Autor: Rohleder

Bettina_Telfser_Hochsensiblepersonen

HSP – Mütter und Burnout

Als mein ältester Sohn auf die Welt kam, änderte sich mein selbstbestimmtes, eigenständiges und bedürfnisgerechtes Leben schlagartig. Ich hatte zu wenig Schlaf, musste ständig anwesend sein, war 24/7 angespannt und vergaß gänzlich auf mich. Ich war überzeugt davon, dass mein Sohn die Aufmerksamkeit, die er ständig von mir vehement einforderte – zumindest teilweise –  von Geschwistern einfordern würde und entschied mich nach knapp 20 und weiteren 21 Monaten für meinen jüngeren Sohn und meine Tochter. Doch ich irrte mich. Zusätzliche Belastungen, wie Hausbau, Berufstätigkeit  und keine ausreichende Kinderbetreuung haben mir stark zugesetzt.  Ich funktionierte nur noch – wie ein Roboter. Nach etwa 15 Jahren spielte mein Körper gänzlich verrückt, ich fühlte mich innerlich leer und emotionslos. Mein physischer und psychischer Ausnahmezustand (heute nennt man dies Erschöpfungssyndrom oder Burnout) zwangen mich zum Um- und Nachdenken …

………….darüber, welche Bedürfnisse ich eigentlich habe:

Ich wusste nicht einmal mehr, was ich brauchte, um zumindest gesund zu bleiben – geschweige denn, zufrieden und ausgeglichen zu sein. So entdeckte ich, dass ich in erster Linie Rückzugsmöglichkeiten,  sehr viel Ruhe und ungestörte (Aus-)Zeit für mich benötigen würde. Essentiell war und ist für mich ausreichender  Schlaf, um mich entsprechend  regenerieren zu können, ebenso wie Bewegung in der Natur und gesundes Essen.

………….darüber, was mir Energie gibt:

Ich wusste auch nicht mehr, was ich wirklich gern machte und was mir gut tun würde. So ging ich laufen (ich mag Laufen gar nicht, aber ich konnte in kurzer Zeit schnell und unkompliziert die für mich notwendige Sporteinheit absolvieren) und trainierte für Bewerbe (damit ich endlich irgendwo Erfolg hatte). Als der Leidensdruck schon sehr groß war, erinnerte ich mich an meine Kindheit und Jugend und daran, was ich in dieser Zeit gerne (und instinktiv das für mich Richtige) gemacht habe: in der Natur sein, Schitouren gehen und Bergsteigen, vor mich hinträumen, schreiben, Kleider nähen, Bücher lesen, Alleinsein….. Diese Erkenntnis brachte mich dazu, meine alten vergrabenen Interessen wieder zu aktivieren.

…….darüber, dass weniger mehr ist:

Mein Pflichtgefühl, meine Gewissenhaftigkeit und mein Verantwortungsgefühl für meine Kinder war enorm und setzten mich unter Druck. Ich musste meinen Kindern alles ermöglichen, um aus ihnen lebens-, leistungsfähige und soziale Menschen zu machen. Heute weiß ich, dass meine Kinder zwar viele Möglichkeiten ausprobieren und Erfahrungen sammeln konnten und in vielerlei Hinsicht auch geschult wurden, aber das für sie Wichtigste ist weitgehend auf der Strecke geblieben: ich konnte ihnen keine Herzenswärme und keine ungeteilte Aufmerksamkeit – vor allem hinsichtlich ihrer Gefühle – mehr geben, da ich diesbezüglich selbst „leer“ war. Heute weiß ich, dass alle Kinder groß werden und ihren Weg gehen – egal, ob sie mehrere Sportarten ausgeübt haben oder bei allen möglichen Veranstaltungen dabei waren.

…..darüber, wie ich meine Lebensenergie in Balance halten kann:

Ich war in den erwähnten 15 Jahren keine einzige Nacht ohne meine Kinder und wenn ich doch mal Tagesausflüge ohne sie machte (sie waren damals allerdings bereits mindestens 8 Jahre alt) dann auch nur mit einem schlechten Gewissen. Heute weiß ich, dass ich zumindest Kurzurlaube – besser wären längere Auszeiten (zB. Kur) gewesen – gebraucht hätte und Kinder und Haushalt und Haustiere endlich einmal hinter mir gelassen hätte. Dass wir Mütter uns das, was uns gut tut, wert sein sollten, hat also mit Selbstwert zu tun. Und daran arbeite ich heute immer noch.

Zusammenfassend die Überlebensstrategien für HSP-Mütter:

  • Achte auf deine Bedürfnisse, nimm sie wahr und artikuliere sie deinem Umfeld!Was brauche ich, um gesund zu sein und mich wohlzufühlen? Was tut mir gut? Was mache ich gerne (bzw. habe ich einmal gerne gemacht)?
  • Was bzw. wer nimmt mir Energie und gibt mir Energie? Schreibe diese auf und ergänze sie bei Bedarf!
  • Achte auf eine ausgewogene Energiebalance! Versuche die Energiefresser zu minimieren und die Energiegeber zu maximieren.
  • Weniger ist mehr!Weder hinsichtlich deiner Kinder, deines Ehemanns, deines Gartens, deiner Haustiere noch deines Berufs musst du perfekt sein und das Maximum herausholen. Vertraue auf den Fluss des Lebens, übe dich in Gelassenheit und in Minimalismus 😉
  • Nimm dir Auszeiten und die Ruhe, die du brauchst! Genieße sie in erster Linie alleine! Nur so gelingt es dir, ganz bei dir zu sein und ganz DU zu sein, da nur so garantiert ist, dass du weder Gefühle noch Gedanken von anderen (unbewusst) aufnehmen kannst.
  • Sei achtsam! Genieße den Moment mit all deinen –  ohnedies stark ausgeprägten – Sinnen und versuche das Denken, das Drumherum bzw. das Morgen weitgehend auszuschalten. Tägliche (kurze) ungestörte Meditationen können dabei helfen.
  • Sei dir regelmäßig und möglichst oft Wohlbefinden und alles, was dir gut tut, wert!Nur wenn es dir gut geht, kannst du dich für andere Menschen öffnen und auf sie eingehen. Darüber hinaus strahlst du Wohlbefinden und Zufriedenheit auch aus (steigert deine Schönheit 😉

Alles Gute für dich!

Mag. Dr. Bettina Telfser, www.bettinatelfser.at

Silvia_Christine_Strauch_Hochsensible_Personen2

Hochsensibel und gelassen durch den Tag

Je nach Temperament geht der Hochsensible unterschiedlich mit stressigen Situationen um. Im Allgemeinen fühlt sich eine hochsensible Person jedoch schnell angegriffen. Viele ziehen sich dann in sich zurück und werden als introvertiert wahrgenommen. Sie grübeln darüber nach was sie verkehrt gemacht haben. Egal was passiert, sie schlucken alles herunter und behalten es sozusagen in sich. Die extrovertierten Hochsensiblen wehren sich meist mit Worten, durchaus auch unsachlicher Natur und machen sich dann anschließend Vorwürfe. Sie grübeln nicht nur über die Worte des Anderen, sondern auch über ihre eigenen und beschäftigen sich ebenso lange mit dem Thema wie der introvertierte Hochsensible.

Zerbrich dir nicht über alles und jeden den Kopf

Hochsensible Menschen neigen zur Grübelei. Sie nehmen eine Fülle an Reizen auf und versuchen diese alle in ihr Denkschema einzuordnen. Dies setzt geradezu eine Gedankenkaskade in Gang. Die Gedanken verselbständigen sich und folgen keiner vernünftigen Rangordnung mehr. Wichtigkeit, Dringlichkeit, Prioritäten, das alles wird auf einmal aufgehoben und lässt sich schwer durchbrechen. Deshalb sollte man in ruhigen Momenten, wie bei einem Spaziergang, hergehen und sich vor Augen führen, dass jeder letztendlich selbst verantwortlich für sich ist. Ich bin weder für den anderen verantwortlich, noch kann oder sollte ich ihm eine Entscheidung abnehmen. Ich kann Impulse setzen aber nicht mehr. Ich brauche mir nicht den Kopf über andere zerbrechen, besser ist es mein Leben selbst in die Hand zu nehmen und mir zu überlegen, was mir wichtig ist und wie ich dies umsetzen kann.

