehmt Selbstverantwortung und übt euch in Selbstfürsorge. Zeigt eurem Kind, dass auch Papas Ruhezeiten brauchen, die auch für das hochsensible Kind überlebenswichtig sind, um den Stresslevel wieder in Balance zu bringen.

Ebenso wie die Frauen, gilt auch die Botschaft für die Männer: „Nobody is perfect“. Auch Männer dürfen Fehler machen, das gilt für das Zusammenleben genauso wie für Erziehungsfragen. Zeigt den Kindern eure Verletzlichkeit und Empfindsamkeit, anstatt diese zu verbannen.

Genießt die gefühlvollen Momente mit dem hochsensiblen Kind, auch wenn das Zusammenleben nicht immer einfach ist. (Gedankentipps für das Zusammenleben mit hochsensiblen Kindern finden Sie im Beitrag für die Mütter)

Liebe hochsensible Väter, traut Euch und lebt den Kindern vor, dass Gefühle wichtig sind. Und wenn die Gefühlswelt des hochsensiblen Kindes einen wie eine große Welle überrollt, versucht die Herausforderungen „Hochsensibles Zusammenleben“  mit ganz viel Gelassenheit und Leichtigkeit zu meistern und machen Sie „Don´t worry – be happy“ zu Ihrem neuen Lebensmotto – und: Lehren Sie ihrem Kind die unbeschreibliche Kraft der Gelassenheit und wie wichtig es ist, als Mann, egal ob jung oder alt, Gefühle zu zulassen, zu zeigen und leben zu dürfen.

Sabina Pilguj, Autorin von „Ich bin wie ich bin – genial und total normal“

Was Übergewicht mit Stress zu tun hat

(Von Monika Richrath)

Als hochsensibler Mensch ist man häufig intensiven Stressbelastungen ausgesetzt. Dies liegt einfach in der Natur der erhöhten Reizempfindlichkeit. Schlimm wird es dann, wenn sich das Gewicht parallel zur die Stressspirale immer weiter nach oben schraubt …

Wenn Sie unter Übergewicht leiden, haben Sie vielleicht schon selbst versucht, den allseits verbreiteten munteren Ratschlägen wie „Iss doch einfach weniger und bewege dich mehr!“ zu folgen und sind daran gescheitert; haben sich vielleicht hinterher schuldig gefühlt, als Versagerin. Kurz: hinterher ging es Ihnen noch schlechter und vor lauter Stress haben Sie vielleicht sogar noch zugenommen?

Mit diesem Ansatz werden Sie sich selbst und Ihrem Körper nicht gerecht. Ihr Körper ist keine Maschine, die von Ihrer Psyche getrennt seine Arbeit verrichtet, sondern vielmehr sehr eng mit dieser verbunden.

Wir mögen es im Allgemeinen nicht zur Kenntnis nehmen:

Trotzdem lösen unsere Emotionen Körper immer Reaktionen aus. Manchmal sind die Reaktionen so stark, dass wir gar nicht umhinkönnen, sie wahrzunehmen: z. B. wenn wir verliebt sind, kann unser Herz stark klopfen, wenn wir bloß an ihn oder sie denken, wir bekommen weiche Beine bei der Vorstellung etwas zu tun, was völlig über unseren gewohnten Handlungsrahmen hinausgeht, z. B. jemand fremden anzusprechen …

Die vielen kleinen Reaktionen, mit denen unser Körper auf das reagiert, was wir erleben, nehmen wir meist weniger wahr, z. B., wenn wir den Kopf einziehen oder uns verspannen, wenn wir uns kritisiert fühlen.

Mit Emotionen reagieren wir also auf das, was um uns herum geschieht. Dies hat auch eine evolutionäre Komponente, letzten Endes sorgen unsere Emotionen für unser Überleben. Sie wissen schon, der Säbelzahntiger, dem wir in der Vergangenheit vielleicht einmal gegenübergestanden haben.

Unser ganzer Körper schaltet in Millisekunden in unser uraltes Notfallprogramm: Herzfrequenz und Atmung beschleunigen sich, der Blutdruck steigt, alle anderen Körperprozesse, für die Energie benötigt wird, kommen zum Erliegen. Denn die Energie wird ausschließlich für die potentielle Bedrohung gebraucht.

Die dafür notwendige Energie

Nimmt der Körper u. a. über die Nahrung mit den Makronährstoffen Kohlenhydrate, Eiweiß und Fette auf, die er dann in einzelne Bestandteile zerlegt. Diese können dann vom Organismus in noch einfachere Bestandteile zerlegt werden (Katabolismus) um dann für den Aufbau von Speicherstoffen verwendet zu werden (Anabolismus).

Adenosintriphosphat (ATP) funktioniert als Akku einer Zelle und hat die Aufgabe, Energie zu speichern und bei Bedarf wieder abzugeben. Die Speicher haben allerdings nur geringe Kapazitäten. Neue Energie muss permanent neu hergestellt werden.

Der Körper nutzt hauptsächlich Kohlenhydrate zur Energiegewinnung. Kohlenhydrate bestehen aus Zuckermolekülen, die je nach Aufbau (Einfach-, Zweifach- und Vielfachzucker) schnell oder über einen längeren Zeitraum verstoffwechselt werden. Im Körper stehen dazu verschiedene Energieträger zur Verfügung, nämlich ATP, Kreatinphosphat, Glykogen und Fette. Die aus diesen Trägern gewonnene Energie steht dem Körper aber nur in jeweils begrenzten Zeiträumen zur Verfügung, die von ein paar Sekunden (Kreatinphosphat), über ein paar Minuten (Abbau von Glukose/Glykogen) und länger (Kohlenhydrate und Fette) reichen können.

Denn neben Glukose sind auch Fette (Lipide) und ihre Abbauprodukte wichtige Energielieferanten. Sie enthalten sogar doppelt soviel Energie (9,3 kcal/g) wie Kohlenhydrate (4,1 kcal/g). Allerdings lassen sich Fettsäuren schwieriger freisetzen als Kohlenhydrate. Um Fette zu spalten werden Galle und Pankreassaft benötigt, die erst später im Verdauungskanal im Duodenum zufließen, wenn die Nahrung sich schon eine Weile im Körper befindet.

Wichtig ist sich dabei vor Augen zu halten, dass es rein biologisch gesehen keinen Unterschied macht, ob es sich um körperliche oder emotionale Belastungen handelt. Denn alles, was über die Aufrechterhaltung des Grundumsatzes von ATP hinausgeht (egal, ob es sich um emotionale Belastungen oder körperliche Anstrengungen handelt) wird nur möglich gemacht durch eine Erhöhung des Energiestoffwechsels.

Zurück zum Stress: Wenn die Belastungen sich nicht reduzieren, und der Stress chronisch wird, führt dies langfristig zu einer Entgleisung des Stoffwechsels. Es wird viel Energie verbraucht, also muss schnelle Energie her. Dafür sollen Kohlenhydrate sorgen. Heißhungerattacken nehmen zu. Der Fettabbau wird eingestellt.

Übrigens haben Wissenschaftler der Ohio State University aufgezeigt, dass Versuchspersonen im Stresszustand weniger Kalorien verbrennen als nichtgestresste.

Auch Cortisol wirkt auf den Stoffwechsel ein

Das Hormon Cortisol ist an vielen Vorgängen im Körper beteiligt. Es beeinflusst den Blutzucker, Fettstoffwechsel, es wirkt entzündungshemmend und es verzögert die Wasserausscheidung. Eigentlich ist Cortisol ein Anti-Stress-Hormon, das bei Stress ausgeschüttet wird, um dem Körper zu helfen, besser mit der Belastung fertigzuwerden. Aber wenn der Stress chronisch wird, und der Cortisolspiegel permanent zu hoch ist, kann dies langfristig zu einer Nebennierenschwäche führen. Ein erhöhter Cortisolspiegel kann uns dazu verleiten, falsche Strategien zu wählen, z. B., indem wir uns dann für Fast Food entscheiden, anstatt für eine wohltuende warme Suppe.

Die emotionale Komponente.

Oft haben wir uns angewöhnt, uns mit Essen zu trösten (ich selbst kann mich davon leider auch nicht freisprechen). Wir versuchen dann, das, was wir im Außen nicht bekommen können, uns durch das Essen selbst zu geben – selbst, wenn das Ergebnis nur so lange anhält, wie die Nahrungsaufnahme dauert. Oft bekommen wir dann aber nicht mal das, weil uns der Trost durch das schlechte Gewissen vergällt wird.

Manchmal versuchen wir auch, Gefühle (gleich welcher Art) mit Essen wegzumachen, indem wir Dinge in uns hineinstopfen – damit machen wir uns sozusagen selbst mundtot. Manchmal ist uns dies bewusst. Häufig aber auch nicht. Gefühle wahrzunehmen und sie auszuhalten kann sich beängstigend anfühlen.

Was kann man dagegen unternehmen?

Sie können z. B. klopfen. Mit der Klopfakupressur haben Sie in einer solchen Situation viele verschiedene Hebel, an denen Sie ansetzen können: Sie können nicht nur die Belastungen und hinderliche Glaubenssätze auflösen, sondern auch wieder einen Zugang zu Ihren Gefühlen finden. Denn Gefühle kann man erst loslassen, wenn man bereit ist sie wahrzunehmen.

Das kuriose daran ist, dass Gefühle häufig gar nicht so schlimm sind wie unsere Angst vor ihnen. Das weiß ich aus eigener Erfahrung … Ich kann gar nicht oft genug betonen, wie wichtig es gerade für uns hochsensible Menschen ist, uns auszudrücken, uns mitzuteilen und zu lernen, dass wir gut sind, so wie wir sind und uns anderen Menschen auch mit unseren negativen Gefühlen zumuten dürfen. (Denken Sie immer daran, dass die das auch tun – ohne Sie vorher zu fragen).

Probieren Sie die Klopfakupressur einfach einmal aus. Haben Sie selbst schon einen Zusammenhang hergestellt zwischen Ihrer Hochsensibilität und Ihrem Gewicht? Wie immer freue ich mich über Ihre Kommentare.

Monika Richrath, Autorin von „EFT-Klopftechnik für Hochsensible“

 

 

4 Ursachen, warum Hochsensible in ein Burnout geraten können

2003 erlitt ich einen schweren psychischen Zusammenbruch. Ich konnte einfach nicht mehr. Ich habe mich äußerlich nicht überarbeitet. Meine innere Welt brach nach Monaten von ständig ansteigender Spannungsladung in sich zusammen. Überreizte Nerven, schwere Schlafstörungen und Zukunftssorgen heizten den Prozess gewaltig an. Die ganze Sache begann aber schon viel früher. 2003 wusste ich noch nichts über Hochsensibilität und ich würde auch nicht sagen, dass Hochsensible zwangsläufig Burnout gefährdet sind – zum Glück! Aber ich erkenne durch meine eigene damalige Erkrankung, den jahrelangen Heilungsweg und die heutige Arbeit mit Klienten immer bestimmte Muster wieder, die Hochsensible in die Überforderung und Erschöpfung bringen.

Wenn wir von einem Burnout oder einem nahenden Zusammenbruch sprechen, dann bezeichnet das ein Lebensgefühl, bei dem es immer schwerer wird, „den Kopf über Wasser zu halten“. Es können überreizte Nerven, überschwemmende Gefühle und ständig kreisende Gedanken und Schlafstörungen sein, das Gefühl, überwältigt und hilflos den verschiedenen täglichen Situationen, Reizen und Menschen ausgeliefert zu sein, nicht genügend Energie und psychische Robustheit zu haben, dies abzupuffern – und einfach nur noch weg zu wollen von all den Einflüssen und dem inneren Stress.

Ich möchte hier auf 4 sehr verbreitete Ursachen eingehen, die für Erschöpfung und Überforderung zuständig sind und die in ein Burnout oder einen Zusammenbruch führen können. Du wirst sehen, dass diese zu lösen sind und dass du ihnen nicht ausgeliefert bist.

1. Ursache sich zu erschöpfen – das HSP-Nervensystem ähnelt einem Hochleistungssportler

Hochsensible Menschen verarbeiten Reize viel detaillierter. Das fühlt sich so an, als ob immer ein Verstärker an allen Gefühlen, Gedanken und Wahrnehmungen sitzt. Das ist oft anstrengend und verbraucht viel Kraft und Energie. Das Nervensystem von Hochsensiblen vergleiche ich mit einem Hochleistungssportler. Genauso wie bei einem Leistungssportler sollte unser Körper und Nervensystem deshalb auch bestens versorgt sein, sonst tritt sehr schnell Erschöpfung ein. Das Motto: Je intensiver ein Sportler trainiert, umso intensiver müssen auch die Ruhephasen und die Versorgung mit Vitaminen und Mineralien sein, um sich zu regenerieren und Kraft aufzubauen, gilt genauso für Hochsensible. „Verdauungszeit“ sehe ich als Arbeitszeit an und keineswegs als Faulheit oder Herumhängen.

FAZIT: Erkenne dich als ein Hochleistungssportler an und versorge dich entsprechend ausreichend mit Ruhephasen und natürlichen Vitalstoffen, die deine Nerven stärken. Tu dir Gutes so oft du kannst!

2. Ursache sich zu erschöpfen – es kommt mehr Stress hinein, als wieder abfließt: der „Abwasch“ stapelt sich

Da Hochsensible Menschen viel fühlen und wahrnehmen – im Angenehmen wie im Unangenehmen – kommt es schneller zu „Anhäufungen“ von alltäglichen unverarbeiteten Situationen und Emotionen. Das können zum Beispiel Erlebnisse und Begegnungen mit anderen Menschen sein, die etwas in uns auslösen. Nach und nach können sich diese Emotionen wie der Abwasch in der Küche stapeln, wenn sie nicht wieder „abfließen“. Das kann sich sehr unangenehm anfühlen und das Gefühl aufkommen, dass alles zu viel wird und man dem Alltag oder bestimmten Menschen nicht gewachsen ist. Es ist ganz wichtig hier zu bemerken: du bist deinem Stress nicht ausgeliefert! Warte nicht mehr darauf, dass sich andere oder die Welt ändern, sondern nimm dein Befinden in deine eigene Hand. Suche dir Hilfe und lerne Wege kennen das aufzulösen, was dich belastet – geistig, emotional und seelisch. Dadurch wirst du bei emotionalem Wellengang und Überreizung immer wieder frei auf der Welle surfen können und nicht zum Spielball werden. Das hat sich auf meinem eigenen Heilungsweg sehr positiv ausgezahlt.

FAZIT: Regelmäßig „abwaschen“ und aufgestaute Emotionen und Belastungen auflösen lernen. Ich empfehle hierzu folgende Selbsthilfe-Methoden: TRE® – (Körperübungen zur Lösung von Stress und Trauma) und EFT (Klopfakupressur)

3. Ursache sich zu erschöpfen – die Selbstüberforderung

 Hochsensible Menschen neigen häufig dazu, trotz stark angebrochener Energiereserven immer noch alles zu geben. 80% ist einfach nicht akzeptabel. Oft werden die eigenen Leistungsgrenzen auch gar nicht oder nur verzerrt wahrgenommen – so, wie es sein sollte, im Vergleich zu anderen zum Beispiel. Die hohen Ansprüchen an sich selbst und andere Menschen in Kombination damit, die eigenen momentanen Grenze nicht wahrzunehmen ist eine recht explosive Mischung für die körperlich-seelische Gesundheit.

FAZIT: Versuch starten: Mal 80% zu geben statt 150%! Das schraubt auf Dauer das “Leistungs-Thermostat“ herunter, so dass du dein jeweiliges persönliches Maß finden kannst, bei dem du nach Bedarf aufdrehen oder herunter drehen kannst.

Vielleicht hilft dir auch die tägliche Frage dabei: Wie sehr strenge ich mich gerade an und wie könnte ich es mir leichter machen?

4. Ursache sich zu erschöpfen – emotionale Altlasten stören das psychische Immunsystem

Empfindsame Menschen sind schneller in ihrem Inneren zu erschüttern, besonders in sehr jungen Jahren, wenn sich unser psychisches Immunsystem, unsere Widerstandskraft noch ausbildet. Stress und Trauma in der Kindheit und vererbte Traumata von Vorfahren führen zu einer in-stabileren Widerstandskraft und einer erhöhten Wahrscheinlichkeit, ein Burnout oder eine Depression im späteren Leben zu entwickeln. In meinem eigenen Erleben haben sich schon lange vor meinem Zusammenbruch die Weichen dafür gestellt. Auf alte Vorbelastungen wie Verletzungen, Verunsicherungen und negative Überzeugungen haben sich später die aktuellen Belastungen gestapelt, die thematisch alle mit den bereits vorhandenen Mustern zusammen spielten. Alle „Altlasten“ binden außerdem ungemein viel Lebensenergie und halten einen ganz gehörig auf Trapp, wenn sie mal wieder durch eine Bemerkung oder eine Begebenheit aktiviert werden. Zum Glück ist aber auch das nicht in Stein gemeißelt! Denn Traumata können auf undramatische und sanfte Weise aufgelöst werden. Das führt zu immer mehr innerer Stabilität und Sicherheit und einer Zunahme an psychischer Kraft. Überwundene Traumata bergen einen großen Quantensprung – in unserer persönlichen Freiheit, Lebenskraft und -freude. Das kann ich aus eigener Erfahrung sagen.

FAZIT: Mach dich frei vom Druck der Vergangenheit, um deine Kraft und Lebensfreude wieder richtig freizusetzen. Löse alten Ballast auf sanfte und effektive  Weise auf – zum Beispiel mit EFT (Klopfakupressur) und TRE®

Ich wünsche dir viel Kraft, gute Einsichten und viel Erfolg bei deiner Selbstpflege!

Uma Ulrike Reichelt, www.uma-u-reichelt.com, Autorin von „Schnell & sicher ins Burnout“

Hochsensibel leben: Lassen sich Familie und Job vereinbaren?

(Von Sandra Tissot)

Als HSP kämpfst Du mit einem Übermaß an Reizen aus Deinem Umfeld und ein sicherer Umgang mit Deinen hochfeinen Antennen gelingt Dir meist erst mit wachsender Lebenserfahrung. Wenn dann bereits in jungen Jahren noch eine Familie mit Lebenspartner sowie Kindern dazukommt und ein nervenaufreibender Job regelmäßig Deine Synapsen lahmlegt, kommst Du schnell an Deine Leistungsgrenzen …

Vielleicht gehörst Du auch zu den HSP, die sich mit dem Wissen darum, bewusst für ein Leben ohne klassische Familienstrukturen und gegen ein herkömmliches Angestelltenverhältnis entschieden haben. Die eine oder andere Entscheidung trifft jeder für sich und hat dafür mit Sicherheit eine Reihe guter und wertvoller Gründe.

Vereinbarkeit von Familie und Job für Hochsensible überhaupt möglich?

Wenn Du Dich als HSP für eine Familie entschieden hast und gleichzeitig einen Job ausübst, hast Du höchstwahrscheinlich keine Langeweile. J Okay, Spaß beiseite, es gibt oder gab in Deinem Leben garantiert Phasen, in denen Dir die Situation über den Kopf gewachsen ist. Insbesondere in einer Leistungsgesellschaft, die Modeerscheinungen wie die „Mompreneurin“ hervorbringt. Ein Fabelwesen, mit unendlich großem Aufgabenfeld, dass sowohl 100 Prozent im Job, als auch 100 Prozent in Sachen Liebe und Erziehung für die Kinder gibt. Unerforscht ist allerdings, wann diese Spezies schläft, isst, oder Dingen wie regelmäßigen Duschen, Sex, Sport oder gar Hobbys nachgeht.
Fakt ist, egal wie diszipliniert, organisiert oder motiviert Du bist, die beiden vollkommen unterschiedlichen Lebensbereiche Familie und Job lassen sich für HSP nicht ohne weiteres vereinbaren. Zumindest solange unsere zukünftigen Tage weiter 24 Stunden haben und wir ab und an auch noch unseren Grundbedürfnissen nachgehen müssen. Ganz zu schweigen von der daraus entstehenden dauerhaften Überreizung und den mangelnden Freiräumen für Ruhe und Entspannung.

