3 Gründe für Hochsensible, dem Perfektionismus Adieu zu sagen

(Von Uma Ulrike Reichelt)

Hochsensiblen Menschen wird ja oft nachgesagt, sie seien perfektionistisch. Oft ist uns das aber gar nicht bewusst, weil wir hohe Qualität als Normalität und Standard ansehen. Weniger als 100 Prozent zu liefern tut weh, selbst wenn es auf die eigenen Energiekosten geht. Perfektionismus hat aber neben der hohen Ansprüche an uns selbst und andere noch andere Facetten, von denen ich gerne 3 beleuchten möchte.

1. Grund: Selbstüberforderung – Perfektionismus als Antreiber: „Ich muss perfekt sein!“

Hier spielt unser Selbstwert eine große Rolle. Was glaube ich alles tun zu müssen, um geliebt und angenommen zu werden? Antreiber haben Suchtcharakter, da sie ganz wichtige Grundbedürfnisse wie zum Beispiel Sicherheit, Geborgenheit und Zugehörigkeit sicherstellen sollen, von denen wir glauben, sie nicht anders erfüllt zu bekommen. Antreiber ersetzen unseren innewohnenden gesunden Antrieb, unsere natürliche Motivation und Begeisterung. Antrieb kommt aus unserem inneren Feuer, während Antreiber uns im Nacken sitzen. Permanente Selbstüberforderung ist eine große Stressfalle, wenn sie unbewusst bleibt.

Tipp: Nimm dir 5 Minuten und frage dich mindestens 3-mal am Tag, ob deine momentanen Handlungen aus deinem Antreiber kommen – also dir im Nacken sitzen – oder aus deinem inneren Interesse, deiner Motivation. Wenn du das klar spüren kannst, dann hast du auch die Wahl gegebenenfalls einzulenken und auszusteigen aus der Stressschleife.

2. Grund: Erschöpfung – Perfektionismus als Energiefresser „Es ist nicht gut genug!“

Das Nervensystem und der Energiehaushalt von uns Hochsensiblen sind sensible und zentrale Größen, wenn es um unsere Lebensqualität und Gesundheit geht. Wenn wir im Zustand von Perfektionismus und Leistungsdruck sind – „Ich muss alles richtig machen, es muss perfekt sein, es reicht so nicht!“- dann befindet sich auch unser Nervensystem nicht gerade in der Hängematte im Entspannungsmodus. Im Gegenteil. Es fährt hoch und ist im Stressmodus. Das kann das Gefühl von „glühenden Nerven“ erzeugen, verbraucht viel Energie und lässt uns zudem nicht mehr spüren, wann unsere Grenzen erreicht sind. Hängt dauerhaft die Latte zu hoch für uns und was wir leisten – und glauben leisten zu müssen – werden eine körperliche und geistige Erschöpfung sehr wahrscheinlich.

Tipp: Frage dich 3-mal täglich: Wie hoch ist der Preis für das, was ich gerade tue? Und spüre: Wo wäre meine gesunde Grenze im Moment? Wie viel Spielraum habe ich noch?

 

3. Grund: Selbstsabotage – Perfektionismus als Bremse „Ich schaffe das nicht!“

Vielleicht kennst du das ja: Du hast eine tolle, vielleicht sogar richtig große Idee, aber setzt sie nicht um. Du möchtest etwas Neues tun, hörst aber schnell wieder damit auf und es wird nie fertig. Im Allgemeinen nennt man das Aufschieberitis. Aber Aufschieben an sich gibt es nicht. Es gibt eine Bremse, die Stressreaktion heißt und uns in den Flucht- oder Erstarrungsmodus fallen lässt. Wenn die Anforderungen an das, was wir machen möchten sehr hoch sind und dann alles übergroß erscheint, setzen wir damit eine Stressreaktion in uns in Gange, z.B. „Ich schaffe das nicht!“. Diese lässt uns ins Vermeiden gehen und wir ordnen dann lieber die Stifte auf unserem Schreibtisch nach Farben oder räumen den Besenschrank auf, als das zu tun, was ansteht.

Tipp: Besser klein starten als perfektionistisch scheitern. Selbst kleinste unprofessionelle Schritte bringen dich immer wieder weiter, selbst bei einem großen Ziel. Wenn du merkst, dass du steckenbleibst und vermeidest, dann überprüfe die Größe dessen, was du dir vorgenommen hast und zerlege es immer wieder in die Häppchen, mit denen du zurechtkommst und mit denen du weiter machen kannst. Und: Lobe und belohne dich für jedes auch noch so kleine Zwischenergebnis. Davon bekommst du noch mehr Antrieb und Kraft, weil du siehst, was du alles schaffen kannst!

In diesem Sinne alles Liebe von

Uma

Noch mehr zum Thema Antreiber und welche Stressarten es gibt findest du in „Schnell & sicher ins Burnout – 5 Glücksgesetze, die Sie missachten müssen, um schnell alt, krank und unglücklich zu werden“

Uma Ulrike Reichelt, www.uma-u-reichelt.com, Autorin von „Schnell & sicher ins Burnout“

3 Kommentare

  1. Perfektionismus hat aber auch super tolle Seiten, die leider oft unterschlagen werden:
    1. Gerade als HSP erfreue ich mich von Herzen an allem Perfekten (wenn der Service und die Atmosphäre in einem Restaurant o.ä. stimmt; wenn jemand farblich super schön angezogen ist; wenn ich 100 % zufrieden mit dem Ergebnis meiner Arbeit bin; …)
    2. Unser Leben wäre echt hart und anstrengend, wenn nicht das Überwiegende perfekt laufen würde, weil Menschen im Hintergrund perfekt arbeiten (Strom- und Wasserversorgung; Internet; Haushaltsgeräte; Bäcker; LKW, die die Lebensmittel liefern; Heizung; …)
    3. Perfektes erleichtert das Leben total (super ausgeschilderte Wanderwege; optimierte Abläufe; alles, was funktioniert;…

    Es hat bei mir lange gedauert, bis ich verstanden habe, dass ich perfekt sein darf und dass es hilfreich ist, wenn ich perfekt bin.
    Ich brauche diese Botschaften, die ich als HSP so oft höre: „Sei doch bitte nicht so, wie Du bist“, „Sei doch bitte anders!“ nicht mehr.
    Perfektionismus ist toll und dazu habe ich auch mal einen Blogartikel geschrieben. Alles, was ich perfekt mache, stärkt mein Selbstwertgefühl enorm. warum sollte ich diese Gelegenheit auslassen?

    1. Liebe Christiane Kilian, dem ist nichts hinzuzufügen. Danke für diese KLAREN Worte.
      Ein „Coach“ hat halt nicht viel zu tun (verdient nix), wenn er die Menschen lässt wie sie sind. Deshalb fordern sie ständig vom Klienten „an sich zu arbeiten“. Dass es da hauptsächlich um
      ihre eigenen Interessen geht, Geld verdienen, ist absolut offensichtlich.
      Ich hoffe dieser Berufszweig löst sich bald in Luft auf.

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