Vergleiche dich nicht mit anderen und verurteile keinen

Gerade hochsensible Menschen fühlen sich sehr schnell angegriffen. Oftmals fühlen sich hochsensible Menschen durch Kleinigkeiten verletzt, die der andere überhaupt nicht so gemeint hat. Andere Menschen sind meist so mit sich selbst beschäftigt, dass sie einen gar nicht wirklich persönlich meinen. Versuchen sie sich einmal wie auf einer Bühne zu beobachten, um zuzusehen wie solch eine Situation abläuft. Aus diesem Abstand heraus werden sie feststellen, dass es meist nicht der Situation angemessen war, sich aufzuregen oder sich verletzt zu fühlen. Im Zweifelsfall, es gibt immerhin Fälle in denen die Klärung wichtig ist, fragen sie nach. Sagen sie dem anderen wie sie seine Worte verstanden haben und fragen nach, ob er es so gemeint hat. So manche Meinungsverschiedenheit löst sich dadurch in Luft auf. Auch der andere hat ein Recht auf seine Meinung, die durchaus unterschiedlich zu unserer sein kann. Man kann nicht wissen wie diese Meinung zustande gekommen ist und was dieser Mensch schon alles in seinem Leben durchgemacht hat.

Aus diesem Grunde sollte man sich auch nicht mit anderen vergleichen, kein Mensch ist wertvoller als der andere, jeder Mensch ist einzigartig. Es gibt auch keinen Grund jemanden zu verurteilen oder sein Verhalten zu bewerten. Wenn mir jemand die Vorfahrt genommen hat, dann kann dies eine gefährliche Situation ergeben und in diesem Moment steigt mein Adrenalinspiegel sicherlich. Ich kann und brauche auch nicht zu wissen, was den anderen zu diesem Verhalten getrieben hat, vielleicht hat er schlecht geschlafen, eine traurige Nachricht erhalten oder war aus einem anderen Grunde unvorsichtig. Statt mich darüber aufzuregen sollte ich mich darüber freuen, dass nichts passiert ist. Sollte einem dies an einem Tag häufiger passieren wird es allerdings schwieriger werden damit gelassen umzugehen. Ich denke, ich würde dann eine lange Pause einlegen bevor ich mich auf den Heimweg mache.

Lasse die Vergangenheit ruhen

Schließe Frieden mit deiner Vergangenheit und lasse sie nicht deine Gegenwart beeinträchtigen. Selbstverständlich sollte man aus vergangenen Dingen lernen, aber man sollte nicht darüber nachgrübeln. Der Gedanke: „was wäre wenn“ ist absolut kontraproduktiv.

Entspannungstechniken helfen den nötigen Abstand zu gewinnen und die Übung macht den Meister. Auf eine Gelegenheit Gelassenheit zu üben muss man im allgemeinen nicht lange warten. Und eine gelassene Haltung bringt dich dem Glück ein großes Stück näher, denn niemand ist für dein Glück verantwortlich außer du selbst, deshalb:

Lächle und sei freundlich und gelassen…

Silvia Christine Strauch, Buchautorin von „Meine Hochsensibilität positiv gelebt“

Thöse

Hochsensible Vielfühler – Hochsensible Menschen fühlen sich manchmal wie eine Schnecke ohne Haus

Von Alexandra Thoese

Durch die Vielzahl von Eindrücken und Gefühlen, verlieren wir manchmal den Zugang zu unserem Körper, der unser Zuhause ist. Dann fehlt uns unser eigener Schutzraum – unser Haus, welches wir auf dem Weg verloren zu haben scheinen. Durch die Fähigkeit der gesteigerten Wahrnehmung, nehmen wir eine Vielzahl an Informationen und Gefühlen auf, die nur verlangsamt verarbeitet werden können. Unser Filtersystem ist schneller überlastet und dadurch sind wir eher reizüberflutet, als andere Menschen.

Phasen der Regeneration, sind für hochsensible Menschen essentiell wichtig, Hierzu gehören ausreichend Schlaf, Essen, Ruhe, Bewegung, Still-Points und Momente des Innehaltens. Kurz zusammengefasst: Eine achtsame Selbstfürsorge

Gefühle sind unsere Freunde

Hinzu kommt, dass hochsensible Menschen Vielfühler sind. Emotionen werden als sehr tiefgehend und umfangreich wahrgenommen. Das Umfeld kann häufig nicht verstehen, was in einem hochsensiblen Menschen vorgeht. Verstärkt wird dies durch den Umstand, dass wir uns manchmal in unserer Intensität selbst nicht verstehen und es schwer fällt auszudrücken was wir gerade empfinden. Gefühle hallen wie Worte sehr lange in uns nach. Wenn es dir manchmal so geht, dass sie dich überrollen, habe ich folgende Ideen für dich:

Gefühle fühlend annehmen

Meine Erfahrung verdeutlicht mir, dass der Weg bewusst durch die Gefühle hindurch zu gehen, zu der gewünschten Annahme führt. Der erste Schritt ist: Erkenne an was ist. Der zweite Schritt lautet: Erlaube dir alles zu fühlen. Konkret heißt das: Wenn ich beispielsweise Angst verspüre, nehme ich mir die Zeit ganz dort hinein zu spüren. Meine natürliche Atmung unterstützt mich dabei. Der dritte Schritt lautet: Wo kann ich es im Körper spüren?

So komme ich wieder in den Kontakt mit meinem Körper und fühle mich nicht mehr „Lost in space“. Nimm dir hierfür unbedingt Zeit. Wenn es nicht sofort umsetzbar ist, dann triff zu einem späteren Zeitpunkt eine Verabredung mit dir selbst: „Heute Abend nehme ich mir die Zeit ganz hineinzuspüren.“

Erforsche deine Gefühle

Mir hilft es die Angst mittels Forscherfragen zu konkretisieren: Hat sie eine Farbe? Hat sie eine Form? Ist es eine Gestalt? Ist sie groß oder klein? Ist es etwas, was ich schon kenne oder ist es eine Angst vor etwas Unbekannten? Was hat diese Angst ausgelöst? Was möchte sie mir zeigen? Was brauche ich jetzt gerade?

Mein Gefühl kann sich so beruhigen, da ich meinen Verstand beobachtend mit hinzunehme. Ich hole damit die Angst auf eine andere Ebene, in der sie da ist, doch in der sie mir nicht mehr den Atem raubt. Hier kann ich schauen, was mein Bedürfnis hinter der Angst ist.

Gefühle sind Indikatoren für unerfüllte Bedürfnisse

Sie haben wichtige Botschaften für uns. Wenn wir uns Zeit nehmen und ihnen Raum geben, können wir herausfinden, was uns in der Situation fehlt. Das kann so etwas sein, wie Verständnis, eine Umarmung oder jemand der mir zuhört (ohne Ratschläge zu erteilen). Es hilft nicht, wenn uns jemand sagt: „Deine Angst ist unbegründet.“ Deine Gefühle haben immer eine Botschaft an dich. Erlaube dir hinzuhören, dann wirst du mehr und mehr dein Haus von innen heraus stärken.

Gib deiner Angst einen Namen

Das könnte etwas sein wie: „Ah, die Prüfungsangst.“ Dann kannst du in einen inneren Dialog mit ihr treten: „Danke, dass du dich mir zeigst. Was kann ich für dich tun?“ Sie wird dir vielleicht antworten: „Danke, dass du mich siehst. Ich wollte dich nur nochmal darauf hinweisen, dass es echt wichtig ist, das du während der Prüfung einfach weiter atmest“

Ich denke du verstehst wie ich es meine. Wenn wir in Kontakt gehen mit dem Gefühl, dann wird es gesehen und ernst genommen. Das ist wichtig für eine Transformation. Gefühle zeigen sich, weil sie gesehen werden wollen.