Schlüssel & Türöffner: Unterstützung annehmen und offen kommunizieren

Nur wenn Abstriche gemacht werden und Du auch Unterstützung im Familiengefüge erhältst, lässt sich Dein Familienleben gut mit Deinem Job vereinbaren. Erst die Unterstützung durch Partner, Großeltern und Freunde macht eine Vereinbarkeit von Familie und Job möglich und ist ein wertvoller Schlüssel für Hochsensible. Allerdings kannst Du als HSP selbst unter optimalen Bedingungen aufgrund Deines erhöhten Bedürfnisses nach Ruhephasen hier manchmal an Deine Grenzen stoßen. Das ist nicht weiter schlimm, denn auch diese Grenzen gehören zum Leben dazu.

Ein Türöffner für eine gesunde Vereinbarkeit von Familie und Job ist die offene Kommunikation. Denn weißt Du, was eine offene Kommunikation alles möglich macht? Gerade im Job, im Gespräch mit Kollegen, Geschäftspartnern, Kunden stellt sich schnell heraus, dass viele dieser Menschen auch Väter und Mütter sind … Dass eben diese Menschen sich genau die gleichen Fragen zur Vereinbarkeit von Beruf und Familie stellen und die gleichen Balanceakte vollziehen.

Ähnlich verhält es sich mit einer offenen Kommunikation in der Familie. Lebenspartner, die beide arbeiten, wissen, dass in bestimmten Situationen beide auch in familiären Angelegenheiten gleichermaßen gefordert sind. Werden hier Themen offen besprochen und Aufgaben geteilt, können Engpässe oft schon im Vorfeld umgangen werden.

„Weniger ist mehr“ – Erwartungen einfach mal runterschrauben

Mit einem Lächeln geht vieles leichter, insbesondere wenn Ansprüche und Erwartungen nicht zu hoch geschraubt werden.  Ganz wichtig ist dabei auch einmal das gemeinsame Lachen über eine verpatzte Situation oder über einen „Peinliche-Eltern-Moment“. Es ist bei Weitem nicht alles perfekt, und es wäre auch schade, wenn alles so vorbildlich wäre. Wo bliebe dann der Spaß?

Wir sind Hochsensible, oft mit hochsensiblem Nachwuchs, die individuell entscheiden müssen, was sie sowohl beruflich als auch privat imstande sind, gerade leisten zu können. Wir müssen immer ein bisschen mehr auf unseren Körper und Geist hören und uns selbst die Möglichkeiten geben, zur Ruhe zu kommen und “runterzufahren“. Spätestens, wenn Du nach der Arbeit bemerkst, dass die Energie bereits beim Aufeinandertreffen mit Deinen Kindern am Nachmittag schon aufgebraucht ist, wird es Zeit für eine Ruhepause. Denn wenn Du selbst überreizt bist, überträgt sich das schnell auf Deine Kinder. Vergiss nicht: Oft haben auch sie besonders feine Antennen und spiegeln Dein Verhalten wider. Für die notwendige Entspannung können ein Spaziergang mit dem Hund, Meditation, ein gutes Buch oder ein gemütlicher Abend auf der Couch sorgen. In einem Familiengefüge, wo die einzelnen Mitglieder um die Hochsensibilität der anderen wissen und in dem die Kinder bereits mit dem Thema aufwachsen können, lassen sich auch alle positiven Seiten vollständig entfalten.

In hochsensiblen Familien gilt oft: „Weniger ist mehr.“ Nach getaner Arbeit und nach dem Kindergarten oder der Schule sorgt vielleicht ab und an ein Sportnachmittag für Ausgleich. Oft genügt es aber einfach, die gemeinsame freie Zeit miteinander zu genießen. Ganz ohne dass dahinter jeden Nachmittag ein anderes durchgeplantes Programm steht. Denn ähnlich wie Du die Ruhe und den Ausgleich immer wieder suchst, benötigen wahrscheinlich auch Deine Kinder diese Freiräume, in denen sie einfach einmal vor sich hinträumen oder im Spiel versunken sein dürfen. Wenn Du Deinen Kindern ermöglichst, den sorgsamen Umgang mit der Hochsensibilität bereits früh zu erlernen, fällt es ihnen später deutlich leichter, die damit verbundenen Gaben wie Empathie, Kreativität, vernetztes Denken oder eine differenzierte Wahrnehmung in ihrem Erwachsenenleben bewusst einzusetzen.

Sandra Tissot, Autorin von „Hochsensibilität und die berufliche Selbstständigkeit“

Wie geht eine hochsensible Person mit Wertung um?

(Von Silvia Christine Strauch)

Hochsensibilität ist eine Gabe und keine Erkrankung. Auch wenn manch ein Hochsensibler von seiner Umwelt so manches mal als zickig eingestuft wird und sich selbst auch nicht so wirklich in der Normalität wiederfindet. Dadurch, dass der hochsensible Mensch eine Vielzahl an Reizen erfährt, fühlt er sich schnell überlastet.

Schwarz/weiß Denken

Eine gut/schlecht Wertung, man kann auch schwarz/weiß Denken dazu sagen ist heutzutage weit verbreitet. Vor allen Dingen weiß jede Person besser als die andere was gut und was schlecht ist. Das mag ja für die eigene Person noch angehen, aber sicherlich nicht wenn es auf andere Personen bezogen wird. Es wird beurteilt was das Zeug hält, egal um wen und was es geht und ich habe oftmals den Eindruck, auch egal welches Fachwissen dahintersteckt. Hauptsache man hat etwas zu sagen dazu, hat eine Meinung und vertritt diese vehement.

Wie wertet der Hochsensible?

Ein hochsensibler Mensch nimmt mehr Eindrücke auf und lässt sich davon auch leicht stark beeinflussen. So läuft er Gefahr die vielen ausgedrückten Wertungen in seiner Umwelt für bare Münze zu nehmen oder noch schlimmer, er versucht sich danach auszurichten. Da er allerdings so viele unterschiedliche Meinungen aufnimmt, fühlt er sich schnell verwirrt und ratlos und weiß sich nicht zu entscheiden. Das Einzige was ihm dadurch klar wird ist, dass seine sensible Art Dinge zu empfinden mindestens unbequem für ihn ist oder sogar zur Pein wird. So begibt er sich in einen gedanklichen und emotionalen Kreislauf, bei dem er auf andere Leute immer konfuser wirkt und ihm dadurch immer mehr Ratschläge und Wertungen entgegengebracht werden, was ihn immer weiter verunsichert. Letztendlich wird er seine Hochsensibilität verwünschen.

Wie nutze ich meine Hochsensibilität?

An allererster Stelle steht, dass ich mich auf mich selbst besinne. Dazu muss ich erst einmal zur Ruhe kommen, also muss ich mir eine Umgebung schaffen, die mich nicht allzu viel ablenkt. Ich muss dafür sorgen, dass ich genügend Ruhepausen habe und sie mir auch in ungeeigneten Momenten nehmen oder geeignete Momente schaffen. Am wirkungsvollsten ist es eine der vielen Entspannungstechniken zu erlernen und sie täglich auszuüben. Man lernt dadurch sich von äußeren Eindrücken abzuschirmen und die eigenen Gedanken zur Ruhe kommen zu lassen. Zweckdienlich ist es auch für geregelte Lebensumstände zu sorgen, ausreichend Schlaf, regelmäßige sportliche Aktivität und gesunde, bewusste Ernährung. Erst dann kann ich anfangen meine Gedanken und Emotionen bewusst wahrzunehmen, um meine Intuition wachsen zu lassen.

Muss Wertung sein?

Das eine ist gut, das andere ist schlecht, man kann sich über vieles streiten. Man kann sich sogar über die Farbwahrnehmung streiten, obwohl auch Farben subjektiv wahrgenommen werden. Oder noch krasser: Fragen Sie mal einen rot/grün Blinden danach ob ihr Pulli wirklich rot ist. Urteile sind oftmals Vorurteile, vorgefasste Meinungen, die häufig ohne großes Nachdenken geäußert werden.  Begründet auf irgendwelche früheren Erfahrungen oder Gehörtes, selten aufgrund sachlicher Recherchen und auf jeden Fall immer auf eine bestimmte Person bezogen. Eine Sache kann für einen bestimmten Menschen gut oder schlecht erscheinen, für einen anderen kann es das Gegenteil sein.

Diese beiden Menschen haben andere Erfahrungen gemacht, haben ein anderes Leben hinter sich, eine völlig verschiedene Ausgangssituation, fühlen und denken unterschiedlich, warum sollten sie gleicher Meinung sein? Der Blickwinkel ist unterschiedlich, ich denke keinem Menschen ist es möglich wirklich alle Aspekte mit einzubeziehen, die für einen anderen wichtig wären. Schwierig genug dies für sich selbst zu tun. Wenn ich wirklich bei mir selbst bin, kann ich selbst auch am besten entscheiden, was für mich das Richtige in diesem Moment ist und niemand anders. Ich kann und will auch keinem mit einer Wertung oder einem Ratschlag die Verantwortung abnehmen selbst zu überlegen und sich zu entscheiden. Ich überlege, falls es gewünscht ist, gerne mit und bin bereit aus meiner Sicht Impulse zu setzen, aber auch nicht mehr.

So leicht wird Jemand verurteilt, weil er dies oder jenes getan hat, ohne dass man die Hintergründe dazu kennt. Vernünftiger ist es bei sich zu bleiben und dafür zu sorgen, dass man mit klarem Denken und Fühlen zu dementsprechend klaren eigenen Entscheidungen kommt und anderen ihre Entscheidungen zu überlassen. Jeder hat die Konsequenzen aus seinen Entscheidungen und seinem Tun selbst zu tragen und ist frei sich jeden Tag neu zu entscheiden, er sollte nur nicht im Nachhinein fragen: was wäre wenn?

Silvia Christine Strauch, Buchautorin von „Meine Hochsensibilität positiv gelebt“

Es ist wie es ist – Mütter und ihre hochsensiblen Kinder

Hochsensible Kinder sind wie bunte Farbtupfer, denn sie bringen Licht, Lebendigkeit, Leichtigkeit, viel Gefühl und Mitgefühl in eine Welt, die manchmal grau und empathielos erscheint.

Die kleinen Feinfühler tragen einen großen Schatz in sich –  ihre angeborene Gabe,  Individualität und Kreativität und vor allen Dingen ihre Empathie sind ein großes Geschenk für die Welt. Das klingt sehr pathetisch und so ist es auch. Ich sehe hochsensible Erwachsene und Kinder als Wegbereiter für ein neues Miteinander in der Gesellschaft. Doch leider sieht der reale Alltag im Zusammenleben mit hochsensiblen Kindern manchmal ganz anders aus, nämlich nicht mehr so rosig.

 Herausforderung Muttersein

Alle Mütter stellen in der Regel ihre ganz persönlichen Bedürfnisse in den Hintergrund und tun beinah alles, für das Wohlbefinden ihrer Kinder. Sie schenken den Kleinen ihre Liebe, eine große Portion Geborgenheit, viel Geduld und Zeit. Eine enorme Leistung der Mütter, die oftmals auch noch einen Job haben, den Haushalt und das Unternehmen „Familie“ managen. (Liebe männlichen Leser, dieser Beitrag richtet sich an die Frauen und Mütter und soll nicht heißen, dass die Männer und Väter in der Familie nicht wertgeschätzt werden – ihr macht natürlich auch einen tollen Job!).

Mütter von Vielfühlern

Mutter sein ist gar nicht so einfach, das wird jede Mama bestätigen. Doch Mütter von hochsensiblen Kindern erfahren tagtäglich eine noch größere Herausforderung, denn hochsensible Kinder können manchmal sehr (sehr) anstrengend sein. Das kann ich aus eigener Erfahrung bestätigen und so  ist es auch in sozialen Netzwerken in den entsprechenden Gruppen zu lesen. Einige Mütter verlieren sogar den Blick für das Positive, die besondere Gabe und die intensive  Gefühlswelt ihrer Kinder, und fühlen sich hilflos, total überfordert, verzweifelt, ratlos, manchmal sogar am Boden zerstört und ausgebrannt, weil die Kleinen ihnen jegliche Energie rauben.

Hochsensible Kinder zu verstehen ist nicht immer einfach

Eine Mutter, die „normal“ (normal: beschreibt wertfrei eine normale Reizfilterung) sensibel ist, mit einem hochsensiblen Kind kann sich schnell überfordert fühlen, weil sie beispielsweise das Gefühlswirrwar und die facettenreiche Empfindsamkeit aller Sinne ihres Kindes oftmals nicht nachvollziehen und schon gar nicht verstehen kann. Sie erlebt selber eine Gefühlsachterbahn zwischen dem Versuch Verständnis aufzubringen und der Ratlosigkeit, das Kind nicht wirklich zu verstehen.

 Die hochsensible Mutter mit hochsensiblem Kind

Gleiches gilt auf für Mütter mit einer hochsensiblen Veranlagung, die sich aufgrund der Unruhe und vielen Reize selber noch schneller überfordert fühlen können. Ihre feine Wahrnehmung  erfasst die Gefühlswelt ihres Kindes auf eine besonders intensive Art.  Sie ahnt manchmal schon im Vorfeld Probleme und versucht diese ihrem Naturell entsprechend harmonisch und einfühlsam zu lösen.

Gerade hier ist die Belastungsgrenze schnell erreicht, wenn eine geballte Ladung an Gefühlsvielfalt und ein breites Wahrnehmungsspektrum  in doppelter Ausführung aufeinander treffen.

Wenn eine hochsensible Mutter ein hochsensibles  Kind an ihrer Seite hat, vielleicht sogar noch ein hochsensibles Geschwisterkind, kann das Zusammenleben zu einer riesengroßen Herausforderung werden. Dann kann Hochsensibilität schnell als Fluch und nicht mehr als Segen angesehen werden und so manche Mama würde die Mutterrolle in Gedanken gerne wieder abgeben, weil das innere Gleichgewicht in eine Schieflage geraten ist. STOPP! So weit muss es nicht kommen. Verwerfen Sie diese Gedanken und richten Sie ihren Fokus wieder neu aus.

Selbstfürsorge

„Wenn das eigene Feuer ausbrennt, kann es kein Licht mehr entzünden“ -diese östliche Weisheit ist sehr tiefgründig und bedeutend, aber über die Essenz wird oftmals gar nicht nachgedacht. Das gilt besonders für Frauen und Mütter.

 Liebe Mütter, nur wer sich in Selbstfürsorge übt,  wird Alltagsherausforderungen entspannter meistern können. Sie stehen immer an erster Stelle, um dann für ihre Liebsten da zu sein. Das bedeutet, dass Mütter in ihrem Alltag immer gut für sich sorgen müssen. Hilfreich ist es, den inneren Antreiber und Perfektionisten erst einmal zu verabschieden und sich nicht mehr mit anderen Müttern zu vergleichen. Was spricht dagegen, den Wäscheberg ungebügelt liegen zu lassen und anstatt die Pflichten zu erfüllen, lieber eine Auszeit zu nehmen und zu relaxen, oder einen Spaziergang zu machen? Wenn Sie sich erschöpft fühlen, genießen Sie einen Moment das Nichtstun. Laden Sie die Batterien auf, anstatt auf Reserve  weiter zu funktionieren. Lernen Sie immer häufiger „Nein“ zu sagen, anstatt mit einem Grummeln im Bauch immer „Ja“ zu sagen, das gilt auch für die Bitten ihrer Kinder. Übernehmen Sie mehr Selbstverantwortung und üben Sie sich in Selbstfürsorge. Das kann ihnen keiner abnehmen! Sie müssen nicht ständig und immer präsent sein und jeden Wunsch sofort erfüllen. Zeigen Sie Ihrem Kind, dass Ihnen „Ruhezeiten“ genauso wichtig sind, wie diese für das hochsensible Kind überlebenswichtig sind, um den erhöhten Stresslevel wieder in Balance zu bringen.

Tragen Sie die Botschaft „Nobody is perfect“ in ihre Familie – das gilt für alle Familienmitglieder. Auch Mütter sind nicht perfekt und dürfen Fehler machen! Das gilt für das Zusammenleben genauso wie für Erziehungsfragen.

Verbannen Sie den inneren Druck, der einen manchmal wie ein mächtiger Schatten verfolgt, einen zur permanenten Selbstoptimierung antreibt und das Hamsterrad  immer schneller drehen lässt. Inmitten eines Chaosstages versuchen sie einfach Ruhe zu bewahren und das Wirrwarr anzunehmen, so wie sie auch die Hochsensibilität ihres Kindes wertschätzend annehmen sollen, denn „Es ist wie es ist“.  Verabschieden Sie sich vom Perfektionismus und Multitasking. Entschleunigen Sie den Alltag und üben Sie sich in Achtsamkeit. Genießen sie die besonderen Momente mit Ihrem Kind.

Gedankentipps für das Zusammenleben mit hochsensiblen Kindern

– Verabschieden Sie sich von den gesellschaftlichen Normen und lassen Sie sich nicht von anderen Menschen erzählen, was normal ist und wie sich ihr Kind zu verhalten hat und vor allen Dingen, wie Sie es erziehen sollen. Setzen Sie sich mit dem Thema „Hochsensibilität“ auseinander, informieren Sie sich und vertrauen Ihrer Intuition  (darin sind alle Mütter gut geschult).

– Hochsensible Kinder sind nicht verhaltensauffällig oder „gestört“, sondern total normal. Sie sind auch nicht lebensunfähig, erziehungsresistent und wollen auch nicht in Watte gepackt werden. Sie brauchen nur etwas mehr Verständnis und Geduld.

– Anstatt an Chaostagen zu verzweifeln und Ihr Kind gedanklich zu verfluchen, legen Sie den Focus auf all die schönen Dinge und Schätze, die Ihr Kind in sich trägt. Es ist nicht immer einfach, aber es ist eine hilfreiche Übung, um sich nicht im Negativen zu verlieren.

– Versuchen Sie die Gefühlsausbrüche immer mit den Augen des Kindes zu betrachten. In meinem Blog habe ich das „Stadtmonster“ beschrieben, es zeigt, wie schnell auch ich manchmal noch aus der Balance kommen kann.

– In verfahrenen Situationen nehmen Sie erst einmal Abstand und erlauben sich eine kleine Auszeit für Rückzug und Entspannung, um dann mit einer Prise Humor und Leichtigkeit neu aufeinander zuzugehen. Bitte bedenken Sie, hinter jeder „bockigen Maske“ steckt meistens ein Hilferuf nach Verständnis, Zuwendung und Geborgenheit.

Das mag jetzt alles wie graue Theorie klingen, aber es ist eine hilfreiche Unterstützung, dem Alltag wieder mit mehr Leichtigkeit und Lebensbegeisterung zu begegnen.

Versuchen Sie die Herausforderungen „Hochsensibles Zusammenleben“  mit ganz viel Gelassenheit zu meistern und machen Sie „Don´t worry- be happy“ zu Ihrem neuen Lebensmotto – und: Lehren Sie ihrem Kind die unbeschreibliche Kraft der Gelassenheit.

Sabina Pilguj, Autorin, Bloggerin, IBIZA-Coach, Yogalehrerin  Autorin des Buches „Ich bin wie ich bin – genial und total normal“

HSP – Mütter und Burnout

Als mein ältester Sohn auf die Welt kam, änderte sich mein selbstbestimmtes, eigenständiges und bedürfnisgerechtes Leben schlagartig. Ich hatte zu wenig Schlaf, musste ständig anwesend sein, war 24/7 angespannt und vergaß gänzlich auf mich. Ich war überzeugt davon, dass mein Sohn die Aufmerksamkeit, die er ständig von mir vehement einforderte – zumindest teilweise –  von Geschwistern einfordern würde und entschied mich nach knapp 20 und weiteren 21 Monaten für meinen jüngeren Sohn und meine Tochter. Doch ich irrte mich. Zusätzliche Belastungen, wie Hausbau, Berufstätigkeit  und keine ausreichende Kinderbetreuung haben mir stark zugesetzt.  Ich funktionierte nur noch – wie ein Roboter. Nach etwa 15 Jahren spielte mein Körper gänzlich verrückt, ich fühlte mich innerlich leer und emotionslos. Mein physischer und psychischer Ausnahmezustand (heute nennt man dies Erschöpfungssyndrom oder Burnout) zwangen mich zum Um- und Nachdenken …

………….darüber, welche Bedürfnisse ich eigentlich habe:

Ich wusste nicht einmal mehr, was ich brauchte, um zumindest gesund zu bleiben – geschweige denn, zufrieden und ausgeglichen zu sein. So entdeckte ich, dass ich in erster Linie Rückzugsmöglichkeiten,  sehr viel Ruhe und ungestörte (Aus-)Zeit für mich benötigen würde. Essentiell war und ist für mich ausreichender  Schlaf, um mich entsprechend  regenerieren zu können, ebenso wie Bewegung in der Natur und gesundes Essen.