Gib der Angst eine Gestalt

In einem Buch las ich über eine Frau, die sich stellvertretend für ihre Angst ein Stofftier kaufte und es dann mitnahm, wenn sie es gerade brauchte. Das hat mich so fasziniert, dass ich es sofort umgesetzt habe. Mich unterstützt es tatsächlich und es gelingt mir dadurch leichter mit der Angst in Kontakt zu kommen. Manchmal führe ich dann einen inneren Dialog mit ihr, der so aussehen könnte: „Danke liebe Angst, ich sehe dich. Gut dass du da bist, doch ich probiere es jetzt mal etwas Neues aus. Ich nehme dich gerne mit, denn du bist ein Teil von mir. Beherrschen tust du mich nicht, doch ich nehme dich ernst.“

So oder ähnlich könnte ein Dialog mit deinem Gefühl aussehen. Das kann auch für Kinder eine wunderbare, spielerische Möglichkeit sein, um einen Umgang mit Gefühlen zu finden.

Alexandra Thoese, Geschichten über Gefühle hier klicken

Richrath

Hochsensibilität – wie stehen Sie zu Ihrem eigenen Körper?

Von Monika Richrath

Bei hochsensiblen Menschen kann schnell mal der Eindruck aufkommen, dass der eigene Körper eher Feind als Freund ist, aufgrund der ganz besonderen Bedürfnisse. Mir ist es jedenfalls so gegangen (und ich bin ganz sicher, dass ich damit nicht alleine stehe!).  Ständige Überreizung und daraus resultierende Erschöpfung, unerklärliche körperliche Symptome, die sich über Wochen hinziehen können, ohne dass je von Seiten der Schulmedizin dafür eine einleuchtende Erklärung gefunden werden könnte, chronische Schmerzen, Nervosität, Unruhe, Rastlosigkeit (besonders schlimm, wenn man gerade sehr erschöpft ist), Allergien, Nahrungsmittelunverträglichkeiten: Es gibt praktisch nichts, womit unser Körper uns nicht quälen könnte.

Ausgeliefert und getrennt

Als ich noch nichts von Hochsensibilität wusste und von diesen besonderen körperlichen Bedürfnissen, habe ich mich meinem Körper oft regelrecht ausgeliefert gefühlt, weil ich ihn nicht verstand und nicht wusste, was vor sich ging. Etwas war definitiv nicht in Ordnung (das konnte ich genau spüren), aber weder fand ich heraus, was, noch konnte ich jemanden finden, der meiner Meinung war geschweige denn versucht hätte, herauszufinden, was los war. Im Zuge der Erforschung meiner eigenen Hochsensibilität ist mir recht schnell klargeworden, dass eine der wirklich großen Schwierigkeiten hochsensibler Menschen ist, dass viele völlig von ihrem Körper getrennt sind und hauptsächlich im Kopf leben.

Überbewertung des Verstandes

Das führt nicht nur dazu, dass der Verstand, und alles, was sich im Kopf abspielt, vollkommen überbewertet wird, sondern auch dazu, dass die körperlichen Bedürfnisse häufig auf geradezu sträfliche Weise vernachlässigt werden. Dies geht aber nur eine gewisse Zeitlang gut – spätestens im Burnout wird klar, dass es so nicht funktioniert.

Freundschaft schließen mit Ihrem hochsensiblen Körper

Um Hochsensibilität gut leben zu können, brauchen hochsensible Menschen dringend und unbedingt eine gute Verbindung zu ihrem Körper. Wenn Sie das schaffen, dann haben Sie einen ganz riesigen Schritt nach vorne gemacht. Deswegen habe ich hier eine 5-Schritte-Anleitung für Sie erstellt:

  1. Akzeptieren Sie die besonderen Bedürfnisse Ihres hochsensiblen Körpers

Das mag jetzt sehr einfach klingen, ist es aber nicht. Es bedeutet, dass Sie aufhören müssen, sich mit anderen Menschen zu messen, ihrer Arbeitsweise, ihrer Leistungsfähigkeit, ihrer Umgebung. Akzeptieren Sie, dass Sie mehr Pausen brauchen, mehr (und besseres) Essen, mehr Schlaf, mehr Natur, mehr Entspannung …

  1. Stellen Sie sich Ihren Körper als ein Baby oder Kleinkind vor, das gehätschelt werden muss

Vielleicht haben Sie schon von der Arbeit mit inneren Anteilen gehört. Dies bedeutet nichts anderes, als dass man verschiedene Persönlichkeitsanteile zu verschiedenen inneren Personen macht. Am erfolgreichsten ist es, wenn Sie den verschiedenen Anteilen Namen geben, das können Sie auch mit Ihrem Körper machen. Gewöhnen Sie sich an, mit Ihrem Körper zu sprechen, bzw. in einen Dialog zu treten.

  1. Hören Sie auf Ihren Körper

Halten Sie immer wieder mal ein im Laufe des Tages und fragen Sie Ihren Körper, wie es ihm geht. Was braucht er jetzt, um sich wohlzufühlen? Manchmal reicht schon eine Runde um den Block, die Hände ein paar Minuten auf die Augen zu legen, ein heißes Bad, eine Kleinigkeit zu essen, oder zu klopfen …

  1. Bewegen Sie sich regelmäßig

Das ist ebenso wichtig. Am besten täglich. Was und wie Sie es machen, ist eigentlich egal, nur dass Sie es tun, ist wichtig. Es ist besonders wichtig, wenn Sie unter Fibromyalgie leiden oder anderen chronischen Schmerzen. In dieser Situation ist man häufig geneigt, Bewegung einzuschränken, das ist aber grundfalsch. Ich mache jetzt morgens Nordic Walking, habe aber auch schon über Jahre hinweg Gymnastik gemacht. Was wirklich ganz toll ist und ein Minimaltipp (den Sie sogar hinkriegen können, wenn Sie Kinder haben): Tanzen Sie morgens auf Ihr Lieblingstanzlied. Das reicht.

Die Bewegung des Laufens wirkt übrigens entgiftend. Daher ist Duschen oder Waschen hinterher sehr sinnvoll. Und das Tüpfelchen auf dem i ist es, wenn Sie hinterher keine Lotion verwenden (die verstopft die Poren), sondern nur ein gutes Körperöl. Für mich fühlt sich das so an, als hätte ich ein Ganzkörper-Sinnesorgan … herrlich …

  1. Genießen Sie die Zusammenarbeit mit Ihrem Körper

Es wird ein bisschen dauern (aller Anfang ist schwer), aber wenn Sie es schaffen, das eine Weile durchzuziehen, werden Sie eines Morgens aufwachen und merken, dass Sie sich auf Ihre körperliche Aktivität freuen und dass diese Freude im ganzen Körper ist, dass auch der Körper sich freut. Das ist ein wundervoller Moment! Wenn Sie dabeibleiben, werden Sie merken, dass sich insgesamt Ihr Wohlgefühl verbessert, die Bewegung gibt Ihnen Energie, Prozesse im Körper, die vorher schwierig waren, gehen möglicherweise leichter vonstatten (z. B. Schwierigkeiten bei der Verdauung).

Sie werden außerdem merken, dass Ihr Körper dieses Zugeständnis an sein Bedürfnis nach Bewegung honoriert (denn menschliche Körper sind genetisch auf Bewegung ausgelegt). Das klappt aber natürlich nur, wenn Sie wirklich Ihrem täglichen Bedürfnis nach Bewegung nachgeben. Sie sind nun besser mit Ihrem Körper verbunden und bekommen schnellere Rückmeldungen für Dinge die gehen oder auch nicht. Das finde ich äußerst wertvoll und wunderbar. Es versteht sich von selbst, dass Sie dann aufhören, mit und über Ihren Körper zu schimpfen, das bringt mehr Selbstliebe und -akzeptanz in Ihr Leben.

Besonders toll ist es natürlich, wenn Sie die Klopfakupressur (EFT Klopftechnik) anwenden, um mit Körperarbeit Prozesse im Kopf zu bearbeiten, Blockaden und stressauslösende Glaubenssätze aufzulösen oder schwierige Situationen zu verändern. Der Körper machts – das bringt 1000 Mal mehr als über etwas nachzudenken – probieren Sie es aus!

Leichte Bewegung ist äußerst wohltuend

Das merke ich selbst immer wieder. Ich hätte selbst niemals damit gerechnet, dass ich von 5-10 Minuten Nordic Walking täglich auf 30 Minuten kommen könnte – und das ist erst der Anfang!

Sportlicher Ehrgeiz geht mir eigentlich vollkommen ab, aber ich bewege mich gerne. Es hat daher eine Weile gebraucht, bis ich herausgefunden habe, dass Schwimmen und Nordic Walking für mich die perfekten Sportarten sind. Vor einer Weile habe ich mir dann mal einen 10-Wochen-Plan erstellt, ausgehend von meinem damals minimalen Leistungsvermögen von 5 Minuten täglich. Mehr habe ich mir nicht zugetraut. Am Ende der 10 Wochen stehen 5 Km am Tag. Bis jetzt bin ich noch gar nicht dort angekommen, denn es passiert immer wieder, dass ich den Plan aufgrund unvorhergesehener Ereignisse (wie z. B. den Tod meiner Mutter), aussetzen muss. Ich fange aber immer wieder neu an, diesmal aber bei 15 oder 20 Minuten. Ich bin ganz zuversichtlich, dass ich es bis zum Ende schaffen werde. Insgeheim denke ich ja auch schon über die 5 km täglich hinaus …

Wie sieht es mit Ihnen aus? Arbeiten Sie mit Ihrem Körper zusammen? Welche Erfahrungen haben Sie dabei gemacht? Ich freue mich über Ihre Kommentare.

Monika Richrath, Autorin von „EFT-Klopftechnik für Hochsensible“

Strauch

Hochsensibilität durch Selbstmanagement positiv bewältigen

Als hochsensibler Mensch ist man einer Fülle von inneren und äußeren Reizen ausgesetzt, die es gilt zu verarbeiten. Nachdem unser Nervensystem mehr Reize durchlässt als bei den meisten anderen Menschen, fällt es oftmals nicht leicht zwischen wichtigen und unwichtigen Dingen zu unterscheiden. Somit empfindet man ein Übermaß an Eindrücken, fühlt sich schnell überreizt und überlastet und hat oftmals das Gefühl die eigentlich wichtigen Dinge nicht erledigen zu können.

Pausen einplanen, Powernap praktizieren

Um das Nervensystem zu entlasten ist es wichtig immer wieder Pausen einzuplanen und diese auch einzuhalten. Selbst wenige Minuten reichen schon aus um Luft holen zu können und je mehr Übung man hat, desto schneller schafft man es sich zu entspannen. Früher Mittagsschläfchen genannt ist das Powernapping oder Powernap heutzutage selbst unter Managern beliebt. Es dreht sich um eine Art Turboschlaf, am besten anzuwenden am frühen Nachmittag, wenn sich der Biorhythmus sowieso auf einem Tiefpunkt befindet. Aber auch zu einem anderen Zeitpunkt leistet er gute Dienste. Dieser kurze Schlaf lädt Körper und Geist mit neuer Kraft auf und die Gedanken kommen zur Ruhe. Zur Übung beginnen sie mit dem Kurzschlaf am besten an einem Wochenende oder im Urlaub. Achten sie darauf, dass sie nicht länger als 20 bis maximal 30 Minuten schlafen, danach beginnt die Tiefschlafphase. Lassen sie aufkommende Gedanken wie Wolken an Ihnen vorüberziehen. Ärgern Sie sich nicht darüber, sondern lassen Sie diese einfach los. Powernapping wirkt ähnlich wie eine Meditation oder autogenes Training, mit etwas Übung schalten Sie schnell ab und der Körper beginnt sich in Windeseile zu regenerieren. Haben Sie keine Möglichkeit einen Powernap zu praktizieren, so können Sie auch spazieren gehen, jede Minute entspannt. Auch hier gilt, sind sie geübt in einer Meditationstechnik, so können Sie bedeutend schneller abschalten und jede Sekunde zur Regeneration von Körper und Geist nutzen.

Keine Zeit für Pausen und Entspannung?

Dies hört man von vielen Menschen, die weder Powernap noch Entspannungstechniken praktizieren. Gerade hochsensible Menschen, die sich so schnell überreizt und überlastet fühlen, meinen sich einfach nicht die Zeit für solche Übungen freischaufeln zu können. Aber das Gegenteil ist der Fall. Dadurch, dass Körper und Geist ausgeruht und fit sind und nicht überreizt und chaotisch vor sich hinarbeiten, ist der entspannte Mensch in der Lage viel effizienter seiner Tätigkeit nachzugehen. Gleichgültig ob es sich um Arbeit oder um Freizeit, vielleicht auch Sport handelt. Ist man entspannt, fällt es leichter klar zu denken, zu fühlen und zu handeln und somit kommt auch schneller ein klares Ergebnis zustande.

Wichtiges vom Unwichtigen unterscheiden lernen

Zeitdruck wird meist dadurch verursacht, dass man zu viel Zeit für unwichtige Dinge vergeudet. Man muss zwischen wichtig und unwichtig, aber auch zwischen wichtigen und dringenden Dingen unterscheiden lernen. Das heißt man muss lernen Prioritäten zu setzen. Die höchste Priorität besitzen Aufgaben, die wichtig und dringend sind, also Sachen, die mich meinem Ziel näherbringen und sofort erledigt werden sollten. Als nächstes kommen Aufgaben, die wichtig aber nicht dringend sind.  Auch das Delegieren will gelernt sein, nicht nur im Beruf, sondern auch im Privatleben. Man muss nicht immer alles selbst machen.

Das richtige Zeitmanagement

Um eine Prioritätenliste in ein vernünftiges Zeitmanagement umzusetzen müssen wir den jeweiligen Zeitaufwand der Aufgaben kennen. Achten Sie darauf, dass Sie konzentriert arbeiten und sich nicht ablenken lassen und vermerken Sie sich den jeweiligen Zeitaufwand. So sind Sie schnell in der Lage einen Tagesplan zu erstellen, der auch die notwendigen Pausen enthält und an den Sie sich halten sollten. Aufgaben niedriger Priorität, die Sie an dem entsprechenden Tag nicht mehr unterbringen, sollten Sie auf einen anderen Tag verlegen. Müssen Sie solche Aufgaben mehrmals verlegen, stellen Sie unter Umständen fest, dass Sie diese auch fallenlassen können. Sollten Sie durch Ihr zielgerechtes Zeitmanagement unerwartete Freizeit haben, dann nutzen Sie diese auch als solche!

Fit und fröhlich durch den Tag

Wie immer macht auch hier die Übung den Meister. Durch Entspannungstechniken können Sie sich flugs regenerieren und fühlen sich nicht mehr so schnell überreizt. Durch das entsprechende Selbstmanagement erledigen Sie die anstehenden Sachen schnell und gut und fühlen sich dadurch positiv bestätigt. Und genau dies ist der große Ansporn auf diesem Weg weiterzumachen. Am Anfang noch mit einiger Überlegung wie dies alles zu bewerkstelligen ist, aber mit fortschreitender Übung wird sich diese Methode verselbständigen und Sie gehen leicht und locker, fit und fröhlich durch den Tag.