………….darüber, was mir Energie gibt:

Ich wusste auch nicht mehr, was ich wirklich gern machte und was mir gut tun würde. So ging ich laufen (ich mag Laufen gar nicht, aber ich konnte in kurzer Zeit schnell und unkompliziert die für mich notwendige Sporteinheit absolvieren) und trainierte für Bewerbe (damit ich endlich irgendwo Erfolg hatte). Als der Leidensdruck schon sehr groß war, erinnerte ich mich an meine Kindheit und Jugend und daran, was ich in dieser Zeit gerne (und instinktiv das für mich Richtige) gemacht habe: in der Natur sein, Schitouren gehen und Bergsteigen, vor mich hinträumen, schreiben, Kleider nähen, Bücher lesen, Alleinsein….. Diese Erkenntnis brachte mich dazu, meine alten vergrabenen Interessen wieder zu aktivieren.

…….darüber, dass weniger mehr ist:

Mein Pflichtgefühl, meine Gewissenhaftigkeit und mein Verantwortungsgefühl für meine Kinder war enorm und setzten mich unter Druck. Ich musste meinen Kindern alles ermöglichen, um aus ihnen lebens-, leistungsfähige und soziale Menschen zu machen. Heute weiß ich, dass meine Kinder zwar viele Möglichkeiten ausprobieren und Erfahrungen sammeln konnten und in vielerlei Hinsicht auch geschult wurden, aber das für sie Wichtigste ist weitgehend auf der Strecke geblieben: ich konnte ihnen keine Herzenswärme und keine ungeteilte Aufmerksamkeit – vor allem hinsichtlich ihrer Gefühle – mehr geben, da ich diesbezüglich selbst „leer“ war. Heute weiß ich, dass alle Kinder groß werden und ihren Weg gehen – egal, ob sie mehrere Sportarten ausgeübt haben oder bei allen möglichen Veranstaltungen dabei waren.

…..darüber, wie ich meine Lebensenergie in Balance halten kann:

Ich war in den erwähnten 15 Jahren keine einzige Nacht ohne meine Kinder und wenn ich doch mal Tagesausflüge ohne sie machte (sie waren damals allerdings bereits mindestens 8 Jahre alt) dann auch nur mit einem schlechten Gewissen. Heute weiß ich, dass ich zumindest Kurzurlaube – besser wären längere Auszeiten (zB. Kur) gewesen – gebraucht hätte und Kinder und Haushalt und Haustiere endlich einmal hinter mir gelassen hätte. Dass wir Mütter uns das, was uns gut tut, wert sein sollten, hat also mit Selbstwert zu tun. Und daran arbeite ich heute immer noch.

Zusammenfassend die Überlebensstrategien für HSP-Mütter:

  • Achte auf deine Bedürfnisse, nimm sie wahr und artikuliere sie deinem Umfeld!Was brauche ich, um gesund zu sein und mich wohlzufühlen? Was tut mir gut? Was mache ich gerne (bzw. habe ich einmal gerne gemacht)?
  • Was bzw. wer nimmt mir Energie und gibt mir Energie? Schreibe diese auf und ergänze sie bei Bedarf!
  • Achte auf eine ausgewogene Energiebalance! Versuche die Energiefresser zu minimieren und die Energiegeber zu maximieren.
  • Weniger ist mehr!Weder hinsichtlich deiner Kinder, deines Ehemanns, deines Gartens, deiner Haustiere noch deines Berufs musst du perfekt sein und das Maximum herausholen. Vertraue auf den Fluss des Lebens, übe dich in Gelassenheit und in Minimalismus 😉
  • Nimm dir Auszeiten und die Ruhe, die du brauchst! Genieße sie in erster Linie alleine! Nur so gelingt es dir, ganz bei dir zu sein und ganz DU zu sein, da nur so garantiert ist, dass du weder Gefühle noch Gedanken von anderen (unbewusst) aufnehmen kannst.
  • Sei achtsam! Genieße den Moment mit all deinen –  ohnedies stark ausgeprägten – Sinnen und versuche das Denken, das Drumherum bzw. das Morgen weitgehend auszuschalten. Tägliche (kurze) ungestörte Meditationen können dabei helfen.
  • Sei dir regelmäßig und möglichst oft Wohlbefinden und alles, was dir gut tut, wert!Nur wenn es dir gut geht, kannst du dich für andere Menschen öffnen und auf sie eingehen. Darüber hinaus strahlst du Wohlbefinden und Zufriedenheit auch aus (steigert deine Schönheit 😉

Alles Gute für dich!

Mag. Dr. Bettina Telfser, www.bettinatelfser.at

Hochsensibel und gelassen durch den Tag

Je nach Temperament geht der Hochsensible unterschiedlich mit stressigen Situationen um. Im Allgemeinen fühlt sich eine hochsensible Person jedoch schnell angegriffen. Viele ziehen sich dann in sich zurück und werden als introvertiert wahrgenommen. Sie grübeln darüber nach was sie verkehrt gemacht haben. Egal was passiert, sie schlucken alles herunter und behalten es sozusagen in sich. Die extrovertierten Hochsensiblen wehren sich meist mit Worten, durchaus auch unsachlicher Natur und machen sich dann anschließend Vorwürfe. Sie grübeln nicht nur über die Worte des Anderen, sondern auch über ihre eigenen und beschäftigen sich ebenso lange mit dem Thema wie der introvertierte Hochsensible.

Zerbrich dir nicht über alles und jeden den Kopf

Hochsensible Menschen neigen zur Grübelei. Sie nehmen eine Fülle an Reizen auf und versuchen diese alle in ihr Denkschema einzuordnen. Dies setzt geradezu eine Gedankenkaskade in Gang. Die Gedanken verselbständigen sich und folgen keiner vernünftigen Rangordnung mehr. Wichtigkeit, Dringlichkeit, Prioritäten, das alles wird auf einmal aufgehoben und lässt sich schwer durchbrechen. Deshalb sollte man in ruhigen Momenten, wie bei einem Spaziergang, hergehen und sich vor Augen führen, dass jeder letztendlich selbst verantwortlich für sich ist. Ich bin weder für den anderen verantwortlich, noch kann oder sollte ich ihm eine Entscheidung abnehmen. Ich kann Impulse setzen aber nicht mehr. Ich brauche mir nicht den Kopf über andere zerbrechen, besser ist es mein Leben selbst in die Hand zu nehmen und mir zu überlegen, was mir wichtig ist und wie ich dies umsetzen kann.

Vergleiche dich nicht mit anderen und verurteile keinen

Gerade hochsensible Menschen fühlen sich sehr schnell angegriffen. Oftmals fühlen sich hochsensible Menschen durch Kleinigkeiten verletzt, die der andere überhaupt nicht so gemeint hat. Andere Menschen sind meist so mit sich selbst beschäftigt, dass sie einen gar nicht wirklich persönlich meinen. Versuchen sie sich einmal wie auf einer Bühne zu beobachten, um zuzusehen wie solch eine Situation abläuft. Aus diesem Abstand heraus werden sie feststellen, dass es meist nicht der Situation angemessen war, sich aufzuregen oder sich verletzt zu fühlen. Im Zweifelsfall, es gibt immerhin Fälle in denen die Klärung wichtig ist, fragen sie nach. Sagen sie dem anderen wie sie seine Worte verstanden haben und fragen nach, ob er es so gemeint hat. So manche Meinungsverschiedenheit löst sich dadurch in Luft auf. Auch der andere hat ein Recht auf seine Meinung, die durchaus unterschiedlich zu unserer sein kann. Man kann nicht wissen wie diese Meinung zustande gekommen ist und was dieser Mensch schon alles in seinem Leben durchgemacht hat.

Aus diesem Grunde sollte man sich auch nicht mit anderen vergleichen, kein Mensch ist wertvoller als der andere, jeder Mensch ist einzigartig. Es gibt auch keinen Grund jemanden zu verurteilen oder sein Verhalten zu bewerten. Wenn mir jemand die Vorfahrt genommen hat, dann kann dies eine gefährliche Situation ergeben und in diesem Moment steigt mein Adrenalinspiegel sicherlich. Ich kann und brauche auch nicht zu wissen, was den anderen zu diesem Verhalten getrieben hat, vielleicht hat er schlecht geschlafen, eine traurige Nachricht erhalten oder war aus einem anderen Grunde unvorsichtig. Statt mich darüber aufzuregen sollte ich mich darüber freuen, dass nichts passiert ist. Sollte einem dies an einem Tag häufiger passieren wird es allerdings schwieriger werden damit gelassen umzugehen. Ich denke, ich würde dann eine lange Pause einlegen bevor ich mich auf den Heimweg mache.

Lasse die Vergangenheit ruhen

Schließe Frieden mit deiner Vergangenheit und lasse sie nicht deine Gegenwart beeinträchtigen. Selbstverständlich sollte man aus vergangenen Dingen lernen, aber man sollte nicht darüber nachgrübeln. Der Gedanke: „was wäre wenn“ ist absolut kontraproduktiv.

Entspannungstechniken helfen den nötigen Abstand zu gewinnen und die Übung macht den Meister. Auf eine Gelegenheit Gelassenheit zu üben muss man im allgemeinen nicht lange warten. Und eine gelassene Haltung bringt dich dem Glück ein großes Stück näher, denn niemand ist für dein Glück verantwortlich außer du selbst, deshalb:

Lächle und sei freundlich und gelassen…

Silvia Christine Strauch, Buchautorin von „Meine Hochsensibilität positiv gelebt“

Hochsensible Vielfühler – Hochsensible Menschen fühlen sich manchmal wie eine Schnecke ohne Haus

Von Alexandra Thoese

Durch die Vielzahl von Eindrücken und Gefühlen, verlieren wir manchmal den Zugang zu unserem Körper, der unser Zuhause ist. Dann fehlt uns unser eigener Schutzraum – unser Haus, welches wir auf dem Weg verloren zu haben scheinen. Durch die Fähigkeit der gesteigerten Wahrnehmung, nehmen wir eine Vielzahl an Informationen und Gefühlen auf, die nur verlangsamt verarbeitet werden können. Unser Filtersystem ist schneller überlastet und dadurch sind wir eher reizüberflutet, als andere Menschen.

Phasen der Regeneration, sind für hochsensible Menschen essentiell wichtig, Hierzu gehören ausreichend Schlaf, Essen, Ruhe, Bewegung, Still-Points und Momente des Innehaltens. Kurz zusammengefasst: Eine achtsame Selbstfürsorge

Gefühle sind unsere Freunde

Hinzu kommt, dass hochsensible Menschen Vielfühler sind. Emotionen werden als sehr tiefgehend und umfangreich wahrgenommen. Das Umfeld kann häufig nicht verstehen, was in einem hochsensiblen Menschen vorgeht. Verstärkt wird dies durch den Umstand, dass wir uns manchmal in unserer Intensität selbst nicht verstehen und es schwer fällt auszudrücken was wir gerade empfinden. Gefühle hallen wie Worte sehr lange in uns nach. Wenn es dir manchmal so geht, dass sie dich überrollen, habe ich folgende Ideen für dich:

Gefühle fühlend annehmen

Meine Erfahrung verdeutlicht mir, dass der Weg bewusst durch die Gefühle hindurch zu gehen, zu der gewünschten Annahme führt. Der erste Schritt ist: Erkenne an was ist. Der zweite Schritt lautet: Erlaube dir alles zu fühlen. Konkret heißt das: Wenn ich beispielsweise Angst verspüre, nehme ich mir die Zeit ganz dort hinein zu spüren. Meine natürliche Atmung unterstützt mich dabei. Der dritte Schritt lautet: Wo kann ich es im Körper spüren?

So komme ich wieder in den Kontakt mit meinem Körper und fühle mich nicht mehr „Lost in space“. Nimm dir hierfür unbedingt Zeit. Wenn es nicht sofort umsetzbar ist, dann triff zu einem späteren Zeitpunkt eine Verabredung mit dir selbst: „Heute Abend nehme ich mir die Zeit ganz hineinzuspüren.“

Erforsche deine Gefühle

Mir hilft es die Angst mittels Forscherfragen zu konkretisieren: Hat sie eine Farbe? Hat sie eine Form? Ist es eine Gestalt? Ist sie groß oder klein? Ist es etwas, was ich schon kenne oder ist es eine Angst vor etwas Unbekannten? Was hat diese Angst ausgelöst? Was möchte sie mir zeigen? Was brauche ich jetzt gerade?

Mein Gefühl kann sich so beruhigen, da ich meinen Verstand beobachtend mit hinzunehme. Ich hole damit die Angst auf eine andere Ebene, in der sie da ist, doch in der sie mir nicht mehr den Atem raubt. Hier kann ich schauen, was mein Bedürfnis hinter der Angst ist.

Gefühle sind Indikatoren für unerfüllte Bedürfnisse

Sie haben wichtige Botschaften für uns. Wenn wir uns Zeit nehmen und ihnen Raum geben, können wir herausfinden, was uns in der Situation fehlt. Das kann so etwas sein, wie Verständnis, eine Umarmung oder jemand der mir zuhört (ohne Ratschläge zu erteilen). Es hilft nicht, wenn uns jemand sagt: „Deine Angst ist unbegründet.“ Deine Gefühle haben immer eine Botschaft an dich. Erlaube dir hinzuhören, dann wirst du mehr und mehr dein Haus von innen heraus stärken.

Gib deiner Angst einen Namen

Das könnte etwas sein wie: „Ah, die Prüfungsangst.“ Dann kannst du in einen inneren Dialog mit ihr treten: „Danke, dass du dich mir zeigst. Was kann ich für dich tun?“ Sie wird dir vielleicht antworten: „Danke, dass du mich siehst. Ich wollte dich nur nochmal darauf hinweisen, dass es echt wichtig ist, das du während der Prüfung einfach weiter atmest“

Ich denke du verstehst wie ich es meine. Wenn wir in Kontakt gehen mit dem Gefühl, dann wird es gesehen und ernst genommen. Das ist wichtig für eine Transformation. Gefühle zeigen sich, weil sie gesehen werden wollen.

Gib der Angst eine Gestalt

In einem Buch las ich über eine Frau, die sich stellvertretend für ihre Angst ein Stofftier kaufte und es dann mitnahm, wenn sie es gerade brauchte. Das hat mich so fasziniert, dass ich es sofort umgesetzt habe. Mich unterstützt es tatsächlich und es gelingt mir dadurch leichter mit der Angst in Kontakt zu kommen. Manchmal führe ich dann einen inneren Dialog mit ihr, der so aussehen könnte: „Danke liebe Angst, ich sehe dich. Gut dass du da bist, doch ich probiere es jetzt mal etwas Neues aus. Ich nehme dich gerne mit, denn du bist ein Teil von mir. Beherrschen tust du mich nicht, doch ich nehme dich ernst.“

So oder ähnlich könnte ein Dialog mit deinem Gefühl aussehen. Das kann auch für Kinder eine wunderbare, spielerische Möglichkeit sein, um einen Umgang mit Gefühlen zu finden.

Alexandra Thoese, Geschichten über Gefühle hier klicken

Hochsensibilität – wie stehen Sie zu Ihrem eigenen Körper?

Von Monika Richrath

Bei hochsensiblen Menschen kann schnell mal der Eindruck aufkommen, dass der eigene Körper eher Feind als Freund ist, aufgrund der ganz besonderen Bedürfnisse. Mir ist es jedenfalls so gegangen (und ich bin ganz sicher, dass ich damit nicht alleine stehe!).  Ständige Überreizung und daraus resultierende Erschöpfung, unerklärliche körperliche Symptome, die sich über Wochen hinziehen können, ohne dass je von Seiten der Schulmedizin dafür eine einleuchtende Erklärung gefunden werden könnte, chronische Schmerzen, Nervosität, Unruhe, Rastlosigkeit (besonders schlimm, wenn man gerade sehr erschöpft ist), Allergien, Nahrungsmittelunverträglichkeiten: Es gibt praktisch nichts, womit unser Körper uns nicht quälen könnte.

Ausgeliefert und getrennt

Als ich noch nichts von Hochsensibilität wusste und von diesen besonderen körperlichen Bedürfnissen, habe ich mich meinem Körper oft regelrecht ausgeliefert gefühlt, weil ich ihn nicht verstand und nicht wusste, was vor sich ging. Etwas war definitiv nicht in Ordnung (das konnte ich genau spüren), aber weder fand ich heraus, was, noch konnte ich jemanden finden, der meiner Meinung war geschweige denn versucht hätte, herauszufinden, was los war. Im Zuge der Erforschung meiner eigenen Hochsensibilität ist mir recht schnell klargeworden, dass eine der wirklich großen Schwierigkeiten hochsensibler Menschen ist, dass viele völlig von ihrem Körper getrennt sind und hauptsächlich im Kopf leben.

Überbewertung des Verstandes

Das führt nicht nur dazu, dass der Verstand, und alles, was sich im Kopf abspielt, vollkommen überbewertet wird, sondern auch dazu, dass die körperlichen Bedürfnisse häufig auf geradezu sträfliche Weise vernachlässigt werden. Dies geht aber nur eine gewisse Zeitlang gut – spätestens im Burnout wird klar, dass es so nicht funktioniert.

Freundschaft schließen mit Ihrem hochsensiblen Körper

Um Hochsensibilität gut leben zu können, brauchen hochsensible Menschen dringend und unbedingt eine gute Verbindung zu ihrem Körper. Wenn Sie das schaffen, dann haben Sie einen ganz riesigen Schritt nach vorne gemacht. Deswegen habe ich hier eine 5-Schritte-Anleitung für Sie erstellt:

  1. Akzeptieren Sie die besonderen Bedürfnisse Ihres hochsensiblen Körpers

Das mag jetzt sehr einfach klingen, ist es aber nicht. Es bedeutet, dass Sie aufhören müssen, sich mit anderen Menschen zu messen, ihrer Arbeitsweise, ihrer Leistungsfähigkeit, ihrer Umgebung. Akzeptieren Sie, dass Sie mehr Pausen brauchen, mehr (und besseres) Essen, mehr Schlaf, mehr Natur, mehr Entspannung …

  1. Stellen Sie sich Ihren Körper als ein Baby oder Kleinkind vor, das gehätschelt werden muss

Vielleicht haben Sie schon von der Arbeit mit inneren Anteilen gehört. Dies bedeutet nichts anderes, als dass man verschiedene Persönlichkeitsanteile zu verschiedenen inneren Personen macht. Am erfolgreichsten ist es, wenn Sie den verschiedenen Anteilen Namen geben, das können Sie auch mit Ihrem Körper machen. Gewöhnen Sie sich an, mit Ihrem Körper zu sprechen, bzw. in einen Dialog zu treten.

  1. Hören Sie auf Ihren Körper

Halten Sie immer wieder mal ein im Laufe des Tages und fragen Sie Ihren Körper, wie es ihm geht. Was braucht er jetzt, um sich wohlzufühlen? Manchmal reicht schon eine Runde um den Block, die Hände ein paar Minuten auf die Augen zu legen, ein heißes Bad, eine Kleinigkeit zu essen, oder zu klopfen …

  1. Bewegen Sie sich regelmäßig

Das ist ebenso wichtig. Am besten täglich. Was und wie Sie es machen, ist eigentlich egal, nur dass Sie es tun, ist wichtig. Es ist besonders wichtig, wenn Sie unter Fibromyalgie leiden oder anderen chronischen Schmerzen. In dieser Situation ist man häufig geneigt, Bewegung einzuschränken, das ist aber grundfalsch. Ich mache jetzt morgens Nordic Walking, habe aber auch schon über Jahre hinweg Gymnastik gemacht. Was wirklich ganz toll ist und ein Minimaltipp (den Sie sogar hinkriegen können, wenn Sie Kinder haben): Tanzen Sie morgens auf Ihr Lieblingstanzlied. Das reicht.