Silvia Christine Strauch, Buchautorin von „Meine Hochsensibilität positiv gelebt“

Sandra_Tissot_Hochsensible_Personen

Hochsensibilität: SOS-Tipps für den Notfall

Hochsensible kennen die klassischen Notfallsituationen, in denen plötzlich einfach alles zu viel wird. Zu laut, zu voll, zu stressig, zu intensiv, zu konfliktreich … ein „Notfall“ kann in ganz unterschiedlichen Alltagssituationen auftreten im Büro, auf Veranstaltungen, in überfüllten Räumen, in privaten Konfliktgesprächen … Häufig äußert sich dieser „Notfall“ mit klassischen Fluchtgedanken und dem wachsenden Bedürfnis nach dem Alleinsein bzw. nach Ruhe. Empfindsame Menschen, die noch nichts bzw. noch wenig über ihre hochsensiblen Eigenschaften wissen, sind schnell vollkommen überfordert. Doch was hilft, wenn der Notfall eintritt? Der folgende Notfallplan für Hochsensible hilft Dir dabei, schneller wieder zu entspannen und zu Dir selbst zu finden.

1. Grundregel: es geht nicht um Leben und Tod!
In stressigen Situationen werden bei Hochsensiblen bereits frühzeitig Urinstinkte geweckt. In Momenten, über die Normalsensible lachen können, bricht für Hochsensible oft schon eine Welt zusammen. Der Körper geht auf Abwehrhaltung und schaltet auf „Überlebensmodus“. Auch wenn es in der Notfallsituation schwer fällt, führe Dir bewusst vor Augen, dass es gerade nicht um Leben und Tod geht.

2. Beruhigende Herzatmung
Dazu reicht es aus, wenn Du in einem „Notfall“ Deine Hand auf Dein Herz legst und gleichmäßig durch den Herzbereich atmest. Stell Dir einfach vor, Dein Atem fließt direkt durch Dein Herz. Deine Atmung sollte dabei tief und weich sein. Visualisiere vor Deinem geistigen Auge einen entspannenden Moment, in dem Du Dich wohlfühlen kannst (Blick aufs Meer, starke Bäume eines Waldes …) Die Herzatmung sorgt nicht nur für Beruhigung, sondern intensiviert den Kontakt zu Deiner eigenen Intuition.

3. Achtsamkeitsübungen für den Alltag
Du empfindest gerade Stress und Überforderung, hast Sorgen und Zukunftsängste? Die meisten Ängste werden in der Regel durch zu viele negative Gedanken ausgelöst. Hole Dich selbst in den gegenwärtigen Moment zurück, wenn nötig hartnäckig immer wieder. Fragestellungen wie: „Habe ich gerade jetzt im Augenblick ein Problem?“, „Was steht konkret an?“ können helfen Deinen Körper und Deine Sinne wieder zu zentrieren. Achtsamkeitsübungen für den Alltag https://www.youtube.com/watch?v=Jw5Xn5aPKQY sind einfach anzuwenden und wirkungsvoll.

4. Mentales Schutzschild einsetzen
Hochsensiblen fällt es besonders schwer, mit verbalen Angriffen, Kränkungen oder anmaßendem Verhalten umzugehen. Ein mentales Schutzschild hilft Dir dabei, im Notfall die Ruhe und Distanz zu wahren. Stell Dir dazu vor, dass Du ein Schutzschild mit Dir führst, oder einen schützenden Mantel oder ein wärmendes Licht (Deiner Fantasie sind keine Grenzen gesetzt), dass Dich vor Verletzungen bewahrt. Jedes Mal, wenn Du Dich angegriffen fühlst, sorgt das mentale Schutzschild dafür, dass Du Negatives nicht zu nah an Dich ranlässt. Das mentale Schutzschild bedarf etwas Übung, aber kann in beliebigen Notfallsituationen zum Einsatz kommen.

5. Endlosschleifen erkennen und loslassen
Befindest Du Dich mal wieder in einer Endlosschleife an Gedanken, die sich einfach nicht verdrängen lassen. Umso mehr Du versuchst sie zu stoppen, umso hartnäckiger dreht sich das Gedankenkarussell? Im Yoga und in der Meditation gibt es Übungen zu „Gedankenpausen“. Beobachte Dich dazu selbst und stell Dir vor, Du bist ein unbeteiligter Dritter. Welcher Gedanke  wird wohl der nächste sein, der durch Deinen Kopf geht? Beobachte Dich und bleib erwartungsvoll. Den nächsten Gedanken, den Du hast, beobachtest Du nur und lässt ihn wieder ziehen. Wenn Du das eine Zeitlang übst, wirst Du bemerken, dass sich wohltuende Gedankenpausen einstellen und dich Deine Gedanken wieder in andere Richtungen bewegen.

6. Selbsthumor entwickeln
Wenn Du bemerkst, dass Du Dich in einer „Notfallsituation“ befindest, hilft es, wenn Du Dir selbst mit einem Schmunzeln begegnest. Gedanken wie: „Mein(e) Liebe(r), ja Du bist gerade dabei innerlich durchzudrehen, aber mal ehrlich, wenn du jetzt panisch auf- und niederspringst, Dich unter dem Tisch versteckst oder aus dem Raum rennst, trägt das nicht gerade zu deiner Beruhigung bei. Ganz zu schweigen davon, dass es im Umfeld Verwirrung stiften könnte.“ Mit etwas Übung gelingt es Dir, Notfälle nicht nur rechtzeitig zu erkennen, sondern alles nicht zu ernst zu nehmen und auch einmal über Dich selbst zu lachen.

Sandra Tissot, Autorin von „Hochsensibilität und die berufliche Selbstständigkeit“

Hochsensibilität – 10 Tipps, die Dich im Alltag vor Reizüberflutung schützen

Du bist nicht nur in der Lage, Geräusche, Gerüche, Licht etc., sondern auch Menschen in Deinem Umfeld besonders gut wahrzunehmen und erfasst ihre Gedanken, Emotionen und kannst Stimmungen detailliert erkennen. Kommen in Büro-Meetings, auf Veranstaltungen oder bei privaten Treffen mit Freunden laute Geräusche, Gerüche und ganz unterschiedliche Menschen und damit verbundene Befindlichkeiten, Ansichten und Emotionen zusammen – wird schnell alles zu viel. Dann beginnt sich plötzlich Dein Kopf zu drehen, der Lärmpegel wird unerträglich, Gedanken verschwimmen und Du hast große Lust der Situation einfach zu entfliehen. Folgende Tipp helfen Dir dabei, Dich im Alltag besser vor Reizüberflutung zu schützen.

1. Setze auf bewusste Atempausen
„Hol mal tief Luft“ ist nicht nur eine Floskel, sondern kann Dir im Alltag wirklich dabei helfen, Dich vor Reizüberflutung zu schützen. Für das bewusste Atmen kannst Du Dir täglich ein paar kleine Pausen gönnen, in denen Du beispielsweise die vollständige Yogaatmung nutzt. Hier findest Du ein tolles Video https://www.youtube.com/watch?v=kyvaRPM4ysA mit Anleitung. In Stresssituationen können Dich kleine Mini-Atemübungen wieder ruhiger machen. Konzentriere Dich hierfür kurz nur auf Deine Atmung und atme dreimal hintereinander tief ein und aus.

2. Visualisiere Situationen bereits im Voraus
Neue und ungewohnte Situationen sorgen bei Hochsensiblen schnell in Stress. Die Präsentation einer Idee vor Kollegen oder gar eine Rede vor einer größeren Anzahl von Zuhörern versetzen unseren Körper in höchste Alarmbereitschaft. Hier kann die Visualisierung von bestimmten Situationen im Voraus helfen. Du weißt wo Du Deine Präsentation oder Rede halten wirst? Besuche die Räumlichkeiten bereits vorab, stelle Dir vor, wo die Zuhörer sitzen werden ggf. kannst Du Deine Worte bereits einmal im leeren Raum an ein „imaginären Publikum“ richten. Das macht Dich mit der Situation vertraut und kann Dir dabei helfen, Deine Energien zu kanalisieren.

3. Plane Auszeiten ein
Tagsüber im Büro arbeiten, Mittagspause ausfallen lassen und abends noch voll motiviert mit Freunden treffen? Was vielleicht für Normalsensible völlig selbstverständlich klingt, ist für Hochsensible fast unmöglich. Wir benötigen regelmäßige Auszeiten und Pufferzeiten, um uns entspannen zu können. Wenn Du Dir täglich Deine kleinen Freiräume sicherst, wirst Du schnell bemerken, dass Du tagsüber auf Arbeit konzentriert mit mehreren Menschen arbeiten kannst und immer mal wieder am Abend sogar noch die Kraft hast, Dich mit Freunden zu treffen.

4. Hör auf Dich mit anderen zu vergleichen
Dein Kollege schafft scheinbar viel mehr Arbeit als Du? Deine Freunde haben überhaupt kein Problem mit Lärm und Dich machen schon Geräusche, wie das leise Telefonat Deines Mitarbeiters oder gedämpfte Gespräche aus Nachbarwohnung verrückt? Deine Hochsensibilität wird Dich alles immer intensiver wahrnehmen lassen. Der Vergleich mit anderen Menschen hilft Dir hier nicht weiter. So simpel wie es klingen mag, mache Deinen Frieden damit.

5. Schwimme nicht mit dem Mainstream
Hier mal ein paar Beispiele: Der klassische Deutsche plant Urlaubsreisen oft schon Monate im Voraus und Dir ist schon der Gedanke daran unerträglich? Viele Menschen sehen Statussymbole wie Autos, Häuser etc. als Zeichen für Erfolg, Dir sind die Verpflichtung und der Materialismus zu viel? Eltern in Deinem Umfeld unternehmen täglich mit ihren Kindern Ausflüge auf den Spielplatz, in den Freizeitpark u. v. m. und Du bist froh, wenn Du mal einen ruhigen Nachmittag mit Deinem Kind verbringen kannst? Erlaube Dir zu sein, wie Du bist und passe Deinen Alltag ein Stück weit mehr Deinen hochsensiblen Bedürfnissen an. Am Leben teilzunehmen heißt nicht immer, alles so zu machen, wie es andere Menschen tun

6. Lebe im „Hier und Jetzt“
Wir neigen dazu uns mit Gedanken und Situationen aus der Vergangenheit zu quälen und uns beispielsweise Gesprächsinhalte immer wieder ins Gedächtnis zu rufen. Wie könnte der andere das Gesagte gemeint haben etc.? Das andere Extrem sind Gedanken an die Zukunft, oft gepaart mit Ängsten. Dabei vergessen wir im Augenblick zu leben. Halte Dir bewusst vor Augen, was das „Hier und Jetzt“ gerade schön macht. Scheint gerade die Sonne durchs Fenster, hast Du gerade ein tiefgründiges Gespräch geführt, hat Dich Dein Mann soeben liebevoll angelacht? Es sind die kleinen Momente die unser Leben gerade in diesem Augenblick bereichern.

7. Vergiss Perfektionismus
Du willst immer alles besonders gut machen – ganz gleich, ob es um die Arbeit für Deinen Kunden geht oder um das Zusammenleben mit Familie und Freunden. Das Tragische daran ist, es wird Dir nie gelingen. Egal wie gut und perfekt Du Deine Arbeit auch machst, es wird immer jemanden geben, der an irgendeiner Stelle damit nicht zufrieden ist. Das heißt nicht, dass Du ab jetzt nachlässig werden sollst, nur das Du Dir vor Augen führst, dass es nichts gibt, was wirklich perfekt ist.

8. Genieße das Alleinsein, ohne einsam zu sein
Viele Menschen können Alleinsein und Einsamkeit nicht voneinander unterscheiden, für uns Hochsensible ist diese Unterscheidung nahezu überlebenswichtig. Wir benötigen Zeit nur ganz für uns allein, um uns zu erholen und unser Innerstes wieder von den täglichen Reizen der Außenwelt zu neutralisieren. Das Alleinsein gibt uns neue Energie und hat nichts mit Abschottung oder gar Einsamkeit zu tun.

9. Kommuniziere offen und ehrlich
Selbst sehr empathische Menschen in Deinem Umfeld sind nicht immer in der Lage, Deine aktuelle Gefühlslage zu erkennen oder Situationen richtig einzuschätzen. Stell Dir folgende banale Situation vor: Du bist auf eine Party bei Freunden, die Musik ist bis zum Anschlag aufgedreht und Dein Gegenüber versucht Dich gerade in ein sehr persönliches Gespräch zu verwickeln. Du kannst das instinktiv spüren, aber der Lärm im Hintergrund treibt Dich so in den Wahnsinn, dass Du schon zu Beginn des Gesprächs nicht mehr aufnahmefähig bist. Anstatt die Situation „durchzustehen“ und am Ende Gefahr zu laufen nur mit halben Ohr hinzuhören, kommuniziere lieber offen und ehrlich, dass es gerade viel zu laut ist und schlage ggf. vor kurz nach draußen zu gehen, die Musik etwas leiser zu drehen.

10. Höre auf Deine innere Stimme
Wenn nicht Du, wer dann? Egal wie Du es auch nennen magst, Bauchgefühl, innere Stimme, höheres Ich – Du hast die Fähigkeit und das ist Dir im Grunde auch längst bewusst. Nutze diese innere Stimme und sie bewahrt Dich oft nicht nur vor Reizüberflutung, sondern öffnet Dir neue Türen.

Sandra Tissot, Autorin von „Hochsensibilität und die berufliche Selbstständigkeit“

Das Wunder des Waldes

Die entspannungsfördernden Aspekte des Waldes für Menschen sind durch zahlreiche Studien belegt. Dies hat sehr viel mit Evolution zu tun, in deren Lauf Menschen gelernt haben, den Nutzen der Natur für sich zu schätzen. Bäume bieten z.B. Schutz, Früchte Nahrung. Viele Pflanzenteile sind essbar oder anderweitig verwendbar. Gewässer bieten Trinkwasser und Fische. Es gibt sogar Studien, die belegen, dass der Aufenthalt in der Natur hilft, uns zu regenerieren, uns von sog. „gerichteter Aufmerksamkeit“, die wir im Alltag, in der Schule und im Beruf, aufbringen müssen, zu erholen.

Das Wunder der Natur

Die Natur ist noch aus einem anderen Grunde sehr gut geeignet zur Entspannung und Erholung. Alle Sinne werden dort gefordert, es gibt viel zu sehen, fühlen, hören. Zwangsläufig hören wir auf uns mit uns selbst zu beschäftigen, unsere Aufmerksamkeit wird von selbst nach außen gelenkt. In der Natur können wir immer wieder das Wunder der Welt, das Wunder des Lebens bestaunen, die Perfektion der Schöpfung. Unsere Gedanken verbinden sich mit dem, was wir in der Natur vorfinden, Dinge, die wir sehen helfen dabei, unser Leben zu versinnbildlichen und darüber nachzudenken. In der Natur erfahren wir den Artenreichtum und die Vielfalt als Gewinn, im Gegensatz zu unserem technisierten Alltagsleben.

In der Natur gibt es keine Bewertung

Ebenfalls sehr wichtig für die Entspannung in der Natur: hier sind wir nicht in unserer gewohnten Alltagsumgebung, mit seinen üblichen Anforderungen, hier können uns verbinden mit dem Großen Ganzen, müssen keine Rolle spielen, sondern dürfen einfach sein. Denn in der Natur entfällt jede Form von Bewertung, denn die vorhandenen Lebensformen bewerten uns nicht. Darum dürfen wir einfach so sein, wie wir sind. Hier sind wir einfach eine Kreatur unter Kreaturen.