Die Bewegung des Laufens wirkt übrigens entgiftend. Daher ist Duschen oder Waschen hinterher sehr sinnvoll. Und das Tüpfelchen auf dem i ist es, wenn Sie hinterher keine Lotion verwenden (die verstopft die Poren), sondern nur ein gutes Körperöl. Für mich fühlt sich das so an, als hätte ich ein Ganzkörper-Sinnesorgan … herrlich …

  1. Genießen Sie die Zusammenarbeit mit Ihrem Körper

Es wird ein bisschen dauern (aller Anfang ist schwer), aber wenn Sie es schaffen, das eine Weile durchzuziehen, werden Sie eines Morgens aufwachen und merken, dass Sie sich auf Ihre körperliche Aktivität freuen und dass diese Freude im ganzen Körper ist, dass auch der Körper sich freut. Das ist ein wundervoller Moment! Wenn Sie dabeibleiben, werden Sie merken, dass sich insgesamt Ihr Wohlgefühl verbessert, die Bewegung gibt Ihnen Energie, Prozesse im Körper, die vorher schwierig waren, gehen möglicherweise leichter vonstatten (z. B. Schwierigkeiten bei der Verdauung).

Sie werden außerdem merken, dass Ihr Körper dieses Zugeständnis an sein Bedürfnis nach Bewegung honoriert (denn menschliche Körper sind genetisch auf Bewegung ausgelegt). Das klappt aber natürlich nur, wenn Sie wirklich Ihrem täglichen Bedürfnis nach Bewegung nachgeben. Sie sind nun besser mit Ihrem Körper verbunden und bekommen schnellere Rückmeldungen für Dinge die gehen oder auch nicht. Das finde ich äußerst wertvoll und wunderbar. Es versteht sich von selbst, dass Sie dann aufhören, mit und über Ihren Körper zu schimpfen, das bringt mehr Selbstliebe und -akzeptanz in Ihr Leben.

Besonders toll ist es natürlich, wenn Sie die Klopfakupressur (EFT Klopftechnik) anwenden, um mit Körperarbeit Prozesse im Kopf zu bearbeiten, Blockaden und stressauslösende Glaubenssätze aufzulösen oder schwierige Situationen zu verändern. Der Körper machts – das bringt 1000 Mal mehr als über etwas nachzudenken – probieren Sie es aus!

Leichte Bewegung ist äußerst wohltuend

Das merke ich selbst immer wieder. Ich hätte selbst niemals damit gerechnet, dass ich von 5-10 Minuten Nordic Walking täglich auf 30 Minuten kommen könnte – und das ist erst der Anfang!

Sportlicher Ehrgeiz geht mir eigentlich vollkommen ab, aber ich bewege mich gerne. Es hat daher eine Weile gebraucht, bis ich herausgefunden habe, dass Schwimmen und Nordic Walking für mich die perfekten Sportarten sind. Vor einer Weile habe ich mir dann mal einen 10-Wochen-Plan erstellt, ausgehend von meinem damals minimalen Leistungsvermögen von 5 Minuten täglich. Mehr habe ich mir nicht zugetraut. Am Ende der 10 Wochen stehen 5 Km am Tag. Bis jetzt bin ich noch gar nicht dort angekommen, denn es passiert immer wieder, dass ich den Plan aufgrund unvorhergesehener Ereignisse (wie z. B. den Tod meiner Mutter), aussetzen muss. Ich fange aber immer wieder neu an, diesmal aber bei 15 oder 20 Minuten. Ich bin ganz zuversichtlich, dass ich es bis zum Ende schaffen werde. Insgeheim denke ich ja auch schon über die 5 km täglich hinaus …

Wie sieht es mit Ihnen aus? Arbeiten Sie mit Ihrem Körper zusammen? Welche Erfahrungen haben Sie dabei gemacht? Ich freue mich über Ihre Kommentare.

Monika Richrath, Autorin von „EFT-Klopftechnik für Hochsensible“

Hochsensibilität durch Selbstmanagement positiv bewältigen

Als hochsensibler Mensch ist man einer Fülle von inneren und äußeren Reizen ausgesetzt, die es gilt zu verarbeiten. Nachdem unser Nervensystem mehr Reize durchlässt als bei den meisten anderen Menschen, fällt es oftmals nicht leicht zwischen wichtigen und unwichtigen Dingen zu unterscheiden. Somit empfindet man ein Übermaß an Eindrücken, fühlt sich schnell überreizt und überlastet und hat oftmals das Gefühl die eigentlich wichtigen Dinge nicht erledigen zu können.

Pausen einplanen, Powernap praktizieren

Um das Nervensystem zu entlasten ist es wichtig immer wieder Pausen einzuplanen und diese auch einzuhalten. Selbst wenige Minuten reichen schon aus um Luft holen zu können und je mehr Übung man hat, desto schneller schafft man es sich zu entspannen. Früher Mittagsschläfchen genannt ist das Powernapping oder Powernap heutzutage selbst unter Managern beliebt. Es dreht sich um eine Art Turboschlaf, am besten anzuwenden am frühen Nachmittag, wenn sich der Biorhythmus sowieso auf einem Tiefpunkt befindet. Aber auch zu einem anderen Zeitpunkt leistet er gute Dienste. Dieser kurze Schlaf lädt Körper und Geist mit neuer Kraft auf und die Gedanken kommen zur Ruhe. Zur Übung beginnen sie mit dem Kurzschlaf am besten an einem Wochenende oder im Urlaub. Achten sie darauf, dass sie nicht länger als 20 bis maximal 30 Minuten schlafen, danach beginnt die Tiefschlafphase. Lassen sie aufkommende Gedanken wie Wolken an Ihnen vorüberziehen. Ärgern Sie sich nicht darüber, sondern lassen Sie diese einfach los. Powernapping wirkt ähnlich wie eine Meditation oder autogenes Training, mit etwas Übung schalten Sie schnell ab und der Körper beginnt sich in Windeseile zu regenerieren. Haben Sie keine Möglichkeit einen Powernap zu praktizieren, so können Sie auch spazieren gehen, jede Minute entspannt. Auch hier gilt, sind sie geübt in einer Meditationstechnik, so können Sie bedeutend schneller abschalten und jede Sekunde zur Regeneration von Körper und Geist nutzen.

Keine Zeit für Pausen und Entspannung?

Dies hört man von vielen Menschen, die weder Powernap noch Entspannungstechniken praktizieren. Gerade hochsensible Menschen, die sich so schnell überreizt und überlastet fühlen, meinen sich einfach nicht die Zeit für solche Übungen freischaufeln zu können. Aber das Gegenteil ist der Fall. Dadurch, dass Körper und Geist ausgeruht und fit sind und nicht überreizt und chaotisch vor sich hinarbeiten, ist der entspannte Mensch in der Lage viel effizienter seiner Tätigkeit nachzugehen. Gleichgültig ob es sich um Arbeit oder um Freizeit, vielleicht auch Sport handelt. Ist man entspannt, fällt es leichter klar zu denken, zu fühlen und zu handeln und somit kommt auch schneller ein klares Ergebnis zustande.

Wichtiges vom Unwichtigen unterscheiden lernen

Zeitdruck wird meist dadurch verursacht, dass man zu viel Zeit für unwichtige Dinge vergeudet. Man muss zwischen wichtig und unwichtig, aber auch zwischen wichtigen und dringenden Dingen unterscheiden lernen. Das heißt man muss lernen Prioritäten zu setzen. Die höchste Priorität besitzen Aufgaben, die wichtig und dringend sind, also Sachen, die mich meinem Ziel näherbringen und sofort erledigt werden sollten. Als nächstes kommen Aufgaben, die wichtig aber nicht dringend sind.  Auch das Delegieren will gelernt sein, nicht nur im Beruf, sondern auch im Privatleben. Man muss nicht immer alles selbst machen.

Das richtige Zeitmanagement

Um eine Prioritätenliste in ein vernünftiges Zeitmanagement umzusetzen müssen wir den jeweiligen Zeitaufwand der Aufgaben kennen. Achten Sie darauf, dass Sie konzentriert arbeiten und sich nicht ablenken lassen und vermerken Sie sich den jeweiligen Zeitaufwand. So sind Sie schnell in der Lage einen Tagesplan zu erstellen, der auch die notwendigen Pausen enthält und an den Sie sich halten sollten. Aufgaben niedriger Priorität, die Sie an dem entsprechenden Tag nicht mehr unterbringen, sollten Sie auf einen anderen Tag verlegen. Müssen Sie solche Aufgaben mehrmals verlegen, stellen Sie unter Umständen fest, dass Sie diese auch fallenlassen können. Sollten Sie durch Ihr zielgerechtes Zeitmanagement unerwartete Freizeit haben, dann nutzen Sie diese auch als solche!

Fit und fröhlich durch den Tag

Wie immer macht auch hier die Übung den Meister. Durch Entspannungstechniken können Sie sich flugs regenerieren und fühlen sich nicht mehr so schnell überreizt. Durch das entsprechende Selbstmanagement erledigen Sie die anstehenden Sachen schnell und gut und fühlen sich dadurch positiv bestätigt. Und genau dies ist der große Ansporn auf diesem Weg weiterzumachen. Am Anfang noch mit einiger Überlegung wie dies alles zu bewerkstelligen ist, aber mit fortschreitender Übung wird sich diese Methode verselbständigen und Sie gehen leicht und locker, fit und fröhlich durch den Tag.

Silvia Christine Strauch, Buchautorin von „Meine Hochsensibilität positiv gelebt“

Hochsensibilität: SOS-Tipps für den Notfall

Hochsensible kennen die klassischen Notfallsituationen, in denen plötzlich einfach alles zu viel wird. Zu laut, zu voll, zu stressig, zu intensiv, zu konfliktreich … ein „Notfall“ kann in ganz unterschiedlichen Alltagssituationen auftreten im Büro, auf Veranstaltungen, in überfüllten Räumen, in privaten Konfliktgesprächen … Häufig äußert sich dieser „Notfall“ mit klassischen Fluchtgedanken und dem wachsenden Bedürfnis nach dem Alleinsein bzw. nach Ruhe. Empfindsame Menschen, die noch nichts bzw. noch wenig über ihre hochsensiblen Eigenschaften wissen, sind schnell vollkommen überfordert. Doch was hilft, wenn der Notfall eintritt? Der folgende Notfallplan für Hochsensible hilft Dir dabei, schneller wieder zu entspannen und zu Dir selbst zu finden.

1. Grundregel: es geht nicht um Leben und Tod!
In stressigen Situationen werden bei Hochsensiblen bereits frühzeitig Urinstinkte geweckt. In Momenten, über die Normalsensible lachen können, bricht für Hochsensible oft schon eine Welt zusammen. Der Körper geht auf Abwehrhaltung und schaltet auf „Überlebensmodus“. Auch wenn es in der Notfallsituation schwer fällt, führe Dir bewusst vor Augen, dass es gerade nicht um Leben und Tod geht.

2. Beruhigende Herzatmung
Dazu reicht es aus, wenn Du in einem „Notfall“ Deine Hand auf Dein Herz legst und gleichmäßig durch den Herzbereich atmest. Stell Dir einfach vor, Dein Atem fließt direkt durch Dein Herz. Deine Atmung sollte dabei tief und weich sein. Visualisiere vor Deinem geistigen Auge einen entspannenden Moment, in dem Du Dich wohlfühlen kannst (Blick aufs Meer, starke Bäume eines Waldes …) Die Herzatmung sorgt nicht nur für Beruhigung, sondern intensiviert den Kontakt zu Deiner eigenen Intuition.

3. Achtsamkeitsübungen für den Alltag
Du empfindest gerade Stress und Überforderung, hast Sorgen und Zukunftsängste? Die meisten Ängste werden in der Regel durch zu viele negative Gedanken ausgelöst. Hole Dich selbst in den gegenwärtigen Moment zurück, wenn nötig hartnäckig immer wieder. Fragestellungen wie: „Habe ich gerade jetzt im Augenblick ein Problem?“, „Was steht konkret an?“ können helfen Deinen Körper und Deine Sinne wieder zu zentrieren. Achtsamkeitsübungen für den Alltag https://www.youtube.com/watch?v=Jw5Xn5aPKQY sind einfach anzuwenden und wirkungsvoll.

4. Mentales Schutzschild einsetzen
Hochsensiblen fällt es besonders schwer, mit verbalen Angriffen, Kränkungen oder anmaßendem Verhalten umzugehen. Ein mentales Schutzschild hilft Dir dabei, im Notfall die Ruhe und Distanz zu wahren. Stell Dir dazu vor, dass Du ein Schutzschild mit Dir führst, oder einen schützenden Mantel oder ein wärmendes Licht (Deiner Fantasie sind keine Grenzen gesetzt), dass Dich vor Verletzungen bewahrt. Jedes Mal, wenn Du Dich angegriffen fühlst, sorgt das mentale Schutzschild dafür, dass Du Negatives nicht zu nah an Dich ranlässt. Das mentale Schutzschild bedarf etwas Übung, aber kann in beliebigen Notfallsituationen zum Einsatz kommen.

5. Endlosschleifen erkennen und loslassen
Befindest Du Dich mal wieder in einer Endlosschleife an Gedanken, die sich einfach nicht verdrängen lassen. Umso mehr Du versuchst sie zu stoppen, umso hartnäckiger dreht sich das Gedankenkarussell? Im Yoga und in der Meditation gibt es Übungen zu „Gedankenpausen“. Beobachte Dich dazu selbst und stell Dir vor, Du bist ein unbeteiligter Dritter. Welcher Gedanke  wird wohl der nächste sein, der durch Deinen Kopf geht? Beobachte Dich und bleib erwartungsvoll. Den nächsten Gedanken, den Du hast, beobachtest Du nur und lässt ihn wieder ziehen. Wenn Du das eine Zeitlang übst, wirst Du bemerken, dass sich wohltuende Gedankenpausen einstellen und dich Deine Gedanken wieder in andere Richtungen bewegen.

6. Selbsthumor entwickeln
Wenn Du bemerkst, dass Du Dich in einer „Notfallsituation“ befindest, hilft es, wenn Du Dir selbst mit einem Schmunzeln begegnest. Gedanken wie: „Mein(e) Liebe(r), ja Du bist gerade dabei innerlich durchzudrehen, aber mal ehrlich, wenn du jetzt panisch auf- und niederspringst, Dich unter dem Tisch versteckst oder aus dem Raum rennst, trägt das nicht gerade zu deiner Beruhigung bei. Ganz zu schweigen davon, dass es im Umfeld Verwirrung stiften könnte.“ Mit etwas Übung gelingt es Dir, Notfälle nicht nur rechtzeitig zu erkennen, sondern alles nicht zu ernst zu nehmen und auch einmal über Dich selbst zu lachen.

Sandra Tissot, Autorin von „Hochsensibilität und die berufliche Selbstständigkeit“

Hochsensibilität – 10 Tipps, die Dich im Alltag vor Reizüberflutung schützen

Du bist nicht nur in der Lage, Geräusche, Gerüche, Licht etc., sondern auch Menschen in Deinem Umfeld besonders gut wahrzunehmen und erfasst ihre Gedanken, Emotionen und kannst Stimmungen detailliert erkennen. Kommen in Büro-Meetings, auf Veranstaltungen oder bei privaten Treffen mit Freunden laute Geräusche, Gerüche und ganz unterschiedliche Menschen und damit verbundene Befindlichkeiten, Ansichten und Emotionen zusammen – wird schnell alles zu viel. Dann beginnt sich plötzlich Dein Kopf zu drehen, der Lärmpegel wird unerträglich, Gedanken verschwimmen und Du hast große Lust der Situation einfach zu entfliehen. Folgende Tipp helfen Dir dabei, Dich im Alltag besser vor Reizüberflutung zu schützen.

1. Setze auf bewusste Atempausen
„Hol mal tief Luft“ ist nicht nur eine Floskel, sondern kann Dir im Alltag wirklich dabei helfen, Dich vor Reizüberflutung zu schützen. Für das bewusste Atmen kannst Du Dir täglich ein paar kleine Pausen gönnen, in denen Du beispielsweise die vollständige Yogaatmung nutzt. Hier findest Du ein tolles Video https://www.youtube.com/watch?v=kyvaRPM4ysA mit Anleitung. In Stresssituationen können Dich kleine Mini-Atemübungen wieder ruhiger machen. Konzentriere Dich hierfür kurz nur auf Deine Atmung und atme dreimal hintereinander tief ein und aus.

2. Visualisiere Situationen bereits im Voraus
Neue und ungewohnte Situationen sorgen bei Hochsensiblen schnell in Stress. Die Präsentation einer Idee vor Kollegen oder gar eine Rede vor einer größeren Anzahl von Zuhörern versetzen unseren Körper in höchste Alarmbereitschaft. Hier kann die Visualisierung von bestimmten Situationen im Voraus helfen. Du weißt wo Du Deine Präsentation oder Rede halten wirst? Besuche die Räumlichkeiten bereits vorab, stelle Dir vor, wo die Zuhörer sitzen werden ggf. kannst Du Deine Worte bereits einmal im leeren Raum an ein „imaginären Publikum“ richten. Das macht Dich mit der Situation vertraut und kann Dir dabei helfen, Deine Energien zu kanalisieren.

3. Plane Auszeiten ein
Tagsüber im Büro arbeiten, Mittagspause ausfallen lassen und abends noch voll motiviert mit Freunden treffen? Was vielleicht für Normalsensible völlig selbstverständlich klingt, ist für Hochsensible fast unmöglich. Wir benötigen regelmäßige Auszeiten und Pufferzeiten, um uns entspannen zu können. Wenn Du Dir täglich Deine kleinen Freiräume sicherst, wirst Du schnell bemerken, dass Du tagsüber auf Arbeit konzentriert mit mehreren Menschen arbeiten kannst und immer mal wieder am Abend sogar noch die Kraft hast, Dich mit Freunden zu treffen.

4. Hör auf Dich mit anderen zu vergleichen
Dein Kollege schafft scheinbar viel mehr Arbeit als Du? Deine Freunde haben überhaupt kein Problem mit Lärm und Dich machen schon Geräusche, wie das leise Telefonat Deines Mitarbeiters oder gedämpfte Gespräche aus Nachbarwohnung verrückt? Deine Hochsensibilität wird Dich alles immer intensiver wahrnehmen lassen. Der Vergleich mit anderen Menschen hilft Dir hier nicht weiter. So simpel wie es klingen mag, mache Deinen Frieden damit.

5. Schwimme nicht mit dem Mainstream
Hier mal ein paar Beispiele: Der klassische Deutsche plant Urlaubsreisen oft schon Monate im Voraus und Dir ist schon der Gedanke daran unerträglich? Viele Menschen sehen Statussymbole wie Autos, Häuser etc. als Zeichen für Erfolg, Dir sind die Verpflichtung und der Materialismus zu viel? Eltern in Deinem Umfeld unternehmen täglich mit ihren Kindern Ausflüge auf den Spielplatz, in den Freizeitpark u. v. m. und Du bist froh, wenn Du mal einen ruhigen Nachmittag mit Deinem Kind verbringen kannst? Erlaube Dir zu sein, wie Du bist und passe Deinen Alltag ein Stück weit mehr Deinen hochsensiblen Bedürfnissen an. Am Leben teilzunehmen heißt nicht immer, alles so zu machen, wie es andere Menschen tun

6. Lebe im „Hier und Jetzt“
Wir neigen dazu uns mit Gedanken und Situationen aus der Vergangenheit zu quälen und uns beispielsweise Gesprächsinhalte immer wieder ins Gedächtnis zu rufen. Wie könnte der andere das Gesagte gemeint haben etc.? Das andere Extrem sind Gedanken an die Zukunft, oft gepaart mit Ängsten. Dabei vergessen wir im Augenblick zu leben. Halte Dir bewusst vor Augen, was das „Hier und Jetzt“ gerade schön macht. Scheint gerade die Sonne durchs Fenster, hast Du gerade ein tiefgründiges Gespräch geführt, hat Dich Dein Mann soeben liebevoll angelacht? Es sind die kleinen Momente die unser Leben gerade in diesem Augenblick bereichern.

7. Vergiss Perfektionismus
Du willst immer alles besonders gut machen – ganz gleich, ob es um die Arbeit für Deinen Kunden geht oder um das Zusammenleben mit Familie und Freunden. Das Tragische daran ist, es wird Dir nie gelingen. Egal wie gut und perfekt Du Deine Arbeit auch machst, es wird immer jemanden geben, der an irgendeiner Stelle damit nicht zufrieden ist. Das heißt nicht, dass Du ab jetzt nachlässig werden sollst, nur das Du Dir vor Augen führst, dass es nichts gibt, was wirklich perfekt ist.

8. Genieße das Alleinsein, ohne einsam zu sein
Viele Menschen können Alleinsein und Einsamkeit nicht voneinander unterscheiden, für uns Hochsensible ist diese Unterscheidung nahezu überlebenswichtig. Wir benötigen Zeit nur ganz für uns allein, um uns zu erholen und unser Innerstes wieder von den täglichen Reizen der Außenwelt zu neutralisieren. Das Alleinsein gibt uns neue Energie und hat nichts mit Abschottung oder gar Einsamkeit zu tun.

9. Kommuniziere offen und ehrlich
Selbst sehr empathische Menschen in Deinem Umfeld sind nicht immer in der Lage, Deine aktuelle Gefühlslage zu erkennen oder Situationen richtig einzuschätzen. Stell Dir folgende banale Situation vor: Du bist auf eine Party bei Freunden, die Musik ist bis zum Anschlag aufgedreht und Dein Gegenüber versucht Dich gerade in ein sehr persönliches Gespräch zu verwickeln. Du kannst das instinktiv spüren, aber der Lärm im Hintergrund treibt Dich so in den Wahnsinn, dass Du schon zu Beginn des Gesprächs nicht mehr aufnahmefähig bist. Anstatt die Situation „durchzustehen“ und am Ende Gefahr zu laufen nur mit halben Ohr hinzuhören, kommuniziere lieber offen und ehrlich, dass es gerade viel zu laut ist und schlage ggf. vor kurz nach draußen zu gehen, die Musik etwas leiser zu drehen.

10. Höre auf Deine innere Stimme
Wenn nicht Du, wer dann? Egal wie Du es auch nennen magst, Bauchgefühl, innere Stimme, höheres Ich – Du hast die Fähigkeit und das ist Dir im Grunde auch längst bewusst. Nutze diese innere Stimme und sie bewahrt Dich oft nicht nur vor Reizüberflutung, sondern öffnet Dir neue Türen.

Sandra Tissot, Autorin von „Hochsensibilität und die berufliche Selbstständigkeit“

Das Wunder des Waldes

Die entspannungsfördernden Aspekte des Waldes für Menschen sind durch zahlreiche Studien belegt. Dies hat sehr viel mit Evolution zu tun, in deren Lauf Menschen gelernt haben, den Nutzen der Natur für sich zu schätzen. Bäume bieten z.B. Schutz, Früchte Nahrung. Viele Pflanzenteile sind essbar oder anderweitig verwendbar. Gewässer bieten Trinkwasser und Fische. Es gibt sogar Studien, die belegen, dass der Aufenthalt in der Natur hilft, uns zu regenerieren, uns von sog. „gerichteter Aufmerksamkeit“, die wir im Alltag, in der Schule und im Beruf, aufbringen müssen, zu erholen.

Das Wunder der Natur

Die Natur ist noch aus einem anderen Grunde sehr gut geeignet zur Entspannung und Erholung. Alle Sinne werden dort gefordert, es gibt viel zu sehen, fühlen, hören. Zwangsläufig hören wir auf uns mit uns selbst zu beschäftigen, unsere Aufmerksamkeit wird von selbst nach außen gelenkt. In der Natur können wir immer wieder das Wunder der Welt, das Wunder des Lebens bestaunen, die Perfektion der Schöpfung. Unsere Gedanken verbinden sich mit dem, was wir in der Natur vorfinden, Dinge, die wir sehen helfen dabei, unser Leben zu versinnbildlichen und darüber nachzudenken. In der Natur erfahren wir den Artenreichtum und die Vielfalt als Gewinn, im Gegensatz zu unserem technisierten Alltagsleben.

In der Natur gibt es keine Bewertung

Ebenfalls sehr wichtig für die Entspannung in der Natur: hier sind wir nicht in unserer gewohnten Alltagsumgebung, mit seinen üblichen Anforderungen, hier können uns verbinden mit dem Großen Ganzen, müssen keine Rolle spielen, sondern dürfen einfach sein. Denn in der Natur entfällt jede Form von Bewertung, denn die vorhandenen Lebensformen bewerten uns nicht. Darum dürfen wir einfach so sein, wie wir sind. Hier sind wir einfach eine Kreatur unter Kreaturen.

Auszeiten in der Natur nehmen

Auch das sollte ein Grund sein für hochsensible Menschen, möglichst häufig Auszeiten in der Natur zu nehmen. Ich habe in dem Buch „Der Biophilia-Effekt“ den Begriff „Being away“ gefunden, der mir unglaublich gut gefallen hat. Da viele HSP oft von Kindesbeinen an die Erfahrung machen, dass sie irgendwie anders sind als die anderen, glauben oder glaubten wir häufig, nicht in Ordnung zu sein oder nicht liebenswert. Ein Aufenthalt in der Natur kann auf jeden Fall dazu beitragen, dass wir uns besser fühlen. Es gibt übrigens hierzu eine äußerst interessante Studie von Angela Meyer von der Universität Montana, die gerade diesen besonderen Naturaspekt mit einer Gruppe lesbischer, bisexueller oder transsexueller Frauen testete, die im Alltag vielfach unter Bewertungen ihrer sexuellen Orientierung zu leiden hatten und den Aufenthalt in der Natur sehr heilsam und wohltuend erlebten.

„Baum-Patienten“ und „Hausmauer-Patienten“

Schon 1972 begann Professor Roger Ulrich eine Studie, die sich über neun Jahre erstreckte. In dieser Studie untersuchte er die Genesung von Patienten im Krankenhaus, die entweder aus dem Fenster des Krankenhauszimmers einen Baum oder eine Hauswand sehen konnten. Dabei stellte sich heraus, dass die „Baum-Patienten“ schneller genasen, weniger Schmerzmittel benötigten und weniger mit postoperativen Komplikationen zu tun hatten als die „Hausmauer-Patienten.“ Ulrich führte noch andere Studien durch, in denen er beweisen konnte: Selbst eine Naturerfahrung die mittelbar erfolgte über Filme, Fotos oder Tonband wirkt sich heilend aus und kann z.B. Schmerzen verringern. Selbst eine Pflanze im Krankenzimmer kann bereits etwas bewirken.

Forest Medicine

Auch japanischen Wissenschaftlern, die die Wirkung der Waldatmosphäre auf gestresste Menschen untersucht haben, verdanken wir interessante Einsichten. Dabei kam heraus, dass bei Männern der Adrenalingehalt im Urin nach einem eintägigen Aufenthalt im Wald um 30 % sank, bei Frauen sogar um mehr als die Hälfte. Nach einem zweiten Tag im Wald sank er bei den Männern um 35 % und bei Frauen betrug er nur noch ein Viertel des Originalgehalts. Seit 2012 gibt es sogar einen eigenen Forschungszweig an Universitäten: die Waldmedizin  oder sog. „Forest Medicine“.

Bioaktive Stoffe

Der beste Waldeffekt: Im Wald atmen wir bioaktive Stoffe ein, die von den Pflanzen abgegeben werden. Dazu gehören auch sog. Terpene, die von uns hauptsächlich über die Haut und die Lungen aufgenommen werden. Einige dieser Terpene reagieren mit unserem Immunsystem, für sie wurde eine anti-kanzerogene und stärkende Wirkung auf unser Immunsystem nachgewiesen. Alleine ein ausgedehnter Spaziergang durch den Wald sorgt dafür, dass die Aktivität Ihrer Killerzellen für ca. 7 Tage erhöht wird. „Shinrinyoku“ bzw. „Waldbaden“ ist in Japan heute eine anerkannte Stressbewältigungsmethode, die dazu noch öffentlich gefördert wird. Dabei ist es gar nicht notwendig, sich besonders anzustrengen. Es geht einzig und allein darum, sich in der Natur aufzuhalten, die gesundheitsfördernde Wirkung mit allen Sinnen zu genießen.

Da kann man natürlich noch eins draufsetzen, z.B. indem wir Verbindung aufnehmen mit den Tieren in der Natur. Die Autorin Ulrike Fokken schlägt vor, sich einfach eine Viertelstunde ganz still irgendwo hinzusetzen und nichts zu tun. Dann beginnen die Tiere sehr schnell, uns als Teil der Natur zu sehen und verlieren ihre Scheu näher zu kommen. Damit habe ich schon schöne Erfahrungen gemacht. Probieren Sie es einfach einmal aus.

Was mich selbst angeht, so wächst mein Wunsch nach Wald immer weiter. Ich brauche noch mehr Wald. In mir ist der Wunsch aufgekeimt, den Wald künftig auch direkt von meiner Wohnung oder meinem Haus aus zu sehen …

In diesem Zusammenhang ist natürlich auch spannend, wie Ihre Wald-Erfahrungen aussehen? Ich freue mich, wenn Sie Ihre Erfahrungen mit uns teilen.

Monika Richrath, Autorin von „EFT-Klopftechnik für Hochsensible“

Hochsensibilität und wie ein zweiter Blick auf Menschen unser Leben bereichert

Als Hochsensible besitzen wir besonders feine Antennen, auf die die meisten von uns auch insgeheim stolz sind, denn sie befähigen uns Menschen und Situationen schnell einschätzen zu können. Im Alltag sind allerdings auch wir nicht davor geschützt, dass wir Menschen die die täglichen „Statistenrollen“ in unserem Leben einnehmen: die Kollegin aus einer anderen Abteilung, der Verkäufer im Supermarkt, der Briefträger, die Mama aus dem Kindergarten … nur recht oberflächlich betrachten und nicht näher an uns heranlassen. Denn meist machen wir uns schnell ein erstes Bild. Ist unsere Hochsensibilität dabei manchmal hinderlich? Stehen wir uns aufgrund unseres introvertierten Wesens und einer gewissen Voreingenommenheit (schließlich erfassen wir unser Umfeld schnell und nehmen Situationen intensiv wahr) manchmal selbst im Weg?

Stellen Sie sich einmal folgende Situation vor. Zwei Frauen, die eine hochsensibel (nennen wir sie Mona), die andere sehr empathisch (Lisa) begegnen sich jeden Tag in einer wiederkehrenden Alltagssituation. Beide grüßen sich freundlich, da sie Kinder im gleichen Alter haben und jede geht ihrer Wege. Das ein oder andere Mal schaffen sie es sogar ein paar Worte zu wechseln und sich kurz über die beruflichen Tätigkeiten auszutauschen. Mona ist seit Jahren selbstständig, Lisa arbeitet in einer Festanstellung in Teilzeit. Ihre Lebensinhalte liegen, abgesehen von den Kindern, scheinbar meilenweit auseinander. Floskeln werden ausgetauscht, aber alles bleibt an der Oberfläche. Nicht zuletzt darin begründet, dass die hochsensible Mona zwar ihre Umgebung und die Menschen darin blitzschnell erfasst, aber dadurch auch dazu neigt, sich vorschnell ein Urteil zu bilden. Für sie ist Lisa eine nette Mama, aber das war es dann auch schon. Sie setzt sich nicht weiter mit ihr auseinander und für sie nimmt Lisa eine tägliche „Statistenrolle“ ein. Ein Mensch, dem sie immer wieder über den Weg läuft, weil sich ihre Wege eben an einer winzigen Schnittmenge kreuzen. Die Zeit vergeht.

Hochsensible brauchen manchmal einen Schubs in die richtige Richtung …

Eines Tages fasst sich die empathische Lisa ein Herz und wagt einen Vorstoß. Die sonst so hochsensible Mona wird davon vollkommen überrascht. Lisa berichtet ihr in einer ihrer täglichen Begegnungen, dass sie schon lange von einem eigenen Laden träumt und den Schritt nun endlich gewagt hat. Anschließend bittet sie Mona konkret um ihre Hilfe und Unterstützung bei der Umsetzung einiger wichtiger Schritte, die in den ersten Wochen der Selbstständigkeit so anfallen. Die beiden Frauen vereinbaren einen Termin. Der erste Termin übrigens, an dem sich beide Frauen wirklich auf Augenhöhe wahrnehmen und sich bewusst mit der jeweilig anderen auseinandersetzen.

Die „Statistenrolle“ wird aufgelöst …

Sie ahnen bereits, wie die Geschichte weitergeht? Die Funken zwischen den beiden Frauen fliegen hin und her, die Atmosphäre im Raum knistert vor spannender Betriebsamkeit. Innerhalb von wenigen Stunden entsteht etwas ganz Neues. Nicht nur geschäftlich, sondern auch zwischenmenschlich. Der zweite Blick auf die scheinbar so andere Lisa, hat Mona offenbart, dass hinter der hübschen Fassade der anderen, viel mehr steckt, als nur eine nette Optik. Trotz oder gerade aufgrund ihrer Hochsensibilität hatte Mona diese Nähe vorher gar nicht zugelassen. Für sie war Lisa nur ein „Statist“. Erst durch den beherzten Schritt von Lisa, die wie später im Gespräch der beiden herauskam, lange überlegt hatte, den Vorstoß überhaupt zu wagen, kam der Stein ins Rollen.

Beim näheren Betrachten haben wir wahrscheinlich in unserem täglichen Leben zigg Lisas, die unseren Weg an irgendeiner Stelle kreuzen. Ein zweiter Blick auf diese Menschen kann unser hochsensibles Leben bereichern. Das gelingt allerdings nur, wenn wir einen Schubs erhalten oder beherzt selbst einen Vorstoß wagen. Wie sie aus eigener Erfahrung sicher wissen, manchmal gar nicht so leicht …

Sandra Tissot, Autorin von „Hochsensibilität und die berufliche Selbstständigkeit“

5 Dinge die Sie über Panikattacken wissen sollten

Panikattacken sind grässlich, vergällen einem die Lebensfreude und können dafür sorgen, dass die einfachsten Erledigungen sich zu unüberwindbaren Hürden auswachsen, oder?  Eine Rezension, die ich im Januar geschrieben habe, hat mir einen lang zurückliegenden Teil meines Lebens wieder ins Bewusstsein gerufen.

Ich bin nämlich selbst eine ehemalige Angstpatientin, die damals (in den 90er Jahren) noch überhaupt keine Ahnung von Hochsensibilität hatte und habe ein paar Jahre lang so unter Panikattacken gelitten, dass es schwierig war, meine Wohnung überhaupt zu verlassen. Darüber werde ich zu einem späteren Zeitpunkt sicher noch mehr erzählen. Fürs erste möchte ich Ihnen ein paar Dinge mitgeben, die möglicherweise für Sie nützlich sind im Umgang mit der Angst und Panik.

1. Ihre hochsensible Wahrnehmung kann Panikattacken fördern

Nicht nur, dass unsere Fähigkeiten, Vorgänge besser zu durchdenken und Konsequenzen im Voraus zu erkennen möglicherweise eine gewisse Ängstlichkeit fördern kann – unsere hochsensible Wahrnehmung kann dies ganz bestimmt. Da wir meistens schneller in Stress geraten als möglicherweise weniger empfindliche Menschen, produziert unser Körper Stresssymptome: Herzklopfen, Verspannung, schnelles und oberflächliches Atmen. Ich kenne besonders gut Schwindel, der sehr entstehen kann, wenn man aufhört zu atmen. Unter Stress passiert das schnell. Darüber hinaus sorgt natürlich ein stetig ansteigendes Stresslevel dafür, dass Sie immer empfindlicher und empfindlicher werden. Und während es sein kann, dass man die eigentliche Ursache der aufkommenden körperlichen Symptome nicht erkennt, nehmen viele hochsensible Menschen aber sehr genau wahr, was in ihrem Körper passiert. Diese Symptome scheinen ohne einen Zusammenhang aufzutreten, häufig erfährt man dabei auch ein Gefühl des Ausgeliefertseins. Es wäre daher sicherlich sehr sinnvoll, sich mit seinen Stressoren zu beschäftigen, um sich weniger ausgeliefert zu fühlen.

2. Ängste sind ansteckend

Forscher der Universität Harvard haben zur Übertragung von Angst geforscht und sind auf interessante Ergebnisse gestoßen. So soll es genügen, dass wir einen verängstigten Menschen sehen, um selbst Furcht zu empfinden. Oder, dass wir den Angstschweiß einer anderen Person riechen. Bedenken Sie in diesem Zusammenhang auch bitte, dass Sie als hochsensibler Mensch vielleicht sogar in der Lage sind, die Furcht anderer zu spüren und sie wie eine eigene Furcht wahrzunehmen. Wenn wir in einem Elternhaus aufgewachsen sind, in dem Angst und Furcht an der Tagesordnung waren, haben wir diese vermutlich wie einen Schwamm aufgesogen und uns zu eigen gemacht – obwohl dies gar nicht unserem Naturell entspricht. Eine Frage also, mit der sich zu beschäftigen wirklich lohnt. Übrigens: es wird untersucht, ob Angststörungen und Depressionen auch als Folge einer Infektionskrankheit auftreten können ..

3.Die Angst ist Ihre Freundin

Die Angst als Freundin? Wie kann das sein, wo man sich doch nichts sehnlicher wünscht, als dass alles wie vorher sein möge, bevor die Angst auftauchte? Zumal die Angst (und irgendwann auch die Angst vor der Angst) das eigene Leben auf eine Art und Weise verändert, die man vorher gar nicht für möglich gehalten hat. Nichts ist dann mehr so, wie es vorher war. Am wenigsten man selbst. Andere Menschen werden in diese Art von Krise mit hineingezogen, ob sie nun wollen oder nicht und müssen einen eigenen Umgang damit finden … wie kann also die Angst eine Freundin sein (oder ein Freund)?

Die Angst ist deswegen Ihre Freundin, weil sie Sie ganz unmissverständlich auf etwas aufmerksam macht, einen Missstand, der nicht mehr für Sie funktioniert, das können Situationen jedweder Art sein, am Arbeitsplatz, in der Beziehung, in der Familie, Glaubenssätze, Verhaltensmuster etc. Sicher ist jedenfalls, es gibt etwas, was nicht stimmt für Sie. Und das bereitet Ihnen Stress. Nehmen Sie Ihr Leben unter die Lupe und finden Sie heraus, was

4. Ängste können verschwinden

Auch das mag unwahrscheinlich klingen, vor allen Dingen, wenn Sie schon sehr lange mit Angst- und Panikattacken leben. Mich selbst haben Panikattacken mehrere Jahre lang begleitet. Anfangs bin ich sogar deswegen aus dem Ausland nach Deutschland zurückgekehrt, weil der Großstadtmoloch Paris meine Ängste noch verstärkte – und eine Zeitlang war ich danach in Deutschland überhaupt nicht arbeitsfähig, die Schwierigkeit lag dabei gar nicht in der Arbeit selbst, sondern in dem Weg zur Arbeit. Denn für mich war „unterwegs sein“ schwierig (eine Zeitlang sogar unmöglich), vor allen Dingen in öffentlichen Verkehrsmitteln.

Heute habe ich keine Panikattacken mehr. Gar keine. Das bedeutet aber nicht, dass ich mich nicht mehr fürchte. Oder dass ich heute wirklich gerne öffentliche Verkehrsmittel benutze. Es ist auch nicht so, als seien die Ängste auf einen Schlag verschwunden, das sind sie nicht. Irgendwann waren sie einfach fort. Ich schreibe dies der Tatsache zu, dass ich heute genau weiß, was mich stresst und mich meinen Stresssymptomen nicht mehr einfach ausgeliefert fühle. Ich halte auch nicht mehr einfach alles aus, so wie früher. Mit Missständen beschäftige ich mich umgehend und versuche, diese zu verändern oder zu beheben.

5. Was Sie bei Panikattacken tun können – die Notfallpunkte

Nicht zuletzt hat mir die Klopfakupressur ganz wahnsinnig dabei geholfen, insgesamt ruhiger zu werden, mein Grundstresslevel zu senken, herauszufinden, was mich total stresst und einiges davon aufzulösen – so ganz wird man ja sicher nie fertig ;-). Die Klopfakupressur ist super dazu geeignet, Angst- und Panikattacken wieder runterzufahren: Einfach nur, indem Sie die Notfallpunkte klopfen. Ich habe hierzu wieder einen kleinen Clip erstellt, in dem ich Ihnen zeige, wie es geht. Viel Erfolg beim Ausprobieren.

Monika Richrath, Autorin von „EFT-Klopftechnik für Hochsensible“

Hochsensibler Nachwuchs

Aus Angst vor Kontrollverlust, Einengung und lebenslanger Verantwortung verzichten viele Hochsensible auf Nachwuchs. Zu unsicher scheint die Zukunft mit Kindern und zu groß der Respekt davor, dass der Nachwuchs ebenfalls hochsensibel sein könnte.