Auszeiten in der Natur nehmen

Auch das sollte ein Grund sein für hochsensible Menschen, möglichst häufig Auszeiten in der Natur zu nehmen. Ich habe in dem Buch „Der Biophilia-Effekt“ den Begriff „Being away“ gefunden, der mir unglaublich gut gefallen hat. Da viele HSP oft von Kindesbeinen an die Erfahrung machen, dass sie irgendwie anders sind als die anderen, glauben oder glaubten wir häufig, nicht in Ordnung zu sein oder nicht liebenswert. Ein Aufenthalt in der Natur kann auf jeden Fall dazu beitragen, dass wir uns besser fühlen. Es gibt übrigens hierzu eine äußerst interessante Studie von Angela Meyer von der Universität Montana, die gerade diesen besonderen Naturaspekt mit einer Gruppe lesbischer, bisexueller oder transsexueller Frauen testete, die im Alltag vielfach unter Bewertungen ihrer sexuellen Orientierung zu leiden hatten und den Aufenthalt in der Natur sehr heilsam und wohltuend erlebten.

„Baum-Patienten“ und „Hausmauer-Patienten“

Schon 1972 begann Professor Roger Ulrich eine Studie, die sich über neun Jahre erstreckte. In dieser Studie untersuchte er die Genesung von Patienten im Krankenhaus, die entweder aus dem Fenster des Krankenhauszimmers einen Baum oder eine Hauswand sehen konnten. Dabei stellte sich heraus, dass die „Baum-Patienten“ schneller genasen, weniger Schmerzmittel benötigten und weniger mit postoperativen Komplikationen zu tun hatten als die „Hausmauer-Patienten.“ Ulrich führte noch andere Studien durch, in denen er beweisen konnte: Selbst eine Naturerfahrung die mittelbar erfolgte über Filme, Fotos oder Tonband wirkt sich heilend aus und kann z.B. Schmerzen verringern. Selbst eine Pflanze im Krankenzimmer kann bereits etwas bewirken.

Forest Medicine

Auch japanischen Wissenschaftlern, die die Wirkung der Waldatmosphäre auf gestresste Menschen untersucht haben, verdanken wir interessante Einsichten. Dabei kam heraus, dass bei Männern der Adrenalingehalt im Urin nach einem eintägigen Aufenthalt im Wald um 30 % sank, bei Frauen sogar um mehr als die Hälfte. Nach einem zweiten Tag im Wald sank er bei den Männern um 35 % und bei Frauen betrug er nur noch ein Viertel des Originalgehalts. Seit 2012 gibt es sogar einen eigenen Forschungszweig an Universitäten: die Waldmedizin  oder sog. „Forest Medicine“.

Bioaktive Stoffe

Der beste Waldeffekt: Im Wald atmen wir bioaktive Stoffe ein, die von den Pflanzen abgegeben werden. Dazu gehören auch sog. Terpene, die von uns hauptsächlich über die Haut und die Lungen aufgenommen werden. Einige dieser Terpene reagieren mit unserem Immunsystem, für sie wurde eine anti-kanzerogene und stärkende Wirkung auf unser Immunsystem nachgewiesen. Alleine ein ausgedehnter Spaziergang durch den Wald sorgt dafür, dass die Aktivität Ihrer Killerzellen für ca. 7 Tage erhöht wird. „Shinrinyoku“ bzw. „Waldbaden“ ist in Japan heute eine anerkannte Stressbewältigungsmethode, die dazu noch öffentlich gefördert wird. Dabei ist es gar nicht notwendig, sich besonders anzustrengen. Es geht einzig und allein darum, sich in der Natur aufzuhalten, die gesundheitsfördernde Wirkung mit allen Sinnen zu genießen.

Da kann man natürlich noch eins draufsetzen, z.B. indem wir Verbindung aufnehmen mit den Tieren in der Natur. Die Autorin Ulrike Fokken schlägt vor, sich einfach eine Viertelstunde ganz still irgendwo hinzusetzen und nichts zu tun. Dann beginnen die Tiere sehr schnell, uns als Teil der Natur zu sehen und verlieren ihre Scheu näher zu kommen. Damit habe ich schon schöne Erfahrungen gemacht. Probieren Sie es einfach einmal aus.

Was mich selbst angeht, so wächst mein Wunsch nach Wald immer weiter. Ich brauche noch mehr Wald. In mir ist der Wunsch aufgekeimt, den Wald künftig auch direkt von meiner Wohnung oder meinem Haus aus zu sehen …

In diesem Zusammenhang ist natürlich auch spannend, wie Ihre Wald-Erfahrungen aussehen? Ich freue mich, wenn Sie Ihre Erfahrungen mit uns teilen.

Monika Richrath, Autorin von „EFT-Klopftechnik für Hochsensible“

Hochsensibilität und wie ein zweiter Blick auf Menschen unser Leben bereichert

Als Hochsensible besitzen wir besonders feine Antennen, auf die die meisten von uns auch insgeheim stolz sind, denn sie befähigen uns Menschen und Situationen schnell einschätzen zu können. Im Alltag sind allerdings auch wir nicht davor geschützt, dass wir Menschen die die täglichen „Statistenrollen“ in unserem Leben einnehmen: die Kollegin aus einer anderen Abteilung, der Verkäufer im Supermarkt, der Briefträger, die Mama aus dem Kindergarten … nur recht oberflächlich betrachten und nicht näher an uns heranlassen. Denn meist machen wir uns schnell ein erstes Bild. Ist unsere Hochsensibilität dabei manchmal hinderlich? Stehen wir uns aufgrund unseres introvertierten Wesens und einer gewissen Voreingenommenheit (schließlich erfassen wir unser Umfeld schnell und nehmen Situationen intensiv wahr) manchmal selbst im Weg?

Stellen Sie sich einmal folgende Situation vor. Zwei Frauen, die eine hochsensibel (nennen wir sie Mona), die andere sehr empathisch (Lisa) begegnen sich jeden Tag in einer wiederkehrenden Alltagssituation. Beide grüßen sich freundlich, da sie Kinder im gleichen Alter haben und jede geht ihrer Wege. Das ein oder andere Mal schaffen sie es sogar ein paar Worte zu wechseln und sich kurz über die beruflichen Tätigkeiten auszutauschen. Mona ist seit Jahren selbstständig, Lisa arbeitet in einer Festanstellung in Teilzeit. Ihre Lebensinhalte liegen, abgesehen von den Kindern, scheinbar meilenweit auseinander. Floskeln werden ausgetauscht, aber alles bleibt an der Oberfläche. Nicht zuletzt darin begründet, dass die hochsensible Mona zwar ihre Umgebung und die Menschen darin blitzschnell erfasst, aber dadurch auch dazu neigt, sich vorschnell ein Urteil zu bilden. Für sie ist Lisa eine nette Mama, aber das war es dann auch schon. Sie setzt sich nicht weiter mit ihr auseinander und für sie nimmt Lisa eine tägliche „Statistenrolle“ ein. Ein Mensch, dem sie immer wieder über den Weg läuft, weil sich ihre Wege eben an einer winzigen Schnittmenge kreuzen. Die Zeit vergeht.

Hochsensible brauchen manchmal einen Schubs in die richtige Richtung …

Eines Tages fasst sich die empathische Lisa ein Herz und wagt einen Vorstoß. Die sonst so hochsensible Mona wird davon vollkommen überrascht. Lisa berichtet ihr in einer ihrer täglichen Begegnungen, dass sie schon lange von einem eigenen Laden träumt und den Schritt nun endlich gewagt hat. Anschließend bittet sie Mona konkret um ihre Hilfe und Unterstützung bei der Umsetzung einiger wichtiger Schritte, die in den ersten Wochen der Selbstständigkeit so anfallen. Die beiden Frauen vereinbaren einen Termin. Der erste Termin übrigens, an dem sich beide Frauen wirklich auf Augenhöhe wahrnehmen und sich bewusst mit der jeweilig anderen auseinandersetzen.