Bewusste Entscheidung zum eigenen Nachwuchs

Ähnlich, wie manche Hochsensible ein Leben lang von der beruflichen Selbstständigkeit träumen, aber den Schritt aus den unterschiedlichsten Gründen nie wagen, gibt es zahlreiche HSP, die in ihrer Fantasie ein Leben mit Kindern durchspielen, aber nie eigene Kinder bekommen. Zunächst liegt die Entscheidung natürlich bei jedem selbst. Spielen Hochsensible aber immer wieder mit den Gedanken an Nachwuchs, sollten sie sich ihre eigenen Ängste einmal näher betrachten. Erfahrungen hochsensibler Eltern, die sich bewusst für eigenen Nachwuchs entschieden haben, können ein ganz eigenes Bild zeichnen.

Vollkommen neue Lebenssituation

Hochsensible spüren bereits während der Schwangerschaft eine außergewöhnliche Verbindung zum eigenen Kind. Doch die Ruhe und Rückzugsmöglichkeiten, die in dieser Zeit noch möglich sind, werden bereits kurz nach der Geburt schmerzlich vermisst. Zu groß ist die Umstellung, die von heute auf morgen das komplette Leben auf den Kopf stellt. Insbesondere dann, wenn der neugeborene Nachwuchs bereits in den ersten Stunden hochsensible Wesenszüge an den Tag legt. Das ausgeprägte Bedürfnis nach Schutz, Nähe und Geborgenheit und die damit einhergehende Unruhe, sobald die Eltern nicht in spürbarer Nähe sind, können erwachsene HSP an den Rande des Nervenzusammenbruchs treiben. Allerdings kommt an dieser Stelle das, für Hochsensible wichtige Thema der Resilienz zum Tragen. Nur wenn sich Hochsensible in ihrem Leben bestimmten Situationen stellen, können sie daran auch wachsen. So schwierig die erste Zeit mit hochsensiblen Nachwuchs auch sein mag, umso größer ist der Lohn nur kurze Zeit später.

Kleine Empaten erobern die Welt

Hochsensible Kleinkinder verfügen bereits im Alter von etwa 3 Jahren über außergewöhnliche Intuition und eine ausgeprägte Auffassungsgabe. Diese wird beispielsweise durch ein ausgeprägtes Sprachvermögen deutlich. Nicht selten werden Eltern gleichaltriger Kinder darauf aufmerksam und wundern sich, welche Fähigkeiten ein hochsensibles Kind besitzt. Hochsensible Eltern hingegen erfreuen sich lieber im Stillen und in den zahlreichen wunderbaren Momenten mit dem eigenen Kind daran, wie farbenfroh die Welt unbedarfter Hochsensibler sein kein. Hier kann es bereits morgens nach dem Aufwachen zu den tiefgreifendsten Augenblicken kommen, wenn der hochsensible Nachwuchs sich tatsächlich in sämtlichen Einzelheiten an den nächtlichen Traum zurückerinnern kann und diesen in so eindrucksvollen Farben beschreibt, dass eine kleine Fabelwelt entsteht. In einer kleinen intakten Familienwelt kann sich ein hochsensibles Kind mitteilen und fühlt sich verstanden. Natürlich gibt es auch für hochsensiblen Nachwuchs Rückschläge. So schüchtern und introvertiert das Kind für Außenstehende zunächst wirken mag, so fulminant kann die Explosion sein, die auf eine direkte Enttäuschung (aus Erwachsenensicht meist ausgelöst durch Kleinigkeiten) folgt. Meint es jemand im Umfeld nicht ernst oder ist jemand unaufrichtig, schlagen die hochsensiblen Antennen des Kindes sofort Alarm. Das hat natürlich auch Auswirkungen auf die hochsensiblen Eltern. Diese können die Emotionen des Kindes zwar in allen Fassetten nachempfinden, müssen dabei aber aufpassen, dass es nicht zu einer Überidentifizierung mit dem eigenen Kind kommt. Aus diesem Grund sind auch „Auszeiten“, in denen hochsensible Eltern sich Rückzugsmöglichkeiten schaffen, wichtig. Was auf den ersten Blick hart klingen mag, schafft neue Energie und stärkt das Verhältnis zwischen Eltern und hochsensiblem Nachwuchs zusätzlich. Amüsanterweise haben gerade hochsensible Kinder Verständnis dafür, da sie sich selbst nur zu gern, tief versunken im Spiel mit sich selbst, in ihre ganz eigene Welt zurückziehen.

Pure Lebensfreude

Im Laufe der Jahre entsteht eine hochsensible Symbiose mit all ihren Höhen und Tiefen. Diese Symbiose ist ein wahrer Motor für Hochsensible, denn sie generiert pure Lebensfreude. Die sichere Erkenntnis dabei: Es muss und wird immer hochsensible Erwachsene geben, die sich bewusst für Nachwuchs entscheiden und das ist auch gut so. Wie sonst sollte die Welt all die Hochsensiblen, mit ihren wunderbaren Fähigkeiten, hervorbringen?

Sandra Tissot, Autorin von „Hochsensibilität und die berufliche Selbstständigkeit“

Was man bei der Kommunikation mit Hochsensiblen beachten sollte

Hochsensible Menschen verfügen über ein hohes Maß an Empathie und können gut zwischen den Zeilen lesen. Meist besser als die ihnen gegenübersitzende Person. Durch diese sehr feine Wahrnehmung nehmen sie oftmals Stimmungen, Tendenzen von anderen auf und reagieren darauf.

Oftmals ist dies natürlich von Vorteil, denn durch diese feinsinnige Kommunikation kann man sich überaus gut verständigen. Doch so manches Mal kommt dies beim anderen nicht so an wie gemeint, unter Umständen sogar deshalb, weil der Hochsensible Dinge an ihm wahrgenommen hat, die ihm bisher gar nicht bewusst waren. Reagiert der Gesprächspartner dann etwas heftiger, ist der Hochsensible meist brüskiert und reagiert entsprechend.

Hochsensible sind gute Zuhörer

Sieht man sich diese Situation einmal näher an, so erfolgt der Austausch, die vermeintliche Kommunikation, meist in der Art, dass der eine dem anderen, in diesem Falle dem Hochsensiblen, jede Menge Dinge erzählt, diese ausschmückt und vom Hölzchen aufs Stöckchen kommt, da es so angenehm für ihn ist, einem guten Zuhörer gegenüber zu sitzen.

Gibt der Hochsensible ab und zu einen Kommentar dazu ab, fühlt sich der der Gesprächspartner gleich motiviert, weitere Einzelheiten hinzuzufügen. Der Hochsensible fühlt sich aufgrund dieser Informationsflut immer mehr überlastet und versucht die Geschichte zusammenzufassen. Gelingt ihm dies nicht, wird er leicht ungeduldig, da seine Reizschwelle schon lange überschritten wurde. Dank seiner feinen Wahrnehmung weiß er längst um was es dem anderen geht, dringt aber nicht zu ihm durch oder der andere will dies gar nicht sehen oder hören.

Reagiert der Hochsensible dann irgendwann leicht aufbrausend oder ungeduldig wird der andere mit Unverständnis kontern.

Wie ist ein Kommunikationsbruch zu vermeiden?

Eine gute Kommunikation erfordert Übung und Disziplin von beiden Seiten aus. Es reicht nicht aus nur zuzuhören. Man muss aktiv zuhören, also sich rechtzeitig versichern, dass man den andern auch richtig verstanden hat. Nicht nur damit man selbst weiß, dass man auf dem richtigen Weg ist, sondern auch damit der Andere weiß, dass wir ihm gedanklich folgen.

Bringt man eine eigene Meinung mit ein, dann sollte man darauf achten, sie auch als eigene Meinung zu kennzeichnen und nicht versuchen dem anderen Vorschläge zu machen, wie er sich verhalten soll oder sich mit der Floskel „man“ macht dies oder jenes, aus der Affäre ziehen.

Hochsensible Frauen und Männer kommunizieren unterschiedlich

Hier sagt man Männern und Frauen im Allgemeinen eine unterschiedlich geartete Kommunikation nach. Frauen neigen dazu, einfach erzählen zu wollen, um den anderen Anteil nehmen zu lassen. Männer hingegen sind meist lösungsorientierter und neigen schnell dazu, Lösungsvorschläge anzubieten.

Will man dem anderen einfach etwas erzählen, dann sollte man dies auch von Anfang an klarstellen. Gerade der Hochsensible nimmt eine Vielzahl an Facetten auf und spiegelt sie. Erzählt der Hochsensible selbst, so muss er aufpassen, dass er sich bei der Erzählung nicht verzettelt und die Geschichte immer mehr ausufert, da er bestrebt ist, seine vielen, wahrgenommenen Eindrücke weiterzugeben.

Silvia Christine Strauch, Buchautorin von „Meine Hochsensibilität positiv gelebt“

Hochsensible Zurückhaltung wirklich ein Manko?

Hochsensible leiden meist insbesondere in ihrer Kindheit unter ausgeprägter Introversion, die es ihnen schwer macht und mit der sie sich schnell irgendwie „anders“ und nicht zugehörig fühlen. Im Laufe der Jahre gelingt es einigen von ihnen, die zurückhaltende Art als passiver Beobachter zumindest für die Außenwelt scheinbar abzulegen. Doch die verstärkte Aufmerksamkeit auf das eigene Innenleben bleibt erhalten.

Ausgeprägte und subtile Wahrnehmung

Die Ausrichtung auf das eigene Innenleben ist im Grunde eine logische Schlussfolgerung auf die intensive Wahrnehmung von Hochsensiblen. Hier geht es in erster Linie nicht um Überreizung, sondern um die vielen feinen Nuancen, die HSP wahrnehmen können. Befindlichkeiten und Emotionen anderer Menschen werden wie selbstverständlich detailliert erfasst, ohne dass sich Hochsensible dieser besonderen Eigenschaft oft überhaupt bewusst sind. Sie halten sie für vollkommen „normal“, haben sie diese Wahrnehmung doch bereits seit frühster Kindheit.

Tiefgreifende und lange Verarbeitung von Eindrücken

HSP verarbeiten Eindrücke tiefer und erleben auch zwischenmenschliche Beziehungen intensiver. Oft hallen die gesammelten Eindrücke noch Stunden oder Tage nach. Gerade wenn mehrere Menschen zusammenkommen, beobachten Hochsensible sie zu nächst gern, bevor sie sich äußern. Dabei handelt es sich bei der Zurückhaltung nicht unbedingt um Angst vor Zurückweisung, sondern um den oft perfektionistischen Anspruch Hochsensibler an sich selbst, zunächst die eigenen Gedanken zu ordnen, bevor etwas gesagt wird. Aus diesem Grund fällt es ihnen oft auch schwer, schlagfertig zu reagieren. Sie werden in Situationen, in denen sie unter Beobachtung stehen schnell nervös und können dann – wie durch eine unsichtbare Blockade – ihre Leistung nicht voll abrufen.

Introvertierter und unnahbarer Eindruck

Die Zurückhaltung oder eine gewisse Unsicherheit führt aber schnell zu Fehlinterpretationen bei Normalsensiblen. Hier erwecken HSP immer wieder den Eindruck unnahbar zu sein. Dieser Umstand macht es ihnen insbesondere im Berufsleben schnell noch komplizierter, ohne das Hochsensible sich dieser Wirkung oft bewusst sind.

Hochsensible Introversion – vom Manko zum Plus

Natürlich kommt es immer wieder zu ärgerlichen Situationen, in denen introvertierte Hochsensible von Extrovertierten übertönt werden. Aber wenn HSP ihre Introversion annehmen, kann sie durchaus von Vorteil sein. Auch Hochsensible haben Spielräume und können beispielsweise ihre Stärken wie gutes Zuhören oder die ausgeprägte Empathie nutzen, um nachhaltig zu punkten. Darüber hinaus macht es ihnen ihr vielschichtiges Innenleben sowie die Fähigkeit sich in jemanden anderes hineinzuversetzen möglich, Tendenzen und Entwicklungen bereits sehr früh zu erkennen. Hier wird HSP ein 6. Sinn (außersinnliche Wahrnehmung/Intuition) oder sogar ein  7. Sinn (Informationen/Vorschau auf die Zukunft) nachgesagt. Die Begabung zum Denken in größeren Zusammenhängen bietet die Gelegenheit Vorhaben langfristig zu planen und gezielt zum Erfolg zu führen.

Sandra Tissot, Autorin von „Hochsensibilität und die berufliche Selbstständigkeit“

Hochsensibilität und Esoterik

Hochsensible Menschen sind aufgrund ihrer feinen Wahrnehmung empfänglich für esoterische Themen. Doch sie sollten stets kritisch hinterfragen, was an den Theorien dran ist und lieber für das eigenen Leben Verantwortung übernehmen.

Warum Hochsensible mit Esoterik aufpassen sollten

Früher hat man Esoterik gerne mit „Geheimlehren“ übersetzt. Heutzutage meint man damit eher eine „höhere“ Erkenntnis und den Weg, der zu ihr führen soll. Man kann damit auch die tieferen, inneren Geheimnisse der Religion zählen. Mystisches rankt sich um alles mögliche Wissen, über Religionen, Sekten, Steine, Feen, Elfen, Feng Shui und vieles mehr. Seit Jahrzehnten werden diverse Kurse angeboten, um sich selbst zu finden, Schwingungen wahrzunehmen, Wasseradern zu finden oder den richtigen Schmuckstein zur entsprechenden Gelegenheit auszuwählen.

Hochsensible Personen sind für solche Dinge höchst empfänglich.

Sie besitzen eine sehr feine Wahrnehmung und nehmen viele Dinge wahr, die von anderen übersehen werden. Bei esoterischen Treffen findet man im allgemeinen viele Gleichgesinnte, viele hochsensible Personen, die einem durch das gegenseitige Verständnis die Kommunikation erleichtern. Schwierigkeiten bestehen allerdings meist mit der Abgrenzung.

Hochsensible brauchen Zeit zur Verarbeitung

Eine hochsensible Person nimmt sehr viel auf und braucht eine gewisse Zeit und Ruhe um diese Eindrücke verarbeiten zu können. Man braucht Zeit, um die neuen Eindrücke mit den eigenen Erfahrungen abzugleichen, sie abzuschätzen, einzuschätzen, für sich selbst beurteilen zu können.

Gleichzeitig ist dazu allerdings eine gewisse Form der Abgrenzung notwendig, um nicht von den Eindrücken und Meinungen anderer Menschen überrollt zu werden und unter Umständen irgendetwas zu glauben, was einem bei näherer Betrachtung reichlich unsinnig vorkommt.

Esoterische Theorien kritisch hinterfragen

Oftmals sind diverse Lehren oder Ratschläge nicht mehr als Hilfsmittel zur eigenen Weiterentwicklung. Es kann nicht darum gehen, irgendwelchen Hirngespinsten zu folgen, sondern man sollte sich die Mühe machen, Aussagen auf ihren Wahrheitsgehalt hin zu überprüfen.

Dabei darf nicht außer Acht gelassen werden, dass viele Dinge, die früher nicht wirklich belegbar waren, heutzutage durch die Naturwissenschaften belegt wurden. Zum Beispiel hat die Teilchenforschung erbracht, dass es durchaus möglich ist, dass sich ein Teilchen gleichzeitig an unterschiedlichen Orten befinden kann.

Hierbei sollten man allerdings nicht direkt den Schluss ziehen, dass sich auch ein Mensch gleichzeitig an unterschiedlichen Orten befinden kann, aber es lässt den Begriff der Parallelwelten in einem völlig neuen Licht erscheinen. Auch die Wirkung von Farben und die Aromatherapie sind in der Zwischenzeit erforscht worden. Bei Vögeln ist ihre Sensibilität auf Magnetismus bekannt, es gibt Versuche, die belegen, dass auch der Mensch sensibler darauf reagiert, als man früher meinte.

Besinnung, Toleranz und Verantwortung

Sinnvoll ist es sicherlich immer, nach dem „warum“ zu fragen und nicht einfach zu „glauben.“ Es gibt nicht umsonst das geflügelte Wort: „Glauben heißt nicht wissen“. Es gilt Offenheit zu entwickeln, unterschiedliche Meinungen zuzulassen und sie gedanklich durchzuspielen. Und es geht darum, sich auf sich selbst zu besinnen und sich seines Selbst sicher zu werden. Und das bedeutet Verantwortung für sich selbst zu übernehmen.

Leben nach dem Tod?

Seit Anbeginn beschäftigt die Menschheit die Frage des Lebens nach dem Tod. Die Religionen beantworten diese Frage auf unterschiedliche Weise. Letztendlich wird allerdings die Aussicht auf ein Leben nach dem Tod als Druckmittel eingesetzt, um die Menschen in der Gegenwart zu einem bestimmten Verhalten zu bewegen.

Ist wirklich die Aussicht auf ein Leben nach dem Tod, die Aussicht, dass es ein wie auch immer geartetes Gericht gibt nötig, um Menschen zu einem menschenwürdigen Verhalten zu bewegen? Materie ist Schwingung, Schwingung stirbt nicht, in einer wie auch immer gearteten Schwingung bleiben wir erhalten, aber sicherlich nicht in einer personifizierten Form.

Diese Schwingung wird in Form von Materie sicherlich auch irgendwann „wiedergeboren“ werden. Dazu ist weder Himmel noch Hölle notwendig und schon gar nicht ein wie auch immer geartetes Gericht. Warum nur erscheint vielen Menschen ein Leben nach dem Tod so wichtig, wir haben doch dieses Leben hier? Die Religionen arbeiten alle mit Symbolen. Ist es nicht an der Zeit, diese Symbole aufzulösen und auf naturwissenschaftlicher Ebene zu agieren?

Hochsensible sollten sich selbst mehr vertrauen

Gerade hochsensible Personen nehmen so viel mehr wahr als ihre Mitmenschen, sie sollten sich selbst mehr Vertrauen schenken. Es geht im Leben nicht darum, möglichst viele Kurse zu besuchen oder die alleinseligmachende Religion zu finden. Es geht darum, aufzuwachen, mitzudenken, zu hinterfragen und für sich selbst zu entscheiden.

Jeder Mensch ist einzigartig, jeder Mensch hat seine eigenen Erfahrungen, letztendlich kann nur jeder für sich selbst entscheiden, was richtig ist für ihn, er selbst muss auch die Konsequenzen aus seiner Entscheidung tragen. Viele Menschen versuchen über die Köpfe anderer hinweg zu entscheiden, dies geht aber nur mit deren Einwilligung, bzw. mit deren Nichtreaktion.

Silvia Christine Strauch, Buchautorin von „Meine Hochsensibilität positiv gelebt“

Hochsensible Mamas

Entgegen diverser Meinungen, die es für nahezu unmöglich halten, dass hochsensible Frauen auch Mütter sind, gibt es da draußen tatsächlich eine Reihe hochsensibler Mamas. Es sind nicht die überreizten gestressten Mütter, die irgendwann auf den aktuellen Hype der Hochsensibilität aufmerksam geworden sind und seither damit ihre ständige Überforderung in der Kindererziehung begründen. Die Rede ist von hochsensiblen Frauen, die bereits seit Ihrer Kindheit feine Antennen besitzen und die Reize in Form von Emotionen aber auch Gerüchen und Geräuschen besonders intensiv wahrnehmen können. Hochsensible die sich trotz oder gerade wegen ihres ausgeprägten Einfühlungsvermögens bewusst für ein Kind entschieden haben – verbunden mit allen Konsequenzen. Oder lassen sich diese im Vorfeld gar nicht vollumfänglich abschätzen?

Hochsensible Mamas werden erst auf den zweiten Blick sichtbar

Sie lassen sich erst auf den zweiten Blick erkennen, denn Sie stehen ungern im Mittelpunkt und suchen nicht die Gesellschaft anderer Mütter. Im Gegenteil zu normalsensiblen Müttern, die gern stundelang über die unzähligen Fähigkeiten ihrer Zöglinge in lärmenden Kitas, überfüllten Indoor-Spielplätzen oder miefigen Umkleidekabinen (hier werden allein Gerüche und hochfrequentes Stimmenwirrwarr zur Mutprobe J) weiteifern, schätzen hochsensible Mamas ausgleichende Ruhe oder abwechslungsreiche Unterhaltungen. Leider finden sie diese nur selten unter den Müttern der gleichaltrigen Kinder. Themengebiete, die weit über den Tellerrand der Kindererziehung hinausgehen und trotz inniger Liebe zum Kind auch die eigenen Interessen nicht außer Acht lassen wie: Selbstverwirklichung, Kreativität, berufliche Selbstständigkeit, geistige Hygiene, Spiritualität, die Frage nach dem Lebenssinn …

Hochsensible Mamas und ihre hochsensiblen Kinder

Das intensive Band zwischen Mutter und Kind empfinden hochsensible Mamas in Potenz. Bereits während des Heranwachsens des Kindes im Mutterleib entsteht etwas Magisches. Dieses magische Band bleibt bestehen und führt zu tiefer, reiner Liebe. Oft genügt bereits ein Blick und Mutter und Kind verstehen sich blind – so gut, dass Außenstehende oft verblüfft sind über diese Form der nonverbalen Kommunikation.

Allerding hat dieser Zustand, wie so viele anderen auch, eine zweite Seite. Allein die ersten Wochen nach der Geburt und die Erkenntnis, dass da ab sofort ständig ein kleines Wesen (oftmals ebenfalls höchstsensibel) über den eigenen Tagesablauf bestimmt oder zumindest eine große Rolle darin einnimmt, wiegt schwer. Eine Konsequenz, die vorher einfach nicht vollumfänglich abschätzbar war. Mit zunehmenden Alter des Kindes gibt es für hochsensible Mamas die vielfältigsten Herausforderungen in Form von Veranstaltungen, Kindergeburtstagen, Sportevents u. v. m. – je nach Tageskondition können diese anregend sein, aber auch schnell die Reizschwelle überschreiten. Nicht nur die der Mama, sondern auch die des hochsensiblen Kindes. Das äußert sich dann all zu oft in Tränchen und Unverständnis darüber, wie die große Welt da draußen nur so ungerecht sein kann.

Hochsensible Familien „Weniger ist mehr.“

Für ein ausgeglichenes Miteinander sorgt vielleicht ab und an ein Sportnachmittag. Oft genügt es aber einfach, die gemeinsame freie Zeit miteinander zu genießen. Ganz ohne dass dahinter jeden Nachmittag ein anderes durchgeplantes Programm – Instrument lernen, Freizeitparks erkunden oder Sportrekorde brechen – steht. Denn ähnlich wie hochsensible Mamas die Ruhe und den Ausgleich immer wieder suchen, benötigen auch hochsensible Kinder diese Freiräume, in denen sie einfach einmal vor sich hinträumen oder im Spiel versunken sein dürfen. Wenn bereits hochsensible Kinder den sorgsamen Umgang mit der Hochsensibilität lernen, fällt es ihnen später deutlich leichter, die damit verbundenen Gaben wie Empathie, Kreativität, vernetztes Denken oder eine differenzierte Wahrnehmung in ihrem Erwachsenenleben bewusst einzusetzen. Vielleicht sogar so gut, dass sie sich ein Stück ihres neugierigen Kindseins bewahren können.

Sandra Tissot, Autorin von „Hochsensibilität und die berufliche Selbstständigkeit“

 

Was Schlaf mit Stressabwehr zu tun hat

Guter Schlaf ist für hochsensible Menschen ein kostbares, ja zerbrechliches oder flüchtiges Gut. Im Nullkommanichts kann es damit vorbei sein. Wie schnell das gehen kann, habe ich selbst vor kurzem erlebt: Im Urlaub waren es scheinbar ganz kleine Dinge, die dafür sorgten, dass ich entweder nicht richtig ein- oder durchschlief: ungewohnte und unpassende Bettwäsche, Lärm, ungewohnte Speisen und Getränke …

In kurzer Zeit geriet mein Körper völlig aus dem Takt

und diesen konnte ich auch längere Zeit nicht wiederfinden, selbst zu Hause nicht.  Grund genug, mich einmal genauer mit dem Thema Schlaf zu beschäftigen, umso mehr als wir rund ein Drittel unserer Lebenszeit schlafend verbringen, bzw. verbringen sollten. Mit den zu berücksichtigenden Informationen habe ich mich allerdings wirklich schwer getan. Was ist wichtig, was soll unbedingt mit aufgenommen werden? Ich habe mich schließlich dazu entschieden, mich in diesem Beitrag hauptsächlich mit dem Schlafrhythmus zu beschäftigen, werde das Thema demnächst noch aus anderen Blickwinkeln beleuchten, denn noch längst habe ich nicht alles über Schlaf gesagt, was es zu sagen gäbe …

Warum schlafen wir eigentlich?

Heute weiß man aus der Schlafforschung, dass Schlaf ein aktiver und lebenswichtiger Vorgang ist. Unser Körper braucht den Schlaf ebenso wie unser Gehirn. Im Schlaf erholen wir uns und sortieren die Informationen in unserem Gehirn. Der Schlaf ist wichtig für die Stressabwehr des Körpers. Während wir wach sind, geraten wir immer wieder in Belastungssituationen, die schnelles Handeln erfordern. Je nach der Stärke unserer Bewältigungskompetenzen geraten wir darüber mehr oder weniger in Stress. Denn der Stress liegt nicht in den äußeren Belastungsfaktoren, sondern in der Art, wie wir damit umgehen. Auch der Körper kann Stress empfinden, auch wenn wir diesen möglicherweise gar nicht wahrnehmen: er muss sich mit Angriffen von Viren, Bakterien und Mikroorganismen oder schädlichen Lebensmitteln oder anderen Toxinen auseinandersetzen.

Der Körper kann sich mit diesen Belastungen nur effektiv auseinandersetzen, wenn er seine dafür notwendigen Bewältigungsstrategien aus einem internen Speicher abrufen kann. Die sog. „Gedächtnisbildung des Organismus“ kann aber nur dann geschehen, wenn die Belastung der körpereigenen Systeme durch Stress minimal ist und dieser Zustand ist nur während des Schlafens gegeben. Und Sie ahnen schon an dieser Stelle, dass, wenn der minimale Stress während der Nacht nicht gegeben ist, weil man sich schlaflos von links nach rechts wälzt, die Gedanken einfach nicht zur Ruhe kommen oder wie ein Karussel im Kopf kreisen, der o.g. Vorgang nicht stattfinden kann und die Stressabwehr, ohnehin einer der wunden Punkte der Hochsensibilität, beeinträchtigt wird.

Die zirkadiane Periodik

Der Schlaf ist Teil der zirkadianen („rings um den Tag“) Periodik, damit bezeichnet man die Chronobiologie der inneren Rhythmen, die eine Periodenlänge von ca. 24 Stunden haben. Im Volksmund spricht man auch von innerer Uhr. Der zeitliche Ablauf vieler Körperfunktionen wird durch die zirkadiane Periodik geregelt.  Das Hormon Melatonin hat eine schlaffördernde Wirkung und sorgt z. B.  für die Ausschüttung von Wachstumshormonen. Auch das Hormon Renin, das für die Nierenfunktion wichtig ist, wird in den frühen Schlafstunden ausgeschüttet. Der Kortisolspiegel hingegen sinkt und steigt erst am Morgen wieder an.

Das Schlafbedürfnis verändert sich im Laufe des Lebens

Verbringen Babies im Mutterleib den überwiegendenden Teil der Zeit im REM-Schlaf, und Neugeborene ca. 16 Stunden mit Schlafen, verbringen wir ab 50 nur noch 5 % der Nacht im Tiefschlaf. Unser Schlaf wird weniger effektiv, wir schlafen schwerer ein und wachen leichter wieder auf und brauchen auch tagsüber ab und zu eine Mütze voll Schlaf … Studien haben übrigens gezeigt, dass  sich auch tagsüber ca. alle 4 Stunden unsere Schlafbereitschaft erhöht. Von daher gibt es nichts Besseres als ein kleines Nickerchen am Nachmittag. Und da denkt Spanien über die Abschaffung der Siesta nach … Für mich ist diese Information neu, daher denke ich darüber nach, ob ich vielleicht noch ein weiteres Nickerchen in meinen Tag einbauen kann?

Die verschiedenen Schlafphasen

Der französische Neurophysiologe Michel Magnin fand 2010 heraus, dass sich beim Einschlafen verschiedene Teile des Gehirns ganz unterschiedlich verhalten. Der Thalamus schließt die Verbindung zur Außenwelt, aber die Großhirnrinde und das Bewusstsein „sind noch wach“. Die Augen rollen und die Muskelspannung lässt nach.

Dem deutschen Arzt Hans Berger ist die Entdeckung des EEGs (Elektroenzephalogramm) zu verdanken,  also die Messung einer Gehirnaktivität. Damit war es möglich, die Hirnwellen während des Schlafes zu messen.

Dabei stellte sich heraus, dass die erste Schlafphase die sog. Tiefschlafphase ist. Dabei geraten die Hirnzellen in einen langsamen Gleichtakt. Man nimmt an, dass in dieser Phase im Gehirn aufgeräumt wird. Nach ca. 1-2 Stunden wird eine neue Phase eingeleitet: der REM-Schlaf, genannt nach den schnellen Augenbewegungen, die nun einsetzen (Rapid Eye Movement). Die Hirnströme werden nun unruhiger und schneller. In dieser Phase ist man bewegungsunfähig aufgrund der immer weiter abnehmenden Muskelspannung. Träume setzen ein. Diese Phase dauert rund 20 Minuten.

Sie wird abgelöst durch eine Phase leichteren Tiefschlafs. Die Hirnwellen nehmen jetzt eine spindelförmige Form an. Auch in dieser Phase sind Träume möglich. Nach rund 30 Minuten beginnen die Augen wieder zu rollen und die 2. REM-Phase beginnt, die diesmal länger dauert als die erste. So erleben die Schlafenden verschiedene Schlafphasen, die sich zwar immer wiederholen, dabei aber verschieben. Je näher der Morgen rückt, umso seltener und kürzer werden die Tiefschlafphasen, während die REM-Schlaf-Phasen länger werden. Im REM-Schlaf ist übrigens das limbische Gehirn aktiv und kann starke Gefühle auslösen, weil bestimmte Botenstoffe wie Serotonin und Noradrenalin nicht zur Verfügung stehen. Außerdem fließt das Blut in die Geschlechtsteile und sorgt dort für Erregung …

Wie viel und wie lange man schlafen sollte, ist individuell unterschiedlich. Man geht von 7-8 Stunden im Schnitt pro Tag aus. Es wäre aber natürlich eine spannende Frage, ob hochsensible Menschen evtl. ein erhöhtes Schlafbedürfnis haben aufgrund der intensiveren Reizverarbeitung? Sicher ist jedenfalls:

Schlafmangel macht krank

darüber sind sich die Wissenschaftler heute einig. Dabei geht es nicht nur um eine erhöhte Unfallgefahr im Straßenverkehr, sondern darum, dass  der Stoffwechsel unseres Körpers bei einem Schlafmangel entgleist: Der Kohlenhydratstoffwechsel verschlechterte sich, die Blutzuckerwerte erhöhen sich, die Produktion der Schilddrüsenhormone gerät durcheinander, und die Produktion des Stresshormons Kortisol erhöht sich am Abend auf Werte, die der Körper normalerweise erst in den frühen Morgenstunden ausschüttet. Am Morgen gibt das Kortisol uns den Anschub und Antrieb aufzustehen und uns zu bewegen. Wenn Sie wie ich zufälligerweise zu den Menschen gehören, deren Kortisolpegel am Morgen zu niedrig ist oder war, können Sie vielleicht ermessen, wie tragisch der Kortisolschub am Abend ist. Oder welche Auswirkungen es haben kann, wenn die Produktion der Schilddrüsenhormone durcheinandergerät …

Schlafmangel ist außerdem gefährlich

Nicht nur für den Schlafenden selbst, sondern ganz konkret auch für die Umwelt. Darüber hatte ich mir bislang noch keine Gedanken gemacht, fand aber im Zuge der Recherchen für diesen Artikel eine interessante Auflistung von Unglücksfällen im Netz, die durch übermüdetes Personal ausgelöst wurden, z. B. Reaktorunfälle, Flugzeugabstürze, gestrandete Schiffe. und 24 % aller tödlichen Unfälle auf Autobahnen sind auf den sog. Sekundenschlaf zurückzuführen, bei dem man am Steuer kurz einnickt.

Schichtarbeiter haben es besonders schwer, sie müssen permanent gegen die eigene natürliche Uhr leben, dies beeinträchtigt auf Dauer die Gesundheit. Untersuchungen belegen, dass Schichtarbeiter häufiger als andere an Erkrankungen des Herz-Kreislauf-Systems, des Magen-Darm-Traktes, der Leber und der Schilddrüse, innerer Unruhe, Nervosität, Kopfschmerzen und Erschöpfungszuständen leiden.

Schlapp und Antriebslos durch den Tag

Symptome für den gestörten Schlaf- und Wachrhythmus können z. B. sein, dass man nicht einschlafen kann, nachts immer wieder aufwacht, Schwitzattacken hat, zur Toilette muss, nicht wieder einschlafen kann, am morgen mit Verspannungen und Kopfschmerzen aufwacht, tagsüber müde, erschöpft, antriebslos oder auch reizbar ist. Der sog. Jetlag, der abrupte Wechsel in eine andere Zeitzone, bedeutet für den Körper eine häufig als nicht einfach  erlebte Anpassung eine anderen Schlaf- und Wachrhythmus. Auch die Anpassung an die

Ich freue mich, wenn Sie in den Kommentaren berichten, ob es etwas genützt und Ihnen die Anpassung erleichtert hat.

Monika Richrath, Autorin von „EFT-Klopftechnik für Hochsensible“

Warum Hochsensible die Gefahr der eigenen Komfortzone unterschätzen

Hochsensible Personen (HSP) fühlen sich in ihrer Komfortzone besonders wohl, schützt sie sie doch vor unerwünschten Übergriffen aus dem privaten oder beruflichen Umfeld. Häufig wird die Komfortzone mit steigenden Lebensalter systematisch ausgebaut. Die eigenen vier Wände werden bequem ausgestaltet, nur ein ausgewählter Kreis an Personen hat hier Zutritt. Doch ist das der Hochsensibilität auf Dauer überhaupt zuträglich?

Die eigenen vier Wände: gemütliche Atmosphäre und gut gefüllter Kühlschrank

Ihren Wohnraum passen HSP gern besonders ihren hohen Anforderungen nach Erholung und Ruhe an. Hier spielen Licht, Farbtöne aber auch bequeme Möbelstücke wie die Lieblingscouch oder eine hervorragende Matratze im Bett eine wichtige Rolle. Auch ein prall gefüllter Kühlschrank mit den Lieblingsspeisen gehört dazu. Allerdings bedeuten Einkäufe in überfüllten Supermärkten für HSP Stress. Riesige Produktvielfalt, leise aber permanente musikalische Untermalung aus dem Hintergrund, die unterschiedlichsten Menschen die sprechen, agieren, nach diversen Duftelementen riechen … Für die hochsensible Komfortzone heißt es jetzt, Gedanken zusammen, um ja nichts zu vergessen. Schließlich sollte der Einkauf möglichst viele Tage reichen, um den nächsten stressigen Einkauf weit aufschieben zu können.

Job: entspannte Arbeit im Home Office

Hochsensible Angestellte sorgen mit der Arbeit im Home Office für den Ausgleich zur Reizüberflutung im Großraumbüro. Hochsensible Selbstständige richtigen sich ihr Arbeitszimmer oder ihr Büro nach individuellem Gusto ein. Das Home Office bietet HSP vielfältige Vorteile: anstrengende Kollegen, unbequeme Bürostühle und laute Telefongeräusche werden hier umgangen. Flexible Arbeitszeiten, freie Zeiteinteilung inklusive freigestalteter Pausen (Spaziergang, Lieblingsessen, Yoga … ) lassen die Grenzen zwischen Arbeit und Freizeit fließend werden.

Zwischenmenschliche Kontakte: Umgang mit ausgewählten Menschen

Ähnlich wie in der Berufswelt suchen HSP instinktiv auch im Privatleben nach Gleichgesinnten, entweder nach anderen Hochsensiblen oder Menschen, die Entgegenkommen für die Hochsensibilität zeigen. Irgendwie auch praktisch, wenn Verständnis für die hochsensible Naturell gezeigt wird und bestimmte Grenzen nicht überschritten werden. Auf Dauer allerdings auch schrecklich langweilig, denn nicht nur Diskussionen, sondern auch konstruktive Kritik bleibt unter Umständen unausgesprochen.

Komfortzone vs. Potentialentwicklung

Die vier Wände sind gemütlich, der Kühlschrank stets gut gefüllt, die Arbeit im Home Office optimiert und der zwischenmenschliche Kontakt auf Gleichgesinnte reduziert. Eigentlich der hochsensible Idealzustand, wenn HSP darüber nicht bequem werden würden.  Hier lauert die Gefahr der Komfortzone. Ungeahnt macht sich dann plötzlich eine innere Unzufriedenheit breit. Hochsensible benötigen Abwechslung und Anerkennung von außen sowie den Umgang mit vielfältigen Menschen, um sich dauerhaft wohlfühlen zu können. Dazu gehört auch ein gesundes Maß an Reizen durch die Außenwelt. Hier handelt es sich natürlich nicht ausschließlich um positive Erfahrungen. Auch auf den ersten Blick negative Ereignisse, wie beispielsweise Streitgespräche, machen es möglich, die Potentiale der eigenen Hochsensibilität weiter zu entwickeln. Klingt zunächst paradox, aber mit wachsender Erfahrung können hochsensible Eigenschaften wie eine ausgeprägte subtile Wahrnehmung, Empathie, Gerechtigkeitssinn oder ausgeprägtes intuitives Denken so weiter trainiert werden. Hochsensible die das für sich erkannt haben, können oft auch gut eine gewisse Zeit mit Menschenmengen, lauten Geräuschen, kontroversen Gesprächen u. v. m. umgehen, ohne das es gleich zu einer Reizüberflutung kommt. Der bewusste Umgang mit anregenden Reizen sorgt für neue Inspirationen und systematische Weiterentwicklung.

Sandra Tissot, Autorin von „Hochsensibilität und die berufliche Selbstständigkeit“

Wie Hochsensibilität unser Verhalten in Konflikten beeinflusst

Kennen Sie das auch, dass Ihnen Menschen abhanden kommen, ohne dass Sie eigentlich wissen warum? Mir passiert das immer wieder. Anfangs hat mich das ziemlich verstört und verunsichert, weil ich nicht wusste, ob ich etwas falsch gemacht, jemanden verletzt oder mich sonst in irgendeiner Form daneben benommen habe. Andererseits hatte ich aber auch nie den Mut, wirklich direkt mal nachzufragen, woran es liegt. Mittlerweile bin ich sicher, es hat auch etwas mit meiner Biografie zu tun.

Seit einiger Zeit frage ich mich schon, wie meine Hochsensibilität dieses immer wiederkehrende Phänomen beeinflusst oder vielleicht sogar zu seiner Entstehung beiträgt? Hier sind meine Erkenntnisse:

1. Konflikte sind Stress
Ein Reiz, dem ich mich als HSP lange Zeit überhaupt nicht aussetzen wollte und mit dem ich mich überfordert fühlte. Ein Konflikt bedeutet immer auch: sich öffnen, Gefühle zeigen, Gefühle aushalten. Das alleine ist schon schwierig, wenn es sich um keine enge Beziehung handelt, eher um einen freundschaftlichen Kontakt, der möglicherweise sogar im beruflichen Umfeld entstanden ist?

2. Unfähigkeit Gefühle zu zeigen
Sehr lange Zeit hatte ich das Problem, dass ich gar nicht in der Lage war, Wut und andere vermeintliche negative Erfahrungen überhaupt wahrzunehmen, geschweige denn, sie zu äußern. Eine Folgeerscheinung war natürlich, dass die Wut oder Unzufriedenheit anderer für mich eine potentielle Bedrohung darstellen, der ich lieber aus dem Weg ging. Hierüber habe ich erst vor kurzem einen Blogbeitrag geschrieben (der übrigens sehr viele Kommentare bekam, was zeigt, dass es ein brandheißes Eisen für hochsensible Menschen ist).