Die „Statistenrolle“ wird aufgelöst …

Sie ahnen bereits, wie die Geschichte weitergeht? Die Funken zwischen den beiden Frauen fliegen hin und her, die Atmosphäre im Raum knistert vor spannender Betriebsamkeit. Innerhalb von wenigen Stunden entsteht etwas ganz Neues. Nicht nur geschäftlich, sondern auch zwischenmenschlich. Der zweite Blick auf die scheinbar so andere Lisa, hat Mona offenbart, dass hinter der hübschen Fassade der anderen, viel mehr steckt, als nur eine nette Optik. Trotz oder gerade aufgrund ihrer Hochsensibilität hatte Mona diese Nähe vorher gar nicht zugelassen. Für sie war Lisa nur ein „Statist“. Erst durch den beherzten Schritt von Lisa, die wie später im Gespräch der beiden herauskam, lange überlegt hatte, den Vorstoß überhaupt zu wagen, kam der Stein ins Rollen.

Beim näheren Betrachten haben wir wahrscheinlich in unserem täglichen Leben zigg Lisas, die unseren Weg an irgendeiner Stelle kreuzen. Ein zweiter Blick auf diese Menschen kann unser hochsensibles Leben bereichern. Das gelingt allerdings nur, wenn wir einen Schubs erhalten oder beherzt selbst einen Vorstoß wagen. Wie sie aus eigener Erfahrung sicher wissen, manchmal gar nicht so leicht …

Sandra Tissot, Autorin von „Hochsensibilität und die berufliche Selbstständigkeit“

5 Dinge die Sie über Panikattacken wissen sollten

Panikattacken sind grässlich, vergällen einem die Lebensfreude und können dafür sorgen, dass die einfachsten Erledigungen sich zu unüberwindbaren Hürden auswachsen, oder?  Eine Rezension, die ich im Januar geschrieben habe, hat mir einen lang zurückliegenden Teil meines Lebens wieder ins Bewusstsein gerufen.

Ich bin nämlich selbst eine ehemalige Angstpatientin, die damals (in den 90er Jahren) noch überhaupt keine Ahnung von Hochsensibilität hatte und habe ein paar Jahre lang so unter Panikattacken gelitten, dass es schwierig war, meine Wohnung überhaupt zu verlassen. Darüber werde ich zu einem späteren Zeitpunkt sicher noch mehr erzählen. Fürs erste möchte ich Ihnen ein paar Dinge mitgeben, die möglicherweise für Sie nützlich sind im Umgang mit der Angst und Panik.

1. Ihre hochsensible Wahrnehmung kann Panikattacken fördern

Nicht nur, dass unsere Fähigkeiten, Vorgänge besser zu durchdenken und Konsequenzen im Voraus zu erkennen möglicherweise eine gewisse Ängstlichkeit fördern kann – unsere hochsensible Wahrnehmung kann dies ganz bestimmt. Da wir meistens schneller in Stress geraten als möglicherweise weniger empfindliche Menschen, produziert unser Körper Stresssymptome: Herzklopfen, Verspannung, schnelles und oberflächliches Atmen. Ich kenne besonders gut Schwindel, der sehr entstehen kann, wenn man aufhört zu atmen. Unter Stress passiert das schnell. Darüber hinaus sorgt natürlich ein stetig ansteigendes Stresslevel dafür, dass Sie immer empfindlicher und empfindlicher werden. Und während es sein kann, dass man die eigentliche Ursache der aufkommenden körperlichen Symptome nicht erkennt, nehmen viele hochsensible Menschen aber sehr genau wahr, was in ihrem Körper passiert. Diese Symptome scheinen ohne einen Zusammenhang aufzutreten, häufig erfährt man dabei auch ein Gefühl des Ausgeliefertseins. Es wäre daher sicherlich sehr sinnvoll, sich mit seinen Stressoren zu beschäftigen, um sich weniger ausgeliefert zu fühlen.

2. Ängste sind ansteckend

Forscher der Universität Harvard haben zur Übertragung von Angst geforscht und sind auf interessante Ergebnisse gestoßen. So soll es genügen, dass wir einen verängstigten Menschen sehen, um selbst Furcht zu empfinden. Oder, dass wir den Angstschweiß einer anderen Person riechen. Bedenken Sie in diesem Zusammenhang auch bitte, dass Sie als hochsensibler Mensch vielleicht sogar in der Lage sind, die Furcht anderer zu spüren und sie wie eine eigene Furcht wahrzunehmen. Wenn wir in einem Elternhaus aufgewachsen sind, in dem Angst und Furcht an der Tagesordnung waren, haben wir diese vermutlich wie einen Schwamm aufgesogen und uns zu eigen gemacht – obwohl dies gar nicht unserem Naturell entspricht. Eine Frage also, mit der sich zu beschäftigen wirklich lohnt. Übrigens: es wird untersucht, ob Angststörungen und Depressionen auch als Folge einer Infektionskrankheit auftreten können ..

3.Die Angst ist Ihre Freundin

Die Angst als Freundin? Wie kann das sein, wo man sich doch nichts sehnlicher wünscht, als dass alles wie vorher sein möge, bevor die Angst auftauchte? Zumal die Angst (und irgendwann auch die Angst vor der Angst) das eigene Leben auf eine Art und Weise verändert, die man vorher gar nicht für möglich gehalten hat. Nichts ist dann mehr so, wie es vorher war. Am wenigsten man selbst. Andere Menschen werden in diese Art von Krise mit hineingezogen, ob sie nun wollen oder nicht und müssen einen eigenen Umgang damit finden … wie kann also die Angst eine Freundin sein (oder ein Freund)?

Die Angst ist deswegen Ihre Freundin, weil sie Sie ganz unmissverständlich auf etwas aufmerksam macht, einen Missstand, der nicht mehr für Sie funktioniert, das können Situationen jedweder Art sein, am Arbeitsplatz, in der Beziehung, in der Familie, Glaubenssätze, Verhaltensmuster etc. Sicher ist jedenfalls, es gibt etwas, was nicht stimmt für Sie. Und das bereitet Ihnen Stress. Nehmen Sie Ihr Leben unter die Lupe und finden Sie heraus, was

4. Ängste können verschwinden

Auch das mag unwahrscheinlich klingen, vor allen Dingen, wenn Sie schon sehr lange mit Angst- und Panikattacken leben. Mich selbst haben Panikattacken mehrere Jahre lang begleitet. Anfangs bin ich sogar deswegen aus dem Ausland nach Deutschland zurückgekehrt, weil der Großstadtmoloch Paris meine Ängste noch verstärkte – und eine Zeitlang war ich danach in Deutschland überhaupt nicht arbeitsfähig, die Schwierigkeit lag dabei gar nicht in der Arbeit selbst, sondern in dem Weg zur Arbeit. Denn für mich war „unterwegs sein“ schwierig (eine Zeitlang sogar unmöglich), vor allen Dingen in öffentlichen Verkehrsmitteln.

Heute habe ich keine Panikattacken mehr. Gar keine. Das bedeutet aber nicht, dass ich mich nicht mehr fürchte. Oder dass ich heute wirklich gerne öffentliche Verkehrsmittel benutze. Es ist auch nicht so, als seien die Ängste auf einen Schlag verschwunden, das sind sie nicht. Irgendwann waren sie einfach fort. Ich schreibe dies der Tatsache zu, dass ich heute genau weiß, was mich stresst und mich meinen Stresssymptomen nicht mehr einfach ausgeliefert fühle. Ich halte auch nicht mehr einfach alles aus, so wie früher. Mit Missständen beschäftige ich mich umgehend und versuche, diese zu verändern oder zu beheben.

5. Was Sie bei Panikattacken tun können – die Notfallpunkte

Nicht zuletzt hat mir die Klopfakupressur ganz wahnsinnig dabei geholfen, insgesamt ruhiger zu werden, mein Grundstresslevel zu senken, herauszufinden, was mich total stresst und einiges davon aufzulösen – so ganz wird man ja sicher nie fertig ;-). Die Klopfakupressur ist super dazu geeignet, Angst- und Panikattacken wieder runterzufahren: Einfach nur, indem Sie die Notfallpunkte klopfen. Ich habe hierzu wieder einen kleinen Clip erstellt, in dem ich Ihnen zeige, wie es geht. Viel Erfolg beim Ausprobieren.

Monika Richrath, Autorin von „EFT-Klopftechnik für Hochsensible“