3. Harmoniebedürfnis
Ich glaube, dass hochsensible Menschen ein natürliches Harmoniebedürfnis haben, ein Bedürfnis danach, mit der Umgebung in Einklang zu sein oder zu schwingen. Prinzipiell halte ich das für etwas sehr Gutes. Ich verbinde damit so etwas wie ein Flow-Gefühl, zur richtigen Zeit mit den richtigen Menschen am richtigen Ort zu sein. Ein Konflikt jedoch stellt für die Harmonie eine Bedrohung dar. Wenn es einen Konflikt gibt, gibt es keine Harmonie mehr. Harmonie kommt oft ohne Worte aus, ein Konflikt nicht – jedenfalls nicht, wenn er gelöst werden soll.

4. Schwierigkeiten sich abzugrenzen
Die große Schwierigkeit in einem Konflikt bestand für mich sehr, sehr lange Zeit überhaupt darin, Position zu beziehen, mich abzugrenzen, mich für meine eigenen Interessen einzusetzen. Im Grunde genommen habe ich mich stets um alle gekümmert, dafür gesorgt, dass es allen gut geht, nur nicht für mich. Für mich konnte ich mich nicht einsetzen. Und lange Zeit habe ich auch geglaubt, ich sei nicht wichtig genug, es nicht wert. Glauben Sie mir, es tut mir richtig weh, es so aufzuschreiben, aber so war es. Mittlerweile ist das anders. Durch das Klopfen habe ich begriffen, dass ich wertvoll bin und meinen Einsatz immer wert.

5. Rückzugstendenzen
Rückblickend kann ich sagen, dass ich mich Konflikten in keiner Weise gewachsen fühlte, auch kleinen nicht. Am liebsten löste ich Konflikte durch Rückzug. Rückzug ist ein äußerst einfacher und effektiver Weg, anderen Menschen mitzuteilen, dass man mit etwas nicht einverstanden ist, ohne jedoch Gefühle zeigen oder aushalten zu müssen, geschweige denn, sich mit eigenen Unzulänglichkeitsgefühlen oder der Unfähigkeit für sich selbst einzutreten auseinandersetzen muss. Heute bevorzuge ich andere Wege der Auseinandersetzung, meistens jedenfalls.

6. Sich alles sehr zu Herzen nehmen
Früher habe ich mir immer alles wahnsinnig zu Herzen genommen. Unbedachte Worte, einfach mal so dahingesagt, konnten mich wochen-, ja monatelang verfolgen (und auch Beziehungen vergiften) und ich weiß, es geht nicht nur mir so. Viele Supersensible haben damit zu kämpfen. Ich habe dies im Übrigen in der Zwischenzeit nicht etwa abgelegt, aber ich habe gelernt, anders damit umzugehen. Ich weiß heute, dass ich aufgrund dieser Disposition, sich alles sehr zu Herzen zu nehmen, manchmal zu einer verzerrten Wahrnehmung neige und ich bin eher in der Lage, nachsichtig über mich zu lächeln anstatt über unbedachte Bemerkungen Ewigkeiten in Stress zu geraten. Dieser immerwährende Stress liegt natürlich daran, dass

7. HSP oft schlecht loslassen können
Egal, ob es sich um Gefühle, Orte, Tiere, Begebenheiten oder Menschen handelt. Vielleicht liegt es an der gründlicheren Verarbeitung im Gehirn, dass wir (meistens) schlecht loslassen können. Das muss natürlich nicht so bleiben. Ich habe im Laufe der Jahre durch die EFT-Klopftechnik gelernt besser loszulassen, was dazu geführt hat, dass ich Dinge leicht, Glaubenssätze und Verhaltensmuster ganz gut und Menschen nach wie vor eher schlecht loslassen kann.

Während ich das so schreibe, fällt mir ein, dass ich mir eigentlich eine ganz praktische Philosophie angeeignet habe: Ich glaube felsenfest an das Gefährten-Prinzip: Manche Menschen begleiten mich eine Zeitlang durchs Leben und wenn es nicht mehr passt, dann verschwinden sie eben. Dafür kommen dann neue Menschen. Das hatte ich ganz vergessen … Schön, dass das Schreiben dieses Blogs auch für mich selbst hilfreich ist …

Wie gehen Sie mit Konflikten um?  Ich freue mich, wenn Sie Ihre Erfahrungen mit uns teilen.

Monika Richrath, Autorin von „EFT-Klopftechnik für Hochsensible“

Hochsensibilität ist keine Krankheit und auch nicht ansteckend

Die Foren und sozialen Netzwerke sind voll davon … Gerade Menschen, die ihre Hochsensibilität erst entdeckt haben, suchen oft verzweifelt nach einer Möglichkeit, die die Hochsensibilität schwarz auf weiß attestiert. Sogar die Frage nach dem passenden Arzt, der die Hochsensibilität bescheinigen kann, wird immer wieder gestellt. Fälschlicherweise wird HSP sogar in einem Atemzug mit den unterschiedlichsten Krankheitsbildern genannt.

Hochsensibilität als Merkmal der Persönlichkeit

Hochsensibilität ist keine Krankheit, sondern vielmehr ein angeborener Aspekt der Persönlichkeit. HSP besitzen besonders feine Antennen und sind in der Lage ihr Umfeld und alle damit verbundenen Reize viel intensiver wahrzunehmen. Dabei können positive Lebensumstände das hochsensible Naturell beflügeln und zu Weiterentwicklung vorantreiben, negative Einflüsse hingegen Schäden verursachen und in Lebenskrisen führen. Hier kommt der hochsensible Grübler zum Vorschein, der alles genau durchdenkt und dabei oftmals unbemerkt zu viel Energie verschwendet und sich in Sackgassen verrennt. In solchen Momenten scheint der Wunsch nach einem „Hochsensibilitäts-Attest“ besonders groß zu sein. Doch was genau wollen HSP damit anfangen? Dem Chef den hochsensiblen Krankenschein vorlegen? Eine Schonfrist bei Freunden und Bekannten einreichen?

Herzlichen Glückwunsch – Sie sind hochsensibel

Manchmal ist es hilfreich, die Perspektive zu wechseln. Aus Evolutionssicht betrachtet, besitzen Hochsensible ein Persönlichkeitsmerkmal, das ihr Überleben besonders gut sichert, denn sie bemerken viel eher als andere, wo Gefahren lauern oder Menschen ihrem hochsensiblen Naturell besonders positiv gesinnt sind. HSP sind gut darin neue Ideen zu entwickeln und haben ein feines Gespür, was funktioniert und was nicht. Die  Hochsensibilität ist ein Persönlichkeitsmerkmal, keine Krankheit. Mit der Erkenntnis zur Hochsensibilität lässt sich die Vergangenheit anders bewerten und die Gegenwart und Zukunft oft vollkommen neu erleben. Verzweifelte HSP können dabei weniger auf das Attest eines Allgemeinmediziners, als vielmehr auf Coaches und Therapeuten setzen, die sich mit dem Thema Hochsensibilität wirklich auskennen.
Im Übrigen ist Hochsensibilität auch nicht ansteckend. Nur weil es im Umfeld Hochsensible  gibt, wird aus einem Normalsensiblen kein hochsensibler Mensch.

Hochsensibilität passt in keine Schublade

Generell neigen wir Menschen gern dazu, in Schubladen zu denken. Schublade auf – HSP rein – Schublade zu … Hochsensible mögen von ähnlichen Erfahrungen erzählen und in bestimmten Situationen vertraut agieren, doch wie bei allen Menschen sind auch hier die Unterschiede riesig. Zwischen hochsensiblen Introvertierten und hochsensiblen Extrovertierten, jungen und erfahrenen HSP etc. Die Beschreibung ließe sich nahezu endlos weiterführen. Die Hochsensibilität ist ein wunderbares Persönlichkeitsmerkmal, das viel Raum zur freien Gestaltung lässt.

Sandra Tissot, Autorin von „Hochsensibilität und die berufliche Selbstständigkeit“

Hochsensible Kommunikation zwischen Mensch und Tier

Hochsensible Menschen verfügen über ein hohes Maß an Empathie. Durch diese feine Wahrnehmung nehmen sie leicht Stimmungen, Tendenzen und Meinungen von Anderen auf und reagieren darauf. Durch diese empathische Kommunikation kann sich eine besonders gute Verständigungsebene ergeben. Kommunikation sollte allerdings ein beidseitiger Austausch sein, bei dem es darauf ankommt, dass sich Alle gegenseitig verstehen. Eine gute Kommunikation erfordert Übung und Disziplin von beiden Seiten. Jeder der Beteiligten sollte aktiv zuhören und sich zwischendurch versichern, dass er das Gehörte auch richtig verstanden hat. Eine eigene Meinung sollte man auch als solche bezeichnen und nicht versuchen dem Anderen etwas einzureden oder sich mit der Floskel „man“ macht dies oder jenes, versuchen sich aus der eigenen Verantwortung zu ziehen.

Laut Transaktionsanalyse von Eric Berne gibt es unterschiedliche Ebenen der Kommunikation. Berne teilte die unendlich vielen Möglichkeiten der Kommunikation in drei Kategorien ein, die er Ich-Zustände nannte. Im Kindheits-Ich können wir abgespeichertes Erleben aus früheren Zeiten wieder aktivieren. Man neigt dabei uneinsichtig und trotzig zu reagieren oder auch albern und unsicher. Allerdings können sich hier auch Neugierde und Phantasie ihre Bahn brechen. Im Erwachsenen-Ich erleben wir einen Zustand, der sich vollständig auf das Hier und Jetzt bezieht. Wir behandeln dabei unseren Gesprächspartner gleichwertig und respektvoll und bevorzugen eine sachliche Argumentation. Im Eltern-Ich Zustand äußern wir uns jedoch auf eine Art und Weise, dass sich unser Gegenüber bevormundet fühlt, entweder wir missbilligen sein Verhalten und seinen Ausdruck oder wir geben uns fürsorglich und bemutternd.

Befinden sich die Gesprächspartner beide im Erwachsenen-Ich, dann gibt es im allgemeinen kein Verständigungsproblem. Schwierig wird es zum Beispiel, wenn sich Eltern-Ich und Kindheits-Ich kreuzen. Die Äußerung: „Hast du schon wieder das Verkehrte gekauft?“ (Eltern-Ich), führt entweder zu einer Äußerung: „ich kann das eben nicht“ (Kindheits-Ich) oder es wird aus dem Eltern-Ich mit einem Vorwurf zurückgeschossen. Auf jeden Fall ist eine konstruktive Kommunikation so schlecht möglich.

Befasst man sich mit diesen Kommunikationsprozessen, wird einem bewusst, warum es so oft zu Verständigungsschwierigkeiten kommt. Treffen hierbei noch hochsensible mit nicht so ausgeprägt sensiblen Menschen zusammen, gestaltet sich so manche Kommunikation nicht wirklich konstruktiv. Mit Übung und Selbstreflexion erkennen wir auf welcher Ebene wir agieren und so können wir auch lernen diese Ebene zu bestimmen. So viel anders läuft die Kommunikation mit Tieren auch nicht ab.

Tiere haben wesentlich sensiblere Sinnesorgane als wir Menschen.

Dazu kommt, dass auch Tiere unterschiedliche Temperamente und eine unterschiedliche Sensibilität besitzen. Ob Pferd, Hund, Katze, Maus, wenn wir uns ein Tier anschaffen, dann übernehmen wir die Verantwortung für das Tier und sind dazu verpflichtet für eine artgerechte Haltung und Umgang zu sorgen. Dazu gehört zuerst einmal, dass wir uns informieren, welche Bedürfnisse diese Tierart besitzt. Ich setze voraus, dass Jeder um eine artgerechte Haltung seines Tieres bemüht ist. Mit der Haltung verbunden ist durchaus auch die Verständigung. Ich muss das Sozialverhalten des Tieres kennen um Reaktionen einschätzen zu können. Letztendlich muss ich mich als Mensch auf die Verständigungsebene des Tieres begeben. Ich kann von einem Pferd nicht erwarten, dass es anfängt zu denken wie ein Mensch, sondern ich muss anfangen zu denken wie ein Pferd. Gerade hochsensiblen Personen fällt es nicht schwer die Stimmung ihrer Tiere wahrzunehmen.

Die Tiere nehmen feinste Veränderungen an uns Menschen wahr wie Aufregung, Muskelanspannung, Geruch oder Stimme. Aber auch wir selbst können uns dazu entwickeln vieles an unseren Tieren zu erkennen. Gerade hochsensible Menschen tun sich hierbei recht leicht. Ein gewisses Wissen über das Sozialverhalten vorausgesetzt, ist es ein leichtes sich auf die eigene Intuition zu verlassen um ein Tier „lesen“ zu können. Das Wichtigste dabei ist, im Augenblick zu leben und seine ganze Aufmerksamkeit dem Tier zu schenken. Für Pferdehalter ist es zum Beispiel das Schönste die Pferde direkt am Haus zu halten. Beim Blick aus dem Fenster nimmt man intuitiv wahr, ob alles in Ordnung ist oder nicht. Und welcher Hundehalter würde nicht sofort erkennen, wenn es seinem Hund nicht gut geht?

Mit etwas Übung lässt sich die Kommunikation so sehr verfeinern, dass man das Gefühl hat sich mit seinem Hund oder Pferd mit einer leichten Bewegung der Fingerspitzen oder einem Lidschlag verständigen zu können. Oftmals hat man dann das Gefühl einer telepathischen Verbindung. Manches was man darunter versteht kommt einfach durch klares Denken zustande. Reiter werden die Aussage kennen, dass man, will man einen wirklich kreisrunden Zirkel reiten, diesen geistig vor den inneren Augen haben muss. Man fokussiert sein Denken auf diesen Zirkel und vorausgesetzt Reiter und Pferd sind nicht völlig ungeübt, wird dieser Zirkel wunderbar rund werden. In dem Moment wo wir unser Denken derart fokussieren, reagiert unser Unterbewusstsein auf dieses Denken, indem es die entsprechende Muskulatur ganz leicht anspannt und/oder eine Gewichtsverlagerung vornimmt, ohne dass wir es bewusst merken. Ein Pferd nimmt jede noch so kleine Fliege auf seinem Fell wahr, so nimmt es auch die kleinste Gewichtsverlagerung oder Spannungsveränderung wahr und ist das Pferd sensibel genug, wird es auch darauf reagieren.

Denken kommt vor dem Sprechen

Gewöhnt man sich ein solch klares Denken an, fokussiert man also sein Denken, wird man auch anfangen klar zu sprechen, was besonders bei der Kommunikation mit Tieren wichtig ist. Für Tiere ist natürlich der Klang der Stimme ausschlaggebend, aber will ich, dass mein Hund einem Befehl von mir nachkommt, muss ich diesen klar und deutlich, allerdings nicht laut äußern und darf diesen nicht in einem Wortschwall verstecken. Und nicht nur bei der Tierkommunikation führt ein klares Denken und Sprechen auch zu einem klaren Handeln. Klares Handeln ist zielgerichtet und erfolgreich.

Und geben Sie bei Missverständnissen nicht Mensch oder Tier die Schuld, sondern versuchen sich selbst klarer auszudrücken. Es gibt kein Scheitern, nur neue Gelegenheiten. Der Energieaustausch bei einer gelungenen Kommunikation ist nicht zu unterschätzen. Vor allen Dingen der hochsensible Mensch fühlt sich dadurch positiv aufgeladen und kann sich hierbei völlig entspannen.

Silvia Christine Strauch, Buchautorin von „Meine Hochsensibilität positiv gelebt“

Hochsensibilität und die Sache mit den hohen Erwartungen

Vom US-amerikanischen Psychologe Marshall Bertram Rosenberg stammt die Aussage: „Was ich in meinem Leben will, ist Einfühlsamkeit, ein Fluss zwischen mir und anderen, der auf gegenseitigem Geben von Herzen beruht.“ Ein Satz, nach dessen tiefgreifender Bedeutung sich viele Menschen sehnen. Insbesondere Hochsensible kennen dieses innere Verlangen nach Harmonie, Einfühlsamkeit und dem Wunsch danach, das Leben anderer Menschen besser zu machen. Umso enttäuschter sind sie oft von ihrem persönlichen Alltag, in dem häufig nur der Gehör findet, der am lautesten schreit und unmissverständlich am meisten fordert.

Hohe Erwartungen von Hochsensiblen an das berufliche und private Umfeld

Gerade im Berufsleben kollidieren die hohen Erwartungen von Hochsensiblen ständig mit der Realität. Sie treffen auf rücksichtslose Vorgesetzte, cholerische Geschäftspartner, oberflächliche Arbeitskollegen etc. Einfühlsamkeit und gegenseitiges Geben, das von Herzen kommt – Fehlanzeige. Ein tiefes Gefühl der Enttäuschung ist oft die Folge.

Diese Situation wäre vielleicht noch irgendwie erträglich, wenn das private Umfeld von Hochsensiblen die hohen Erwartungen an das Einfühlungsvermögen erfüllen könnte. Doch auch hier zeigt sich schnell und mit wiederkehrender Regelmäßigkeit, dass genau das Gegenteil der Fall sein kann. Freunde, die das hochsensible Naturell eigentlich bestens kennen müssten, reagieren oberflächlich, interessieren sich nicht aufrichtig und handeln vielleicht vollkommen anders, als erhofft. Selbst Menschen im engsten Familienkreis scheinen manchmal außer Stande, das Prinzip der Einfühlsamkeit und den Fluss aus gegenseitigem Geben zu verstehen oder gar zu leben. Spätestens an dieser Stelle stürzt das tiefe Gefühl der Enttäuschung ins Bodenlose. Hochsensible fühlen sich von Freunden und Familie missverstanden, brechen vielleicht sogar den Kontakt ab oder sind neuen Freundschaften gegenüber äußerst misstrauisch.

Hohe Erwartungen hinterfragen und auf die eigene Intuition vertrauen

Die hohen Erwartungen, die Hochsensible oft nicht nur an sich selbst, sondern auch an andere haben, lassen sich nicht einfach abschalten. Allerdings kann es helfen, wenn die eigenen Erwartungen bewusst hinterfragt werden.

Gerade im Berufsleben kann dahinter die unerfüllte Sehnsucht nach Freiheit und Unabhängigkeit stecken, verbunden mit der ständigen Frage nach der Sinnhaftigkeit des täglichen Tuns. Jedes kritische Wort von Vorgesetzten oder Kollegen führt Hochsensible dann besonders schnell an ihre Grenzen, weil sie im Grunde ihres Herzens spüren, dass sie zu etwas anderem berufen sind. Die berufliche Selbstständigkeit kann eine Möglichkeit bieten, dauerhaft in einem selbstbestimmten Wertegefüge zu leben. Natürlich sind Hochsensible auch hier nicht vor überzogenen Erwartungen gefeit, allerdings sind der Handlungsspielraum und die damit verbundene freie Gestaltung des eigenen Arbeitsumfeldes deutlich größer. Die Einfühlsamkeit und das zwischenmenschliche Miteinander können zum festen Bestandteil der selbstgewählten Unternehmensphilosophie werden.

Ganz ähnlich verhält es sich auch im privaten Umfeld. Hochsensible haben die Fähigkeit erlebte Situationen mit Freunden und der Familie intuitiv richtig zu reflektieren. Wurden die Erwartungen nicht erfüllt, weil sie unrealistisch waren? Oder ist die betreffende Person aus persönlichen Gründen (Ablenkung, Sorgen, Stress, Krankheit …) heraus vielleicht in genau dieser Situation überhaupt nicht in der Lage gewesen, einfühlsam zu reagieren?

Auch wenn in diesem Moment die Gedanken an Flucht und Rückzug übermächtig sind, oft hilft eine gelungene Kommunikation. Echter empathischer Kontakt kann nur dann entstehen, wenn der Gegenüber überhaupt die Gelegenheit bekommt, von den Wünschen und Bedürfnissen der hochsensiblen Person zu erfahren. Die ausgeprägte Intuition kommt Hochsensiblen hier zu Gute. Natürlich funktioniert diese Formel nicht immer und überall. Es wird immer Menschen geben, die nach hochsensiblem Empfinden „empathielos“ sind. Hier scheint alle Kommunikation sinnlos und eine dauerhafte Abgrenzung unausweichlich. Umso schöner ist es allerdings, wenn Hochsensible in ihrem täglichen Leben Menschen begegnen, die ebenso auf der Suche nach Einfühlungsvermögen und dem gemeinsamen Fluss aus gegenseitigem Geben sind. Es heißt also die Augen und Ohren offen halten, denn die nächste empathische Begegnung kommt bestimmt …

Sandra Tissot, Autorin von „Hochsensibilität und die berufliche Selbstständigkeit“